Ein Sieg für die Ruhe

Vielleicht. Jedenfalls war Ruhe das, was sich Mike Büskens vor dem Spiel wünschte, was er mit einem Sieg in Bielefeld erreichen wollte. Ob dem Sieg die Ruhe folgt, wird man sehen. Zunächst mal gibt es nun ein paar positive Geschichten in den Medien zu hören und zu lesen, obwohl in dem Spiel an sich gar nicht soviel anders war als zuvor.

Ein Mehr an Spielanteilen bei Problemen gute Chancen herauszuspielen sind nichts neues. Die doch noch zustande gekommenen Chancen zu vergeben, Pfostenschüsse, auch Freitag wie immer. Auch in Bielefeld hatte der Gegner kurz vor Schluss wieder eine gute Möglichkeit noch auszugleichen, als Sadik seinen Kopfball aus sechs Metern glücklicherweise über die Latte setzte.
Und doch ist man froh für jeden Hoffnungsschimmer. Also gab es zu bemerken, dass Christian Pander überhaupt wieder spielen durfte, nachdem Fred Rutten mit Blick auf die Defensive zuletzt Kobiashvili den Vorzug gab. Und man konnte sehen, dass Schalke nach der Führung zur Halbzeit mit dem Ziel, ein zweites Tor zu erzielen aus der Kabine kam.

Es fühlte sich nach einer kämpferischeren Einstellung, es fühlte sich nach „mehr Betrieb Richtung Tor“ an. Nur ein Gefühl, vielleicht. Aber in dieser Phase, zwischen enttäuschendem Saisonverlauf und neuen Zielen ist das Erzeugen von positiven Gefühlen, von einer wieder etwas optimistischeren Stimmung, sehr wichtig. Ebenso wie Ruhe.

Bliebe noch der Nebenschauplatz, der Fanblock.
Ich war nicht vor Ort, habe nur die Kameraperspektive der Dinge. Nachdem was ich mitbekommen habe gab es die Stimmung, den Pyro-Wurf, die Sprechblasen- und sonstige den Vorstand und Aufsichtsrat kritisierende Transparente, „Tönnies raus“-Rufe, seinen Besuch in der Kurve und seinen Abgang von dort, beschimpft und bespuckt.

Die Unterstützung der Mannschaft war großartig, das war auch im TV deutlich mitzubekommen. Das der Feuerwerks-Werfer von den Fans (unter „Meinungskundgebungen“) aus dem Block geworfen wurde, las ich in Foren und finde ich gut. Die Sprechblasen-Plakate fand ich kreativ und angemessen, wie Vorstand und Aufsichtsrat unseren Club darstellen ist unterirdisch und gehört kritisiert.
Das Tönnies in die Kurve ging mag man als anbiedernd oder mutig empfinden, einen Mann des eigenen Clubs zu bespucken, ob Frittenverkäufer, Spieler oder Aufsichtsratschef, finde ich in jedem Fall hochnotpeinlich! Und die ewigen Raus-Rufe zum jeweiligen Arsch der Woche kotzen mich ebenfalls an.

Ma’kucken, wie’s weitergeht. Es bleibt spannend.



[Bilder vom den Sprechblasen-Transparenten der UGE: 1, 2, 3, 4, 5, 6 … 110 Bilder aus Bielefeld, auch von Clemens Tönnies’ Ausflug in den Fan-Block, gibt es (wie immer) bei Auswärtssieg, dem (stets empfehlenswerten) Blog von Matthias Berghöfer]



11 Kommentare zu “Ein Sieg für die Ruhe”

  1. kurtspaeter sagt:

    Mir haben die Sprechblasen der UGE auch richtig gut gefallen. Wo ich sonst ja selten ein gutes Haar an denen lassen kann, aber die Aktion hatte Stil.
    Ich glaube zu Tönnies und seinem Quasi-Rausschmiss aus der Kurve kann es keine zwei Meinungen geben.

  2. mberghoefer sagt:

    …ich fand die Sprechblasen technisch gut gemacht, aber eigentlich eher billig und sinnlos – weil sie m.E. das Wesen des Management verkennen. Selbstverständlich werden über die Zeit hinweg Meinungen und Entscheidungen revidiert, die Aussagen an sich, die da exemplarisch im Block gezeigt wurden, sind deshalb überhaupt nicht angreifbar (außer man geriert sich wie Schundpresse und sucht nach allem, was man wie Dreck aussehen lassen kann). Ich fand die Aktion daher eher entlarvend (selbst solche, die sich selbst als kritisch sehen, agieren eigentlich wie ferngesteuert von BILD&Co anstatt mal ernsthaft darüber nachzudenken, was beim Verein wirklich passiert) – natürlich gäbe es genug Dinge, die man kritisieren könnte, u.a. auch bei manchen Zeitpunkten und Formen der Außendarstellung. Die in den Sprechblasen thematisierten allerdings gehören gerade nicht unbedingt dazu.
    beste Grüsse
    matthias

  3. Frank Dubberke sagt:

    Wir waren in T1 und haben alles sehr genau mitbekommen, da wir freie Sicht auf den Block
    A1 hatten. Der „Pyromane“ ist tatsächlich rausgeschmissen worden und hat sich auch noch ein paar Backpfeifen eingefangen.

