Artikel im September 2009

FTD: Peters überfordert, Schalke fast pleite

Wieder gibt es einen neuen Text zur angeblich prekären Finanzlage beim FC Schalke 04. Unter der Überschrift „Schalke ist fast pleite“ schreiben Melanie Bergermann und Axel Kintzinger in der Financial Times Deutschland mit Bezug auf die häufig erwähnten, vereinsnahen Kreise, dass Peter Peters mit den Finanzen nicht zurecht kommen würde. Laut Informationen der FTD würde der Londoner Investor Stephen Schechter die Absetzung Peters fordern. Drei von vier Sicherheitskonten, aus denen Kredite bedient werden, seien leer. Als Alternative zu Peters wird von Bergermann und Kintzinger der Name Dr. Carl Albrecht Schade in den Ring geworfen.

Auch der Beitrag der FTD ist wieder mit warmen Worten zur sportlichen Lage aufgeplustert und nutzt zur Erklärung der finanziellen Schieflage wieder den Spieleretat, der bekanntlich nach wie vor der zweithöchste der Liga sein soll, was ich für fragwürdig halte. Die Personaldebatte ist aber neu, von daher ist der Beitrag eben nicht das übliche Wiederholen von schon häufig Gelesenem. Den Wahrheitsgehalt kann ich nicht einschätzen, ebenso wenig den der ständigen Beteuerungen von Clubseite, alles sei im Lot.
Ja, ich mache mir Sorgen. Nicht unbedingt darum, dass auf Schalke die Lichter ausgehen. Aber darum, dass in dem Jahr, in dem mit dem Aufbau einer neuen Mannschaft begonnen werden soll, der Abbau der Mannschaft vorangetrieben werden muss.

Blaue Trikots, weiße Buxen, S04!

Bei Heimspielen spielt Schalke 04 in Blau, Auswärts wahlweise in Schwarz oder Weiß, die Hosen jeweils Ton in Ton passend zu den Trikots. Beim Derby in Dortmund spielte Schalke mit blauen Trikots und weißen Hosen. Von vielen Schalkern wird diese Kombination als „die richtige“ angesehen.

„Die Vereinsfarben sind Blau-Weiß“, so steht es in § 1 der Satzung des Vereins, so wird es vielfach besungen. Wichtiger als dieses Wissen ist aber die gefühlte Geschichte. Sucht man nach Bildern von Szepan und Kuzorra, oder schaut man sich Schalker Mannschaftsfotos aus den frühen Bundesligajahren an, findet man häufig weiße Hosen zu blauen Trikots.

Gerne kann man nun mal die Gedanken fliegen lassen. Weil sich der FC Schalke unter Magath doch gerade im vielerlei Hinsicht verändert, war der Einsatz der weißen Hosen gegen Dortmund auch ein optisches Indiz für das Neue? Weil nun gerade der Dialog mit den Fans propagiert wird, war es ein Wechsel zurück zur Fan-Wunschkombination? Oder ist ein Wechsel zurück zur traditionellen Kombination ein Symbol für das Beständige am Verein, auch wenn ansonsten viel verändert werden muss?

Vermutlich bestand Schiedsrichter Stark auf weiße Hosen, weil sie sich besser von den schwarzen der Borussia unterscheiden. Vermutlich spielt Schalke am Freitag gegen eine ganz in weiß antretende Frankfurter Eintracht bereits wieder Ton in Ton. Vermutlich braucht man solche Farbspiele auch nicht zu ernst nehmen, lassen sich doch auch Bilder von Kuzorra in Komplettblau finden, und auch im Jahr der letzten Deutschen Meisterschaft zeigten sich die Knappen mit blauen Hosen. Ein nettes Argument gegen eine übertrieben-drängende Forderung nach weißen Hosen zu blauen Trikots las ich einmal im Fan-Forum des Vereins. Ein User bemerkte, Schalke würde schließlich „Die Königsblauen“ genannt werden; und nicht „Die Königsblau-Weißen“.

Schwarz-Gelb beschließt Jubelsperrzonen

Einen Tag nach den Sieg bei der Bundestagswahl verspricht die kommende CDU/FDP-Regierung, sich um die Probleme des Volkes zu kümmern. Im Rahmen eines Sofortprogramms wurde auch die Einführung von Jubelsperrgrenzen in der Fußballbundesliga beschlossen, um „unschöne Szenen in Deutschlands beliebtester Sportart“ zu verhindern und „den sauberen Sport zu erhalten“. Demnach sollen Spieler demnächst verwarnt werden, wenn sie in einer Zone von Platzbreite und 16 bis 28 Meter Tiefe (siehe Grafik) durch „übertriebene Gesten“ auffallen.

