Die exklusive Enthüllung des Handesblatts

Täglich kommen neue Meldungen zu den Finanzen des FC Schalke 04. Zumeist „enthüllt“ eine Zeitung etwas und die anderen wiederholen das Ganze. Das Handesblatt trat dabei bislang nicht groß in Erscheinung. Da es aber nun mal um den wirtschaftlichen Teil des Fußballzirkus’ geht, sollte das wohl nicht so bleiben.

Gestern enthüllte also das Handelsblatt.
Unter der Überschrift …

… und mit einem Label „EXKLUSIV“ erschien ein Text, der mit allem was man in den letzten Tagen lesen konnte aufwartet, der dazu noch mit der auf die sportliche Situation bezogenen Behauptung …

Bei einer Niederlage droht Schalke der Absturz ins sportliche Mittelmaß.

… um die Ecke schießt, und der als Knüller die folgenden Geheimnisse lüftet:

Der traditionsreiche Revierklub begleicht Rechnungen anscheinend nur noch mit großer Verspätung. Experten erwarten baldige Spielerverkäufe.
[…]
Schalke hat neben einer erdrückenden Schuldenlast auch noch ein dickes Liquiditätsproblem: Ein klares Indiz dafür ist, dass sich die Zahlungsmoral in den vergangenen Monaten rapide verschlechtert hat. So zahlt der Verein nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei D&B Deutschland Rechnungen erst 30 Tage nach Ziel.

Zack, das saß.

Vielüberschalkeleser begannen sich allerdings gleich am Kopf zu kratzen und sich zu fragen, ob sie das nicht schon irgendwoher kennen. Und richtig, bereits am 29. Juli, eine Woche vor Saisonstart,veröffentlichte die besagte Firma D&B Deutschland eine Analyse zur finanziellen Situation der Bundesligavereine. Der entsprechende Absatz über die Zahlungsmoral las sich dabei wie folgt:

Trotz solider finanzieller Basis der Klubs fällt die Zahlungsmoral allerdings höchst unterschiedlich aus. Am pünktlichsten zahlt Aufsteiger SC Freiburg seine Rechnungen. Die Freiburger begleichen ihre Verbindlichkeiten im Schnitt 17 Tage vor dem vereinbarten Zahlungsziel. Ganze 13 Tage früher als notwendig begleicht der VFL Bochum seine Rechnungen. Demgegenüber lassen insbesondere Herta BSC und Schalke 04 ihre Gläubiger sehr lange auf ihren Forderungen sitzen: Die Berliner Herta ist im Durchschnitt mit 39 Tagen im Verzug, auf Schalke nimmt man sich durchschnittlich 42 Tage mehr Zeit. Übrigens: Der FC Bayern landet bei diesem Ranking nur auf dem fünften Platz – finanzielle Sorgen plagen die Münchener nicht, jedoch dauert es durchschnittlich 22 Tage bis der Rekordmeister seine Rechnung bezahlt. Noch zum Start der letzten Saison beglichen die Bayern ihre Rechnungen vereinbarungsgemäß.

Das Schalke 04 am Ende der Fahnenstange steht ist nicht schön. Besonders aufgeregt kommt der Artikel der Firma D&B deshalb aber nicht daher. Vielmehr wird „den Clubs“ der Bundesliga eine gute finanzielle Gesamtsituation bescheinigt, eine Ausnahme wird dabei nicht erwähnt.

Das ich bezüglich der Finanzen auf Schalke völlig beruhigt wäre, kann ich nicht behaupten. Dass aber ein seriöses Medium wie das Handelsblatt eine 7 Wochen alte Meldung aufgreift, so tut als wäre sie brandneu, das Wort „Exklusiv“ dranpappt und den Eindruck erweckt, als wäre sie das nächste heiße Indiz für den baldigen Zusammenbruch des FC Schalke 04, weil es eben gerade so schön zur öffentlichen Meinung passt und Aufmerksamkeit erregt, ist gelinde gesagt zum kotzen!



8 Kommentare zu “Die exklusive Enthüllung des Handesblatts”

  1. Jan sagt:

    Schalkes Finanznöte offenbar bekannter als groß!

  2. macsash04 sagt:

    Schalker Finanzbekannte offenbar größer als nötig.

  3. Norman sagt:

    Oh man. Welche Zeitung kann man heute noch lesen ohne das einen irgendwelchen Boulevard-Scheiss vorgesetzt wird, die Leute voneinander ungeprüft abschreiben oder irgendwelche Sachen aufgegriffen werden die schon hinlänglich bekannt sind oder keinen interessieren um die Seiten voll zu bekommen?
    Wie der Jornalismus arbeitet hat ja gestern abend (mal wieder) eindrucksvoll Harald Schmidt dargestellt.

    Ich resigniere für heute. Hauptsache drei Punkte. Denn wie sagte schon Karl Theodor (zu Gutenberg?) Jaspers: Die Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage.

    Er meinte: HEIMSIEG!

  4. nolookpass sagt:

    Will auch:

    Offenbachs Notgrößen finanzieren bekanntlich den Schalk.

    Na ja.

    Exklusiv bedeutet hier natürlcih „ist über Gugelnjus nicht zu finden“ und das ist doch schon mal was. Aber wo ist eigentlich der Beleg für die Behauptung, dass sich die Zahlungsmoral verschlechtert habe? Wie war es um die Moral vor einem halben Jahr bestellt? Und warum ist im Text von 30 Tagen, in der Analyse aber von 42 die Rede?

    Und warum beschreibt er „Schalke“ und „sportliches Mittelmaß“ mit „Absturz“?

    Bin ja schon weg.

  5. Torsten Wieland sagt:

    […] Zudem verwies das «Handelsblatt» auf Indizien, wonach sich die Zahlungsmoral der Schalker «in den vergangenen Monaten rapide verschlechtert» haben soll. […]

    dpa via sueddeutsche.de

  6. Nick sagt:

    Auch schon bekannt? Die Ruhr Nachrichten berichteten gestern, dass die Stadt Gelsenkirchen dem Verein die Grundsteuer auf das Gelände rund um die Arena stundet.

  7. Torsten Wieland sagt:

    Ja, danke, las ich noch nachdem ich aus dem Stadion zurück war.

  8. sportbizz sagt:

    Erstmal vorweg ein Lob an den oder die Autoren! Schönes Blog hier :) Weiter so!

    Eine kritische Betrachtung der Berichte für jeden „Aussenstehenden“ wichtig zu lesen.

    Aber irgendwie erinnert die ganze Geschichte an den Nachbarn aus der verbotenen Stadt. Alles nur ein Mediengag um das Derby anzuheizen? Mitnichten!

    Wenn man die Zahlen betrachtet, so kann man nur den Kopf schütteln, wie dort zukünftige Einnahmen in der Vergangenheit (und Gegenwart) zum Fenster rausgeworden wurden…

    VG

    kleines dickes Müller

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