Artikel im September 2009

Heute vor 3 Jahren

verlautete Bayern-Manger Uli Hoeneß erstmals „todernst“:

Lehmanns Nachfolger in der Nationalelf wird auf jeden Fall Rensing und sonst keiner. Da können sich alle anderen auf den Kopf stellen.

In der Folge sprach er Hannovers Torhüter Robert Enke jegliche Chancen auf eine Lehmann-Nachfolge ab. Der damals 22-Jahre alte Michael Rensing kam zuvor in drei Jahren auf 9 Bundesligaeinsätze.

HSV-Fans die gearschtesten

Gearscht, gearschter, am gearschtesten. Wer seinen Club zu Auswärtsspielen begleiten will, freut sich über Samstagsspiele. Wer sich teure Bundesligatickets nebst Fahrkosten leistet, muss freitags noch arbeiten. Und Sonntagabend durch die Republik zu cruisen ist auch nur bedingt entspannend, wenn montags früh der Wecker klingelt.

Letzte Woche haben sich Fans der Borussia aus Mönchengladbach in einem offenen Brief an die DFL gewandt. Darin beschweren sie sich über eine ungerechte Verteilung in der Spielansetzung. Und in der Tat: Bis zum 10. Spieltag, bis zu dem für alle Vereine also 5 Auswärtsspiele auf dem Plan stehen, muss die Borussia viermal sonntags durch das Land reisen, während vier andere Clubs überhaupt nicht betroffen sind. Noch schlimmer trifft es nur die Fans des HSV.

Die Hamburger werden tatsächlich bis Ende Oktober überhaupt kein Auswärtsspiel an einem Samstag bestreiten. Alle fünf Spiele waren oder sind für sonntags angesetzt. Und die Gegner sind keinesfalls um die Ecke. Schon nach Gelsenkirchen sinds 350 km, nach Frankfurt knappe 500 km, und zum ersten Saisonspiel gings direkt mal nach Freiburg, wozu rund 750 km zurückgelegt werden mussten. Und weil man ja doch wieder nach Hause will, werden Hamburger Allesfahrer bis Ende Oktober die sonntägliche Ruhe unserer Republik mit ergoogleten 4.232 Autokilometern gestört haben.

[via @haeby]

Nie Ohne Seife Waschen

RWE-Fans aus meiner Generation sagen immer Gelsenkirchen oder Herne-Ost. Bei den heutigen Auswärtsfahrten bezahlt man im Bus einen Euro Strafe, wenn man den Vereinsnamen des Klubs aus Gelsenkirchen ausspricht.

Ehrlich gesagt, beim Gebrauch von Synonymen für den jeweiligen Gegner ist mir stets nicht ganz so wohl. Einerseits weiß ich, wie wichtig einem großen Teil der Anhängerschaften selbst kitschige Folklore ist, und sie sei jedem gegönnt. Andererseits wirkt es irgendwie künstlich, zumal wenn wie aus der Pistole geschossen die Erklärung folgt, und wurde gegenüber auch nur kurz mit der Stirn gerunzelt. Mir ist dann oft nach Fremdschämen zumute.
Erst recht wenn’s dann noch nicht mal hinhaut, mit dem gespielten Witz. Aber in Essen liegt ja einiges im Argen, vielleicht ist das nur ein Mosaiksteinchen im großen Ganzen. Hier jedenfalls die Königsblog-Servicegrafik des Wochenendes:



Dieser Beitrag ist ein „ausführlicher Retweet“ zu einem Tweet von Ossi @supportersclub.
Grafik: Daniel Ullrich

Gibt’s nicht mehr

Schalke erkennen Sie an der blauen Spielkleidung, von links nach rechts.

Heute wird Trikotwissen und Farberkennungsfähigkeit vorausgesetzt. Die mit den Pfarrerkrägen sind die Bayern und die hässlichen sind der VfL Bochum. Das weiß heute jedes Kind. Der Sportschau-Kommentator verkauft Emotionen, wird auch mal laut, witzelt und erklärt uns jede gespielte Geste des Torschützen nach dem Einnetzen. Dafür bleibt das Gefühl, dass er auch mal etwas weglässt, wenn es nicht zur geplanten Stimmung passt.

Vor fuffzehn Jahren kam der oben dargestellte Satz so oder so ähnlich im Spielbericht einer jeden Fernsehsendung vor, ob Sportschau, Anpfiff oder Sport im Westen. Das war bieder. Staatstragend gesprochen, sich nur auf das tatsächlich Stattfindende beschränkend, weitestgehend emotionslos dargestellt. Pure Berichterstattung.

Zufrieden bin ich mit beiden Varianten nicht.

JAKO?!

JAKO?! Wer is’ nochmal JAKO?

Diese Trikot Firma. Freiburg …

Nee, die haben Nike.

