Der ewige Kandidat?!

Ein Jahr und 46 Tage ist es nun her, dass Mirko Slomka auf Schalke entlassen wurde. So lange ist er nun ohne Job. Damit stellt er sicher keinen Rekord auf. Trotzdem ist es bemerkenswert, wie viele freie Trainerjobs in der Bundesliga seitdem neu besetzt wurden, wobei Mirko Slomka nach Pressemeldungen fast immer ein „heißer Kandidat“ gewesen sein soll, und am Ende doch den kürzeren zog.

Ob ihm das Bild des schwachen Trainers anhaftet, dem die Spieler angeblich auf der Nase herum tanzten? Ob es tatsächlich nachhallt, dass er öffentlich von Manuel Neuer, für viele allzu vertraut, einfach „der Mirko“ genannt wurde? Oder ob ihm vielleicht doch übel genommen wird, dass er der Presse von der wenig guten Abstimmung in Personalfragen mit Manager Müller erzählte?
Auf Bundesliganiveau war Mirko Slomka Anfänger und als solcher hat er Fehler gemacht. Vielleicht im Umgang mit Spielern. Mit Sicherheit bei seiner Mitsprache in Sachen Spielerverpflichtungen. Er hat auf Schalke – mit dem jeweiligen Personal – sehr guten und sehr unansehnlichen Fußball spielen lassen. Er hat entscheidende Spiele verloren, insgesamt aber doch viel gewonnen.

Ich würde keine Empfehlung aussprechen wollen. Ich denke, dass Mirko Slomka ein kluger Kopf ist, der aus Fehlern in der Vergangenheit die nötigen Schlüsse ziehen kann. Vor allem aber bin ich neugierig. Es würde mich schon sehr interessieren, ob bzw. wie erfolgreich Mirko Slomka bei einem anderen Bundesligisten sein kann. Harren wir also der Dinge …



Hörtipp: Ein ausführliches Radio-Interview mit Mirko Slomka, im Rahmen der SWR1-Sendung „Leute“, aus März diesen Jahres, ist nach wie vor abrufbar.

[Foto: Firutin]



14 Kommentare zu “Der ewige Kandidat?!”

  1. Ben sagt:

    Vielleicht sind es auch solche Dinge,

    http://www.berlinonline.de/ber.....index.html

    die sich intern über ihn erzählt werden und die Klubs immer wieder abschrecken lassen.

    Würde ihn aber auch gerne aus in Deinem Post angeführten Gründen gerne mal bei einem Bundesligisten sehen.

  2. bunki sagt:

    Ich wäre ja eher mal Neugierig zu erfahren, wie Schalke unter Winnie Schaefer agieren würde. Oder Falko Götz. Oder Zick-Zack-Roggensack.

    Neugier! Pft. Das sollte kein Motiv sein. Es gut, dass manche nicht mehr an den Fleischtöpfen sitzen, an die sie vom Ursprung heraus charakterlich nie hingehört hätten.

  3. Matthias sagt:

    Mirko Slomkas Trainerqualitäten sind in der Tat sehr schwer einzuschätzen. Hat er nun auf Schalke mit einem durchschnittlichen Kader überdurchschnittlich erfolgreichen Fußball spielen lassen? Oder hat er einen überdurchschnittlichen Kader übernommen und diesen mit der Zeit zu einer Durchschnittstruppe heruntergewerkelt? Fest steht, dass die „Zeit des miesen Kickens“ auf Schalke unter Slomka seinen Anfang nahm. Es fiel aber der breiten Öffentlichkeit nicht auf, weil meistens noch die Ergebnisse stimmten. Für regelmäßige Schalke-Stadiongänger hingegen war Slomka bereits ein Jahr vor seiner Entlassung ein rotes Tuch.

