Der Ehre wegen
Stichwörter: Schalke 04
„Egal wann Du mal nach Leverkusen kommst, bei uns im Stadion oder bei uns im Hotel bist Du immer eingeladen.“
… sagte Rudi Völler in der WDR2 Sendung MonTalk über und zu Markus Münch. Weil Markus Münch 1996 mit seinem einzigen Saisontor am letzten Spieltag gegen Kaiserslautern dafür sorgte, dass Bayer 04 Leverkusen nicht in die zweite Liga abstieg. Und Schalke 04 streicht Rudi Assauer die Ehrenkarten.
Jeder, der hier einigermaßen regelmäßig mitliest, weiß, dass ich kein großer Assauer-Fan bin. Meines Erachtens hat er Fehler gemacht die bis heute nachwirken. Mich nervt, dass er den Revolverblättern der Republik regelmäßig dumme Sprüche zu meinem Verein liefert. Mich stört seine Metamorphose vom Fußball-Insider zum B-Promi. Und mich ärgert fast, dass einer, der einst auf dem Pavianhügel mit leuchtend rotem Arsch ganz oben saß, heute nur noch zur Karikatur seiner selbst gereicht.
Aber der Mann war jahrelang das Gesicht des FC Schalke 04. Seine Amtszeit kann zurecht als die „Ära Assauer“ beschrieben werden. Sie umfasst die sportlich erfolgreichste Zeit seit Bundesligagründung, den Aufbruch mit dem Bau der Arena, das Wachsen des Clubs, der heute fast 80.000 Mitglieder zählt.
Es geht nicht darum, dass einem Mann, der gerne öffentlich meckert, etwas geschenkt werden muss. Ehrenkarten gibt es der Ehre, nicht der Pflicht wegen. Es geht darum, dass sich das, was wir gerne „unseren Verein“ nennen, wie ein Unternehmen gebärdet, das einfach entfernt, was nicht dem Corporate Identity entspricht.
Übel. Und ein bisschen peinlich.
Kommentare
12 Kommentare zu “Der Ehre wegen”
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Was ist daran peinlich, jemanden außen vor zu lassen, der immer genau dann gezielt die Öffentlichkeit des Boulevards sucht, wenn es um seine höchst eigenen Interessen geht?
Seit Jahren pflegt Rudi Assauer seine verletzte Eitelkeit, weil er nicht begreifen will, dass er sich durch eigenes Zutun erst zum Denkmal erklärt und es anschließend genau so wieder abgerissen hat.
Ich weine diesem Mann keine einzige Träne mehr nach, genausowenig wie Olaf Thon. Es wird Zeit, sich von diesen falschen Ikonen zu verabschieden. Schalke darf stolz auf seine Vergangenheit blicken, aber es muss deswegen nicht in ewiger Blindheit erstarren.
Peinlich ist, dass es dem Club als Institition an Gelassenheit und Würde fehlt.
Assauer soll ja nicht wieder Manager werden.
Anderes Beispiel: Andreas Müller. Ich wollte auch, dass er als Manager entlassen wird. Aber der Mann gehörte 21 Jahre zum Verein! Nur weil man ihn als Manager nicht mehr will muss man ihm nicht in den Arsch treten (von wegen “sich von falschen Ikonen verabschieden”).
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.
Natürlich ist es peinlich, wenn einem verdienten Mann die Karten weggenommen werden. Und völlig unnötig. Oder kann mir jemand einen vernünftigen Grund nennen.
Andererseits kann ich auch die verstehen, die Assauers Gang durch den Boulevard und seine beißende Kritik an allem und jedem in den letzten Jahren verurteilen und ihn nicht mehr sehen wollen. Dabei sollte man aber bedenken, das die Kritik an mancher Personalentscheidung von vielen vielen Schalkern ebenfalls geäußert wurde, nur halt nicht über Benno Weber und Peter Wenzel.
