Artikel im Oktober 2009

„Hoeneß, Daum oder Calli gehen auf den Senkel“

Jens Peters ist Fan von Bayer 04 Leverkusen und bloggt darüber bei Catenaccio. Dienstag war hier im Königsblog schon mal die Rede von ihm, er lieferte mit seinem „Die Null muss stehen Countdown“ die Inspiration zu meinem Statistikkram-Beitrag „Zu Null Fußball“. Aus welcher Sicht auch immer: Bayer 04 Leverkusen kommt mit der erfolgreichsten Defensive der Liga nach Gelsenkirchen. Eine echte Prüfung für das neue Schalke. Zum Spiel und zu noch ein bisschen mehr habe ich Jens ein paar Fragen gestellt.

Hallo Jens. Dein Verein ist nach wie vor ungeschlagen und Tabellenführer. Die Defensive steht stabil, Adler hat aus der erwarteten Wackelphase wieder herausgefunden, Hyypiä bringt die Erfahrung ein, das bisherige Ergebnis sind 6 zu Null-Spiele in 10 Partien. Die Offensive ist jung und schnell, Eren Derdiyok ist gut eingeschlagen und mit Patrick Helmes stößt der eigentliche Top-Knipser noch dazu. Mal abgesehen von einem eingebauten Misstrauen, das alle Fans von Bayer Leverkusen und Schalke 04 haben sollten: Gibt es sachliche Argumente gegen solche Lobhudelei? Wo sind die Schwachstellen und was könnte Jupp Heynckes vielleicht noch versauen?

Gibt es sachliche Argumente im Fußball? Ich entdecke selten welche, noch nicht einmal in den „Qualitätsmedien“ – aber das ist eine andere Geschichte. Als Fan, fällt es ja immer schwer, objektiv die Lage einzuschätzen. Zunächst einmal würde ich in die Lobhudelei mit einstimmen, aber wie du schon sagst, ist man als Anhänger des Vereins Leverkusen immer skeptisch und ich werde es vermutlich auch bis zum 34. Spieltag bleiben, selbst wenn die Werkself Erster ist und Hertha BSC Berlin als letzten Gegner im Programm hätten.
Ich bin zunächst einmal froh, dass man an Problemen der letzten Saison arbeitet. So ist, wie du schon sagtest, die Defensive um Sami Hyypiä bereichert . Aber was ist, wenn er mal ausfällt? Und die taktische Eindimensionalität, Powerpressing mit Offensivpowerfußball, ist behoben worden. Trotzdem gibt es noch Baustellen, die zwischendurch immer wieder aufblitzen, wie zum Beispiel fehlender Biss in bestimmten Situationen, mangelnde Kreativität im Offensivspiel, taktische Unzulänglichkeiten auf einzelnen Positionen und fehlende Knipsermentalität im Sturm.

Dein Club hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert. Zu Calmunds Zeiten hatte ich den Eindruck, als wollte man unbedingt Farbe in einen grauen Verein holen. Dazu passten Trainer wie Stepanovic, Daum oder Toppmöller, und Calmund selbst war natürlich auch ein schwerer Springinsfeld. Heute ist das anders. Jetzt wird mit dem Werksclub-Image gespielt. Holzhäuser tritt selten in Erscheinung. Rudi Völler gibt dem Club sein Gesicht, haut aber auch selten auf die Brause. Auf der Trainerbank saßen zwischendurch Skibbe und Labbadia, ein in sich Ruhender und ein Aufstrebender. Wie siehst Du diesen Wandel? Wird der Club nicht automatisch sterbenslangweilig, sobald es auf dem Rasen mal keinen tollen Fußball gibt?

Ich finde den Wandel vollkommen in Ordnung. Letztlich ist ja entscheidend was unten auf dem Platz passiert und nicht auf der Trainerbank, beim Manager oder im Vorstand. Geschichten oder besser gesagt Personen wie zum Beispiel Uli Hoeneß, damals Christoph Daum, Calli oder andere gehen mir eher auf den Senkel, da sie vom Team ablenken und sich selbst gerne reden hören. Ich habe das Gefühl, dass Bayer einen Plan für die Kaderzusammenstellung hat, einen Plan, was man in der Liga erreichen möchte und einen Plan, wie man das realisiert. Das ist gut so, wenn man dann noch schönen Fußball auf dem Platz zu sehen bekommt, dann passt das schon. Ich glaube die Gefahr, dass man seinen Lieblingsverein irgendwann langweilig findet, ist nicht besonders groß, oder ist dir das schon mal passiert?

