Kein Handschlag oder kein Handschlag

Infokasten kurtspaeterEs gibt Spieler und Trainer, die sind interessant genug, um eine Geschichte zu stricken. Und es gibt Spieler und Trainer, die sind nicht interessant genug, um eine Geschichte zu stricken. Sowohl als Einzelpersonen als auch in ihrer Beziehung zueinander. Teilweise sind sie sogar Einzeln interessant, ihre Beziehung aber nicht spannend genug. So funktionieren eben die Medien.

Die Geschichte dazu: Am 5.März 2008 besiegte Schalke 04 Manuel Neuer im CL-Achtelfinale den FC Porto. Welcher Schalker erinnert sich nicht begeistert an diesen, für jeden Torhüter der Welt wohl einmaligen Abend. Die Schlagzeilen bestimmten die Tage danach aber zwei andere. Mirko Slomka und Kevin Kuranyi. Von Affront war die Rede, als charakterlos wurde Kuranyi bezeichnet. Tagelang kam der Blätterwald nicht zur Ruhe. Ein weiterer Tropfen auf den eh schon stark gehöhlten Stein in der Slomka-Demontage und eine weitere Möglichkeit, Kevin Kuranyi so dumm und unerzogen wie es geht dastehen zu lassen.

Am 3. April 2009 besiegt Schalke 04 am 26.Spieltag der Bundesliga Arminia Bielefeld. Die Krise ist vorerst gestoppt. Mit neuem Trainerteam, einem echten und damit unantastbaren Schalkerlegendentrupp. Einem Eurofighterduo und dem Torhüter, der vom Pannen-Olli zum Herzchenmeister wurde. Und denen pinkelt man mitnichten so schnell an die Karre. Von wegen Autoritätsverlust oder so. Außerdem geht es um den letzten verbliebenen Uru im Kader. Sanchez heißt der und in Deutschland kennt den außer auf Schalke wahrscheinlich keine Sau. Also kein Grund, dass gleiche „Vergehen“ auch nur annähernd so verurteilend, so aufrührerisch und so niederträchtig anzusehen wie ein Jahr zuvor. Und schon gar nicht so laut.
Die Welt bringt es auf den Punkt:

… im letzten Moment hat der kochende Schalker Sanchez bei seiner Auswechslung in Bielefeld nur den Handschlag verweigert, statt seinen drei Trainern eine zu kleben – was aber auch wieder irgendwie passte: An diesem Spieltag war nichts mehr normal, nicht einmal das Chaos auf Schalke.

Sanchez hat NUR NUR NUR NUR NUR den Handschlag verweigert. Der Flaschenwurf (ja,auch das hat er gemacht) wird gleich weggelassen.

Bevor jemand glaubt, dass ich jetzt fordern würde den Skandal herbeizuschreiben sei gesagt, mich interessiert es nicht die Bohne, ob Sanchez seine Eier krault, Büskens, Mulder, Reck, dem vierten Offiziellen oder dem Stadionsprecher die Hand gibt oder nicht. Mir persönlich hat die Geschichte nur wieder klargemacht, dass Geschichten zwar ausgelöst werden können, die Größe der Geschichte aber gesteuert wird.



5 Kommentare zu “Kein Handschlag oder kein Handschlag”

  1. weselaner sagt:

    jo, ist schon richtig, was du da schreibst.
    man stelle sich nur mal kurz vor:
    bordon pflaumt kuranyi auf dem platz an und der gibt ihm daraufhin eine ohrfeige.
    kann sich wohl jeder vorstellen, was geschrieben würde.

  2. sequencer sagt:

    Wer wäre denn so wahnsinnig, Bordon eine Ohrfeige zu verpassen? ;-)

  3. Phil sagt:

    Allein waren die Situationen aus meiner Sicht zwei völlig verschiedene. Kuranyi, damals in Porto war sauer aufgrund seiner Auswechslung. Sanchez hatte im Moment vor seiner Auswechslung ‘ne dicke Chance vergeben. Ich hab es in der Liveübertragung so empfunden, als dass er aufgrund der Chance, nicht wegen der Auswechslung sauer war. Auch wenn der Grund für den Ausraster vielleicht von nachrangiger Bedeutung ist, dürften die Trainer so viel Feingefühl haben, sich dadurch nicht direkt angegriffen zu fühlen, oder?

    Grundsätzlich finde ich aber total richtig was du schreibst. In den Berichterstattungen wird sich immer viel zu schnell für eine Version/eine Seite entschieden, und diese dann nachhaltig verfolgt. Besonders gut konnte man das auch wieder bei der Poldi/Ballack Geschichte sehen, wobei ich hier jetzt niemanden in Schutz nehmen will, aber wie einseitig da teilweise argumentiert wurde war schon heftig.

  4. tumulder sagt:

    Ich hab es in der Liveübertragung so empfunden, als dass er aufgrund der Chance, nicht wegen der Auswechslung sauer war. Auch wenn der Grund für den Ausraster vielleicht von nachrangiger Bedeutung ist, dürften die Trainer so viel Feingefühl haben, sich dadurch nicht direkt angegriffen zu fühlen, oder?

    Sehe ich genauso. Aber nichtsdestotrotz hat Kurtspaeter natürlich wieder einmal ins Schwarze getroffen.

  5. Torsten Wieland sagt:

    Das Feingefühl bzw. das Empfinden der Trainer ändert aber natürlich nichts am Eindruck, der in der Öffentlichkeit erweckt wird.

    Wenn ich mich recht erinnere hat Mirko Slomka damals auch gesagt, dass er die Szene als nicht so wild empfunden hätte. Zum einen wurde ihm das nicht geglaubt. Zum anderen blieb der Eindruck einer Respektlosigkeit, auf die vom Trainer nicht reagiert wurde.
    Bei mir übrigens auch, ich habe mich damals auch sehr über diese Szene geärgert.

    Meines Erachtens ist es ein Fehler, überhaupt in solch eine Situation zu geraten. Meines Erachtens sollte ein Trainer grundsätzlich nicht auf ein Händeschütteln aus sein.
    Dass ein “unbemerkter” Fehler in der Regel weniger Probleme nach sich zieht als ein Fehler, auf den besonders hingewiesen wird, ist klar.

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