Am Rande @Torsten: Beim Nachgucken, wer neben Benno Weber bei der Bild viel für Schalke und Assauer gemacht habe, sah ich, das Rakitic und Juve aneinander interessiert sind. Da haben wir es wieder…
Ja. Und Barca. Gehen wir davon aus, dass sein Berater verkünden wird, dass sich Ivan für Schalke 04 entschieden hat …
Ich weiß es gar nicht mehr so genau. Aber hatte Rudi nicht selbst irgendwann in den 90ern mal sogar ein Stadionverbot für Rüssmann ausgesprochen, oder war es gegen Eichberg? Mann, das ist schon so lange her und im Netz wurde damals ja noch nicht jeder Pups gespeichert.;)
ich glaube auch, dass es besser gewesen wäre nicht zickig zu reagieren. man kann dem assauerschen gewäsch auch durch ausbleiben einer vereins-reaktion zeigen, was es ist: irrelevant!
das geseier geht einem natürlich auf den keks. und misch schmerzt es auch, dass teile der leserschaft der revolverblätter aus der überschrift “assauer verprügelt frau am sylter strand” auch immer “schalker verprügelt frau am sylter strand” lesen.
aber gerade weil assauer so stillos ist, sollte man besonnen stilvoll reagieren.
Torsten, wurde Andreas Müller im Nachhinein in irgendeiner Form mies vom Verein behandelt? Davon ist mir jedenfalls nichts bekannt und in seinem Falle wäre es sicher mehr als unangebracht, denn im Gegensatz zu Assauer wälzt sich Müller weder in aller Öffentlichkeit im Schlamm, noch wirft er damit. Als Spieler bleibt er für mich ohnehin eine unantastbare Ikone.
Letztendlich aber entschuldigt quantitativ bemessene Vereinszugehörigkeit (von Treue mag ich erst gar nicht reden) kein vereinsschädigendes Verhalten. Da könnten eher Tugenden wie z.b. Reue, Selbstkritik und Demut greifen, aber gerade diese Dinge vermisse ich bei unserem Ex-Idol in seiner hochnotpeinlichen Öffentlichkeitsarbeit leider bis heute.
Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe selbst einmal ganz, ganz große Stücke auf Herrn Assauer gehalten, bis mir bewusst wurde, wie Anspruch und Wirklichkeit bei ihm zusehends auseinander klafften. Allerspätestens seit seiner grundlegenden Ablehnung und letztendlichen Demontage Ralf Rangnicks war bei mir Schicht im Schacht. Ich muss nicht alles toll finden, bloß weil einer mal ein Stadion hat bauen lassen.
Es mag etwas dran sein, dass es stillschweigende Ignoranz in seinem Falle auch getan hätte. Doch ich würde mir genausowenig einen stets nörgelnden Meckerkopp ins Wohnzimmer stellen, der mir auch noch das ganze Bier weg süppelt und anschließend mit Gläsern schmeißt. ;o))
Wem eine Ehre wiederfahren soll, der sollte sich auch ehrenhaft verhalten. Letzteres hat Assauer in den letzten Jahren schlichtweg nicht getan. Erst am vergangenen Wochenende hat er einmal mehr bei einer Allerwelts-”Talkrunde” auf dem Dorf (Wettringen) eine Tirade gegen den Verein und die handelnden Personen losgelassen. Siehe http://tinyurl.com/lm7sne
Seine Verdienste sind unbestritten, seine Fehler ebenfalls. Sein Unwille zur Machtabgabe führte letztendlich dazu, dass er mit Andreas Müller einen “Nachfolger aufbaute”, wohl wissend, dass dieser ihm niemals gefährlich werden könne. Eine äußerst beliebte Taktik gerissener Diktatoren, übrigens. Fragt nach in Nordkorea, wo grundsätzlich der dümmste und ungefährlichste Sohn zum aufzubauenden Nachfolger auserkoren wird. Als Assauer dann doch gestürzt wurde, hatten wir den Salat: einen Manager, dem die Eignung für dieses Amt fehlte, weil er von seinem Vorgänger niemals ernsthaft dafür vorgesehen war.
