Artikel im März 2009

Was für ein scheiß Sonntag

Gut, wie der heutige so wird, weiß ich ja noch nicht. Mit dem Titel ist eher der „bisherige Schalker Spiel-Sonntag an sich“ gemeint. Denn in dieser Saison hat Schalke an Sonntagen noch nicht gewinnen können.

Es war der schöne Egon, der ähnlich krumm zu denken scheint wie ich, und dem eben genau das aufgefallen ist. Und weil er nach dem letzten Schalker Sieg an einem Sonntag fragte, und weil ich doch erst kürzlich für den Paraskavedekatriaphobie-Beitrag entsprechende Daten zusammengeklaubt hatte, habe ich mir nochmal kurz die Sonntage angeschaut.

Der letzte Sieg an einem Sonntag war ein 2:1 in Berlin, am 25. Spieltag der letzten Saison. Das war am 23.03.2008. Morgen vor einem Jahr!

Überhaupt lief es in der letzten Saison an Sonntagen sehr gut für Schalke 04. Schalke gewann gegen Stuttgart (4:1), in Dortmund (3:2) und eben in Berlin, bei nur einem Unentschieden in Wolfsburg (1:1). Zehn Punkte aus 4 Spielen, da kann man nicht meckern.
Noch besser lief es in der Saison 04/05, in der Schalke 9 Sonntagsspiele absolvieren musste, was bis heute die Rekordmarke darstellt. 8 Siege schlugen damals zu Buche, bei nur einer Niederlage in Mainz; der vor dem letzten Pokalspiel viel beschriebenen.

Geplant gibt es Sonntagsspiele in der Bundesliga erst seit Mitte der 90er-Jahre. Wenn man alle Bundesligaspiele des FC Schalke 04 seit der Saison 94/95 betrachtet, liegt der Punkteschnitt bei 1,574. Im gleichen Zeitraum liegt der Sonntags-Punktedurchschnitt bei 1,564. Nicht der Rede wert.

In der aktuellen Saison steht Schalke allerdings mit 3 Unentschieden (2:2 gegen Wolfsburg, jeweils 1:1 in Hamburg und Hoffenheim) und 2 Niederlagen (1:2 gegen München und 0:2 in Stuttgart) in 5 Sonntagsspielen wirklich äußerst schlecht da. Nicht, dass ich nicht schon genug Bedenken ob des heutigen Spiels gehabt hätte. Gerne hätte ich mir, uns, was positives zusammengerechnet. Aber was positives, das fällt mir derzeit einfach nicht ein.

Oliver Kahn

Na, das war doch mal ’ne Nachricht!

Kaum war im Radio der Name Oliver Kahn in einem Satz mit Schalke 04 zu vernehmen, explodierten sämtlichen Nachrichtenkanäle und Fan-Foren. Emotional war’s, und lustig. Witze wurden gerissen, über den, der früher mit Bananen empfangen wurde („Nahrungsergänzung, auf dass er lange lebe, der Olli!“) oder über den Schalke-Boss, dem man vieles nachsagt, nur kein Fachwissen („Ja, Herr Kahn, dann stellen Sie sich doch mal vor!“). Gestritten wurde, zwischen denen, die sich über einen „Titan“ in der Schalker Führung freuen würden und denjenigen, die in ihm den Boulevard-Bayern, den stets geschützten Irren sehen, mit zig Tätlichkeiten und ohne Rote Karte.

Oliver Kahn hat keine Erfahrung in diesem Job. Dies ist zum einen ein Argument gegen ihn, zum anderen lässt es uns mit dem Dilemma zurück, ihn für diesen Job überhaupt nicht einschätzen zu können. Es bleibt lediglich, sein öffentliches Auftreten, seine Interviews und sein Verhalten als Sportler zu bewerten, und sich diese Erkenntnisse zu Ausgangspunkten zu einer Managerkarriere zurechtzubiegen.

Oliver Kahns Ehrgeiz ist sicher über jeden Zweifel erhaben, ebenso sein Selbstvertrauen. Er ist eine Persönlichkeit und verfügt über eine gewisse Basta-Metalität. Führungsstärke kann man sich bei ihm gut vorstellen, und vor Reporterfragen erschrecken wird er sicher auch nicht. Er wäre der Kopf, an dem sich die Medien abreagieren könnten. Die Bildzeitung hat ihn zum Titan gemacht und will ihn nun wieder in der Liga sehen. Letztendlich hat Oliver Kahn diese „besondere Behandlung“ auch immer zu seinem Vorteil nutzen können.

