Der zweite Teil der Wahrheit

In der Sportschau wurde es erzählt und bis jetzt habe ich es so in jedem Internet-Text zum heutigen Spiel gegen den SC Freiburg gelesen: Nachdem zu Beginn der zweiten Halbzeit das Gerücht über einen bevorstehenden Rafinha-Wechsel zu Bayern München die Runde machte, ist Rafinha vom Schalker Publikum ausgepfiffen worden. Das stimmt. Es ist aber nur die Hälfte der Wahrheit.

Es waren deutliche und laute Pfiffe, die Rafinha bei Ballberührung entgegen schallten. Deutlich mehr als nur eine Handvoll Fans, mehr als nur eine Ecke der Kurve, die daran beteiligt waren. Und doch gab es viel mehr Schalker, die das nicht wollten, die sich auf den Tribünen Wortgefechte mit den Pfeifenden lieferten. Und die als Reaktion plötzlich anfingen zu applaudieren!

Fortan mischte sich Applaus unter die Pfiffe, wenn Rafinha am Ball war. Und er wurde lauter, immer mehr Schalker verstanden plötzlich diese Reaktion und begannen mitzumachen. Es gipfelte in Rafinha-Sprechchören und hatte Erfolg: Die Pfiffe wurden niederapplaudiert, von da an gab es keine mehr.
Ein bewegender Moment, im dem die große Zuschauerschaft begriff, wie sie auf einfache und sympathische Art und Weise gegen eine Minderheit Möchtegernstimmungsbestimmer vorgehen kann. Und auch eine zuletzt sehr positive Geschichte, wie ich meine, die wohl auch genau deshalb von keinem Mediendienst erzählt wird. Sie passt eben nicht in das derzeitige Bild vom chaotischen Pleiteverein mit den abgehobenen und achso schnell unzufriedenden Fans. Wahr ist sie dennoch. Schalke ist eben immer mehr als einfach.



Foto: TomaszBo
Zum Spiel gegen den SC Freiburg später mehr.



13 Kommentare zu “Der zweite Teil der Wahrheit”

  1. nedfuller sagt:

    Ich hatte ein ähnliches Erlebnis.
    Auf der Mitgliederversammlung ist die Mannschaft am Anfang auf die Bühne gekommen. Mit dabei natürlich auch Olic, der seinen Wechsel zum FCB bereits bekannt gegeben hatte.
    Einige wenige Vollpfosten/-idioten/-trottel haben gepfiffen. Sind aber zum Glück nicht gegen uns angekommen. Wir haben dagegen sofort applaudiert.

    Bei 90elf hat man die Rafinha Rufe auch gehört. Gut gemacht.

  2. zechbauer sagt:

    Respekt! Klasse Aktion.

  3. Enno [welt-hertha-linke] sagt:

    Naja, der Mann vom WDR2 hat das durchaus differenziert wiedergegeben. Die Sportschau neigt zu einer Berichterstattung, die man sonst fast nur in der BILD findet. Schwarz/Weiß. Das nervt zunehmend…

  4. Torsten Wieland sagt:

    Den Radiobericht hatte ich nicht mitbekommen, ich war ja vor Ort. Die Sportschau-Darstellung findet sich aber eben auch in den Spielberichten der einschlägigen Portale wieder.

  5. Philipp sagt:

    Danke Torsten, das ist irgendwie beruhigend. Denn ich habe diese Berichte auch gelesen (bzw. im DSF gesehen) und mich schon gefragt wie man jemanden ausbuhen kann, der seit Jahren einer der Aktivposten ist und keinen Ball verloren gibt. Das hat Rafinha nicht verdient. Wechsel hin oder her. Ist ja immerhin Bayern und nicht der BVB ;-)

  6. DailySoccer 30/08/2009 | Spielfeldrand - Das Magazin sagt:

    […] Der zweite Teil der Wahrheit Oder warum Rafinha nicht (nur) ausgepfiffen wurde. […]

  7. Zatopek sagt:

    So schön das Niederjubeln der Pfiffe gegen Rafinha war, die Atmosphäre während der 2. Halbzeit war schon gespenstisch. Gefühlt ging es nur noch um Rafinha und nicht mehr ums Spiel. So zerrüttet wie die Stimmung war dann auch das Spiel.
    Ich finde es schlichtweg skandalös, wenn ein angebliches Fachblatt unter Rückgriff auf unsauberes journalistisch Handwerk derartigen Einfluss auf den Spielverlauf nimmt. Offenbar hat Herr Franzke seine Insider-Informationen ja so exklusiv, dass er bis 17.15 Uhr damit hätte warten können.
    Keine Frage, die Leistung der Blauen war, na sagen wir, ernüchtert. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir ohne die Falschmeldung eine andere 2. Hälfte gesehen hätten.

  8. Kid Klappergass sagt:

    Die Geschichte hast du nun aufgeschrieben und erzählt, Thorsten. Und sie findet über die Grenzen deines Vereins Interesse.

    Eines Tages werden Blogger und Blogs vielleicht als das wahrgenommen, was sie eben auch sind: ein notwendiges Regulativ.

    Gruß vom Kid

  9. Verdient verloren : Königsblog sagt:

    […] Sache mit Rafinha drückte aufs Gemüt. Ich würde aber nicht soweit gehen wie Zatopek, und dieser […]

  10. Flusskiesel sagt:

    Danke für den klärenden Beitrag. Ich hatte die Sache nur übers Radio mitbekommen.
    Es ist ja schon erschreckend wie einfach sich die Menschen (hier: Die Pfeiffer) instrumentalisieren lassen.

  11. Kringe zu Hertha BSC | Hertha BSC Blog sagt:

    […] wird wohl einiges dran sein. Auch wenn man zuletzt an der Seriosität des Fachblatt zweifeln muss, wie die Schalker leidvoll erfahren mussten. Aber da Kringe bereits zum Medizincheck in Berlin verweilt und es keinen Grund gibt, davon […]

  12. Andreas sagt:

    Ich hoffe, dass das Spiel am Samstag bei allen Déjà-Vu-Erlebnissen dennoch eine Trendwende markiert hat: Man muss sich weder von den stereotyp hetzenden Medienmonopolisten noch von den eigenen Erfolgszuschauern ein 09 für ein 04 vormachen lassen. Wobei ich mich langsam frage, wieso wir immer noch diese Daumenklatscher haben – nach Slomka und Rutten. ;o))))

  13. Gibt’s nicht mehr : Königsblog sagt:

    […] Geste des Torschützen nach dem Einnetzen. Dafür bleibt das Gefühl, dass er auch mal etwas weglässt, wenn es nicht zur geplanten Stimmung […]

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