Artikel im Mai 2009

Der ewige Kandidat?!

Ein Jahr und 46 Tage ist es nun her, dass Mirko Slomka auf Schalke entlassen wurde. So lange ist er nun ohne Job. Damit stellt er sicher keinen Rekord auf. Trotzdem ist es bemerkenswert, wie viele freie Trainerjobs in der Bundesliga seitdem neu besetzt wurden, wobei Mirko Slomka nach Pressemeldungen fast immer ein „heißer Kandidat“ gewesen sein soll, und am Ende doch den kürzeren zog.

Ob ihm das Bild des schwachen Trainers anhaftet, dem die Spieler angeblich auf der Nase herum tanzten? Ob es tatsächlich nachhallt, dass er öffentlich von Manuel Neuer, für viele allzu vertraut, einfach „der Mirko“ genannt wurde? Oder ob ihm vielleicht doch übel genommen wird, dass er der Presse von der wenig guten Abstimmung in Personalfragen mit Manager Müller erzählte?
Auf Bundesliganiveau war Mirko Slomka Anfänger und als solcher hat er Fehler gemacht. Vielleicht im Umgang mit Spielern. Mit Sicherheit bei seiner Mitsprache in Sachen Spielerverpflichtungen. Er hat auf Schalke – mit dem jeweiligen Personal – sehr guten und sehr unansehnlichen Fußball spielen lassen. Er hat entscheidende Spiele verloren, insgesamt aber doch viel gewonnen.

Ich würde keine Empfehlung aussprechen wollen. Ich denke, dass Mirko Slomka ein kluger Kopf ist, der aus Fehlern in der Vergangenheit die nötigen Schlüsse ziehen kann. Vor allem aber bin ich neugierig. Es würde mich schon sehr interessieren, ob bzw. wie erfolgreich Mirko Slomka bei einem anderen Bundesligisten sein kann. Harren wir also der Dinge …



Hörtipp: Ein ausführliches Radio-Interview mit Mirko Slomka, im Rahmen der SWR1-Sendung „Leute“, aus März diesen Jahres, ist nach wie vor abrufbar.

[Foto: Firutin]

Kokett ist Aldi-Klopapier

„Mit Hans Meyer, mit einem fast 67-Jährigen kann man keine Mannschaft aufbauen. Mit meiner Erfahrung konnte ich helfen, die Klasse zu erhalten. Alles andere ist nicht produktiv, nicht für Hans Meyer und nicht für den Fußball-Klub Borussia Mönchengladbach. Man sollte nichts anderes hineininterpretieren.“

Sagt Hans Meyer. Man muss auch nicht interpretieren um zu wissen, dass das ziemlicher Mumpitz ist.

Hans Meyer ist anders als die ganzen vorsichtigen Trainer, die jedes Interview mit dem Ziel angehen, unangreifbar zu bleiben. Er hat die Schlagfertigkeit und Eloquenz, seine Gedanken so darzustellen, dass sie intelligent und humorvoll wirken. Er weiß mit Worten zu treffen. Nicht immer finde ich das schön. Oft finde ich seine Art anstrengend. Oft reizt es sogar zum Fremdschämen, wenn er wieder viel zu oft in der dritten Person von sich spricht, oder wenn er das harmloseste Reportermäuschen nach einer 08/15-Frage zur Zielscheibe seiner schlechten Laune macht. Festzustellen bleibt: Hans Meyer weiß immer sehr genau, was er sagt.

Umso verblüffender ist, dass ausgerechnet er eine derart plumpe Erklärung für seinen Rücktritt präsentiert.

Nervende Kaiserei

„Wie einst Franz Beckenbauer, 1990.“

Nie wieder wird es im deutschen TV eine Szene geben können, in der ein mehr oder weniger alleine gehender, siegreicher Trainer zu sehen, und dieser Satz nicht zu hören ist.

Seltenes Derby

Derbys sind was Besonderes. Für Schalker ist das Derby gegen Borussia das „besonderste“, trotzdem kribbeln Spiele gegen Bochum und Duisburg auch deutlich mehr als Begegnungen gegen Wolfsburg, Hertha oder Karlsruhe. Das sieht Freund Thorsten sicher ähnlich, seines Zeichens Anhänger des MSV Duisburg. Und dass das Stadion an der Castroper Straße in Bochum ein guter Ort ist um Fußball zu schauen, darüber sind wir uns auch einig. Er darf aber auch in der kommenden Saison wieder nicht hin.

In den letzten 10 Jahren gab es tatsächlich nur 4 Spiele zwischen dem VfL Bochum und dem MSV Duisburg. Fahrstuhlclubs? Eher Paternosterclubs, in unschöner Regelmäßigkeit sind die einen oben, wenn die anderen unten sind, und umgekehrt. Jetzt darf man sich beim MSV über einen Aufstieg der Fortuna aus Düsseldorf freuen, neben den Derbys gegen Rot-Weiß Oberhausen gibt es also auch noch zwei „Straßenbahn-Derbys“. Aber ehrlich: Im Ruhrgebiet will man beim Begriff „Derby“ eigentlich nicht an Düsseldorf denken.