Oliver Kahn als Fußballer war allerdings auch nie einer, den man mit den Attributen „modern“ oder „fortschrittlich“ versehen hätte. Neben einem starken Charakter und Medienkompatibilität wären es Begriffe wie „Vordenker“, „Kreativ“ oder „Innovativ“ die ich anführen würde, wenn ich nach einem Sportlichen Leiter suche, der konzeptionell arbeiten und Schalke 04 „nach vorne entwickeln“ soll. So gedacht fiele mir Oliver Kahn sobald nicht ein.

Mag sein, dass ich da mit Vorurteilen behaftet bin, dass ich ein falsches Bild von Kahn habe. Mag sein, dass er der richtige Mann für einen solchen Job ist. Oder eben nicht. Wir werden es erfahren, ob auf Schalke oder woanders. Unfreiwillig arbeitslos wird Kahn nicht bleiben.
Jedenfalls zitiert die Bildzeitung Aufsichtsratschef Tönnies mit dem Satz, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kahn-Engagements auf Schalke hoch sei – Während Reinhard Schüssler, der offenbar einen geeigneten Maulwurf im Schalker Aufsichtsrat aufgetan hat und schon vor Müllers Entlassung unangenehm auffiel, über einen nahezu chancenlosen Oliver Kahn berichtet.

Nichts genaues weiß man nicht. Oder vielleicht doch: Bild-Kahn-auf-Schalke-Ticker-Leser wissen immerhin, dass Oliver Kahn schneller pinkeln kann als Clemens Tönnies! Ein Gespräch nach nur 1:30 Min fortsetzen zu können ist zweifelsohne titanisch-weltklassig. Für nachfolgende Gesprächspartner ist dies eigentlich nur durch Unterlassen des Händewaschens zu unterbieten. Wir werden das verfolgen. Peinlich genau.

Mirko Slomka und Jörg Berger lassen hören

Nein, nicht so wie Huub Stevens, Andreas Möller und weitere 68 Ungefragte. Mirko Slomka und Jörg Berger waren beide in den letzten Tagen Gäste in Radiosendungen. Jörg Berger, weil er ein Buch geschrieben hat, und Mirko Slomka nur mal so …

Mirko Slomka ist seit fast einem Jahr arbeitsloser Fußballtrainer. Mit diesem Schicksal steht er nicht allein da, aber er ist sympathisch und eloquent. Wohl deshalb ist es eben er, der die Möglichkeit bekommt, sich ohne besonderen Anlass in der nicht sportspezifischen SWR1-Radiosendung „Leute“ darzustellen.
Also erzählt er. Über seine Zukunftswünsche. Über seine Begeisterung für seinen Job. Über seine Beziehungen zu Gerald Asamoah, Andreas Müller oder Ralf Rangnick. Über den Tag seiner Entlassung auf Schalke. Aber auch über Dinge die nichts mit Fußball zu tun haben, Mathematik natürlich, oder Familienleben.

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(29:19 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed

Jörg Berger war in seiner Karriere auch immer wieder mal ohne Job, hat aber noch wesentlich schlimmere Dinge erlebt. Seit 2002 kämpft er gegen den Krebs und zuvor kämpfte er darum, aus der DDR in den Westen zu kommen, im Westen Anerkennung zu finden und sich dem Zugriff der Stasi zu entziehen. Darüber erzählt er in seinem Buch, und über das Buch erzählte er in der Radiosendung „Mensch, Otto!“ des Bayerischen Rundfunks.

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(36:41 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed

In beiden Sendungen soll verkauft werden. In der einen das Image eines modernen und intelligenten Trainers, in der anderen ein Buch. Müsste ich mich für eine Sendung entscheiden, ich würde den Buchverkauf empfehlen.

In Bergers Aussagen kommt einiges rüber. Man merkt deutlich wie wichtig es ihn war, die Dinge, die ihm widerfahren sind, darzustellen. Sicher könnte er auch abendfüllend davon erzählen. Was er sagt ist einfach interessant.
Was Mirko Slomka zu erzählen hat ist wesentlich absehbarer. Und es gibt keinen echten Aufhänger für diese Sendung. Trotzdem finde ich Mirko Slomka nach wie vor sympathisch, und eine halbe Stunde, in der man nichts Wichtiges vor hat, ist mit diesem „netten Gespräch“ sicherlich besser verbracht, als mit der alltäglichen Einheitsmusik deutscher Radiosender, die schon gestern das Gleiche spielten wie morgen.

Trinken wir auf den Unterschied

Aber auf welchen genau?

