Viel Lärm um kaum was

Der kicker meldete live und exklusiv den ganz sicheren Rafinha-Wechsel zu Bayern München, die Stuttgarter Nachrichten hatten ihrem VfB bereits Jermaine Jones geangelt, Benni Höwedes stand quasi schon für Armin Veh in Wolfsburgs Innenverteidigung und Ivan Rakitic wollte sich eigentlich schon immer nur auf Schalke durchsetzen, obwohl sich Inter Mailand, Juventus Turin und sicher auch Real Madrid und Schachtjor Donesz die Finger nach ihm leckten. Stellvertretend für die offensichtlich bekiffte Journallie steht das weltberühmte und bei Google-News ziemlich präsente „Bocholter-Borkener Volksblatt“, das gestern Mittag zum vermeintlichen Jones-Deal zu melden wusste:

Zumindest in Sachen Jones könnte es für Stuttgart schwierig werden. Der Ex-Nationalspieler will trotz einer Reservistenrolle seinen Vertrag beim FC Schalke 04 offenbar aussitzen und weiter abkassieren. „Ich will nicht weg“, sagte er am Sonntag.

Da weiß man doch Bescheid. Mittlerweile hat das Portal die Seite gelöscht.

Passiert ist letztlich kaum was. Schalke 04 ist die Fehleinkäufe Müllers nicht losgeworden, was allerdings auch nicht zu erwarten war. Schalke 04 hat sich kurzfristig mit Mineiro und Lubos Hanzel verstärkt, weil es konkret im defensiven Mittelfeld und der linken Aussenverteidigerposition Bedarf gab und gibt. Mineiro macht bislang einen guten Eindruck, Hanzel wird man noch sehen. Der Kader wurde durch keinen „Notverkauf“ eines Leistungsträgers geschwächt. Dazu Felix Magath bei schalke04.de:

Es lagen lediglich ein paar Anfragen vor, die unsere vermeintliche Notsituation ausnutzen wollten. Es waren einige dubiose Dinge dabei, aber nichts, was man hätte prüfen können. Wenn es zu einem Transfer gekommen wäre, dann nur zu akzeptablen Bedingungen. Wir müssen nicht um jeden Preis Spieler abgeben.

Damit könnte man sich nun eigentlich bis zum Beginn der Winter-Transferperiode wieder auf sportliche Themen konzentrieren. Wird man aber nicht. Gestern setzte das DSF Rudi Assauer ins Fernsehen, um ihn unter der entblößten Überschrift „Generalabrechnung mit S04“ abledern zu lassen. Angeschaut habe ich’s mir nicht, ich bin mir sicher, dass ich von jetzt an bis zum noch ewig entfernten, nächsten Bundesligaspieltag, alle seine nicht eh schon bekannten Sprüche in kleinen Häppchen in die News-Feeds geliefert bekomme. Irgendwo in den Twitter-Tiefen des Netzes las ich letztens den etwas vulgären, bezüglich seiner Medienpräsenz aber meines Erachtens gut zu Assauer passenden Begriff des Sommerlochfickers.



6 Kommentare zu “Viel Lärm um kaum was”

  1. Manfred sagt:

    Da zitiere ich doch mal die 11 Freunde zu Rafinha in der Elf des Spieltages:
    ‚Soviel »Theater um nichts« ist nur auf Schalke möglich. Während des Spiels machte der angebliche Wechsel des kleinen Flügelspielers in der Arena die Runde. Daraufhin wurde Rafinha prompt ausgepfiffen und schlich sich nach dem Duschen kleinlaut zur Hintertür hinaus. Trainer »Quälix« beteuerte weiterhin, dass er auf den Anruf der Bayern warten würde, um den wechselwilligen Spieler endlich zu Geld machen zu können. Der Ruf kam aber nicht. Somit bleibt alles beim Alten auf Schalke, was zur bekannten Dieter Nuhr-Erkenntnis führt: »Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.«‘
    (Quelle: http://11freunde.de/bundesligen/123310 )

  2. Torsten Wieland sagt:

    … was allerdings die Vermutung nahelegt, dass auch die 11Freunde ihr Wissen aus der Sportschau und den Nachrichtenagenturen beziehen, anstatt ihre Akkreditierungen zu einer eigenen Ansicht zu nutzen.

  3. Andreas sagt:

    Ich gestehe:

    Ich bin beim Zappen in jene dubiose DSF-Dauerwerbesendung für die Männerfeunde Assauer, Stevens und Weber hinein geraten. Ich habe auch längst nicht alles ertragen können, was dort an eitlem Gewäsch vom Stapel gelassen wurde. Doch nach dieser zweifelhaften Erfahrung würde ich einzig dem Huub noch so etwas wie einen Funken Restwürde zugestehen.

    Geboten wurde gekränkt-trotziges Gestänker auf Sandkasten-mit-Bier-Niveau, wie man es in den letzten Jahren vom früheren Gesicht Schalkes gewohnt ist. RA haute ein Pest-of seiner 1904mal durchgekauten Tiraden raus und der Nicht-Journalist, den man beim DSF wohl Moderator nennt, lauschte dem Monolog des alten Mannes, ehrfürchtig bis betäubt durch den ganzen Zigarren-Feinstaub. Ohne bei den zahllosen Widersprüchen, unbelegten Diffamierungen und sonstigem Unrat ein einziges Mal nachzuhaken, obwohl es genügend Steilvorlagen gab.

    Das schüchtern drapierte, sichtlich fachunkundige Publikum applaudierte brav, wenn es der Regie in den Sinn kam. Passende Einspielungen von realitätsblinden bis ewiggestrigen Fans vom Trainingsgelände gab es als kostenfreie Dreingabe.

    Natürlich durfte der Herr Weber ebenso seine altbekannten „Früher war alles schalker“-Gags zum Besten geben. Natürlich kam nicht eine einzige kritische Gegenstimme zu Wort. Natürlich ist der böse Herr Tönnies an allem schuld. Natürlich ist der Verein erst nach der Demission Assauers in diesen Schlamassel geraten. Natürlich würde eben jener Schalke sofort retten können, wenn man ihn denn ließe.

    Es war schon grotesk bis lachhaft, was da gestern abend zu später Stunde über den Bildschirm flimmerte. Zugleich auch traurig, denn es besteht scheinbar überhaupt kein Interesse daran, das Bild Schalkes in der Öffentlichkeit einmal ansatzweise gerade zu rücken. Stattdessen wird immer wieder in die gleichen Schubladen geschissen.

    Ich bin kein allzu großer Freund des Herrn Tönnies, aber gestern sollte klar geworden sein, dass sich sein früherer Widersacher endgültig von der Realität verabschiedet hat. Und somit für den Verein in jeglicher Form indiskutabel geworden ist.

    Ein Denkmal zerstört sich selbst.

  4. tumulder sagt:

    Ganz wichtig in diesem Zusammenhang erscheint mir auch die allgemeine Auffassung in der Presse, daß die Bayern Rafinha nicht mehr wollten. Wichtig ist, daß Schalke als Verlierer dasteht.;)

  5. Manfred sagt:

    Stimmt schon, aber es ging mir Nuhr um Dieter ;)

  6. eisenschleuder sagt:

    und das ist kein wert an sich. wenn sich jemand unverblümt seienem selbstdarstellungswillen und seinem hass auf andere hingibt, ist das keine schulterklopfer wert.

    im übrigen, lieber thorsten, bitte ich bezüglich der ‚bekifften journailie‘ um mäßigung. es gibt aus meiner sicht keinen grund friedliche kiffer in das zwielicht einfach strukturierter hetz-journalisten zu setzen.

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