Nein, mir nicht, aber der Club Schalke 04 ist ja auch bekloppt genug, damit auch an spielfreien Tagen die Nachrichtenticker fliegen. Das ist oft, aber nicht immer schön, zugegeben. Kommen wir aber zu Spiel: Leverkusen war auf Schalke zuletzt ja sehr erfolgreich. René Adler hat in unserer Arena stets hervorragend gehalten und die agile Offensive war für Schalke jeweils ein- bis zweimal pro Spiel zu fix, was dann schon reichte. Man kann das als cool oder abgeklärt bezeichnen, aus anderem Blickwinkel hat Leverkusen dabei hauptsächlich von Schalkes Unfähigkeiten profitiert. Wie hat sich der Spielstil Eurer Mannschaft unter Heynckes entwickelt, wie werden die Auswärtsspiele angegangen? Was glaubst Du, welches Spiel sich gegen Schalke entwickeln wird?

Ganz schwer zu sagen. Bayer hat ja schon ganz unterschiedlich gegen die „großen“ Mannschaften gespielt. Da war beispielsweise ein sehr offenes Spiel in Wolfsburg, was man gewinnen konnte, dann wiederum ein sehr defensives Spiel gegen Hamburg, dass dann auch 0:0 endete. Im Moment macht mir ehrlich gesagt die Offensivabteilung ein bisschen Sorge, aber die beiden letzten Spiele waren hoffentlich Gegenwind genug, dass die Mannschaft sich wieder auf ihre Stärken konzentriert, mit denen man sicherlich auch auf Schalke bestehen kann. Solide Defensivarbeit und dann immer wieder Spitzen setzen. Wenn die Effektivität stimmt, können drei Punkte rausspringen. Mit einem Remis bin ich aber auch zufrieden.

Zuletzt noch die „offene Feedback-Frage“: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?

Ich bin ganz schön erstaunt, was die Schalker angeht. So weit oben hätte ich die Knappen nicht erwartet, aber da kommt sicherlich der Einfluss von Magath zum Vorschein. Wichtig ist sicherlich, dass er einige unerfahrene Spieler mit integriert hat, mal in der Mannschaft aufgeräumt hat und ihnen viel Stärke eingeredet hat. Fraglich ist, wie das aussieht, wenn Schalke mal 3-4 Spiele nicht so erfolgreich spielt. Wie lange funktioniert dann so ein Mannschaftsgebilde, wie es das auf Schalke gibt. Schalke hat ja immer den Hang dazu, sehr spezielle, eigene Spielertypen in ihren Reihen zu haben. Diese zu bändigen, ist sicherlich eine von Magaths größten Aufgaben. Einen Meisterkandidaten sehe ich jetzt nicht direkt, aber der internationale Wettbewerb ist sicherlich zu packen.

Vielen Dank, Jens.
Mögest Du Samstagabend gegen halb Neun möglichst unzufrieden mit Deinem Club sein, Dir aber davon nicht vollends das Wochenende versauen lassen.




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3:0 gegen sich selbst gewonnen

Ein 3:0 Sieg im Pokalspiel bei 1860 München. Eigentlich ein 4:0, denn mindestens eins von zwei nicht anerkannten Toren hätte Schiedsrichter Markus Schmidt geben müssen. Der TSV 1860 München hat gerade mal zwei Schüsse aufs Schalker Tor abgeben können. Dazu hatte Felix Magath auch noch mit Mineiro und Farfán seinen ältesten und seinen besten Spieler schonen können. Da gibt es nichts zu meckern.

Oder vielleicht doch?

