Fleißige Millionäre

Sonntag fährt die Mannschaft des FC Schalke 04 ins Trainingslager. Letzte Woche war sie im Trainingslager. Auf der Startseite von schalke04.de wird über harte Arbeit, über Trainingslager-Tagebücher, das letzte Trainingslager, den zum nächsten Trainingslager mitreisenden Jermaine Jones und den neuen Fittneß-Coach berichtet. Das Quälix-Image Magaths wird gepflegt.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Fans, die schon seit langem Konditionsmängel bei den Königsblauen ausgemacht haben. Ich gehöre nicht dazu. An spielerische Armut, an einfallslose Herangehensweisen und ja, auch an Disziplinlosigkeiten kann ich mich erinnern. Schwere Beine gehörten meines Erachtens nicht zu den Problemen. Ich glaube, dass es dem Muskel egal ist, ob er durch einen Medizinball oder ein topmodernes, von der Sportindustrie eigens dazu angefertigtes Gewicht belastet wird. Ich glaube, dass die Konditionstrainer der Bundesliga allesamt ihre Spieler fit bekommen, ob sie sie dazu einzeln oder in der Gruppe laufen lassen, ob sie den Fitnessstand ihrer Probanden durch Laktatmessung oder Beobachtung einschätzen.
Vor einer ganze Weile sah ich eine Reportage über das Training des FC Barcelona. Dabei wurde dargestellt, dass auch das Konditionstranig immer mit Ball stattfinden würde, dass die Spieler niemals nur liefen, sondern dass Passspiele oder Torschussübungen in sehr kleinen Gruppen absolviert würden, um die Intensität hoch zu halten, und dass das als Konditionstraining reiche. Erfolg macht sexy, bei Barca wie bei Magath.

War ich anfangs noch so blauäugig und glaubte, dem Meister könnte eventuell die Beobachtung seiner harten Einheiten nicht behagen, bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass er gerade das möchte.
Wenn Fußballfans unzufrieden sind wollen sie ihre Mannschaft kämpfen sehen, schimpfen sie auf die faulen Millionäre, die für ihr Geld zu wenig leisten. Magath lässt seine Konditionseinheiten im Detail darstellen, lässt die Mannschaft durch öffentliche Parks rennen, lässt Trainingslager-Tagebücher veröffentlichen, lässt die Spieler die unebenen Steintreppen des abrissbereiten Parkstadions hochwetzen und lässt es zu, dass davon youtube-Videos aufgenommen werden.
Das ist es, was die Spieler brauchen, sagen die Fans. Und wenn es später mal nicht läuft, wird es schon mal nicht daran gelegen haben, dass die Millionäre faul sind.



2 Kommentare zu “Fleißige Millionäre”

  1. Manfred sagt:

    Jeden Spieler jeden Tag ein wenig schneller, ausdauernder, widerstandsfähiger machen vielleicht ;) ?
    Für mich läuft das unter Imagepflege, mit dem netten Nebeneffekt, daß eine gewisse Transparenz bewirkt werden soll.

  2. Frank Dubberke sagt:

    Liegt es alleine an spielerischer Armut, dass ich mich überhaupt nicht erinnern kann, wann wir das letzte Mal erleben durften, dass ein Spiel zu unseren Gunsten umgebogen wurde?

    Und ist nicht alles im Fußball irgendwie auch PR und Psychologie, weniger wäre manchmal mehr, aber das Rad geht nicht zurückzudrehen. Sonst könnten wir hier nicht auch noch unseren Senf dazugeben. Nicht wahr!?

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