    Die Aktion mit den Transparenten fand ich gut gelungen und sehr stimmig in Bezug auf die widersprüchlichen Aussagen aus dem Vorstand.

    Die Aktion von Tönnies war irgendwas zwischen Wahnsinn und Mut, wobei man sich fragen muss, was man einem Block gegenüber sagen will, ohne überhaupt stimmlich durchdringen zu können.

    Bespucken oder mit Bier überschütten ist dagegen eine Schweinerei und mit „Tönnies- oder wahlweise „Vorstand raus“- Rufen(waren noch
    keine da) heizt man nur unnötig noch weiter auf. Ist eigentlich nicht gut, dass die nächsten beiden Spiele Heimspiele sind, könnte wieder zum Flächenbrand werden.

    Ach ja, die „Nebensache“, dass wir gewonnen haben, war natürlich erfreulich und auch verdient.
    Außerdem fand ich es gut, dass Büskens sich auch mal für die Zeit nach der Saison positioniert hat.
    Ich hoffe die Jungs bekommen das gut hin bis Saisonende und dann sollte mal ernsthaft über diese Lösung gesprochen werden. Die Verpflichtungen von großen Trainernamen war schon öfter mal ein Fehlgriff.

  4. mberghoefer sagt:

    Frank: hast du dieses „mit Bier überschütten“ selbst gesehen?
    thx
    matthias

  5. kurtspaeter sagt:

    @Matthias
    Über den Inhalt der tatsächlichen Sprechblasen kann man sicherlich diskutieren. Der Sinn an sich ist in meinen Augen allerdings schon vorhanden. Und ich bin auch der Meinung, das man ein Konzept eben nicht zunächst schlüssig und dann unzureichend finden kann.
    Es ist sicherlich so, daß Du viel näher (zeitlich, räumlich)am Verein dran bist und ich mich eher über die Medien und Foren sowie ab und an Besuche im Stadion informieren muss. Wenn ich dabei weglasse, was ich bei den Printmedien oder im Internet lese, dann habe ich immer noch O-Töne aus Pressekonferenzen oder Interviews der handelnden Personen. Wenn ich mir die zu Gemüte führe, dann ist das Schlußbild der UGE („Maul halten“) der richtige Schluß (über die Wortwahl kann man dann sicherlich wieder diskutieren). Wenn ich alleine an das Tönnies-Interview vorm Spiel gegen den HSV bei Premiere denke, da wird mir ganz anders. Ich bin mir nicht sicher, ob man sich zwischen den Moderator, den Kommentator und Matthias Sammer stellen muss und ganz freimütig schildert, wie man Sammer zweimal fragte, er aber nicht wollte und man eben jetzt Kahn ganz toll findet.
    Ich finde es im Übrigen interessant, daß Du schreibst, „was beim Verein wirklich passiert“. Was passiert denn in Deinen Augen beim Verein wirklich, daß die Gedanken am Thema, eventuell, vorbeigehen?

  6. Frank Dubberke sagt:

    Matthias: Wer mehr eine Dusche, kam von weiter oben geflogen. Überschütten ist übertrieben, war ja nicht tratschnass. Haben mir auch Leute nach dem Spiel aus T1 bestätigt. Gab wohl auch unter den S04 Fans sehr unterschiedliche Meinungen, so auch bei uns im Block.

    BWG vom „netten Papa“ vom Spiel bei der Eintracht

    Frank

  7. mberghoefer sagt:

    @Frank: du glaubst doch nicht ernsthaft, ich hätte vergessen, dass wir beim Kantersieg im Waldstadion nebeneinander hockten? So alt bin ich nun doch noch nicht ;-)

    @kurstspaeter:
    Konzepte ändern sich innerhalb kürzester Zeit, wenn sie durch äußere Umstände (wie zB: Ausscheiden aus dem Europapokal oder fehlende Wahrscheinlichkeit, sich dazu erneut zu qualifizieren) nicht mehr realisierbar sind. Bei den hier angeprangerten Aussagen lagen wieviele Monate dazwischen?
    Abgesehen davon: erwartest oder verlangst du wirklich, dass der Aufsichtsrat sich in vollem Wissen, wie Presse (insbes: Sportpresse) rund um GE funktioniert, hinstellt und nichts schönredet, niemandem Deckung gibt, alles auf den Tisch legt?
    So simpel wie’s dargestellt wird, sind die Dinge einfach nicht! Mal angenommen, es gibt im November ein paar Zweifel an einem „Konzept“ – man ist noch in allen Wettbewerben unterwegs, es könnte gut gehen, soll man da selbst Unruhe entfachen? Soll man sich auf die täglichen Pressespielchen, irgendwelche verfänglichen Aussagen zu entlocken, etwa einlassen, sie sogar noch selbst aktiv füttern?

