Punkt

Die Erwartungshaltung bestimmt das Fazit. Tatsächlich kann man Überschriften finden wie „Schalke holt in Hoffenheim nur einen Zähler“ oder „1899 trotzt Schalke 04“, wie der biedere kicker gestern auf seine Startseite schrieb. Dabei trotzte doch eher Schalke, und so ähnlich war es auch zu erwarten. Ich bin mit einem Punkt aus Hoffenheim zufrieden.

Hoffenheim hat eine spielstarke Mannschaft und hart spielen kann sie auch. Ob sie noch mal so ins Rollen kommt wie in der Hinrunde der letzten Saison bleibt abzuwarten. Das Wissen um das Können dieser Mannschaft ist aber da. Über die neue Schalker Mannschaft lässt sich nur ahnen. Gestern war Hoffenheim nicht toll, spielte aber ordentlich, und Schalke spielte schlecht.
„Hart dagegenhalten“ bei gleichzeitig „schnellem, technisch sauberem Fußball“ ist das höhere Niveau, dass Schalke noch nicht hat. Als Hoffenheim noch nicht richtig im Spiel war und Schalke etwas Luft lies, ging’s noch. Da lief der Ball ganz gut durch die Schalker Reihen. Aber das währte nur eine Viertelstunde. Als Hoffenheim schneller wurde, Schalke in härtere Zweikämpfe zwang, waren die Knappen mit dem Dagegenhalten völlig ausgelastet. Das Spiel verlagerte sich mehr und mehr in Schalkes Hälfte und meist war der Ball nach zwei Schalker Stationen wieder weg. Fortan hingen Farfan und Kuranyi in der Luft, erfuhren keine Unterstützung mehr, fanden keine Abspielmöglichkeiten. Offensivspiel fand nicht mehr statt.

Defensiv hatte Schalke ebenfalls Probleme. Die Mannschaft rannte und grätschte, bekam in heiklen Situationen sehr oft noch ein Bein dazwischen, Kampfeskraft und –wille waren gegeben. Trotzdem konnte Hoffenheim nicht weit genug vom Tor ferngehalten werden. Einige Male kamen Vedad Ibisevic, Sejad Sahlihovic oder Demba Ba in aussichtsreichen Positionen zum Abschluss. Glücklicherweise waren die allermeisten Hoffenheimer Torschüsse oder Kopfbälle von erstaunlicher Harmlosigkeit.

Achja, und Schiedsrichter Weiner wird vermutlich keine gute kicker-Note erhalten. Er pfiff unstet, mal zu kleinlich, mal gar nicht, und er verteilte seine gelben Karten nach undurchschaubarem Muster. Außerdem verweigerte er Hoffenheim einen klaren Strafstoß.
Es ist, als ob die Herren der FIFA in ihrer „Auslegung der Spielregeln“ zu Regel 12 genau die Szene zwischen Christoph Moritz und Vedad Ibisevic gemeint hätten:

Wenn ein Verteidiger einen Angreifer außerhalb des Strafraums zu halten beginnt, ihn jedoch bis in den Strafraum weiter festhält, entscheidet der Schiedsrichter auf Strafstoß.

Woher die weit verbreitete Meinung stammt, dass ein Freistoß immer dort auszuführen sei wo das „Foul begann“, weiß ich nicht.

Schalke hat schlecht gespielt, Massel gehabt und gepunktet. Dass ist in den letzten Jahren desöfteren vorgekommen, und sehr häufig war ich dann unzufrieden statt mich einfach nur über die Punkte zu freuen. Heute schaffe ich das. Es herrscht die Gewissheit, dass anders, besser gespielt werden soll. Felix Magath hat klar gesagt, dass er das Spiel sehr schlecht fand. Nachdem im der Vergangenheit häufig der Eindruck erweckt wurde, dass das Spiel egal sei solange am Ende nur das Richtige dabei rauskommt, ist der Eindruck derzeit ein völlig anderer. Mit Hoffnung auf Besserung lässt sich eine schlechte Leistung sehr viel leichter akzeptieren.



4 Kommentare zu “Punkt”

  1. Andreas sagt:

    Ich erinnere mich gerade, wie sehr mich dieses spielerische „in der Luft hängen“ unter Rutten irritiert, ja deprimiert hat. Nun kann ich getrost abwarten, denn im Gegensatz zum Vorjahr ist inzwischen eine Veränderung spürbar, die weit über die Grobrhetorik des Herrn Müller hinaus geht.

    Das gestrige Geholpere wurde nüchtern eingeordnet und wird Taten nach sich ziehen, dessen bin ich mir sicher. Die Großbaustelle Mittelfeld wird frühestens zur Mitte der Saison erkennen lassen, wohin die Reise unter Magath geht: Da sind mir einfach noch zuviele Wackelkandidaten unterwegs, die erst einmal lernen müssen, mit dem Anspruchsdenken ihres Übungsleiters umzugehen. Wenigstens ist die Zeit des Erstarrens vorbei.

    Daher sollen sich andere von der Presse bekloppt machen lassen. Dem 6-Punkte-Juchhei folgte nun prompt das genüssliche Sezieren der längst bekannten Schalker Schwächen. Als ob ein einziger Knappe mit Verstand ernsthaft vom Meistertitel geredet hätte.

  2. Jan sagt:

    Zunächsteinmal bin ich mit dem Punkt auch völlig zufrieden.
    Auswärts bei einem Konkurenten um die ersten 5 Plätze einen Punkt zu holen reicht.

    Zum Elfer: In der Szene die du beschreibst war in der Sportschau klar zu sehen, dass Moritz Ibisevic etwa 10 cm vor dem Strafraum wieder loslässt.
    Ein klarer Elfer war da eher als Benni Demba Ba umgerissen hat.

  3. nedfuller sagt:

    Magath macht Hoffnung.

  4. RJonathan sagt:

    Kann die Spielanalyse hier unterschreiben. Zu erwarten war vorher auch nicht viel mehr, gehofft hatte ich natürlich trotzdem – aber Hoffnung hat man ja immer.

    Zum Elfer: Ich bin mir nicht so sicher, dass Moritz Ibisevic noch im Strafraum gehalten hatte. Ibisevic ict im Strafraum zu Boden gegangen, die Hand war in diesem Moment aber schon wieder weg, glaube ich. In jedem Fall war die Situation nicht so eindeutig, wie Du das hier schreibst.

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