Artikel im August 2009

Anders!

Also wir sind jetzt mal Erster.

Aber im ernst, darum geht’s nicht.
Schalke ist nicht so stark wie der VfL Wolfsburg. Schalke überbrückt das Mittelfeld nicht so schnell wie der VfB Stuttgart und würde der FC Bayern München sein gesamtes Potenzial abrufen, hätte dagegen sicher kaum eine Mannschaft eine Chance.

Zu Dritt standen wir in Block N1 – O-Jay, kurtspaeter, ich – als Jefferson Farfán das 3:0 erzielte und ich sagte:

Schön! Hat er sich verdient.

Und kurtspaeter sagte:

Haben wir uns verdient. Endlich wieder Fußball!

Darum geht’s.

Es geht darum, dass Schalke 04 auch nach einer 2:0 Führung zur Halbzeit weiter nach vorne gespielt hat. Dass Jefferson Farfán jedem Ball hinterher gegangen ist, auch jedem selbst verlorenen Ball, und dass Levan Kenia auch beim Stand von 3:0 in der 83. Minute noch derart auf Bochums Torwart Phillip Heerwagen losgestürmt ist, dass dieser den Ball ins Aus klären musste: Sowas will man sehen, auf Schalke. Ich will sowas sehen.

Es war bei weitem nicht alles toll, gerade in der ersten Halbzeit spielte Schalke streckenweise doch recht bieder. Aber der VfL Bochum – brombeerfarben angetreten, was meine Tochter (1) mit bezauberndem Lächeln zu einer Modefarbe machen kann, was aber auf dem Fußballplatz furchtbar fremd aussieht – machte es Schalke nicht allzu schwer, versuchte defensiv sicher zu stehen und setzte wenig Hoffnung in den eigenen Angriff.
Ivan Rakitic gelang dennoch kaum etwas. Aber anders als in den letzten Jahren wird nun für Konkurrenzsituationen gesorgt: Obwohl Ivan Rakitic vor beiden Toren in der ersten Halbzeit den letzten Pass spielte, sich also 2 „Scorerpunkte“ verdiente, sah Felix Magath seine Leistung wie wir und wechselte ihn zur Halbzeit aus.
Mineiro, Neuzugang und 90 Minuten auf dem Platz, war hingegen sehr präsent. Jede Kombination nach vorne lief über ihn und bei jedem Bochumer Angriff stand er im Weg. Rafinha war gewohnt stark, Carlos Zambrano neben Marcelo Bordon souverän und Christoph Moritz spielte nicht nur eine weitere ordentliche Erstligapartie, sondern erzielte auch noch sein erstes Bundesligator.

Wenn sich der VfL hinten einrichtete war noch das umständliche Schalke zu sehen. Dann wurde aussenrum gespielt, ohne den entscheidenden Pass in die Tiefe. Wenn es aber etwas Platz gab wurde versucht schnell zu spielen, dann wurde kombiniert, dann wurde der Abschluss gesucht. So fielen alle drei Tore: Aus dem Spiel heraus, nachdem sehr flott lange Wege überbrückt wurden. Nach Spielzügen also, die man „Konter“ nennen würden, wären sie eine bloße Reaktion, aus denen Fußball heute aber besteht und die nur noch nach klassischen Kontern aussehen, wenn die gegnerische Mannschaft zu weit aufgerückt ist.

Eine bis zuletzt rennende Schalker Mannschaft, gute Stimmung, ein 3:0 Sieg gegen Bochum. Hat Spaß gemacht, das erste Heimspiel der Saison! Darum geht’s.

Lubos Hanzel

Er ist 22 Jahre jung, wurde einmal in die slowakische Nationalmannschaft berufen und wurde Anfang Juli mit Arminia Bielefeld, dem 1. FC Nürnberg und Schalke 04 in Verbindung gebracht. Lubos Hanzel war eins der vielen Gerüchte, die es ständig gibt, denen man, werden sie nicht von hiesigen Medien aufgegriffen, nach kurzer Zeit keine Beachtung mehr schenkt. Jetzt ist er plötzlich doch da.

Wie gut er ist weiß ich nicht. Ich habe noch nie etwas über ihn gelesen, geschweige denn ihn spielen sehen. Aber er ist linker Verteidiger, und insofern kann man die Verpflichtung als solche positiv bewerten. Jahrelang hat Schalke 04 ohne einen richtigen linke Verteidiger gespielt, weil Christian Pander immer entweder gerade verletzt oder „noch nicht wieder bei 100%“ war, und weil es im Kader keinen zweiten linken Verteidiger gab. Das der FC Schalke 04 damals, bei Christan Panders erster Knieverletzung, auf ihn gewartet und keinen neuen Spieler verpflichtet hat, war zu vertreten. Das konnte als „Treue“, als „auf die eigenen jungen Leute setzen“ gesehen werden. Bei einer zweiten, einer dritten und einer vierten Knieverletzung ist solch eine Clubpolitik mehr als töricht. Nun wurde Christian Pander zum fünften Mal am linken Knie operiert.

