Artikel im Juni 2009

Rauball redet in Rätseln

Wenn dann ein Trainer unverhofft abspringt, ist es in meinen Augen nicht nur ein Affront gegenüber dem Verein, sondern auch gegenüber den Fans und den Sponsoren – auch, wenn es eine vertraglich vereinbarte Ausstiegsklausel geben sollte. Bis auf wenige Ausnahme-Fälle bin ich dafür, von Ausstiegs-Klauseln so wenig Gebrauch wie möglich zu machen. Der Verzicht auf Ausstiegs-Klauseln dient dem Produkt Bundesliga.

Wie jeder deutsche Fußball-Funktionär hat nun auch Dr. Reinhard Rauball seine Meinung zum vierfachen Armin veröffentlicht. Dabei hält er die Arbeitsteilung zwischen DFB und DFL strikt ein: DFB-Mann Sammer ist für die Moral zuständig, Rauball kümmert sich für die Liga ums Geschäft bzw. ums „Produkt“. Und wo große Männer mahnen ist es tatsächlich an der Zeit zu reagieren, den Blick zu schärfen, der Sensibilisierung des Themas beizutragen.

Also:
Luhukay wurde von Gladbach nach 7 Spielen vor die Tür gesetzt. Tatsächlich recht unverhofft, wenn man bedenkt, dass sie mit ihm zuvor ab und wieder aufgestiegen sind. Meistertrainer Veh war dem VfB Stuttgart nach dem 14. Spieltag nicht mehr gut genug. Schalke gönnte Fed Rutten 268 Tage, so viele wie einst Frank Neubarth. Bayern München beendete seine Zukunft, nach der Niederlage gegen Schalke, am 29. Spieltag nicht minder unehrenhaft. Und Arminia Bielefeld schoss mit der Entlassung Frontzecks vor dem letzten Spiel den Vogel ab. Alle Trainer hatten offensichtlich wenig Spaß am Ende des Beschäftigungsverhältnisses. Was die Sponsoren dazu sagten ist nicht überliefert.

In Frankfurt und in Cottbus einigte man sich mit Funkel und mit Prasnikar auf eine Trennung; Entlassungen mit gewahrter Form. Die Trennung von Martin Jol und dem HSV war offiziell ebenfalls „einvernehmlich“. Gefallen hat das dem HSV sicherlich nicht, nachdem aber Trainer und Verein offensichtlich uneins über die sportliche Weiterentwicklung waren und zudem Jol der teuerste Trainer der Vereinsgeschichte gewesen ist, wurde in Hamburg auch nicht viel gejammert.

Bruno Labbadia hat angeblich in Leverkusen die Mannschaft entzweit. So war es jedenfalls zu lesen, dies soll der Grund gewesen sein, wieso diese talentierte Mannschaft mit dem Hang zum schön anzuschauenden Offensivfußball am Saisonende sogar hinter Schalke 04 zurückbleiben musste. Bayer hätte ihn möglicherweise sowieso rausgeschmissen, auch wenn der HSV ihn nicht hätte haben wollen.

Ja, vielleicht kann man sagen, dass Hans Meyer Borussia Mönchengladbach „im Stich gelassen“ hat. Dass diese Möglichkeit bestehen würde pfiffen allerdings bereits Mitte der Rückrunde sogar die Tauben des Ruhrgebiets von den Dächern, völlig überraschend war das nicht. Christoph Daum und Felix Magath haben keine Verträge gebrochen, sie hatten vertragliche Vereinbarungen, nach denen sie Wechseln durften. Gerne darf jeder, auch Herr Rauball, solche Vereinbarungen kritisieren, man kann sich aber auch mal die Frage stellen, wieso die Clubs den Trainern diese Klauseln zugestanden haben.