Tatsächlich spielte Schalke in der ersten Halbzeit grauenhaft. Derart viele Abspielfehler gab es bislang in keinem der 10 Ligaspiele. Heiko Westermann, sicher kein Supertechniker aber ein stets zuverlässiger, solider Kicker, stand in den ersten 20 Minuten völlig neben der Spur und schaffte es, den Ball in einem Zweikampf gleich dreimal zu verlieren. Marcelo Bordon passte den Ball mal eben 20 Meter neben seine Anspielstation. Lukas Schmitz nahm sich ein Beistpiel an ihm. An Lewis Holtby lief das Spiel weitestgehend vorbei. Und von den anderen wirkte auch kaum einer souverän.

Es bedingt sich eben immer alles. Nein, natürlich wollte Schalke 1860 nicht unterschätzen. Aber sei es das Gefühl, gegen diese Zweitligamannschaft sicherlich nicht völlig gefordert zu werden, oder sei es das Gefühl, gegen die überlegen ausschauen zu müssen: Solch ein Spiel ist auch für den höherklassigen Club eine emotionale Ausnahmesituation, und diese Mannschaft des FC Schalke 04 hatte heute deutlich sichtbar Probleme damit. Die Sicherheit kam erst mit den Erfolgserlebnissen, mit der Führung, mit dem zweiten Tor. Am Ende hätte Schalke auch 6:0 gewinnen können und auch das wäre verdient gewesen, so überlegen war man letzten Endes dem verunsicherten Team von 1860 München. Probleme hatte Schalke heute nur mit sich selbst.

Fürth, Köln, Osnabrück, Augsburg, Bremen, Hoffenheim und die Bayern sind noch im Pott. Schalke 04 hat ja quasi traditionell Lospech. Vermutlich geht’s also nach Bremen oder erneut in die Versicherungsarena. Schalke spielte bislang im Ligabetrieb auswärts abgebrühter als zu Hause. Trotzdem hoffe ich auf ein Heimspiel. Der Pokal hat schließlich seine eigenen Gesetze. Gegen wen wäre mir dann egal.

Die Auslosung zur nächsten Runde erfolgt am kommenden Sonntag, im Rahmen der ARD-Sportschau. Die Viertelfinalspiele werden am 09. und 10. Februar stattfinden.

Zu Null Fußball

Wenn ein Torwart lange keinen Treffer kassiert hat werden schonmal die Minuten gezählt. Wenn eine Mannschaft generell eine gute Abwehr hat wird auch schon mal bemerkt, wenn sie zwei oder drei Spiele in Folge zu Null gespielt hat. Am Ende der Saison wird die Abwehrleistung in der Regel aber an der Zahl der Gegentore festgemacht. Jens Peters bloggt bei Catenaccio über Bayer 04 Leverkusen und ist von der Defensive seiner Mannschaft angetan. Nachdem Bayer am zweiten Spieltag mit 1:0 gegen Hoffenheim gewann traf er folgende Aussage und schuf das, was er später als den „Die-Null-muss-stehen-Countdown“ benannte:

Der Schlüssel zur Wolfsburger Meisterschaft war in der letzten Saison die herausragende Offensive. Ich bin mir sicher, dass der Schlüssel zur Leverkusener Rückkehr in den internationalen Fußball die Defensive sein wird. Ich werde mich an dieser Stelle einfach mal weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass der Bayer-Elf jetzt noch 13 Zunull-Spiele mindestens zu Platz Fünf reichen.

Wieviele zu Null-Spiele in einer Saison sind viel? Mit einem Schnitt von 2 Punkten pro Spiel wurde bislang immer Platz 3 erreicht und mit 40 Punkten ist noch nie eine Mannschaft abgestiegen. Gibt es eine Anzahl an zu Null-Spielen die zu ähnlichen Aussagen berechtigt? Das hat mich interessiert und ich konnte keine Statistiken dazu finden, also habe ich mich selbst bemüht.