Nach Abpfiff des Revierderbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 hatte Schalkes Torhüter Manuel Neuer in die Zuschauer gejubelt und damit die Gemüter erhitzt. Neuer stand dabei vor dem falschen Fanblock, was ihm nach dem Spiel auch von Borussia-Trainer Jürgen Klopp als Provokation ausgelegt wurde.

Mit solchem Gebaren soll nun Schluss sein. Durch die Einführung von Jubelsperrzonen würde gewährleistet, dass übereifrige Spieler von überhitzten Fans getrennt würden, so ein Sprecher der CDU. Der künftige Koalitionspartner FDP zeigte sich von den Plänen erfreut. Dadurch kämen die Spieler zum Jubeln automatisch vor die Haupttribünen. Endlich hätten dann auch wieder die Besitzer teuerer Karten etwas von der Jubelei, Investitionen müssten sich wieder lohnen, so Stimmen aus der FDP-Parteizentrale.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim „Aki“ Watzke (CDU) gratulierte der Kanzlerin Angela Merkel zur Wiederwahl und lobte die schnelle Reaktion auf die Szenen im Dortmunder Signal-Iduna-Park. In schwierigen Zeiten müsse Schwarz-Gelb zusammenstehen, so der Tenor am Borsigplatz. Der Präsident der Borussia, Dr. Reinhard Rauball (SPD), stand zu keinem Kommentar zur Verfügung.

Top-Stürmer Jefferson Farfán

Zu Beginn der letzten Saison hatte Borussia Dortmund mit Mladen Petric und Alexander Frei zwei Top-Stürmer in ihren Reihen. Trainer Klopp konnte mit beiden nicht so recht und sortierte sie aus. Das heutige Derby gewann Schalke 04, weil es mit Jefferson Farfán noch einen Top-Stürmer in seinen Reihen hatte, der aus den wenigen klaren Aktionen eine zu nutzen wusste.

Jefferson Farfán zeigte auch in anderen Situationen seine individuelle Klasse, während sich alle anderen auf dem Platz befindlichen Stürmer als harmlos erwiesen. In einem ausgeglichenem Spiel erzielte Borussia ein Tor aus klarer Abseitsposition und durfte sich darüber ärgern, dass eine Bogenlampe tatsächlich nicht im Tor landete und vom Schiedsrichter auch noch korrekt erkannt wurde.

Es war nicht hochklassig, aber es war ein aufregendes Spiel! Anfangs ging Schalke tief in der gegnerischen Hälfte auf den ballführenden Mann los. Während des Spiels verlagerte sich das immer weiter nach hinten. Anfangs waren die Spielanteile ausgeglichen, mit fortlaufender Spielzeit und der Führung im Rücken wurde es immer mehr ein Konterspiel für Königsblau. Magath bot sein Bubi-Mittelfeld mit Schmitz (20), Moritz (19) und Kenia (18), selten auftrumpfend, aber stets aufopferungsvoll kämpfend und wohlorganisiert. Klopp stellte eine mit viel Willen und wenigen Mitteln agierende Dortmunder Mannschaft. Das 1:0 ging auf Grund der Dortmunder Hilflosigkeit in Ordnung, überlegen waren die Königsblauen allerdings auch nicht.

Und so könnte man es bei unscharfen Fazits belassen, wie bei dem von Heiko Westermann, der vom unbedingten Willen und einer zusammenstehenden Mannschaft sprach. Sowas befriedigt aber nicht, und so machen einige Fans der Borussia nun Schiedsrichter Wolfgang Stark zum Sündenbock. Unterstützung fanden sie dabei im Spielbericht des Aktuellen Sportstudios.

Plötzlich beging Jefferson Farfán vor seinem Tor ein Foul, und Borusse Marcel Schmelzer beschwerte sich nach dem Spiel vehement. Während des Spiels schien er freilich kein Unrecht zu verspürt zu haben, er schien sich nach seinem verlorenen Zweikampf eher zu schämen als sich zu beschweren. Plötzlich wurde Barrios’ Linientreffer als Quasi-Tor angesehen. Der Ball war zwar noch auf der Linie, wie auch Jürgen Klopp erkannte. In 9 von 10 Fällen würden solche Bälle aber als Tor gewertet werden, fügte Klopp zu, ohne dem erstaunten Zuhörer das Argument näher zu erläutern.
Zu schlechter Letzt wurde Schalke 04 zum provokanten Bösen erklärt. Weil man das Tor, dass man auf der Seite der schwarzgelben Südtribüne erzielte, auch dort bejubelte. Weil Manuel Neuer, nachdem er vor dieser Südtribüne spielte, sich dort über den Abpfiff und den Sieg freute. Und weil von Borussen nach dem Spiel eine Tätlichkeit von eben diesem Manuel Neuer beschworen wurden, die allerdings durch keine Bilder des Aktuellen Sportstudios belegt werden konnte. Heute lieferte der WDR TV-Bilder der Szene, aus denen klar wurde, dass der hinter Neuer gehende Kevin Großkreutz unabsichtlich leicht berührt wurde. Der WDR-Kommentator sprach von „Falschaussagen“ der Dortmunder Spieler.