    Erstaunliche finde ich die lange Zeit seiner Bundesliga-Abstinenz vor allem vor dem Hintergrund, dass nach seiner Entlassung die gesamte Liga aufheulte und ihm herausragende Qualitäten attestierte. Die Aussagen aus den anderen Clubs kamen mir damals schon wie Krokodilstränen vor – und je weiter die Zeit fortschreitet, desto mehr sehe ich mich in dieser ersten Vermutung bestätigt.

    Slomkas Hauptproblem ist, dass er bislang noch nie eine Mannschaft wirklich aufgebaut hat. Auf Schalke bekam er einen kompletten Kader und eine Menge Geld, um den Kader punktuell zu verstärken. Dabei hat er (im Zusammenspiel mit Müller) kläglich versagt. Dass er in der Retrospektive die Verpflichtungen von Streit, Großmüller, Sanchez etc. auf – wie ich finde – ziemlich schäbige Art und Weise ausschließlich Müller in die Schuhe schieben wollte, hat ihn sicherlich innerhalb der Manager-Gilde der Liga nicht beliebter werden lassen. Ebenso wie sein offensichtliches Unverständnis der rechtlichen Sachlage einer Vertragsauflösung und Abfindungszahlung.

    Oder kurzgesagt: Für einen Zweitligisten oder einen Bundesligisten aus dem unteren Tabellendrittel dürfte Slomka nicht hart genug rüberkommen und darüber hinaus zu teuer sein. Und die Spitzenvereine haben keine Lust, sich an „St. Mirko“ die Finger zu verbrennen.

    Ich will ja nicht sagen, dass ich das schon vor einem Jahr prophezeit habe, aber ich hab’s nun mal getan…

    Seien wir froh, dass wir den Vogel los sind.

  4. Nedo sagt:

    Andererseits (und ich bin hier eher Devil’s advocate, mag Slomka auch nicht) muss man sagen, dass er uns fasst zur Meisterschaft geführt hat, und in der Champions League mit dem selben Kader wie jetzt sind wir erst gegen Barcelona raus.

    Mit dem phantastischen Fußball den Schalke teilweise unter Rangnick gespielt hat, hatte das nichts mehr zu tun.

  5. weselaner sagt:

    er hat also entscheidende spiele verloren? ah ja.

    hat er das? um überhaupt in die situation zu kommen, ein uefa-cup-halbfinale, ein cl-viertelfinale oder eine komfortable tabellenführung zu verlieren, muß man erstmal vorher entscheidende spiele gewonnen haben.
    klingt komisch, ist aber so.

    MS hat nach allgemeiner forumsmeinung die meisterschaft 07 vergeigt.
    was hat dann bitte rangnick getan? als herbstmeister in die rückrunde und als siebter enden – hat es jemals ein größeres versagen gegeben?
    aber nein, mirko ist halt doof und ralle ein ganz toller hecht.
    da lach ich mir doch den arsch ab. ;)
    dieses messen mit unterschiedlicher elle werden wir (hoffentlich) demnächst bei felix bewundern dürfen. wenn der 2. oder 3. wird, wird ihm von allen seiten gehuldigt – 100%ig.

    slomka sollte zusehen, daß er einen ambitionierten zweitligisten bekommt. wenn er dort gute arbeit abliefert, empfiehlt er sich auch für höhere aufgaben.

  6. Torsten Wieland sagt:

    er hat also entscheidende spiele verloren? ah ja.

    Sicher. Sogar zwei in 15 Tagen.
    Slomka war verantwortlich für den guten Fußball in der Mitte der Saison 06/07, als Schalke 04 ein völlig verdienter Tabellenführer war. Und genauso verantwortlich war er für die zwei Hosenscheißerauftritte gegen nominell deutlich schwächere Mannschaften, die alles aufgebaute wieder einrissen. Um das reflektieren zu können braucht man damals nur hingeschaut zu haben. Dazu braucht es keine Foren.

