Der Unscheinbare im Star-Ensemble

Christian Lell, das ist der, den die Bayern-Fans mittlerweile dahin wünschen wo der Pfeffer wächst, und der ab und an seiner Freundin auf die Fresse haut. Vielleicht ja nicht ganz helle, in jedem Fall unscheinbar, und trotzdem spielt er, während andere sitzen, beim FC Bayern.

Und dann gerät einem solch ein Podcast in den Catcher. Ein ausführliches, fast 40 Minuten langes Interview mit eben diesem Christian Lell. Und der spricht ohne Knoten in der Zunge. Glaubwürdig. Von seiner kranken Schwester, die er jetzt betreut. Von der Stiftung, die er gegründet hat.
Er redet vorsichtig und erklärt, wieso er vorsichtig redet. Immer wieder hält er inne, will das Risiko des offenen Wortes doch nicht eingehen und vermittelt dem Hörer auch damit etwas.

Er erzählt, dass er einst in eine Schule mit Blick auf die Trainingsplätze des FC Bayern an der Säbener Straße ging, dass es immer sein Traum war für diesen Club zu spielen. Ein wenig erinnert das an Manuel Neuer, dem Schalker seit der Krabbelphase. Doch während Spieler wie Neuer oder Höwedes auf Schalke Nordkurven-Schutz genießen und man sich hier eben über vermeintlich teure Einkäufe aufregt, wird in München gerne flott der Kauf eines Stars verlangt, wenn der Unscheinbare aus den eigenen Reihen unangenehm auffällt. Möglicherweise bekommt Christian Lell ja tatsächlich in der kommenden Saison Marcio Rafael Ferreira de Souza vor die Nase gesetzt. Ma’kucken.



Hier nun das Interview mit Christian Lell, aus der Bayern 3 Radiosendung „Mensch Otto!“. Sendetermin war der 02. April, zwei Tage vor dem Auswärtsspiel des FC Bayern in Wolfsburg, und Christian Lell glaubte noch an eine erfolgreiche Champions League Saison. Diese Fehleinschätzung macht das Interview aber grundsätzlich nicht schlechter.

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(37:18 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed



7 Kommentare zu “Der Unscheinbare im Star-Ensemble”

  1. probek sagt:

    Ohne das Interview jetzt gehört zu haben (hole ich nach, danke schon mal fürs ausgraben!): Sympathie für einen Sportler (aus welchen Gründen auch immer) und dessen sportliche Leistungsfähigkeit korrelieren leider nur selten. Wäre schön, wenn es so wäre, ist aber nicht so.

    Im Zweifel nützt einem Sportler also auch die allergrößte Zuneigung der Fans nichts, wenn dessen sportliche Qualitäten einfach (noch) nicht mit den Ansprüchen des Vereins vereinbar sind. Oder anders gesagt: mir ist ein unsympathisches Arschloch (bei Bayern derzeit gerne in dieser Rolle: Mark van Bommel, früher Kahn und Effenberg) als Spieler weitaus lieber als jemand, der zwar nett ist, mir aber zu große Qualen bereitet, wenn ich ihm bei der Arbeitsausübung zusehen muss (früher z.B. Santa Cruz).

    wird in München gerne flott der Kauf eines Stars verlangt, wenn der Unscheinbare aus den eigenen Reihen unangenehm auffällt.

    So wie jetzt bei Rensing? Sorry, aber das ist mir doch ein wenig zu pauschal. Ist das bei euch wirklich anders? Ist “in Gelsenkirchen” von “den Fans” bei Personalfragen immer und ausschließlich nur eine positive Einheitsmeinung zu den Spielern aus den eigenen Reihen zu hören? Auch mal losgelöst von den vielleicht anderen Ansprüchen, die ein Verein wie S04 ans Spielniveau der eigenen Spieler stellen kann und darf.

  2. Norbert sagt:

    @probek: Da gebe ich Dir völlig recht. In Schalke werden genauso Stars gefordert, wenn es mal nicht so läuft – das erlebe ich alle zwei Wochen im Stadion. Und dabei ist es den Fans dann auch gleichgültig, ob es sich bei dem zu ersetzenden Spieler um “einen Spieler aus den eigenen Reihen” handelt oder nicht.