Um die Fragen direkt zu beantworten: In den letzten 10 Jahren liegt der Durchschnitt bei 8,9 zu Null-Spielen pro Mannschaft in der Saison. Betrachtet man nur die Vereine, die am Ende auf den ersten fünf Rängen landeten, liegt der Schnitt bei 11,6. Betrachtet man alle Bundesligaspielzeiten seit 1963 kann man sagen, dass 16 zu Null-Spiele bislang immer zu einem der ersten 5 Plätze qualifiziert haben. Und was die von Jens Peters erhofften 14 für Bayer angeht: Von insgesamt 22 Clubs, die diese Anzahl erreichten, kamen „nur“ 15 unter die ersten fünf. Hier eine Übersicht über die Verteilung der am Ende erreichten Tabellenregion bei der jeweiligen Anzahl an zu Null-Spielen:

Auch bei der „wildesten Ausnahme“ kommen wir wieder zu Bayer 04 Leverkusen. Die Mannschaft der Saison 1993/1994 schaffte es auf Platz 3, obwohl es ihr in 34 Bundesligaspielen nur ein einziges Mal gelang, kein Gegentor zu kassieren.

Bayern München spielt in rund jedem dritten Spiel zu Null (33,5%) und hat damit den besten Schnitt aller Clubs. Auf Platz 2 drängelt sich Hoffenheim (31,8%), mit bislang 44 Bundesligaspielen darf man sich die TSG aber auch noch wegdenken. Es folgen der VfB Stuttgart (28,0%) und Schalke 04 (27,9%). Die Statistik der aktuellen Saison führen bislang Werder Bremen und Leverkusen mit jeweils 6 zu Null-Spielen an. Danach kommt der 1. FC Köln, der zuletzt dreimal in Folge ohne Gegentor blieb und es in den 10 Runden auf 5 zu Null-Spiele brachte; gewonnen hat Köln davon trotzdem nur zwei, dreimal ging’s 0:0 aus. Schalke blieb bislang viermal ohne Gegentor.

Als Rausschmeisser des zu Null-Statistik-Wahns, hier noch eine Liste der in diesem Sinne erfolgreichsten Mannschaften der Bundesligageschichte.

„Der S04 ist wieder da!“

… hallte es in der zweiten Halbzeit zur Melodie von „When the Saints Go Marching In“ durchs Stadion. Im Sinne von „Die Mannschaft lebt wieder“ oder auch „ .. nimmt wieder am Fußball in seiner schönsten Form teil“ passte dieser Gesang wie die Faust aufs Auge. Das „Hier regiert der HSV!“, welches prompt nach jedem Hamburger Tor aus dem Gästefanblock zu hören war, wirkte hingegen etwas großspurig und neureich. Tatsächlich regierte in diesem grandiosen Spiel zu keiner Zeit irgendeine Mannschaft.

Zugegeben, zur Halbzeit brauchte man sich aus Schalker Sicht über die Hamburger Führung nicht zu beschweren. Da war es das hundertmal gesehene Spiel zwischen zwei engagierten Mannschaften die beide ihre Chancen hatten, in dem die besseren Einzelspieler die entscheidenden Aktionen entschieden. Dem Tempo eines Eljero Elia hat kein Schalker etwas entgegenzusetzen. Der Eleganz Zé Robertos erst recht nicht.
Und doch ist eben alles anders, neuerdings. Jetzt ist da eine Schalker Mannschaft auf dem Platz, die auch bei einem Stand von 0:2 nochmal alles versucht, und sei es nur, um den Leuten zu zeigen, dass sie es will. Und befeuert durch ein Tor wie aus heiterem Himmel zündet dann auch der nächste Schub, stehen 60.000 wieder zusammen und lassen den Abend wieder zu einem Erlebnis werden nach dem es einen dürstet, nach Jahren in denen einem erzählt wurde, dass es nichts besseres gäbe als Grottenkicks gegen Eintracht Frankfurt mit 1:0 für sich zu entscheiden, weil es schließlich nur um die Punkte gehe.