    Hat er nun auf Schalke mit einem durchschnittlichen Kader überdurchschnittlich erfolgreichen Fußball spielen lassen? Oder hat er einen überdurchschnittlichen Kader übernommen und diesen mit der Zeit zu einer Durchschnittstruppe heruntergewerkelt?

    Das ist in der Tat die Frage. Wenn man sieht, welche schlechten Ergebnisse Fred Rutten mit dem gleichen Kader plus Engelaar und Farfan erzielt hat, hat Mirko Slomka vielleicht doch „aufs Ergebnis bezogen richtig“ spielen lassen. Unerträglich war es trotzdem.
    Die Neuverpflichtungen in seiner Amtszeit waren größtenteils katastrophal, und es lässt sich nicht ausmachen, wie die Entscheidungsfindungen dazu zwischen Andreas Müller und ihm aufzuteilen sind. Tatsächlich hat er aber, nachdem im Winter mit Vicente Sanchez und Albert Streit zwei Flügelspieler für sein 4-3-3-System eingekauft wurden, zur Rückrunde plötzlich mit zwei zentralen Stürmern spielen lassen, und das erstmal beibehalten. Da lief schon vieles schräg.

    Den Artikel in der Berliner Zeitung halte ich übrigens für eine Abrechnung bezüglich irgendwelcher Animositäten. Der Text ist sechs Jahre(!) nach den angeblich so schlimmen Vorfällen in Berlin erschienen. Im Juli 2000 las sich die Entscheidung für Slomka noch durchaus plausibel. Das sich Amateurtrainer Jaspert damals übergangen fühlte lässt sich natürlich nachvollziehen.

    „Nach fünf Niederlagen in Serie, darunter ein 1:7 gegen Uerdingen, musste Slomka gehen. Jaspert wurde sein Nachfolger, konnte den Scherbenhaufen aber auch nicht mehr kitten. […] TeBe stieg als Tabellenletzter ab.“

    Tatsächlich wurde Slomka nach 15 von 38 Saisonspielen rausgeschmissen, dann durfte Jaspert endlich ran. Nach 11 Spielen mit zwei Siegen, einem Unentschieden und 8 Niederlagen wurde auch der „fleißig schuftende“ Jaspert wieder des Amtes enthoben und seine Profitrainer-Karriere war beendet. TeBe stieg mit nur 23 Punkten aus 38 Spielen ab (7 Punkte Rückstand zum Vorletzten), nachdem auch der dritte Trainer Friedhelm Haebermann keins seiner 10 Spiele gewinnen konnte. Und das alles war der hinterhältige „gelernte Skilehrer“ schuld.
    Das ist so plausibel, dass der Eintracht-Stefan sein Blog-G sogar so eingerichtet hat, dass, wenn ein Kommentator dort „Slomka“ schreibt, der Name automatisch in einen Link zu diesem Artikel geändert wird. Das damit Intention und Aussage des Kommentars ungefragt verfälscht wird ist egal, schließlich muss auf investigativen Journalismus hingewiesen werden.

  7. Senor Flo sagt:

    Ich glaube, spätestens wenn Hecking bei Hannover 96 gefeuert wird, hat Mirko Slomka wieder einen Job. Ich kann nur aus Hannoveraner-Sicht berichten und hier wird er sehr hoch geschätzt. Meiner Meinung nach war er der beste Jugendtrainer, den 96 je hatte. Leute wie Kehl, Asamoah, Ernst, Mertesacker kommen alle aus seinen Jugendmannschaften. Mag sein, dass er unloyal gegenüber Rangnick war. So what? Loyalität existiert im Profifußball sowieso nicht. Ich würde mich jedenfalls freuen, ihn irgendwo wieder zu sehen. Er ist mir 100mal lieber als ein Dummschwätzer wie Neururer.