Wenn der 1. FC Köln als Zweitligist einen deutschen Meister als Trainer haben möchte, wenn die graue Betriebssportgruppe des Volkswagenkonzerns einen zweifachen Double-Gewinner zum starken Mann ernennen will, dann braucht es schon schlagende Argumente. Geld zieht immer. Was auch zieht ist die Aussicht, es sich nach einer Weile noch mal anders überlegen zu können. Nichts anderes haben Daum und Magath getan. Daum ist wieder König von Istanbul und Magath beginnt eine neue Herausforderung bei einem der schillerndsten Clubs der Republik.

Magaths Wechsel tut dem Produkt Bundesliga in Gelsenkirchen plus Einzugsgebiet enorm gut. Welche „Ausnahmefälle“ meint Herr Rauball eigentlich?

Absolute Gelassenheit

Glück definiert sich für mich nicht dadurch, welchen Posten ich einnehme, auf welcher Sprosse der Karriereleiter ich mich befinde. Ich habe immer gesagt ich arbeite gerne auf Schalke. Ich liebe diesen Club, ich bin seit 17 Jahren hier tätig. Ich liebe diesen Sport, und ich gehe stark davon aus, dass ich auch in den nächsten Jahren noch in diesem Sport tätig sein werde.

Im Fußball wird viel geschwätzt. Mit Belanglosigkeiten werden aus einem Satz drei gemacht, mit Floskeln weicht man klaren Aussagen auf. Mike Büskens ist wirklich anders. Kein großer Rhetoriker im eigentlichen Sinn, er überzeugt die Leute nicht mit Redekunst. Aber wer ihm mal vier oder fünf Sätze am Stück zugehört hat spürt seine Selbstsicherheit und lässt sich von seiner Ruhe beeindrucken. Er hält sich stets von allem Marktschreierischem fern, was auf Schalke eine echte Herausforderung darstellt.

Kurz vor Saisonschluss war Mike Büskens im DW-TV der Deutschen Welle zu Gast.




PS: „Wie ist es eigentlich mit der berühmten Ostkurve auf Schalke?“ … der Sprecher aus dem Off darf auch über Dinge reden, von denen er nichts versteht.

Count von Counts All-Star-Team

Manfred Unold

Dirk Rammenzweig

Harald Schötteldreier

Vincent Fourneuf

Stefano Cincotta

Martin Six

Tayfun Seven

Lewis Ochoa

Aleksandr Tikhonovetski

Getulio Vaca Diez

Sergio Conceição

[Blitz & Donner!]
Haaaaaaaa ha ha ha ha ha ha haaa …

Blatter will Stehplätze abschaffen

… weil es dann so angenehm ruhig wird.

Die Zäune könnten Stück für Stück entfernt werden. Der Wegfall von Stehtribünen soll helfen. Blatter: „Sitzende Menschen sind ruhig.“

Bemerkenswert, dass bislang restlos alle Medien Überschriften verwenden, die an der eigentlichen Nachricht vorbei gehen.

Zwischen Herz und Zahlen

Im Poker um den möglichen Neuer-Transfer von Schalke zu Bayern München vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Aspekte ins Spiel gebracht werden.
Schalke sieht keine Alternativen zum Verkauf seines Torwarts. „Wir können uns nicht erlauben, 20 Millionen Euro zu verlieren. Hinter Neuers Transfer steht ausschließlich eine wirtschaftliche Motivation“, sagte Geschäftsführer Peter Peters dem kicker.
„Wir haben alle ein Herz, doch wenn das Angebot derart hoch ist, muss sich auch ein großes Herz mit Zahlen auseinandersetzen“, fügte Peters hinzu.

Diesen Text gibt’s wirklich. Zugegebenermaßen mit anderen Namen. Eigentlich wird dabei der Kaka-Wechsel von Milan zu Real Madrid beschrieben. Ein Wechsel gegen den eigentlichen Wunsch des Spielers, zugunsten des Vereins, der ein obszönes Angebot nicht länger ausschlagen wollte.

Manuel Neuer ist Schalke-Fan. Das nehme ich ihm ab, das glauben ihm auch Fans anderer Clubs, Borussen, Bayern. Häufig achten diese Manuel Neuer dafür, Profis die wie Fans fühlen können sind selten geworden. Gleichzeitig wollen weder Borussen noch Bayern-Fans einen Schalker in ihrem Tor sehen. Und kein Schalke-Fan will sich Manuel Neuer im Bayern-Trikot vorstellen.