Ja, Manuel Neuer sah bei dem Trochowski-Freistoß zum 0:2 schlecht aus, und natürlich darf es nicht passieren, dass man sich in der eigenen Drangphase den erneuten Rückstand einfängt. Aber diese Mannschaft ist eben noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung, und es ist doch sympathisch, dass Felix Magath beim Stand von 2:2 den nächsten offensiven Spieler einwechselt, um das Spiel noch zu gewinnen.
Der HSV wirkte abgeklärter, durchaus spitzenteamartig, und als mir am Bahnhof ein Hamburger erklärte, dass man sich mit 3 Auswärtstoren doch wohl auch einen Sieg verdient gehabt hätte, blieb mir nur ein Ja, Aber. Denn genauso gut hätte eine Mannschaft den Sieg verdient gehabt, die zunächst dummerweise ihre Großchancen vergab, dann aber einen 0:2 und einen 2:3 Rückstand aufholte, und deren eingewechselter Stürmer kurz vor Schluss die Entscheidung auf dem Kopf hatte.

Ich bin, wie wohl alle Schalker die dieses Spiel über 90 Minuten verfolgten, mit dem Ergebnis zufrieden. Vor dem Spiel hatte ich auf einen Sieg gehofft. In der Halbzeit war jeglicher Mut dahin. Dann das Adrenalin, die Enttäuschung, die Erlösung: Am Ende fühlte es sich einfach toll an. Und der Punkteschnitt ist nach wie vor völlig ok.

Mal was Neues

Nicht „Öfter ..“, nur „Mal ..“. Zwei Dinge, zwei Kleinigkeiten die man auch ohne Erklärung erfahren kann, auf die ich aber an dieser Stelle hinweisen möchte, damit es auch jeder mitbekommt.

Dieses Blog wurde um die Seite „Presse zu den Finanzen des FC Schalke 04“ erweitert, siehe oben, zwischen Home und Impressum. Die Erklärung zu den Fragen nach Was, Wie und Warum gebe ich dort. Einfach mal anschauen.
 
Außerdem habe ich meinen Twitter-Ableger umbenannt. Was vorher Königszwitsch hieß heißt nun auch einfach Königsblog – bei Twitter eben. Der Grund dafür ist simpel: Follower, die mein Blog nicht kennen, finden nicht unbedingt diese Seite hier. Der einzige Verweis hierhin steht auf der Twitter-Seite, die schaut sich in der Regel aber niemand an, weil die Kommunikation über Clients bzw. über die eigenen Twitter-Seite eines jeden Zwitscherers erfolgt. Wer bei Twitter @Koenigsblog verfolgt sollte aber darauf kommen können, dass er davon noch mehr als die Twitter-Shorties haben kann.

UPDATE: Nachdem erst alles funktionierte, hat sich mein umbenannter Twitter-Name nun selbstständig zurückgeändert! Auf der Hilfeseite gibt es tatsächlich eine Ausführung zu diesem Problem, mit dem Hinweis, dass es ein Bug sei und man solche Umbenennungen bis auf weiteres lieber lassen sollte. Auf der Hilfeseite … Also weiter @Koenigszwitsch.

UPDATE 2: Jetzt, seit dem 06.11.09, gilt das Problem als fixed. Na denn, noch’n Versuch aus den oben genannten Gründen.

„Der HSV kann auch auswärts das Spiel machen“

Sonntag geht’s gegen Hamburg. Schwer, keine Frage, und in den letzten 5 Jahren setzte es daheim gegen den HSV 4 Niederlagen bei einem Unentschieden. Trotzdem geht mein Wissen über den diesjährigen, neuen HSV kaum über das hinaus, was man aus Sportschau-Zusammenfassungen erfährt. Das ist wenig bis kaum was, also dachte ich mir, frage ich jemanden der Bescheid weiß.
Florian Neumann lebt in Hamburg und tourt als nedfuller schon lange durch die Blogosphäre. Seit Sommer schreibt er nun selbst ein Blog, eben NedsBlog, in dem er seine Sicht der Dinge zu seinem HSV zum Besten gibt. Sehr spontan, weil ich mal wieder nicht vorausschauend genug war, stand er für ein paar Fragen zur Verfügung. Für drei plus eine Frage, um genau zu sein.