Dann Karlsruhe.

Nein, die haben auch Nike!

Oh.
Frankfurt?

Mhh. Ja, kann sein. Und warum reden
jetzt alle über die?

Weil die den Blogger angeschissen haben.

Ach, die waren das? Richtig, davon habe
ich auch gehört! Trainer Baade, der, dem
das Logo nicht gefiel!

Genau. Und der deshalb jetzt über 5.000 Ocken zahlen
soll. Weil sein Beitrag das Unternehmen schädigt …

Bloggt der bei Spiegel Online?

Nein. Dann hätten Jako das vielleicht sogar lieber
übersehen. Die können sich schließlich wehren.

Mal ehrlich, nix gegen so’n Blog, aber
das ist doch mit Kanonen auf Spatzen
geschossen.

Für die macht das eben Sinn. Eine Firma gibt so
was an einen Anwalt. Der freut sich über die
Beschäftigung, die in der Regel aus einfachem
Schriftverkehr besteht, weil der kleine Blogger
eine größere Auseinandersetzung überhaupt nicht
finanzieren kann. Und die Firma ist ratz fatz
die Kritik los.

Sehr sympathisch wirkt das nicht.

Überhaupt nicht.

Dabei wollen Firmen doch stets sympathisch
rüberkommen!

Das hat sich bei JAKO wohl erstmal erledigt. Google
mal nach „JAKO Baade“, dann weißt Du was ich meine.
Marketing-Fuzzis schlagen auch schon die Hände über
dem Kopf zusammen.

Gut so, das haben sie sich verdient.
Von denen kaufen wir auch nix mehr.

Ja. Und mit Frankfurt-Trikots haben wir
zum Glück auch nix anner Glocke.

Viel Lärm um kaum was

Der kicker meldete live und exklusiv den ganz sicheren Rafinha-Wechsel zu Bayern München, die Stuttgarter Nachrichten hatten ihrem VfB bereits Jermaine Jones geangelt, Benni Höwedes stand quasi schon für Armin Veh in Wolfsburgs Innenverteidigung und Ivan Rakitic wollte sich eigentlich schon immer nur auf Schalke durchsetzen, obwohl sich Inter Mailand, Juventus Turin und sicher auch Real Madrid und Schachtjor Donesz die Finger nach ihm leckten. Stellvertretend für die offensichtlich bekiffte Journallie steht das weltberühmte und bei Google-News ziemlich präsente „Bocholter-Borkener Volksblatt“, das gestern Mittag zum vermeintlichen Jones-Deal zu melden wusste:

Zumindest in Sachen Jones könnte es für Stuttgart schwierig werden. Der Ex-Nationalspieler will trotz einer Reservistenrolle seinen Vertrag beim FC Schalke 04 offenbar aussitzen und weiter abkassieren. „Ich will nicht weg“, sagte er am Sonntag.

Da weiß man doch Bescheid. Mittlerweile hat das Portal die Seite gelöscht.

Passiert ist letztlich kaum was. Schalke 04 ist die Fehleinkäufe Müllers nicht losgeworden, was allerdings auch nicht zu erwarten war. Schalke 04 hat sich kurzfristig mit Mineiro und Lubos Hanzel verstärkt, weil es konkret im defensiven Mittelfeld und der linken Aussenverteidigerposition Bedarf gab und gibt. Mineiro macht bislang einen guten Eindruck, Hanzel wird man noch sehen. Der Kader wurde durch keinen „Notverkauf“ eines Leistungsträgers geschwächt. Dazu Felix Magath bei schalke04.de:

Es lagen lediglich ein paar Anfragen vor, die unsere vermeintliche Notsituation ausnutzen wollten. Es waren einige dubiose Dinge dabei, aber nichts, was man hätte prüfen können. Wenn es zu einem Transfer gekommen wäre, dann nur zu akzeptablen Bedingungen. Wir müssen nicht um jeden Preis Spieler abgeben.

Damit könnte man sich nun eigentlich bis zum Beginn der Winter-Transferperiode wieder auf sportliche Themen konzentrieren. Wird man aber nicht. Gestern setzte das DSF Rudi Assauer ins Fernsehen, um ihn unter der entblößten Überschrift „Generalabrechnung mit S04“ abledern zu lassen. Angeschaut habe ich’s mir nicht, ich bin mir sicher, dass ich von jetzt an bis zum noch ewig entfernten, nächsten Bundesligaspieltag, alle seine nicht eh schon bekannten Sprüche in kleinen Häppchen in die News-Feeds geliefert bekomme. Irgendwo in den Twitter-Tiefen des Netzes las ich letztens den etwas vulgären, bezüglich seiner Medienpräsenz aber meines Erachtens gut zu Assauer passenden Begriff des Sommerlochfickers.