Aber der reiche FC Bayern braucht einen besseren Torwart und der arme FC Schalke braucht Geld für seinen Neuaufbau. Angeblich hat Felix Magath bereits letzte Woche jegliche Anfragen abgewiesen. Angeblich hat Bayern München vor kurzem ein obszönes Angebot erteilt. Angeblich will Felix Magath auch darauf nicht eingehen.

Ich hoffe sehr, dass Manuel Neuer auf Schalke bleibt. Gleichzeitig glaube ich an Neuers Potenzial, ich glaube daran, das er wirklich ein Weltklasse-Torwart werden kann. Und spätestens dann wird er nicht mehr auf Schalke spielen. Mir ist bewusst, dass ein Profi einen Vereinswechsel niemals kategorisch ausschließen kann, dass er immer auch von der Planung seines Clubs abhängig ist. Deshalb verzeihe ich Manuel Neuer seine verbale Eiertänze.

Kumpel bleibt Kumpel

Fritz Eckenga ist ja leider nicht nur Dichter und Kabarettist, sondern auch Borusse. Versaut hat ihn das zum Glück noch nicht, und weil es in der Kunst Typen braucht, gibt er in seiner WDR2-Radio-Kolumne lieber den Zigarre rauchenden Chef vom Stadion.

Heute kommentierte er als solcher den Wechsel von Oliver Wittke zum MSV Hellmich. Hörenswert.


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(3:04 Min)
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Der vierfache Armin

Von den 15 jüngst nichtabgestiegenen Erstligaclubs werden sieben in der kommende Saison auf jeden Fall mit einem neuen Trainer antreten. Zu zwei weiteren Clubs gibt’s entsprechende Gerüchte, Hertha ist dabei nicht mal mit eingerechnet. Dass bislang bereits vier Trainer ihre Jobs von sich aus aufgaben, ist dabei eine neue Qualität.

Wo ist die Kontinuität im Trainergeschäft geblieben?

… fragt ein Schwabe. Dabei kann er die bloße Anzahl der Trainerwechsel in dieser Saison eigentlich nicht meinen, viel gewechselt wurde schon immer. Eher meint er wohl das Beibehalten der Regel, dass ein Club seinen Trainer rauszuschmeißen, und dieser nicht von selbst zu gehen hat.

Armin Veh trat nach dem 8. Spieltag der Saison 03/04 als Trainer von Hansa Rostock zurück, worauf Hansa nicht vorbereitet war. Sieben Tage später übernahm er in seiner Heimatstadt Augsburg den Trainerjob beim hiesigen FC und veranlasste damit Hansa-Profi René Rydlewicz festzustellen, dass dies das Hinterhältigste und Feigste sei, was er je im Fußball erlebt habe.
Und nun also gleich der vierfache Armin: Felix Magath verlässt den goldenen Garten um den unsteten Riesen zu reiten. Hans Meyer verspürt wenig Lust, sich in der kommenden Spielzeit entlassen zu lassen. Daum ist lieber wieder Gott in Istanbul, statt sich des Prinz-Poldi-Problems anzunehmen. Und Martin Jol wechselt von einem „fantastischen Club“ zu einem noch „fantastischeren Club“ mit Perspektive.

In den Fan-Foren wird nun der Rydlewicz gegeben. Ist der Rauch erst mal verzogen bleibt die nüchterne Frage: Erleben wir so etwas zukünftig öfter? Werden demnächst jährlich alle Trainer ausgetauscht, wobei die Erfolglosen gefeuert werden und die Guten von sich aus gehen? Zu sicher sollte man sich seines Übungsleiters jedenfalls in keinem Fall mehr sein. Die Kontinuität besteht lediglich darin, dass sich stets alles verändert; so wie der Status des Armin Veh, vom Joblosen zum Nachfolger von Felix Magath im goldenen Garten.