Alles eine Sache des Timings

Auch „Beliebtheit“. Vor zwei Wochen machte die Nachricht von den beliebtesten Bundesligavereinen die Runde. Werder Bremen war dabei die Nummer eins, gefolgt von der TSG Hoffenheim …

trotz einer enttäuschenden Rückrunde und aller Vorbehalte gegen den Mäzen und SAP-Gründer Dietmar Hopp. Entscheidend für die hohen Werte war der Studie zufolge die Art des Auftritts: Mit attraktivem Offensivfußball und sichtbarer Spielfreude bezwangen die jungen Außenseiter selbst Traditionsvereine.

schrieb AP.

Schalke 04 landete auf Rang 3, höchst respektabel, nach einer Saison mit erneutem Trainerrauswurf, dem schlechtesten Tabellenplatz seit anno Tobak und den Possenspielen um die Trainer bzw. Managersuche, inklusive Tönnies-Kahn-Liveticker mit Pinkelzeiten.
Laut Studie war außerdem Jürgen Klinsmann nach Klopp und Löw der drittbeliebteste Trainer, und der VfL Wolfsburg taucht unter den beliebtesten 10 Vereinen nicht auf, obwohl sich Sportfive, Initiator der Umfrage in seiner Pressemitteilung sogar auf die Meisterschaft des VfL bezieht (unten):

Die wohl spannendste Fußballbundesliga-Saison seit Jahren hat ein verändertes Bild der deutschen Fußballlandschaft gezeichnet. Neben dem knappen Meisterschaftsrennen mit dem Überraschungserfolg des VfL Wolfsburg sorgten weitere Ereignisse für Abwechslung [...] Wie sich solche Entwicklungen auf den Fußballmarkt auswirken, zeigt die siebte Fußballstudie von Sportfive.

Ich habe trotzdem noch mal nachgefragt und die Antwort erhalten, auf die ich einiges gewettet hätte.

Hallo Herr Wieland,

der Befragungszeitraum lag zwischen dem 17. November und 7. Dezember 2008.

Grüße aus Hamburg

Vielleicht bin ich ein Pingel aber ich denke, diese Info hätte mit in die Meldung gehört.



16 Kommentare zu “Alles eine Sache des Timings”

  1. heinzkamke sagt:

    Pingel! Recht hast Du.

  2. Kid Klappergass sagt:

    Pingelig? Kleinlich? Wenn man kleinlich ist, wenn man Wert darauf legt, dass man alle notwendigen Informationen erhält, die man zur Beurteilung braucht, dann bin ich gerne kleinlich.

    In dem Befragungszeitraum spielte ja wohl auch das keine Rolle:
    “Sympathischster Verein der Bundesliga bleibt laut Analyse wie in den Jahren zuvor Werder Bremen, (..) obwohl dieser die schlechteste Saison seit 1999 spielte.”

    Das stand wie die Meisterschaft Wolfsburgs erst am Ende der Saison fest und nicht kurz vor Weihnachten.

    Pingelig? Das bist du ganz sicher nicht. AP kommt nicht ohne Grund auf die von dir zitierte, inhaltlich falsche Aussage:
    “Hoffenheim schaffte es als Herbstmeister mit 53 Prozent auf den zweiten Platz – trotz einer enttäuschenden Rückrunde (..)”

    Eine Rückrunde, die zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht einmal begonnen hatte …

  3. Torsten Wieland sagt:

    Just heute weist die Basler Zeitung darauf hin, dass Hoffenheim beliebter als Schalke und Bayern sei. Die Zeitung hält das Resultat für „verblüffend“.

  4. heinzkamke sagt:

    Oh, habe grade meinen Kommentar nochmals gelesen.
    Wie peinlich. Was ich sagen wollte:

    Pingel! (Ironie)
    Recht hast Du! (mit Deiner Kritik an der damaligen Meldung)

    Was ich schrieb, kann (muss?) man indes gegenteilig interpretieren. War aber keinesfalls so gemeint, sorry.

  5. Matthias sagt:

    Ich halte diese Beliebtheitsdiskussionen für Kokolores. Was soll “beliebt” denn eigentlich ausdrücken? “Finde ich ganz toll, möchte ich nicht mehr ohne leben” oder “Geht mir nicht komplett am Arsch vorbei”?

    Dass “Sportfive” eine derartige Umfrage (übrigens wird in der PM auch nicht gesagt, wie viele Personen befragt wurden, dafür wird aber keck festgestellt, dass St. Pauli 19 Millionen Fans hat) veranlasst und veröffentlich, hat nur einen Grund: Eigenwerbung. Als einer der führenden Sportvermarkter ist es für die Agentur doch ganz gut, wenn mitten in der Saure-Gurken-Zeit in der Presse über die Beliebtheit von Fußball berichtet wird. Wohlwissend wurde ja auch nur “die Zielgruppe der Fußballinteressierten” befragt, ohne jedoch zu erklären, wer diese “Zielgruppe” überhaupt ist.