Zukünftige Enthüllung

Felix Magath am 26.07.2023, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung:

Ehrlich gesagt: Ich kann gar kein Schach.

Endlich ist’s wieder sportlich: Für die Relegation!

16 Jahre lang musste der Drittplatzierte der zweiten Bundesliga aufsteigen, obwohl er zumeist nicht reif dazu war. Nun ist endlich Schluss damit, endlich wurde der Fehler der Abschaffung der Relegationsspiele revidiert.

In der Saison 1981/1982 startete die eingleisige 2. Bundesliga. Es gab zwei direkte Aufsteiger, der Tabellendritte musste sich mit dem Drittletzten der 1. Liga auseinandersetzen. Spannend war das fast immer, nur im ersten Jahr gewann eine Mannschaft beide Spiele. Dreimal musste ein drittes Spiel die Entscheidung bringen. Ein echter Höhepunkt zum Saisonabschluss. Meistens war der Zweitligist allerdings am Ende nicht stark genug. In sieben von zehn Fällen gewann der Erstligist das Kräftemessen.

In der Saison 1991/1992 kamen die Vereine der neuen Bundesländer dazu. Ein Jahr lang spielte die erste Liga mit 20 Mannschaften, darunter Dynamo Dresden und Hansa Rostock. Rostock stieg sofort ab und aus der in diesem Jahr zweigeteilten 2. Liga schaffte es keiner der 6 Ostvereinen, sich für das Oberhaus zu qualifizieren. Fortan gab es je drei direkte Auf- und Absteiger. Mit dem erleichterten Aufstieg ohne Relegation, war wohl auch die Hoffnung des DFB verbunden, der eine oder andere Verein aus den neuen Bundesländern möge in Zukunft das Ungleichgewicht zwischen Ost und West in der 1. Liga mildern.

Direkt in der nächsten Saison stieg der VfB Leipzig als erster Drittplazierter ohne Relegation in die erste Liga auf. Was folgte waren die Aufstiege einer ganzen Reihe von Vereinen, die für die 1. Liga zu schwach waren. 10 von 16 Clubs stiegen spätestens im dritten Jahr wieder ab, sechs umgehend. Auch Leipzig hielt sich nur eine Saison.

Nun soll sich der Drittplazierte wieder mit dem Drittletzten der 1. Liga messen. Zugegeben, für die 2. Liga mag das ein Nachteil sein. Bislang lebte die 2. Liga davon, dass fast jeder Club über kurz oder lang um den Aufstieg mitspielen konnte. Die Liga war durchlässig wie ein Schweizer Käse, was gut war, den welcher Club will schon in der 2. Liga stranden?!
Dennoch ist der Fußballkalender wieder um eine Attraktivität reicher. Das bringt Geld, und daran kann ich nichts schlechtes finden, solange der Sport nicht darunter leidet. Und das tut er hierbei nicht.

Nur zwei Spiele, die über eine Saison entscheiden, sind unfair? Sicher kann es dabei Unglück geben. Falsche Schiedsrichterentscheidungen. Plötzliche Verletzungen wichtiger Spieler, ausgerechnet jetzt. Sicher wäre es fairer, wenn es mehr Spiele zu dieser Entscheidung hätte. Vielleicht eine „Best Of Seven“-Serie nach amerikanischem Vorbild, bei der eine Mannschaft viermal gewinnen muss? Eine entsprechende Ente bei kicker.de würde ich mir wünschen, nur des Aufschreis wegen …

Ich bin mit zwei Spielen zufrieden. Die Fehlentscheidungen, die Verletzen, das Unglück, alles das gibt es auch am letzten Spieltag. Dadurch entstehen die Geschichten, die auch in 20 Jahren noch erzählt werden. Die Historie vieler Vereine erzählt davon, nicht nur die des Clubs, welchem dieses Blog gewidmet ist. Wieso sich Fehlentscheidungen und Zufälle insbesondere in Relegationsspielen auswirken sollen, kann ich nicht nachvollziehen.

Ich halte die Relegationsspiele für fair. Der Zweitligist muss eben besser sein als der Erstligist. Und damit beweisen, dass er an seiner statt in Liga 1 gehört. So ist Sport.

[Dieser Beitrag erschien erstmals im Oktober 2007 bei Drei Ecken, ein Elfer. Heute hier, der Aktualität wegen.]

Blau und Weiß, wie lieb’ ich Dich

Ob das Superschnäppchen schon verkauft ist und nurnoch die 84. hinterher muss, kann ich nicht sagen. Ab heute trägt Felix Magath jedenfalls blaue bzw. blau-weiße Krawatten, wie hier beim Tagesschau-Interview.

Wir heißen Sie herzlich Willkommen in der großen Gemeinde, Manager, und Glückwunsch nachträglich.

[Hat Tip @NedoWan]