Mehr Lärm als nötig also, aber vielleicht muss das so sein. Was bleibt sind die 3 Punkte für Schalke 04 nach einem spannungsgeladenen Spiel. Einem weiteren, das Spaß gemacht hat. Freitag kommt die Frankfurter Eintracht.

Foto: TomaszBo

Vor dem Derby, nach der Pause

Da ist es also schon, das 134. Derby zwischen Blau und Gelb, Gut und Böse, Richtig und Falsch, Bekloppt und Bekloppt. Die Aggressionen kochen hoch, Gewaltaufrufe jenseits, der Plan eines Marschs durch Dortmund diesseits, die Androhung sich das nicht gefallen lassen zu wollen jenseits usw. usf.. Einerseits das eine von den zwei aufregendsten Spielen des Jahres. Andererseits auch ein Ereignis, zu dem man nicht einfach nur mit Vorfreude auf das Spiel fahren kann, bei dem man sich Vorzusehen und Umzuschauen hat.

Schalke ist auswärts in dieser Saison bislang sehr erfolgreich, Dortmund konnte zu Hause nur gegen den 1. FC Köln gewinnen. Schalke fühlt sich gut drauf, Dortmund redet sich nach einem Pokalspielsieg gegen Zweitligist KSC stark. Tatsächlich ist aber alles was bislang war egal. Heute spielen zwei Mannschaften gegeneinander, die beide auf Platz 5 hoffen. Und Abseits aller Emotionen und Geschichten wird auch das bloße Spiel zwischen zwei Teams „auf Augenhöhe“ hochinteressant werden.

Ein Sieg gegen Borussia würde meine Blogpausenwoche zu einem herrlichen Abschluss bringen. Nachdem ich nicht über das emotional unglaublich ergreifenden Spiel gegen Wolfsburg schrieb, und nachdem ich mich auch nicht darüber ausließ, dass mein Verein gegen den VfL Bochum die klar bessere Mannschaft war, möchte ich doch gerne einmal ein Hohelied singen. Am liebsten auf die Punkte, ein gutes Spiel und gute Stimmung. Ma’kucken.

Auch wenn ich nichts geschrieben habe, ganz inaktiv war ich nicht. Vor vier Wochen erwähnte ich das offiziell noch namenlose Podcast-Projekt einiger Fußballblogger schon mal. In der neusten „Nullnummer“ sollte es am vergangenen Montag unter anderem um Schalke 04 gehen. Ich durfte mich darin versuchen, meine Meinung anstatt schriftlich zu formulieren, in Form eines Interviews direkt auf die Ohren zu geben.
Diesen Podcast gibt es in unterschiedlichen Versionen, von einer alles umfassenden Rohdatei bis zu einzelnen Themen-Häppchen. Das alles ist bei Probek zu finden, dem Gastgeber aller bisherigen Ausgaben. Hier nun das, was ich als die Original-Version bezeichnen würde. Hörenswert von vorne bis hinten, wie ich meine. Falls jemandem trotzdem die Muße fehlt: Mein Part erstreckt sich über den Zeitraum 24′40 bis cirka 50′00, dabei geht es eigentlich um „alles“, auch um das Spiel gegen Wolfsburg und das heutige gegen Dortmund.


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(84:09 Min)
mp3-Datei

Brassel

Ich war dabei und begeistert von der Stimmung und der gelebten Hoffnung im Spiel gegen Wolfsburg. Ich freue mich auf die Derby-Woche, die dem FC Schalke 04 die Richtung für die nähere Zukunft weisen wird. Die nähere sportliche Zukunft, wohlgemerkt. Es gäbe sicher genug Themen um dieses Blog zu füllen.