    Und nochwas will ich mal sagen: laut und manchmal mit unverständlicher Wortwahl wird „Maul halten“ gefordert – und gleichzeitig wird sich mokiert, dass man dies oder das nicht getan habe. „Treffen in aller Stille mit Fanorganisationen“ zum Beispiel, das hab ich in einem anderen Beitrag gelesen. Nur: wer sagt denn, dass es so ein Treffen nicht tatsächlich schon gab, und dass man das eben, wie ja überall gefordert, nicht an die Öffentlichkeit gab?
    Wie gesagt: die Dinge liegen völlig anders als es „draußen“ den Anschein hat. Und ich finde, wir, die Fans, wir sollten uns nicht selbst verarschen indem wir der Schundpresse einfach alles glauben – wir sollten unserem eigenen Verein ein bisschen mehr vertrauen und selbst *mit* ihm reden, statt nur *über* ihn.

  8. kurtspaeter sagt:

    @Matthias
    Nein, natürlich möchte ich gerade nicht, daß alles transparent gemacht wird, daß alles was stimmt oder auch nicht stimmt an die Öffentlichkeit kommt. Viel lieber wäre mir, man würde seltenst bis nie Schlagzeilen oder Interviews mit Tönnies oder Schnusenberg hören oder sehen und wenn, dann in Momenten, in denen es tatsächlich etwas zu vermelden gibt.

    Wenn man es von den Meldungen komplett wegnimmt, dann steht für mich aber das Gefühl, mein Gefühl, der letzten Wochen an erster Stelle. Ich bekomme als puren Fakt mit, das zunächst der Manager und dann der Trainer nicht mehr sind.
    Was die erste Position angeht, steht man nun bereits seit einem Monat ohne Nachfolger da.
    In einer Phase, wo man, wie sagt man so schön, die Weichen für die neue Saison stellt. Das macht mir persönlich Angst, einfach weil ich es den handelnden Personen (Tönnies, Schnusenberg, Peters) nicht zutraue, eine sportliche Planung der nächsten Bundesligasaison zu übernehmen. Zumal, und jetzt nehme ich rein visuelles, nämlich Tönnies Interviews mit dazu, ebenjener sich in seinen Aussagen vergaloppiert. Und in meinen persönlichen Augen, ohne das die Presse werten muss (siehe z.B. meine Aussage zum Premiere Interview im vorigen Beitrag, das nur von mir gewertet wurde), nur durch sein Gesagtes, einen fast unseriösen, zumindest aber unsortierten bzw ratlosen Eindruck macht. Bei dem Kahn-Gespräch bzw dem dazugehörigen Interview war es wenigstens „nur“ peinlich.
    In den Momenten bekomme ich Angst, das dieser Eindruck den er macht den Tatsachen entspricht und der Verein auf lange Sicht große Probleme sportlicher Natur bekommen wird. (ich habe dabei nicht vergessen, daß ich mich über die Verlängerungen der Verträge von Jones und Westermann sehr gefreut habe und die ein wenig Angst wegnehmen)

  9. Frank Dubberke sagt:

    Matthias. Hatte mich nicht namentlich vorgestellt, woher dann Gesicht mit
    Geschriebenen in Verbindung bringen?

    Ich hab auch nur von dir und deiner holden Gattin gewußt wer Ihr seid, nachdem ich Deinen Bericht gelesen habe.

    Eigentlich auch dumm sich nicht gleich
    vorzustellen, denn ich kenne mittlerweile einige Leutchen, darunter einige sehr sympathische deren Namen ich noch nicht mal nach dem 3. Aufeinander-treffen weiß. Wird ab sofort geändert!

    Noch mal zum Spiel: Was mich auch nachdenklich gestimmt hat, war Rafinha’s Abgang, ohne wie der Rest der Mannschaft in die Kurve zu kommen. Hab
    sogar ein „Beweisfoto“. Vielleicht war ich aber zu stark sensibilisiert nach all dem Erlebten und
    hab das überbewertet.

    Schöne Woche allen Schalkern!

  10. Frank Dubberke sagt:

    Muss heissen mit Geschriebenem in Verbindung bringen

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