Lubos Hanzel wurde zunächst ausgeliehen, mit der Option ihn im Winter bis 2012 an den Verein zu binden. Das minimiert das Risiko, Geld für einen Spieler auszugeben, der den Sprung in die Bundesliga nicht schafft. Erst leihen, dann kaufen ist eine gängige Geschäftspraxis in der Bundesliga – nicht auf Schalke.
Der Transfer ist also grundsätzlich gut. Ob Lubos Hanzel Schalkes Probleme auf der linken Seite lösen kann, wird man sehen.

Wechselt Manuel Neuer auf Uniteds Bank?

Und wieder wird angeblich gebuhlt. Manchester United, Sir Alex Ferguson soll es diesmal sein. Vor allem Welt Online tat sich hervor, warf 20 Millionen Euro in den Ring, fabulierte von 30 Millionen Euro, von denen angeblich in englischen Medien geschrieben worden sei.
Nun muss aber nicht Welt Online, sondern Alex Ferguson das Geld in den Ring werfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es tatsächlich um solche Summen geht und weiß auch nicht, welche englischen Medien gemeint sind. Ich glaube nicht, dass dieser Transfer zustande kommen wird.

Mit diesem Transfer würde Felix Magath ein neues Loch reißen, dass schwer zu stopfen wäre, vor allem in der kürze der Zeit. Dass sich Felix Magath bis zur Winterpause auf Matthias Schober verlassen möchte, kann ich mir nicht vorstellen.
Außerdem vermute ich, dass Manuel Neuer einen zukünftigen Wechsel zu Bayern München einem sofortigen zu Manchester United vorzieht. Wenn alles so läuft wie es sich derzeit darstellt, wird er einen auch bis dahin nicht überzeugenden Michael Rensing als neue Nummer 1 ablösen. Als wohl größtes Torwarttalent, dann mit eingebauter Meister- und Nationalmannschaftsgarantie. Bei United ist Edwin van der Sar derzeit verletzt, aufhören will er aber erst nach dieser, gerade erst angefangenen Saison. Van der Sar wird sein Abschiedsjahr bekommen, kaum zu glauben, dass er auf die Bank gesetzt werden wird. Für Manuel Neuer geht es in diesem Jahr aber um die WM-Teilnahme. Wenn er für Schalke, wenn er eben in der Bundesliga überzeugende Leistungen bringt, sind die Chancen sehr groß, dass er mitfahren wird. Wenn er in England auf der Bank sitzt eher nicht.

Drei Fragen zu Mineiro

… an Enno Aljets. Enno ist Blogger, Fan und Experte für Hertha BSC. Heute schreibt er mit zwei Kollegen im Hertha BSC Blog, bis vor kurzem schrieb er bei Welt Hertha Linke über den Hauptstadtclub, auch in der Zeit da Mineiro dort spielte. Ich werde Mineiro gesehen haben, gemerkt habe ich ihn mir nicht. Jetzt interessiert er mich natürlich. Also, dachte ich mir, frage ich eben Enno.



Hallo Enno. Schalke 04 will Mineiro verpflichten. Bei Welt Hertha Linke kam er nicht oft vor, obwohl er anderthalb Jahre bei Hertha spielte und immerhin auf 36 Einsätze kam. Wenn Du ihn nanntest, dann als einen Spieler, der „das Spiel nur zerstören“ kann. Hast Du auch im nachhinein nichts positives über Mineiro zu erzählen?

Nein, wirklich viel Positives ist nicht geblieben. Von seinen 36 Einsätzen hat Mineiro ja lediglich ein wenig mehr als die Hälfte über die volle Distanz bestritten. Wirklich etablieren konnte er sich nicht, weil er sicher kein Wunsch-Spieler des damals beginnenden Trainers Lucien Favre war. Mineiros Auffassung des Spiels (Grätschen, dann der Sicherheitspass, keine eigenen Offensivaktionen) entspricht nicht der taktischen Idee von Lucien Favre. Aber mit Josue hat Magath in Wolfsburg einen ganz ähnlichen Spieler-Typ erfolgreich integriert.

Felix Magath sagt, Mineiro könne im defensiven Mittelfeld sowohl im Zentrum, als auch auf den Halbpositionen eingesetzt werden. In welchem System und auf welchen Positionen kam er bei Hertha zum Einsatz?