Zwei dem MSV Duisburg zugetane Blogs bemühen sich gerade zu eruieren, wieso es der MSV so schwer hat, sein Stadion voll zu bekommen. Dem VfL Bochum geht es mit seiner Anhängerschaft kaum besser, während Borussia Dortmund und Schalke 04 als Gegenbeispiele dienen. Wieso aber unterscheidet unsereins zwischen Derby und kleinem Derby? Wieso haben MSV und VfL Probleme, die Fans in der eigenen Stadt zu mobilisieren, während sich an Spieltagen Züge aus Düsseldorf und Münster Richtung Gelsenkirchen von Bahnhof zu Bahnhof mit immer mehr Königsblauen füllen?

An den Städten an sich kann es kaum liegen. Gelsenkirchen ist kleiner als Bochum, das wiederum kleiner als Duisburg ist. Dass man in der einen Stadt kritischer oder die Leute anders wären als in der anderen, halte ich auch für absurd. Nein, in Derbys findet man die auf der anderen Seite deswegen so besonders scheiße, weil sie einem so verdammt ähnlich sind.

Mein persönlicher Ansatz wäre der der Tradition. Genauer: Der Erfolgstradition. Mag schwülstig und pathetisch klingen. Dennoch.

In Meiderich wird schon lange Fußball gespielt und in Bochum schon seit 1848 geturnt. Gegen Schalke, Borussia und auch Rot-Weiss Essen, dem ich ebenfalls bei (relativem) Erfolg ein riesiges Fanpotenzial zuschreibe, wiegt das nichts. Borussia und RWE waren vor allem ab den 50ern und bis zur Gründung der Bundesliga deutsche Spitzenclubs. Schalke 04 wurde 1958 zum siebten Mal Deutscher Meister und hievte einst den Fußball mit seinem Kreisel auf ein neues Niveau.

Das mag alles ewig her sein, entscheidend scheint mir aber, dass die großen Zeiten dieser Clubs in die starken Jahre des Ruhrgebiets fielen. In die Jahre, in denen das Ruhrgebiet mit Kohle und Stahl den Aufschwung befeuerte, mit Wirtschaftskraft und Stärke verbunden wurde. In denen entstand, was noch heute die Klischees bedient, womit manch einer nach wie vor gerne die Seinen beschreibt und was Andere vergeblich abzustreifen versuchen. Die Identität des Ruhrgebiets, zur der Schalke 04 und Borussia Dortmund gehören, vielmehr als andere Clubs.

Damals entstand so was wie die „Marken“ Schalke 04 und Borussia Dortmund, ein Bild, ein Gefühl wie ein „Traditionsverein“ zu sein hat. Und so was wäscht sich nicht aus, solange es regelmäßig durch emotionale Ereignisse befeuert wird. In günstigsten Fällen handelt es sich dabei um UEFA- oder DFB-Pokalsiege. Aber selbst knapp verpasste Erfolge, Skandale oder eben noch entronnenen Abstiege schüren große Emotionen. Und die Emotionen rissen nie ab, bis heute nicht, wo es auf Schalke kaum eine Nachricht wert ist, dass der Kapitän sein Amt niederlegt, weil das nun wirklich das kleinste Problem im großen Tohuwabohu dieses Clubs ist.

Nur mein Ansatz, wie gesagt, und sicherlich nicht alleine entscheidend. Bar jeder Häme und, aus Sicht eines Schalke-Fans froh darum, dass es so ist wie es ist, kann vielleicht von dieser Seite aus ein wenig zur Lösungsfindung beigetragen werden. Es mag andere, bessere, überzeugendere Ansätze geben. Über deren Darstellung in den Kommentaren würde ich mich freuen.



 
Hier die Links zu den angesprochenen MSV-Blogs:
Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus: Der MSV und sein Publikum
Ein Zebra in der Achterbahn: Was ist an Duisburg eigentlich anders

T-Shirt: „Cut Four Schalke 04“

Paraskavedekatriaphobie

Mit dem Auswärtsspiel des FC Schalke 04 in Wolfsburg fand zum 50. Mal in der Geschichte der Bundesliga ein Spiel an einem Freitag, den 13. statt. Schalke 04 ist an diesen Unglückstagen dramatisch erfolglos. Von allen Vereinen, die mehr als einmal an solchen Tagen spielen mussten, hat nur die unglückliche Fortuna aus Düsseldorf einen noch schlechteren Punkteschnitt.

