Artikel im August 2009

Uhh, ‚n Aufsteiger!

Schalke hat Samstag gegen einen Aufsteiger verloren. Wieder mal. Von wegen Favoritenrolle oder ähnlichem Kokolores: Von den letzten 14 Spielen gegen Aufsteiger verlor Schalke 04 immerhin 5. Gewonnen werden konnte lediglich sechsmal, dreimal spielte man unentschieden. Dabei konnte Schalke nur gegen den MSV Duisburg in einer Saison beide Spiele gewinnen.
Rechnet man die Punktausbeute auf eine Spielzeit hoch, kommt man fast genau auf die mittelmäßige Punktzahl, die Schalke 04 am Ende der letzten Saison auf dem Konto hatte. Für Schalke 04 scheint jeder Gegner gleichschwer zu besiegen zu sein.


Verdient verloren

Verloren. Ein Heimspiel gegen einen Aufsteiger. Ärgerlich, aber nun gut. Das schlimmste an diesem Spiel war aber, dass die zweite Halbzeit so sehr an die letzten zwei Jahre erinnerte. Und die erste Hälfte war auch ein komisches Ding.

Eigentlich standen die gleichen Spieler auf dem Platz wie im Heimspiel gegen den VfL Bochum. Und doch ergaben sich merkwürdige Raumaufteilungen. Ivan Rakitic klebte nahezu an der linken Seitenlinie. Ob es an seiner katastrophalen Tagesform lag oder gewollt war, jedenfalls zog er so gut wie nie in die Mitte. Jefferson Farfan blieb ebenfalls meistens weit außen. Und Heiko Westermann war bemüht, den leeren Raum hinter Kevin Kuranyi auszufüllen. Was ihm nicht gelang, weil er zum einen einfach kein Offensivspieler ist, und weil er zum anderen in dieser Saison einfach noch nicht zu sich gefunden hat. Was die Form angeht war in den bisherigen Spielen wohl nur Ivan Rakitic noch schlechter drauf.

Und während sich Schalke suchte und nicht fand, legte der SC Freiburg eine prima Raumaufteilung auf den Rasen. Sie hatten eine Idee, wie sie ihre Stürmer einsetzten wollten, und sie wussten was sie taten, wenn Schalke in Ballbesitz war. Auch wenn das Tor nicht erspielt war, sondern aus einem krassen Fehler Benni Höwedes’ resultierte, die Führung zur Halbzeit war nicht unverdient.

Tja, und was in der zweiten Halbzeit folgte kannten wir aus vielen der 34 Heimspiele der letzten zwei Jahre. Mit der 1:0 Führung im Rücken zog sich der Gegner weit zurück und konnte darauf bauen, dass es Schalke an der nötigen Kreativität fehlt, um einen solchen Riegel zu knacken. So war es unter Klinsmann sogar den Bayern recht, Samstag war es Freiburg billig.
Kombinationsspiel fand kaum noch statt. Es fehlte an Tempo, um die wenigen sich bietenden Räume zu nutzen. Und mit der Zeit wurden die Aktionen immer verzweifelter, wurden aus dem Halbfeld hohe Bälle in die Mitte gepöhlt, in der Hoffnung Kuranyis Kopf zu treffen. Man traf ihn aber nicht.

Die Sache mit Rafinha drückte aufs Gemüt. Ich würde aber nicht soweit gehen wie Zatopek, und dieser Geschichte einen Einfluss auf das Spielgeschehen zusprechen. Ein doch außergewöhnlicher Vorfall passt nicht zu einer leider sehr gewöhnlichen Schalker Schlechtleistung. Und wo wir gerade bei Schlechtleistungen sind: In 14 Tagen geht’s nach Köln. Da gäbe es auch einiges gutzumachen.

Der zweite Teil der Wahrheit

In der Sportschau wurde es erzählt und bis jetzt habe ich es so in jedem Internet-Text zum heutigen Spiel gegen den SC Freiburg gelesen: Nachdem zu Beginn der zweiten Halbzeit das Gerücht über einen bevorstehenden Rafinha-Wechsel zu Bayern München die Runde machte, ist Rafinha vom Schalker Publikum ausgepfiffen worden. Das stimmt. Es ist aber nur die Hälfte der Wahrheit.

Es waren deutliche und laute Pfiffe, die Rafinha bei Ballberührung entgegen schallten. Deutlich mehr als nur eine Handvoll Fans, mehr als nur eine Ecke der Kurve, die daran beteiligt waren. Und doch gab es viel mehr Schalker, die das nicht wollten, die sich auf den Tribünen Wortgefechte mit den Pfeifenden lieferten. Und die als Reaktion plötzlich anfingen zu applaudieren!

Fortan mischte sich Applaus unter die Pfiffe, wenn Rafinha am Ball war. Und er wurde lauter, immer mehr Schalker verstanden plötzlich diese Reaktion und begannen mitzumachen. Es gipfelte in Rafinha-Sprechchören und hatte Erfolg: Die Pfiffe wurden niederapplaudiert, von da an gab es keine mehr.
Ein bewegender Moment, im dem die große Zuschauerschaft begriff, wie sie auf einfache und sympathische Art und Weise gegen eine Minderheit Möchtegernstimmungsbestimmer vorgehen kann. Und auch eine zuletzt sehr positive Geschichte, wie ich meine, die wohl auch genau deshalb von keinem Mediendienst erzählt wird. Sie passt eben nicht in das derzeitige Bild vom chaotischen Pleiteverein mit den abgehobenen und achso schnell unzufriedenden Fans. Wahr ist sie dennoch. Schalke ist eben immer mehr als einfach.