  3. mberghoefer sagt:

    “den Fan” gibt es so nicht. Das ist das Problem, aber auch das Glück.

    Auch beim FCB gibt es Fans, die Christian Lell sehr schätzen – und sich gerade deswegen einen Transfer des Schalkers Rafinha gar nicht gerne vorstellen mögen.

  4. Torsten Wieland sagt:

    Ach herrje … Zu pauschal, und den Fan gibt es sowieso nicht, richtig. Jede Gruppe besteht aus Individuen, auch klar. Trotzdem wisst ihr ebenso gut wie ich, dass es im deutschen Sprachraum einen Konsens darüber gibt, dass mit solchen Gruppenbezeichnungen in der Regel die entsprechende Mehrheit gemeint ist. Das erleichtert die Kommunikation ungemein.

    Also: Sicher gibt’s überall von allen irgendwen, trotzdem habe ich Norberts Erfahrung nicht gemacht, schon gar nicht in Bezug auf Manuel Neuer, den ich oben ja genannt habe. Ich habe keinen Schalker sagen hören, dass unser Club doch vielleicht besser einen erfahreneren Torwart holen muss. Nach keinem Bock. Und er leistete sich in der letzten Saison nicht gerade wenige Böcke.

    Eigentlich geht es in diesem Beitrag übrigens darum, die Diskrepanz zwischen dem Image eines Spielers und dem persönlichen Eindruck während eines ausführlichen O-Tons zu fühlen.

  5. probek sagt:

    Eigentlich geht es in diesem Beitrag übrigens darum, die Diskrepanz zwischen dem Image eines Spielers und dem persönlichen Eindruck während eines ausführlichen O-Tons zu fühlen.

    Dann lass halt nächstes Mal Blödsinn wie

    wird in München gerne flott der Kauf eines Stars verlangt, wenn der Unscheinbare aus den eigenen Reihen unangenehm auffällt.

    einfach weg. Dann kannst du vielleicht eher damit rechnen, dass man den Rest deines Textes auch brav so liest, wie du ihn gerne interpretiert hättest.

  6. Torsten Wieland sagt:

    Danke für den Tipp, aber ich halte das schon aus. Ich lasse nichts weg, das ist mein Eindruck der Dinge, der sich aus dem ergibt, was ich verfolge (herkömmliche Medien, Blogs, Foren). Wenn Du sagst, dass es im „wahren Leben Stadion“ grundsätzlich anders ist, ok.

    Wen dem nicht so ist und es Dir hauptsächlich um die vermeintliche Pauschalität geht frage ich mich allerdings, wie Du sonstige Kommentare zu Sportthemen überlebst. Allzu viele Texte, bei denen jedes „Bayern-Fans“ explizit der Vorsatz „Meines Erachtens die Mehrheit der“ führt, gibt es wohl nicht.

  7. probek sagt:

    Mir geht es nicht um Kommentare zu Sportthemen. Auch nicht um unterschiedliche Eindrücke, die man als Stadiongänger oder Nicht-Stadiongänger gewinnen kann. Das ist mir alles zu pauschal.

    Es geht mir um einen Satz in einem Blog, in dem ich ein Urteil wie “die Mehrheit der XXX-Fans”, die “in XXX gerne flott den Einkauf eines Stars” fordern, nicht erwartet hatte. Sollte das wirklich dein Eindruck sein, ist er halt falsch. Nicht mehr und nicht weniger will ich rüberbringen.

    Kann ja sein, dass im Einzelfall Lell inzwischen eine Mehrheit der Bayernfans einen besseren Einkauf fordert. Sagt aber nichts über etwaige “flotte” Forderungen der “Mehrheit der Bayernfans” im Fall von Rensing, Schweinsteiger, Ottl, Kroos, Hummels, Guerrero, Trochowski, Feulner usw. aus.

    Aber du hast Recht: allmählich lenkt die Diskussion davon ab, dass es vielleicht ganz reizvoll sein könnte, sein vorhandenes Bild über Christian Lell mit dem in Deckung zu bringen, was sich nach dem Anhören des Interviews ergibt. Dafür nehme ich gerne eine Teilschuld auf mich, nehme dich aber in Mithaftung.

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