Hallo Ned! Schön, dass es auch so kurzfristig geklappt hat. Erstmal Glückwunsch zum Sieg in Glasgow. Läuft alles rund beim HSV, in der Liga steht ihr ja auch gut da. Mittlerweile ist aber eine halbe Mannschaft verletzungsbedingt ausgefallen. Außerdem könnte man unken, dass Bruno Labbadias Mannschaften in der Regel „nach hinten raus“ Probleme kriegen. Wie ist bei Dir der Stand zwischen Hoffung und Sorge? Was erhoffst oder was befürchtest Du für den weiteren Saisonverlauf?

Hi Torsten. „Gut dastehen“ ist untertrieben: Wir haben noch nie nach 9 Spieltagen 21 Punkte auf unserem Konto gehabt. Nur zur Erinnerung, wir sind im 47. Jahr ununterbrochen in der Bundesliga und hatten mal Erfolge die Punkte zum Saisonbeginn benötigten: Wir waren dreimal Deutscher Meister. Daher bin ich bis zur Verletzung von Petric, gegen Hertha recht optimistisch gewesen, was den weiteren Saisonverlauf angeht. Mittlerweile hoffe ich allerdings auf jeden Punkt, verbuche sogar das Unentschieden gegen Leverkusen als Erfolg. Gegen die kleinen Vereine sollte es gerade zu Hause immer reichen mit dem Kader.
Zu unserem Trainer ist zu sagen, dass ich ihm von Anfang an sehr skeptisch gegenüber gewesen bin. Gerade die unterirdische Rückrunde bei Leverkusen mit nur 17 Punkten macht mir Sorgen. Diese Sorge gemischt mit meiner pessimistischen Grundhaltung und den Erfahrungen aus anderen Saisons mit einem Topkader lassen mich nicht gerade mit guten Gefühl in die Rückrunde gehen.
Mein Ziel ist der 4. Platz. Toll wäre die Champions League und vor dem Hertha-Spiel und der damit verbundenen Verletzung von Petric hätte ich das sogar offiziell als Ziel angenommen.

Konkret zum Spiel am Sonntag auf Schalke. Ich muss gestehen dass sich in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel des HSV über 90 Minuten gesehen habe. Wie agiert Eure Mannschaft in fremden Stadien? Haben wir einen dominanten Tabellenzweiten oder ein eher defensiv ausgerichtetes Auswärtsteam zu erwarten?

Unser Support ist immer erste Sahne, da können einige Heimmannschaften von lernen :) Gegen Wolfsburg haben wir gezeigt, dass wir Auswärts das Spiel machen können. Gegen Freiburg und Frankfurt haben wir dann nach unseren Toren aber aufgehört Fußball zu spielen. Diesen Fehler begehen wir gerade gegen kleinere Gegner gerne mal. Berlin nehme ich mal aus der Betrachtung raus. So wenig Fußballspielen wird nur gegen ganz wenige Gegner reichen.
Unsere Spielweise muss man jetzt sicherlich in vor und nach den Verletzungen unterscheiden. Petric und Guerrero haben die Qualität, aus wenigen Torchancen etwas zu machen. Das fehlt uns derzeit und wird wahrscheinlich auch in der Aufstellung gegen euch wieder zu finden sein. Ich erwarte, dass die Mannschaft etwas kompakter im Mittelfeld mit vielleicht nominell nur einem Stürmer spielen wird. Eine Aufstellungsprognose will ich aber lieber nicht abgeben.

Ok, lass uns mal zum Club als solchen kommen. Schalke 04 liefert sicher mehr Boulevardgeschichten, aber in Sachen Storys über Vereinspolitik ist der HSV auch weit vorne. Hoffmann als dominanter Vorstandsvorsitzender der Dukaten-Didi Beiersdorfer abgesäbelt hat, die Supporters als vereinspolitische Opposition, das langwierige Thema der Beiersdorfer-Nachfolge. Mittlerweile droht die Bildzeitung ja schon mit Berti Vogts. Was denkst Du, wann der Verein da mal zu Potte kommt? Oder bleibt es am Ende gar bei Labbadia in einer Doppelrolle?