Wenn ich mich recht erinnere, spielte Mineiro vor der Abwehr als der defensivere Part von zwei “Sechsern”. Offensive Aktionen entstehen bei ihm eigentlich nur zufällig, was die geringe Anzahl seiner Tore zeigt. Mineiro zählt nicht zu der Generation von defensiven Mittelfeldspielern, die sich an der Gestaltung des Spiels beteiligen. Magath müsste schon eine ziemlich defensiv ausgerichtete Mannschaft auf den Platz schicken, wenn er Mineiro auf den Halbpositionen einsetzt.

Einige Schalker Spieler wurde von Felix Magath dafür kritisiert, dass sie zu schlecht deutsch sprechen würden, indirekt wurde die Integration dieser Spieler in die Mannschaft thematisiert. Der Gedanke liegt nah, dass gerade Mineiros Zeit in der Bundesliga als Vorteil gesehen wird. Wie war das seinerzeit bei Hertha BSC, kannst Du uns was zum „Typ“ Mineiro erzählen?

Nein, eigentlich nicht. Aber für Schalker ist es wohl eine gute Nachricht, wenn mit Mineiro ein brasilianischer Spieler kommt, der abseits des Platzes nie durch Eskapaden auffällig wurde. Selbst als Hertha ihm kein neues Angebot vorlegte, gab es keine Inszenierungen im Boulevard. Ansonsten mag Mineiro zwar die Bundesliga kennen, aber es würde mich wundern, wenn er annähernd so “gut” Deutsch sprechen könnte wie Ailton oder Marcelinho. So aus der Erinnerung heraus und auf Grundlage reiner Vermutung, würde ich meinen, dass er sich in jede Mannschaft geräuschlos einfügen wird. Sowohl menschlich als auch sportlich.

Vielen Dank, Enno. Dir und Deinem Blog alles Gute.
Der Hertha selbstverständlich nicht ;-)

Rochade ohne Grieche?

Felix Magath möchte Luciano Carlos da Silva alias Mineiro verpflichten. Mineiro ist ein Mann fürs defensive Mittelfeld. Für Vassilios Pliatsikas ist das keine gute Nachricht.

Nur offensiv überragende Mannschaften können sich eine wackelige Defensive leisten. Werder Bremen macht es aus Prinzip, Bayern München will es in dieser Saison offenbar mal ausprobieren, für Schalke 04 ist eine stabile Abwehr unverzichtbar. Jermaine Jones war in der vergangenen Saison hauptverantwortlich dafür, dass Schalke die wenigsten Gegentore kassierte. Er entlastete die Innenverteidigung, fing viel Druck ab, ein Topverteidiger in vorletzter Reihe.
Jetzt ist Jones verletzt und gegen Nürnberg war gut zu sehen, was das bedeutet. Heiko Westermann, neben Jones oder Ernst im letzten Jahr mit vielen guten Spielen, war alleine im defensiven Mittelfeld überfordert. Nürnberg kam immer wieder durch, erzeugte Druck auf die Innenverteidigung. Und auch wenn meist ein Verteidiger noch ein Bein dazwischen bekam, auch wenn Manuel Neuer nicht wirklich viele Schüsse entschärfen musste, konnte man erahnen, zu welchen Problemen es – bei allem Respekt vor dem Club – gegen einen offensivstärkeren Gegner hätte kommen können.

Hinzu kommt Schalkes Loch auf der Position des linken Verteidigers. Eben da, wo manchmal Christian Pander spielt. Zuletzt musste sich Benni Höwedes dort versuchen, während der junge Carlos Zambrano in der Innenverteidigung neben Bordon spielte. Westermann hat links schon ordentliche Spiele gemacht.
Würde Mineiro verpflichtet und würde er als alleiniger 6er funktionieren, brächte dies mit Westermann in der Innenverteidigung oder mit Westermann links und Höwedes in der Mitte neben Bordon sicherlich einen Zuwachs an Stabilität. Für „Billy“ Pliatsikas, im Sommer ebenfalls als Alternative fürs defensive Mittelfeld geholt, würden sich die Chancen auf den Karrieredurchbruch wohl verschlechtern. Aber bei Magath scheint ja immer alles irgendwie in Bewegung zu sein.

Phantom-Blödsinn bei FAZ.net

2:1 in Nürnberg Magath macht Schalke mobil
FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung
August 2009 – Felix Magath hat die neue Saison beim FC Schalke 04 mit einem Sieg begonnen, doch von einer meisterlichen Darbietung war das neue Team des …

So tauchte der Link in den News auf. „Gewonnen, aber nicht meisterlich!“: Eine Aussage die es wert ist, zum Schwachsinn der Woche ernannt zu werden. Und das nicht mal bei Bild, Spox oder RP-Online.

