Respekt braucht keine Selbstaufgabe

Die Rivalität zwischen Fans von Schalke 04 und Borussia Dortmund existiert in sehr unterschiedlichen Intensitäten. Selbst in einer Person, selbst in mir. Wenn ich auf einem Bahnsteig von einem Idioten mit einem Bierbecher beworfen werde, nur weil ich die richtigen Farben trage, macht mich das zweifelsohne sauer. Wenn es im Spiel heiß her geht, geht es in Spielen gegen Borussia heißer her als in anderen Spielen. Das titscht einen an, ob man will oder nicht. Trotzdem kann ich mich mit einem zu Borussia haltenden Menschen so gut unterhalten wie mit jedem anderen. Ich käme nie auf die Idee, einen interessanten Gesprächspartner zu meiden, nur weil ihm sein Schicksal einen Streich gespielt hat.

Ich bin dafür, dass die Rivalität die Grenzen zivilisierten Verhaltens nicht überschreiten, ich will das Fußballfans jeder Couleur unangetastet von besoffenen Spacken nach Hause gehen können. Deeskalation ist gut. Aber deshalb muss sich doch niemand zum Hampelmann machen! Deshalb darf man den Club der Anderen doch trotzdem scheiße finden!

Diese Rivalität ist ein ständiges und leichtes Thema für die Medien. Darüber lässt sich immer ein Text aus den Fingern saugen. Storys darüber wecken Emotionen und sprechen ein großes Publikum an. Man kann ganz generell darüber schreiben, als Begleitgeschichte zu einem Derby. Man kann anklagen, wenn es zu Gewalt kam. Wenn nicht, kann man loben. Man kann zurückblicken, auf die ereignisreiche Geschichte. Und es ist auch nicht weiter schwierig, die zu erwartenden O-Töne zu bekommen, um die gängigen Klischees mit aktuellen „Fakten“ zu bestätigen.

Das alles wird ständig wiederholt, ist deshalb absehbar und nicht besonders spannend. Es stört mich aber auch nicht. Über Punxatawney Phil, den Sommeranfang und die soziale Ader von Uli Hoeneß wird ja auch ständig das gleiche geschrieben. Diese Suche nach Harmonie, die in den Medien ausbricht wenn für einen der beiden Clubs etwas Besonderes ansteht, finde ich allerdings wirklich widerlich. Dann soll zusammengepappt werden, was nicht zusammengehört. Dann soll geschunkelt werden und man soll erkennen, dat et doch schön is, und für die Region, und überhaupt … fürchterlich!



8 Kommentare zu “Respekt braucht keine Selbstaufgabe”

  1. probek sagt:
  2. Torsten Wieland sagt:

    Verstehe ich nicht. Weder das Foto an sich – wieso rennen die da durch Bochum? – noch den Zusammenhang mit meinem Text.

  3. Andreas sagt:

    Hat Rudi Assauer eigentlich immer noch seinen BXB-Mitgliedsausweis?

  4. Torsten Wieland sagt:

    Weiß ich nicht, nehme ich aber an. Assauer war natürlich früher Borusse, insofern hat er zumindest ‚ne Ausrede.

  5. eisenschleuder sagt:

    die stadt deren namen man nicht ausspricht, zecken, und und und. ich find das alles ziemlich vorpubertär. im grunde hat man in der nachbarschaft einen sehr interessanten fussballverein und vergleiche ich die in den vereinen und anhängerschaft vorherrschenden philosophien erkenne ich sofort warum ich schalker sein muss. ich denke wer seinen verein liebt setzt sich auch kritisch mit ihm auseinander. da hat man eigentlich auch genug mit zu tun und somit bleibt keine zeit sich künstlich über andere aufzuregen. wer sich wirklich ein problem mit anhängern eines anderen fussballvereins hat, der gehört auf die couch.

    nichtsdestotrotz hat man natürlich spass den freunde und bekannte der anderen fraktion gelegentlich mal ob der ergebnisse vom wochenende aufzuziehen. wer aber ein flugzeug aufsteigen lässt um ne dämliche parole zu verbreiten oder eigentum in form eines banners entwendet um sein mangelndes selbstwertgefühl aufzupolieren braucht dringend hilfe.

    außerdem: wenn man borussia dortmund nicht hätte, müsste man sich einen anderen lieblingsgegner suchen.

  6. spielfeldrand's status on Monday, 27-Jul-09 08:48:26 UTC - Identi.ca sagt:

    […] Linktipp: Respekt braucht keine Selbstaufgabe (Königsblog) http://koenigsblog.net/2009/07.....staufgabe/ […]

  7. Der Beste. « angedacht sagt:

    […] Zufall war, dass die Rivalität zwischen Schalke und Dortmund im Königsblog kurz darauf nochmals explizit und angenehm unaufgeregt thematisiert […]

  8. Spielfeldrand - Das Magazin » Blog Archive » DailySoccer 27/07/2009 sagt:

    […] Respekt braucht keine Selbstaufgabe […]

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