Als der Name Vogts in der Bildzeitung genannt wurde, da habe ich schallend gelacht. Woher die immer die Namen aus dem Hut zaubern, köstlich. Vorab: Wir sind immer noch ein eingetragener Verein. Alleingänge wie in Schalke und Wolfsburg sind bei uns definitiv unmöglich. Im einzelnen:
Bernd Hoffmann kommt aus der Wirtschaft, führt ein mittelgroßes Unternehmen, was zu allem übel ein e.V. ist. Gescheitert ist sein Vorschlag, den Profifußball auszugliedern. Seitdem hat er sich damit abgefunden. Richtig, er ist der Vorstandsvorsitzende, hat also bei allen Entscheidungen das letzte Wort, vielmehr wird für alle Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen. Warum Beiersdorf nun gegangen ist, wird wohl niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Es gab bis zuletzt „Rettungsversuche“ seitens des Aufsichtsrates. Aber Didi hat wohl die Pistole auf die Brust gedrückt und gesagt: Entweder so, oder ich gehe. Bernd Hoffmann hat den Club konsolidiert. Wir sind schuldenfrei! Ausgenommen der Stadionkredit, aber das gehört uns dann auch. Das letzte mal Schuldenfrei waren wir irgendwann 50/51. Das ist ihm hoch anzurechnen. Ebenfalls gelingt es dem gesamten Vorstand den HSV in der Stadt Hamburg zu verwurzeln. Das war lange Jahre nicht so.
Der Supporters Club (SC) ist europaweit einmalig. Soviel Einfluss auf einen Verein in der ersten Liga hat meiner Meinung nach niemand. Das hat Vorteile: Der Vorstand wird immer wieder daran erinnert, dass wir ein Breitensportverein sind. Das hat Nachteile: Der SC will im Aufsichtsrat auch mehr Anteile haben.
Wir haben derzeit 3 Vorstände: Bernd Hoffmann, Katja Kraus (Marketing) und Oliver Scheel. Wer ist das, wirst du Fragen: Ehemaliger Abteilungsleiter der Supporters. Einer vom SC sitzt also im operativem Entscheidungsgremium. Und ein Ja-Sager ist er nicht. Im Aufsichtsrat sitzt auch immer fest ein Vertreter des SC. Also auch hier ist der Einfluss vorhanden. Zur letzten Mitgliederversammlung sollte dieser Einfluss nun erhöht werden. 8 Kandidaten wurden aus 20 gewählt, 4 davon sind aus dem Bereich SC. Die Mitgliederversammlung hat aber keinen zusätzlichen Kandidaten in den AR gewählt. Auch das ist ein Zeichen, wie weit der Einfluss derzeit gewünscht ist.
Sportdirektor: Wir brauchen einen, das ist Fakt. Es gab auch Kandidaten, die vom Personalrat zur Präsentation eingeladen worden sind. Genau, nicht der Vorstand stellt ein, der vom Aufsichtsrat bestellte Personalrat sucht und schlägt dem Aufsichtsrat die Kandidaten vor! Aber Oliver Kreuzer hat abgesagt, da wollte der Rat Roman Grill nicht als einzigen Kandidaten hören und die Entscheidung wurde vertagt. Bernd Hoffmann hat sich klar geäußert, dass er Grill favorisiert, aber Einfluss hat er dabei halt nicht. Wenn der Aufsichtsrat nicht bestellt, dann bestellt er nicht.

Zum Schluss noch mal zu meinem Club, bewusst offen gefragt: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?

