FC Bayern sagt Zukunft erstmal ab

„Jürgen war eigentlich nur dafür angestellt, unsere Mannschaft auf dem Platz zu trainieren und musste sonst keine Aufgaben darüber hinaus übernehmen.“

Hätte Uli Hoeneß das doch vor rund 300 Tagen in dieser Deutlichkeit gesagt, es hätte die ganze Aufregung um Jürgen Klinsmann nicht gebraucht!

Nein, dass er nur die Mannschaft trainieren sollte, der Jürgen, daran hat damals niemand gedacht. Er sollte den Weg der Modernisierung des FC Bayern fortführen und dem Boulevard den Gar aus machen. Er sollte frischen Wind bringen in diesen Club, der sich in seiner Privatzone zwischen Bundesliga und Champions League zu langweilen schien. Das hatten Bayern-Fans gehofft. Das hatten manche Fans anderer Mannschaften befürchtet. Ich zum Beispiel.

Abwegig waren die Gedanken nicht. Als „Bundes-Klinsi“ erwarb er sich nicht den Ruf des Taktikfuchses sondern den eines Reformers, der sich gegen Widerstände behaupten konnte, der neue Wege suchte und beschritt. So einen hätte der FC Bayern gut gebrauchen können. Vielleicht traf Klinsmann nur die falsche Entscheidung bei der Wahl seines Co-Trainers. Vielleicht hätte er, wie 2006, auf einen bundesligaerfahrenen „Fußballlehrer“ setzten sollen. Vielleicht auf Jupp Heynckes …

Nein. Der FC Bayern ist ein von Grund auf biederer Verein, bei dem seit 20 Jahren alles gleich läuft. Wirtschaftlich ragt er in Deutschland derart heraus, dass er selbst in schwachen Jahren noch regelmäßig Deutscher Meister wird. Den stärksten Kader kann man den Bayern jede Saison attestieren. Vom besten System ist seit einer Ewigkeit nicht mehr die Rede.

Seit nunmehr acht Jahren ist der Club hin und hergerissen zwischen Rundumerneuerung und Bewahrung des Status Quo, und immer scheint das eine das Gegenargument zum anderen zu sein. Beim FC Bayern möchte man eine Revolution von oben herab.
Ob so was geht? Einen starken, alles in Frage stellenden, sich durchsetzenden Trainer zu haben und gleichzeitig das bewährte Bayern-Modell zu fahren? Ich kann mir das nicht vorstellen.

Muss ich aber auch nicht. So wie’s aussieht bleiben die Bayern berechenbar. Irgendwie auch nett von ihnen.

[Zitat aus der heutigen PK via dogfood]



6 Kommentare zu “FC Bayern sagt Zukunft erstmal ab”

  1. Tobi sagt:

    Die gleiche Aussage ist mir in der PK auch aufgestoßen. Da musste ich doch schmunzeln. Schöne Zeilen, danke!

  2. zechbauer sagt:

    So sehe ich das auch – ein bißchen traurig, aber es könnte auch schlimmer sein.

  3. tumulder sagt:

    Starke Trainerpersönlichkeiten und der FC Bayern. Das ging doch noch nie gut (zumindest in den letzten 20 Jahren;)). Siehe Heynckes, Rehagel, Magath.

  4. heffer sagt:

    bei den bayern geht sowas anscheinend erst, wenn hoeneß und rummenigge weg sind. ich denke, dass das alles anders gelaufen wäre, wenn der klinsmann nur gedürfte hätte (womöglich auch viel schlechter, aber den beweis durfte er nicht bringen)

  5. tumulder sagt:

    Nee, watt hab ich gerade gelacht. Klinsmann ist doch an den Hütchen gescheitert. Aber jetzt hat der FCB ja endlich wieder einen ordentlichen Aufsteller. Und außerdem man spricht deutsch.

  6. Rauball redet in Rätseln | Königsblog sagt:

    […] Schalke gönnte Fed Rutten 268 Tage, so viele wie einst Frank Neubarth. Bayern München beendete seine Zukunft, nach der Niederlage gegen Schalke, am 29. Spieltag nicht minder unehrenhaft. Und Arminia Bielefeld […]

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