Allerdings erlebe ich gerade Freizeitstress. Eben den Zustand, wenn das Zeitmanagement, selbst außerhalb des beruflichen Alltags, versagt hat, und alles gleichzeitig erledigt werden will. Dann kommt zum tragen, dass die Grundvoraussetzung für die Schreiberei in diesem Blog – der Spaß daran – unmittelbar mit der Muße zum Ausformulieren der Texte zu tun hat. Unter Zeitdruck geht der Spaß verloren.
Deshalb mache ich ein paar Tage Pause. Um Dampf rauszunehmen. Weiter geht’s hier Donnerstag oder Freitag Samstag. In jedem Fall zwischen Bochum und Borussia.

Glück auf.

Die exklusive Enthüllung des Handesblatts

Täglich kommen neue Meldungen zu den Finanzen des FC Schalke 04. Zumeist „enthüllt“ eine Zeitung etwas und die anderen wiederholen das Ganze. Das Handesblatt trat dabei bislang nicht groß in Erscheinung. Da es aber nun mal um den wirtschaftlichen Teil des Fußballzirkus’ geht, sollte das wohl nicht so bleiben.

Gestern enthüllte also das Handelsblatt.
Unter der Überschrift …

… und mit einem Label „EXKLUSIV“ erschien ein Text, der mit allem was man in den letzten Tagen lesen konnte aufwartet, der dazu noch mit der auf die sportliche Situation bezogenen Behauptung …

Bei einer Niederlage droht Schalke der Absturz ins sportliche Mittelmaß.

… um die Ecke schießt, und der als Knüller die folgenden Geheimnisse lüftet:

Der traditionsreiche Revierklub begleicht Rechnungen anscheinend nur noch mit großer Verspätung. Experten erwarten baldige Spielerverkäufe.
[…]
Schalke hat neben einer erdrückenden Schuldenlast auch noch ein dickes Liquiditätsproblem: Ein klares Indiz dafür ist, dass sich die Zahlungsmoral in den vergangenen Monaten rapide verschlechtert hat. So zahlt der Verein nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei D&B Deutschland Rechnungen erst 30 Tage nach Ziel.

Zack, das saß.

Vielüberschalkeleser begannen sich allerdings gleich am Kopf zu kratzen und sich zu fragen, ob sie das nicht schon irgendwoher kennen. Und richtig, bereits am 29. Juli, eine Woche vor Saisonstart,veröffentlichte die besagte Firma D&B Deutschland eine Analyse zur finanziellen Situation der Bundesligavereine. Der entsprechende Absatz über die Zahlungsmoral las sich dabei wie folgt:

Trotz solider finanzieller Basis der Klubs fällt die Zahlungsmoral allerdings höchst unterschiedlich aus. Am pünktlichsten zahlt Aufsteiger SC Freiburg seine Rechnungen. Die Freiburger begleichen ihre Verbindlichkeiten im Schnitt 17 Tage vor dem vereinbarten Zahlungsziel. Ganze 13 Tage früher als notwendig begleicht der VFL Bochum seine Rechnungen. Demgegenüber lassen insbesondere Herta BSC und Schalke 04 ihre Gläubiger sehr lange auf ihren Forderungen sitzen: Die Berliner Herta ist im Durchschnitt mit 39 Tagen im Verzug, auf Schalke nimmt man sich durchschnittlich 42 Tage mehr Zeit. Übrigens: Der FC Bayern landet bei diesem Ranking nur auf dem fünften Platz – finanzielle Sorgen plagen die Münchener nicht, jedoch dauert es durchschnittlich 22 Tage bis der Rekordmeister seine Rechnung bezahlt. Noch zum Start der letzten Saison beglichen die Bayern ihre Rechnungen vereinbarungsgemäß.

Das Schalke 04 am Ende der Fahnenstange steht ist nicht schön. Besonders aufgeregt kommt der Artikel der Firma D&B deshalb aber nicht daher. Vielmehr wird „den Clubs“ der Bundesliga eine gute finanzielle Gesamtsituation bescheinigt, eine Ausnahme wird dabei nicht erwähnt.

Das ich bezüglich der Finanzen auf Schalke völlig beruhigt wäre, kann ich nicht behaupten. Dass aber ein seriöses Medium wie das Handelsblatt eine 7 Wochen alte Meldung aufgreift, so tut als wäre sie brandneu, das Wort „Exklusiv“ dranpappt und den Eindruck erweckt, als wäre sie das nächste heiße Indiz für den baldigen Zusammenbruch des FC Schalke 04, weil es eben gerade so schön zur öffentlichen Meinung passt und Aufmerksamkeit erregt, ist gelinde gesagt zum kotzen!