Ehre wem Ehre gebührt. Ich glaube schon, dass der eine oder andere SPD’ler gerne an Oskar Lafontaines Zeit als Ministerpräsident des Saarlandes denkt und sich insgeheim die gute alte Zeit zurückwünscht. Eine Ehrenkarte zum SPD-Picknick am Bundespressestrand dürfte Oskar heute allerdings kaum erhalten.
Mich nervt Assauer seit Jahren einfach nur noch an. Er ist längst nur noch ein peinlicher B-Promi und reiht sich nahtlos ein in die Riege der Lucy Kwiatkowskis, Joey Kellys oder Oliver Petzoklats, die sich einzig und allein in der Öffentlichkeit halten, weil sie früher mal “wer” waren.
Assauer hat mit der Arena Großes geschaffen, dabei aber auch selbst gutes Geld verdient. Man erinnere sich an die Zeiten, in denen beinahe tägliche neue Beteiligungs- und Betreibergesellschaften angemeldet wurden, in denen Assauer Miteigner war. Ergo wird er noch ein paar Euro auf der hohen Kante haben und kann sich seine Eintrittskarten demnächst auch selbst leisten.
Die Aberkennung der Ehrenkarten war eine Geste des FC Schalke. Vielleicht nicht die geschickteste und auch nicht die souveränste, aber eine deutliche. Sie besagt klipp und klar: Wer meint, uns seit Jahren mit Dreck bewerfen zu müssen, wird von uns nicht mehr hofiert. Und für diese Haltung habe ich persönlich größtmögliches Verständnis.
ja, Rudi Assauer hat nicht nur an div. Betreibergesellschaften verdient, er hatte ja offensichtlich bis jetzt immer noch ein Vertragsverhältnis mit S04, wie man dem Zeitungsartikel der WAZ entnehmen konnte. Und er verdient an einem Werbevertrag, den er ebenfalls dem Verein zu verdanken hat.
Ich erinnere mich, dass Assauer bei seinem Geheimtreffen mit den Focus-Journalisten einst von sich sagte, dass er zur Arena-Finanzierung nichts sagen könne, denn die sei nicht sein Ressort gewesen. Die Idee zum Stadion stammte ja bekanntlich schon von Herrn Eichberg. Wenn es heute heißt, Assauer habe uns die Arena “geschenkt”, frage ich mich immer, was genau sein Anteil war. Er hat das Projekt nach außen verkauft, das ohne Zweifel. Trotzdem kommt es mir stets seltsam vor, wenn es heißt, er habe die Arena höchstpersönlich gebaut.
Kann mich da Matthias vollkommen anschließen.
Assauer hat ja in letzter Zeit oft genug angegeben, mit Schalke nichts mehr am Hut zu haben. Es war aus meiner Sicht als Schalke-Fan einfach nur noch peinlich, dass der Verein in der Medienwahrnehmung immer noch so mit Assauer verknüpft war. Spätestens seit der Episode “Rolf” Rangnick war er nicht mehr tragbar.
Sicher, seine Verdienste in den 90ern sind unbestritten und anerkennenswert. Aber es ist genauso zu bedenken, in welcher extremen finanziellen Schieflage er Schalke wieder hinterlassen hatte. Und seine Meinungsbeiträge seitdem lassen eine Stellung als “Ehrengast” des Vereins absurd erscheinen. Es war zwar sicher nicht zwingend notwendig, so zu reagieren, aber IMHO absolut nachvollziehbar.
[...] die Arena gehen, aber doch ohne Anerkennung seiner für Schalke 04 einst geleisteten Arbeit. Im Königsblog ist darüber gestern eine kleine Diskussion entstanden, wie dieser Entzug der Ehrenkarte Assauers [...]
Das könnte sich ja bald zu einem landesweiten Phänomen auswachsen. Rudi, Franz, Willi … Bisher dachte ich immer, dass sich das nur bei Politikern ab einem gewissen Alter einstellt, scheint aber vermehrt auch bei ehemaligen Fußballgrößen Einzug zu halten.
Nichtsdestotrotz finde ich, dass man da Größe zeigen und drüber stehen sollte.