Schalke absolvierte fünf „Freitag der 13.-Spiele“ und holte gerade mal 4 Punkte. Beim einzigen Heimspiel im Oktober ’95 gegen Kaiserslautern gab es ein 1:1, und im März ’98 gewannen die Knappen mit 4:1 bei Hertha BSC. Dreimal wurde hingegen verloren: In Saabrücken mit 2:3 im September ’85, in Kaiserslautern mit 0:3 im November ’92, und eben letzten Freitag in Wolfsburg.

Von den 53 Vereinen, die seit 1963 in der Bundesliga antraten, spielten 30 überhaupt-, und nur 19 mehr als einmal an einem auf einen 13. fallenden Freitag. Werder Bremen erwischte es achtmal, Rekord. Dabei sammelten die nordischen Protestanten 12 Punkte, womit sie ebenfalls ganz vorne stehen, wozu die Roten Teufel aus Kaiserslautern allerdings nur 6 Spiele brauchten. Auf den Plätzen folgen die Gottlosen aus Dortmund und Bochum.

Insgesamt betrachtet fallen die 50 Spiele an diesen Unglückstagen noch insofern aus dem Rahmen, als dass die Heimmannschaften lediglich 40% der Spiele gewinnen konnten. Wenn man alle seit Bundesligastart gespielten Begegnungen betrachtet, liegt der Heimsieg-Schnitt bei 52%. An den besagten Freitagen fallen die fehlenden 12% komplett den Gegnern zu: Die Unentschieden-Quote liegt an diesen Tagen wie auch insgesamt bei (sehr genau) 26%.

Der FC Bayern München brauchte übrigens in seinen 44 Jahren Bundesligazugehörigkeit noch nie an einem solchen Unglückstag antreten.



[Paraskavedekatriaphobie ist der Fachbegriff für die Angst vor einem Freitag, den 13.. Wikipedia weiß einiges über den „Unglückstag“ zu erzählen – Datenquelle: fussballdaten.de]

Glück für Schalke

… schließlich hätte es auch 7:3 für Wolfsburg ausgehen können. Womit die letzte positive Geschichte über Schalke 04, derer sich Journalisten gerne bedienen, auch vom Tisch gewesen wäre. Die von der angeblich besten Abwehr der Liga.

Eigentlich gibt es zwei „Fairy Tales ’bout Schalke 04“ in der Saison 2008/2009. In der einen wird über Schalke erzählt, dass es bei Standardsituationen stark sei. Wahr ist, dass nicht Schalke, sondern Christian Pander bei Standardsituationen stark ist. Und in der anderen wird eben erzählt, dass Schalke die beste Verteidigung hätte.
Zählt man plump die Gegentore, mag man zu diesem Ergebnis kommen. Schaut man hin, nicht. Was Schalke an Großchancen zulässt ist beängstigend. Es liegt zu einem Großteil an Manuel Neuer, der in dieser Saison in der Liga seinesgleichen sucht, dass Schalke bislang nicht mehr Gegentore kassiert hat.

Gestern war Neuer nicht dabei, aber an Matthias Schober war die schwache Leistung beileibe nicht festzumachen. Schober, Rafinha uns Sanchez waren ihren Wolfsburger Counterparts überlegen, Jones war ebenbürtig. Der Rest der Mannschaft war es nicht. Schalke mag gekämpft haben, dennoch stellte der VfL Wolfsburg eine dramatisch überlegene Mannschaft auf den Platz.

Das ganze Ausmaß der Wolfsburger Überlegenheit kam zu Beginn der zweiten Halbzeit zutage. Schalke lag 1:2 zurück, hätte drängen, Druck machen müssen. Stattdessen machte Wolfsburg Druck. Schnell und leichtfüßig. Auch bei einer Führung noch auf das nächste Tor spielend. Von Schalke in der Regel nur durch Fouls zu stoppen.

Den Schalker Angriffen fehlte es an Dynamik, und wenn es mal flott vonstatten ging, verstolperte irgendjemand den Ball ganz sicher. Ja, drei Tore hat Schalke erzielt. Ein wunderschöner Sonntagsschuß, eins durch einen Torwartfehler und ein Treffer, bei dem Kuranyi völlig frei stand, weil der Gegner bereits ans Feiern dachte. Wer das Spiel gesehen hat wird zugeben müssen, dass Schalke außer dieser drei Situationen nichts gefährliches zustande gebracht hat.

Wolfburg Defensive mag „nur solide“ sein, für Schalke reichte es allemal. Dafür reichte Schalkes Defensive bei weitem nicht aus, Wolfsburgs Offensiv-Triangel zu kontrollieren. Misimovic, Grafite, Dzeko: In Schalkes Offensive gibt es keinen Spieler, der einem dieser drei das Wasser reichen könnte.

Traurige Realität 2009.