  8. Hans Imhof sagt:

    Die Berliner Zeitung und Schalke ist sowie so ein Thema für sich. Ich muss sie lesen, weil ich in der Gegend wohne und sie ansonsten die beste Zeitung hier ist.
    Aber die Abneigung (um nicht das four letter word mit H zu benutzen) gegen Schalke würde besser nach Lüdenscheid passen. Die Gegnerschaft zwischen Hertha und uns ist ja bekannt insoweit sind sie bei dem Blatt Traditionalisten.

  9. Nedo sagt:

    mal offtopic @hans imhof: Woher kommt eigentlich dieser Hass der Hertha auf Schalke? Hab ich nie verstanden. Für mich als Schalker ist die Hertha einer der 15 Bundesligaklubs die mich überhaupt nicht interessieren. Richtigen Hass hab ich gegen zwei andere Teams aus Lüdenscheid und Fröttmaning

  10. Torsten Wieland sagt:

    @Nedo: Dazu gab es vor dem letzten Duell einen Beitrag im Tagesspiegel mit dem Untertitel „Warum Herthas Fans die Schalker nicht mögen – und denen das egal ist“. Übrigens auch mit einigen Lesenswerten Kommentaren drunter.

  11. probek sagt:

    Abgründe wohin man blickt. Bin beeindruckt.

  12. Hans Imhof sagt:

    Das ist schon richtig, die Hertha interesiert eien nicht wirklich. Das ist so wie mit Bielefeld, die hassen uns wohl mindestens so wie die Hertha aber mehr als Abneigung, wie für Stuttgart o.ä. gibt die Arminia nicht her, bei den elf Freunden wird man trotzdem nicht wirklich froh.

  13. Frank Dubberke sagt:

    Ist Hass generell nicht „etwas“ überzogen?! Egal ist da schon der richtige Ansatz. Hertha hat doch auch gezeigt, dass sie es nicht zu Ende bringen können, genau wie unsere Startruppe.

    Um noch mal auf das eigentliche Thema zurück zu kommen. Slomka fand ich in verschiedener Hinsicht eher als positiv erstens hat er sich verständlich ausdrücken können und ist äußerst sympathisch rübergekommen. Wir er gegangen wurde war toller Stil des Hauses, wie schon bei Assauer und jetzt wahrscheinlich Kristajic. Kritikpunkte ganz klar die Auswechslungen, die im Spiel immer viel zu spät kamen um noch was zu bewirken. Er hat sich immer vor die Mannschaft gestellt, auch wenn die Grütze gekickt hat, ein großer Fehler. Denn nicht der Trainer steht auf dem Platz, sondern die gut bezahlten Profis. Engagement ist da noch das mindeste was man verlangen kann. Aber selbst das war zu oft nicht da. Ist daran der Slomka Schuld?
    Assauer, der schon zu Beginn sagte, auf den wäre ich nicht gekommen? Der Vorstand, der schon früh anfing zu rumoren? Müller, der die Profis auch mal hätte in den Senkel stellen können? Die immer ungeduldigen S04 Fans?

    Den Trainern immer die Schuld an allem zu geben ist ja im Fußball üblich auch die billigere und machbare Variante gegenüber der Entlassung des halben Kaders, was ja gar nicht geht. Verträge und Regularien sei dank. (finde ich perösnlich überhaupt nicht richtig)

    Slomka hat eine weitere Chance verdient und er hat 100%ig aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, da bin ich mir sicher. Selbstkritik ist ihm auch kein Fremdwort, aber er muss lernen auch denen eins zu verpassen, die an der Situation Schuld sind. Eloquenz und Diplomatie sind nicht immer angebracht. (Manche der Spieler verstehen diese Sprache auch gar nicht)

    Ich freue mich auf die neue Saison und auf die totale Kondition des S04.

  14. Slomka, Streit und schöne Sticker : Königsblog sagt:

    […] das ist wirklich nicht mehr wichtig. Wichtig ist Mirko Slomka für unsereins eh nicht mehr, interessant aber schon, finde ich. Matthias Bossaller führte ein Interview mit ihm, das vorgestern bei Zeit Online […]

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