    Der Wert einer derartigen Umfrage bewegt sich deshalb bei mir irgendwo zwischen der Wahl des “Krawattenträgers des Jahres” und “Miss Schalke 2009″.

  6. nolookpass sagt:

    2007 Fußballinteressierte wurden von der Sport+Markt AG Köln befragt. Dabei gehen sie von 52,73 Mio. Fußballinteressierten in Deutschland aus (älter als 14/15 Jahre), was ungefähr so ziemlich kaum jemanden wirklich ausschließt.

    Das Beste aber ist: Telefon-Interviews für diese Studie wurden bereits vom 5. bis 16. Mai geführt.

    2008.

    Also vor mehr als einem Jahr. Keine Ahnung, ob das nur vorbereitende Telefonate für die persönlichen Interviews im Winter waren oder schon einen Großteil der in die Studie einfließenden 2007 Befragten ausmachte.

    Wie auch immer. Natürlich sind das Pausenspielereien. Aber immer wieder schön zu sehen, wie kritisch mit Umfrageergebnissen aller Art umgegangen werden muss.

    (Quelle)

    Willstu kaufen? Kriegstu!

    25,- für Studenten, sonst 150 Euro.

  7. nolookpass sagt:

    Jetzt lassen sie wahrscheinlich alle zwei Tage was durchsickern: Wir lieben Holland!

  8. Spielfeldrand - Das Magazin » Blog Archive » DailySoccer 23/06/2009 sagt:

    [...] Alles eine Sache des Timings [...]

  9. Torsten Wieland sagt:

    Jetzt lassen sie wahrscheinlich alle zwei Tage was durchsickern: Wir lieben Holland!

    Jo, und wieder ist man “verblüfft” …

  10. Enno [welt-hertha-linke] sagt:

    Zur Repräsentativität wäre zu sagen, dass immerhin mehr als 2000, bzw. 5000 Menschen befragt wurden. Das ist deutlich mehr als Emnid für die Sonntagsfrage kontaktiert. Naja.

    Aber pingelig ist das überhaupt nicht. Denn die Studie wird scheinbar so aufbereitet, dass sie missverstanden werden muss.

    Galten die Niederländer in den 90er Jahren noch als bittere Rivalen, kommen sie 2009 auf einen Sympathiewert von 31 Prozent und liegen damit vor Italien, Frankreich oder Portugal.

    Von 2009 kann ja nicht dir Rede sein, wenn die Studie im Jahre 2008 durchgeführt wurde.

    Fazit: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Das habe ich zumindest in den beiden Grundkursen während meines Studiums gelernt.

    P.S.: Und wieder einmal beweist Herr Wieland, dass er nicht umsonst “Chefstatistiker der Blogosphäre” genannt wird.

  11. Mary sagt:

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  12. Die Wirklichkeit hinter der Meldung « Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus sagt:

    [...] Die Wirklichkeit hinter der Meldung Veröffentlicht 24. Juni 2009 Medien Leave a Comment Tags: Aufklärung, Internet, Medien Das Netz als Ort aufklärerischen Handelns! Wunderbar, wie Torsten Wieland die Meldung über das Ranking zur Beliebtheit deutscher Bundesligavereine hier mal kurz auseinander nimmt. [...]

  13. links for 2009-06-24 | Du Gehst Niemals Allein sagt:

    [...] Alles eine Sache des Timings : Königsblog Herr Wieland macht den Pingel und fragt nach. (tags: umfrage bundesliga sportfive werder hoffenheim) [...]

  14. Trainer Baade sagt:

    Offensichtlich glauben es die Protagonisten ja sogar selbst:

    Dass wir trotz des zehnten Platzes vor kurzem zum beliebtesten Verein Deutschlands gewählt wurden, freut mich natürlich sehr. Neben dem Pokalsieg führe ich das darauf zurück, dass wir hier eine Mannschaft mit Gesicht aufgebaut haben.

    Aus der 11Freunde.

    (Obwohl ich natürlich nicht sicher weiß, welche Quellen Schaaf hatte.)

  15. Enno [welt-hertha-linke] sagt:

    Naja, es sind halt nicht alle so “pingelig” wie wir Popelsblogger (mit “s”!). Und da kann es einem Bundesliga-Trainer schon mal passieren, dass er eine Statistik gänzlich falsch interpretiert. Bzw, einfach nur nachplappert, was er irgendwo gelesen hat, ohne zu wissen, wie diese Umfrage zu stande gekommen ist. Aber das klingt ja – ähnlich wie die bereinigte Arbeitslosenstatistik – auch einfach toll.

  16. Hoffenheim, Leverkusen, Wolfsburg – dort wohnt das deutsche Fußballglück | Du Gehst Niemals Allein sagt:

    [...] Vor ‘nem halben Jahr wunderte ich mich in diesem Kanal über 53 Prozent pro Hoffenheim, beim Pingel Wieland gab es dann mehr Erhellendes und eben unter anderem die Information zu lesen, dass das mit Umfragen [...]

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