Nichts ist unmööööglich … auf Schalke!
Stichwörter: Medien, Schalke 04
Nach Untergangsängsten bei Abstiegen und nach grenzenloser Unglücklichkeit bei knapp verpassten Zielen wurde den Schalkern in den letzten Wochen das Fremdschämen gelehrt. Ich persönlich bin drüber hinweg, habe die höchste Stufe erreicht, Clemens Tönnies kann mich nicht mehr schocken. Was tiefer sitzt, was bleibt, ist die Gewissheit, dass immer alles wahr sein könnte.
Schalke 04 wird seit jeher von den Boulevardmedien stark beachtet. Dass deren Mix aus Gerüchten, Vermutungen und unbestätigten Meldungen mit Vorsicht zu begegnen ist, sollte jedem klar sein, für den eine vernünftige Zeitung mehr als 12 Seiten haben muss. Und plötzlich tritt Clemens Tönnies in Erscheinung. Plötzlich wird aus etwas, das ich kurz zuvor als kuriose Idee der Bildzeitung eingeschätzt haben, ein Manager-Findungs-Happening mit Streuselkuchen, gestoppter Pinkeldauer und Online-Voyeurismus in Echtzeit.
Dann steht er da und ist mit dem Einen d’accord, hält den Zweiten für 100ig passend und erklärt ohne Not, dass er sich beim Dritten trotzdem schon zwei Absagen eingefangen hat. Er scheint immer alles zu bestätigen, scheint immer alles kommentieren zu wollen. Nicht scheint mehr zu abwegig, zu abstrus zu sein, als dass es nicht doch 2 Stunden später von Clemens Tönnies durch einen Bemerkung „geadelt“ werden könnte.
Es ist eine harte Zeit für jemanden, der nicht auf jede Meldung sofort anspringen mag, der Meldung grundsätzlich erstmal nicht glaubt, wenn sie in allzu bunten Medien als allzu sensationell verkauft werden.
Seit der Tönnies-Kahn-Show in Rheda habe ich meinen alten Herrn nicht mehr besucht, weil ich weiß, dass einer seiner ersten Sätze lauten wird: „Siehste, wenn die Bild so was schreibt, dann ist da auch was dran!“. Diese Niederlage nehme ich Herrn Tönnies auf Jahre übel.
Kommentare
12 Kommentare zu “Nichts ist unmööööglich … auf Schalke!”
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ich tippe mal, dass die wilden spekulationen nun endlich ihr ende finden werden, weil nunmehr HARTMUT MEHDORN als heißester kandidat gelten darf!
Einerseits finde ich Tönnies Gehabe, dass er öffentlich damit prahlt, von wem er sich schon einen Korb hat geben lassen, schon ziemlich daneben. Und wahrscheinlich auch kontraproduktiv, weil außer Lothar M. und Olaf T. kaum noch jemand jetzt auf Schalke zusagen mag. Andererseits würde sowieso bei Schalke alles schnell rausrutschen. Die Maulwurfpopulation in der Nähe der Arena ist in den letzten Jahren eh sehr lebendig gewesen…
Von daher kann man auch gleich alles öffentlich machen…
Alles nur Tarnung und Täuschung. Soll nur davon ablenken, dass die geheimen Verhandlungen mit Arsene Wenger kurz vor dem Abschluss stehen.
Was passiert eigentlich, wenn Jens Lehmann bei Stuttgart nicht verlängert *hüstel*? Wäre doch ein idealer Kahn-Nachfolger, das die Bild darauf noch nicht angesprungen ist. Oder habe ich das nur übersehen?
Die Verpflichtung eines Loddar Matthäus hätte einen gewaltigen Vorteil: jeder wüsste, wer der BLÖD die ganzen Infos usw verrät. Auf die Art könnte man glatt den alten Maulwurf kicken.
Es kann nur einen geben! Lothar Matthäus – Chaos meets Chaos und vielleicht macht er ja Spielertrainer ;-)
PS: Der Mehdorn-Vorschlag ist sensationell
“Diese Niederlage nehme ich Herrn Tönnies auf Jahre übel.”
Das kann ich voll und ganz verstehen. Deinen alten Herrn” würde ich trotzdem wieder mal besuchen. :-)
@Kid: Habe ich mir für SA vorgenommen. Schließlich hat Papa auch einen Premiere-Decoder ;-)
Mehdorn vielleicht nicht, aber Wenger oder ein Lothar Matthäus könnten heute nochmal ins Gespräch kommen. Ist schließlich der 1., heute.
Tönnies hat das immer gleiche Problem von jenen Fußballfunktionären, die ihren Erfolg außerhalb des Fußballs aus eigener Kraft erarbeitet haben. Ich glaube, jene Eigenschaften, die sie für ihre Karriere benötigt haben, vergrößern in solchen Momenten wie jetzt in Schalke die Krise nur. Sie sind es gewöhnt, alleine an den Strippen zu ziehen, hier und dort, eines wird schon klappen und das andere ist dann schnell vergessen. So erlebe ich ihr Vorgehen.
@Kees: Ja, diese Sichtweise hat was. Was den „Ich regel das alleine“-Reflex in der Krise angeht, mag der Vergleich von Tönnies zu Hellmich und Roth, den Du in Deinem Beitrag anstellst, stimmen. Allerdings hat er Manager Müller in der Vergangenheit doch ziemlich in Ruhe gelassen und trat erst in Erscheinung, als die Stimmung entgültig gegen Müller kippte und er verstärkt von den Medien zu Stellungnahmen aufgefordert wurde.
Auch meine ich erkennen zu können (wenn sich in diesem Tohuwabohu überhaupt etwas erkennen lässt), dass er willens ist, einen betont starken Mann auf dem vakanten Manager- und Vorstandsposten zu installieren. Das Bild des Alleinherrschers, welches manch einem zu Hellmich oder Roth einfällt, passt m. E. nicht zu Tönnies, auch wenn es in Zukunft vielfach gezeichnet werden wird.
Da bist du näher dran, und ich lass mich da gerne korrigieren, was das Tagesgeschäft angeht. Um so besser für Schalke. Ich hatte ohnehin vor allem Tönnies jetziges Handeln im Sinn. Denn ich finde es beachtenswert, dass nach der Entlassung von Müller es anscheinend niemanden bei Schalke gibt, der sich sowohl im System Profi-Fußball sicher bewegt als auch die Fähigkeit zur öffentlich kommunizierbaren Problemlösung besitzt. Sichtbar wird dann ein Handeln, mit dem sich die vorhandenen Entscheidungsträger “heimisch” fühlen.
Ungeachtet der Einkaufspolitik Müllers war er anscheinend der einzige, der die Gesetzmäßigkeiten dieses Systems Profi-Fußball auf der Verwaltungsebene verkörperte. Da blicke ich quasi-soziologisch gen Ruhrpott-Mitte, weil es die unemotionale Distanz ermöglicht. Das finde ich deshalb so interessant, weil ich darin einen Beleg sehe, wie schwierig es ist, dauerhafte, personenunabhängige Strukturen in einem Fußballverein aufzubauen.
Gestern haben Delling und Netzer davon erzählt, dass ja nun Paul Breitner auf Schalke anfangen würde. Das war der einzige Aprilscherz gestern, auf den ich reingefallen bin. Tönnnies hätte ich so etwas zugetraut…