Lesen wollte ich den Text natürlich doch, in Gänze … und fand den Halbsatz nicht!
Ein Fehler? Ein falscher Teaser zum Link? Nein. Unter dem Text war folgender, erster Kommentar zu lesen.

unsachlich
Markus Schulze (leser-faz)
Schalke war also von einer „meisterlichen Darbietung weit entfernt“. Das stimmt natürlich, aber was ist daran so überraschend, dass Christian Eichler das herausstellen muss. Ist Schalke für den Berichterstatter etwa Meisterschaftsfavorit?
Farfan hat sich also beim Biertrinken verletzt gemeldet, wie in dem Bericht extra noch einmal erwähnt hat. Christian Eichler scheint die Aufklärung der Sache schlicht entgangen zu sein oder er unterschlägt sie den FAZ-Lesern bewusst? Warum fragt man sich da.
Schließlich reitet Eichler auf Magaths aufgenommenen Aussprüche beim Vorbereitungsspiel in Saarbrücken noch einmal herum und offenbart damit, dass er selbst wohl noch nie selbst Fußball gespielt hat oder gar Trainer einer Mannschaft war.
Sorry, aber da fragt man sich welche Schalker Laus Eichler über die Leber gelaufen ist; mit jedem sid- oder dpa-Spielbericht wird man als Leser jedenfalls besser und vor allem sachlicher über dieses Spiel informiert.

Das Verlangen nach einer meisterlichen Darbietung war also nicht der einzige Blödsinn. Und doch ist das alles im Text nicht mehr zu finden! Im Gegenteil, jetzt ist Christian Eichlers Veröffentlichung plötzlich ein durchaus lesenswerter, unterhaltsamer Text. Wie kann so was geschehen? Ich weiß es nicht.
Immerhin eine Wende zum Guten.

Das perfekte Auftaktspiel

Schalkes Verstärkungen bestehen aus Spielern, die auf Bundesliganiveau noch nie jemand hat Spielen sehen. Hoffungslose Allesschlechtredner und grenzenlose Optimisten diskutieren auf Grund von Glaube und vermeintlicher Erfahrung aus Vergangenem, zu Wissen gibt es nichts. Der gestrige Sieg des FC Schalke 04 gegen Nürnberg war für alle eine gute Argumentationshilfe.

Es war vieles nicht gut. Das, was man nicht mehr sehen mag. Die vielen Ungenauigkeiten im Mittelfeld, die dazu führten, dass die Bälle so häufig von den Stürmern nicht verwertet werden konnten. Das lässige Vergeben größter Tormöglichkeiten. Die langen Bälle aus der Abwehr, die zu 95% beim Gegner landen.
Anderes war gut. Phasenweise ging es recht flott nach vorne. Die Tore wurden beide schön herausgespielt. Und für weitere Neuerungen war Trainer Magath durch sein Wirken höchstselbst verantwortlich.

Das Schalke 04 zwei Spieler zur Halbzeit wechselt um eine Änderung in der Spielweise vorzunehmen, ist seit einer Gefühlten Ewigkeit nicht mehr vorgekommen. Unter Fred Rutten wie unter Mirko Slomka wurden ab der 60. Minute Spieler, die keine Kraft mehr hatten, ausgewechselt; immer, so regelmäßig wie das Singen des Vereinslieds vor jedem Heimspiel.
Dass Felix Magath mit Christoph Moritz einen Spieler aufstellte, den niemand auf dem Radar hatte, war überraschend. Dass er Carlos Zambrano neben Bordon stellte, Levan Kenia vom Phantom zum Bundesligaspieler beförderte, war nach der Vorbereitung vielleicht vorherzusehen, neu war es dennoch. Zambrano, immerhin peruanischer A-Nationalspieler, und Levan Kenia, immerhin georgischer A-Nationalspieler, standen auch in der letzten Saison zur Verfügung. Gründe, mal was neues zu probieren, gab es reichlich. Getan wurde es trotzdem nicht.

Dass sich Felix Magath an der Seitenlinie wie Rumpelstilzchen gebärdete ist eine Typsache. Dass er sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel unzufrieden zeigte war möglicherweise auch ein Stück Medienspiel. Ruhigere Trainer, die öffentlich mehr Abstand halten und nur intern kritisieren, sind nicht automatisch schlechter. Nachdem sich aber über Jahre die Trainer und der Manager des FC Schalke 04 nahezu ausschließlich auf das Positive besannen, nachdem stets der größte Scheiß noch schöngeredet wurde, sind die offenen Worte Magaths für jeden, der sich mehr als nur nebenbei mit diesem Club beschäftigt, erfrischend und befreiend.

Das alles wird normal werden. Alle, Mannschaft und Fans, werden sich daran gewöhnen. Ob dadurch das Spiel auf dem Platz besser wird, ob das Punkte bringt, wird man sehen. Ich jedenfalls habe seit gestern eher noch ein bisschen mehr Lust auf das erste Heimspiel, nächste Woche gegen den VfL Bochum.