Puh. Eigentlich war mir Schalke bisher egal. Gehasst habe ich S04 nicht, auch wenn ich in den 90ern dazu fast genötigt wurde, da es mal eine Fanfreundschaft mit eurem Lieblingsgegner gab, aber mehr als Wahrnehmung wollte sich nie einstellen. Ich habe mir euren Europapokalerfolg angesehen und die verpasste Meisterschaft 2001 wird immer in Erinnerung bleiben. Danach habt ihr sinnlos Spieler gekauft und mit Gehalt zugeschmissen, dass die Antipathie überwog.
Geändert hat sich meine Wahrnehmung in dieser Saison. Festzumachen ist das an einer Person: Felix Magath. Er ist der einzige gegnerische Trainer, der in Hamburg immer Applaus erhält. Völlig egal, bei wem er grad auf der Bank sitzt. Ich schaue nun doch einigermaßen gespannt auf die Entwicklung bei euch.
Eure Fans sehe ich sehr skeptisch. Warum? Weil ich euch nicht verstehe: In der letzten Saison spielte S04 in Hamburg, just nachdem Kuranyi sich von der Nationalmannschaft unentschuldigt entfernt hatte. Ein Fest für uns, wir konnten Ihn auslachen und mit Sprechchören verhöhnen. Die, sehr richtige, das sein angemerkt, Reaktion der Schalker Fans: Kuranyi Sprechchöre. Euer nächstes Heimspiel lief dann nicht gut (0:0 gegen Bielefeld) und gerade Kuranyi wurde von den eigenen Fans ausgepfiffen. Das fand ich dann lächerlich, zumal das Auspfeifen der eigenen Spieler so gar nicht mein Ding ist.

Vielen Dank!
Dir und Deinem Blog alles Gute, Deinem Club selbstverständlich alles Pech der Welt, vor allem Sonntag. Glück auf.




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Zurück ins Netz

Manchmal merkt man während des Sprechens, dass eine Argumentation nicht schlüssig ist. Das ist nicht schön, vielleicht eine „Niederlage“ oder peinlich, die Argumentation lässt sich aber im Kopf reparieren. Aufwändiger ist es, wenn einem während einer Unterhaltung bewusst wird, dass das eigene Handeln nicht dem entspricht, was man eigentlich erwartet.

Mir ging es kürzlich so, bei einer Unterhaltung mit Trainer Baade. Anlässlich der Premiere von Ben Redelings Lesung aus seinem neuen Buch „Dem Fußball sein Zuhause“ waren wir gemeinsam in Bochum. Wir sprachen über Fußball. Und natürlich übers Bloggen. Was einem wichtig ist, was nervt, wie es sich verändert, was einen antreibt.

Ich werde nicht müde zu erklären, dass es die Kommunikation ist, die mir den größten Wert darstellt. Natürlich schaue ich auf die Leserzahlen, vielmehr aber auf die Kommentare. Es freut mich ungemein, dass die Kommentare in der Regel einen Mehrwert bieten. Es wird wieder eine Meinung dargestellt die über das bloße Urteil „gut“, „schlecht“, „alles doof“ hinausgeht.
Der Trainer bestätigte den Spaß durch Kommentare, bemerkte aber, dass die Anzahl der Kommentare in letzter Zeit zurückgegangen sei. Er führte das darauf zurück, dass sich die Nutzung von Feed-Reader mehr und mehr durchgesetzt hat, in denen Kommentare kaum eine Rolle spielen. Und bei der Darstellung meines eigenen Surfverhaltens wurde mir eben schlagartig bewusst, dass dies auch genau meinem Verhalten entspricht.
Mein Sage-Reader, ein Firefox-Plugin, hat täglich ca. 60 Fußballblogs nach neuen Beiträgen durchforstet. Angeschaut habe ich mir stets alle, wirklich gelesen immer noch viele, eben die für mich interessanten. Wenn ich kommentieren wollte war das ein weiterer Klick, hin zum Blog. Kein Hindernis, trotzdem woanders. Entscheidender ist aber, dass ich nicht von vornherein den Mehrwert durch andere Kommentatoren mitbekommen habe.

Heute habe ich keinen Feed-Reader mehr. Nun sind die Blogs in meinem Browser wieder altmodisch, als Lesezeichen gespeichert, aufgeteilt in 3 Ordnern. Pro Ordner lasse ich mir alle Seiten gleichzeitig in Tabs öffnen, durchstöbere sie und erfahre alles Neue gleichzeitig: Die Texte natürlich, die Kommentare, eingebundene Gimmicks aller Art und die Blogdesigns. Ein „Rückschritt“ den ich unbedingt empfehlen kann und der bei mir dazu geführt hat, dass ich selbst wieder häufiger an Kommentardiskussionen teilnehme.

Ebenfalls unbedingt empfehlen kann ich übrigens auch Ben Redelings Lesung. War ein rundum guter Abend.