Foto: TomaszBo
Zum Spiel gegen den SC Freiburg später mehr.

Die Anderen hören, mich lesen

Guten Morgen!
Samstag, Fußball, Schalker Heimspiel gegen Freiburg.

Gibt’s ein Blog zum SC Freiburg? Gibt’s ein Forum? Was ist ein Blog?
Tatsächlich bietet die offizielle Seite des SC Freiburg kein Forum, aber es gibt eine andere interessante Seite, eine – Zitat – „unabhängige Fanseite über den SC Freiburg“, nämlich http://scfreiburg1904.de.
Es ist kein Blog aber es bietet ein Forum, und auch was die Quantität und Qualität der Texte angeht ist diese Seite der offiziellen Clubseite überlegen. Paul, einer der Betreiber dieser Seite schrieb mich letzte Woche an, ob ich zu einem Kurzinterview zur Verfügung stehen würde. Gerne mache ich sowas, also gibt es heute ein bisschen was von meiner Meinung zu den Dingen ebendort zu lesen.

Frischen Hörstoff produzieren seit neustem einige Bloggerkollegen.
Der werte Probek, Bayern-Fan aber trotzdem erfrischend in Ordnung, kam auf die Idee, schuf ein Forum und ist bis heute eine treibende Kraft. Als erklärter Podcast-Fan fühlte ich mich auch angesprochen, habe mich im Forum gelegentlich beteiligt, musste aber feststellen, dass mein Zeitkontingent für solcherlei Dinge mit dem Schreiben fürs Königsblog weitestgehend erschöpft ist. Leider kam ich kaum noch nach, die Diskussionen um die Entwicklung dieses Podcasts zu verfolgen, geschweige denn mich weiter einzubringen. Was ich wirklich bedauere.

Mittlerweile gibt’s das dritte Hörstück. Weiter eine „Testausgabe“ wie Probek es nennt, aufbereitet und geschnitten von dogfood aber auch für Non-Freaks sehr hörbar. Und weiterhin unter dem unsäglichen Namen „Ballpod“. Aber auf die Inhalte kommt es an.


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(58:02 Min)
mp3-Datei

Schalker Heimspiel in der 11 Freunde-Bar

Das „Heimspiel“ ist in diesem Fall eine neue Sendung im DSF. Eine weitere Fußball-Talkshow, immer freitags um 21.15 Uhr, live, die sich dadurch von anderen Talkshows unterscheiden möchte, dass sie „Fans bewusst einbindet“.

Zwei Ausgaben gab es bereits. Inwieweit das Einbinden der Fans funktioniert hat, kann ich allerdings nicht beurteilen, weil ich nur Teile der ersten Sendung gesehen habe. Heute Abend geht’s aber (auch) um Schalke, zum Untertitel „Die Macht der Fans: Glaube, Liebe, Hoffnung“ sind unter anderem Willi Landgraf und Stefan Barta dabei. Und weil man von der Richtigkeit des Konzepts überzeugt ist, hat man mich sogar eingeladen, mich vor Ort davon überzeugen zu lassen. Also fahre ich hin und schau’s mir an. Ma’kucken.

? für’n !

Es gibt kein Angebot, sagt Felix Magath. Aber es gibt wohl Interesse an Rafinha, von namhaften Clubs. Dass sich derart viele Medien in verschiedenen Ländern diese Geschichte ausgedacht haben, denke ich nicht. Und bis Montag ist ja noch genug Zeit.

Meines Erachtens ist Rafinha ein Spieler, der in die Champions League gehört. Meines Erachtens ist er neben Manuel Neuer derjenige, der sich auch bei einem der ganz großen Clubs durchsetzen könnte. Das er zu einem Champions League-Club wechseln möchte, kann ich verstehen. Falls Felix Magath für eine angemessene Ablösesumme einem Verkauf zustimmen würde, könnte ich das auch verstehen, der Manager Magath würde an Flexibilität gewinnen. Trotzdem wäre klar: Die aktuelle Mannschaft würde ein Ausrufezeichen verlieren.

Wie sich diese Mannschaft in dieser Saison schlagen wird, ist unabsehbar. Aktuell spielen viele Jungspunde große Rollen. Aktuell ist Neuzugang Mineiro überraschend souverän. In den ersten drei Bundesligaspielen waren stets vier oder fünf Fragezeichen auf dem Platz, neue und unerprobte Bundesligaspieler. Rafinha ist seit vier Jahren auf Schalke und von Beginn an bis heute ein zuverlässig guter Spieler. Ihn jetzt durch ein weiteres Fragezeichen zu ersetzen wäre schon hart.

Überall Schalker

In Holland sein, und trotzdem irgendwie auf Schalke. Geht alles, man muss es sich eben nur einrichten. So wie der in Winterswijk campierende Knappenkumpel. Glück auf!




Fotos: Meine werte Kollegin Lotte B.