Köhler auf Schalke

Nicht Horst, nicht Gildo. Benjamin! Dass der Bundespräsident im Rahmen seiner „traditionellen Informations- und Begegnungsreise“ Lust hatte, durch Duisburgs Hafen zu schippern und sich durch unser Stadion führen zu lassen, ist mir völlig egal. Genauso wenig juckt es mich, wenn Spieler in neue Anzüge gesteckt werden oder Chinas Wissenschaftsminister Wu Zhong Ze via Stippvisite was über Verkehrsanbindungen erfahren will. Heute kommt Eintracht Frankfurt, und ich habe Lust auf Fußball.

Ohne wirklich nachgezählt zu haben, gefühlt gab es in dieser noch jungen Saison schon mehr wirklich spaßmachende Spiele als in der kompletten Saison 08/09. Jaja, schon zwei Heimspiele verloren, noch immer keinen Rückstand aufgeholt, gewisse Probleme gleichzeitig die defensive Ordnung zu halten und das Spiel zu dominieren. Aber es ist eben nicht eingefahren! Zwei Jahre lang wusste man sehr genau wer spielt, wie gespielt wird und was passieren muss, damit Schalke gewinnt. Jetzt ist schon das Vorlesen der Mannschaftsaufstellung ein Spannungsmoment. Jetzt orientiert man sich in den ersten Minuten erstmal, wer wirklich wo spielt, in welcher Zone der Gegner attackiert wird und ob die Stürmer vorzugsweise ins Zentrum oder auf die Flügel streben. Mal spielt Schalke verhalten, mal drängt die Mannschaft nach vorne, immer als Resultat eines Gemischs aus Taktik und Form. Es wird ausprobiert und man freut sich wenn’s gelingt. Und wenn nicht lässt sich Magath schon was einfallen.

Derart frohgemut schaut man auf ein Spiel gegen Eintracht Frankfurt und glaubt das Ding schon schaukeln zu können, was beim näheren Hinsehen ein schwieriger Job werden kann. Dass ein Club, bei dem auch gerne mal die Kuh fliegt, einen so langweiligen Trainer wie Friedhelm Funkel durch einen so langweiligen Trainer wie Michael Skibbe ersetzt, beweist unendlichen Glauben in Fachkompetenz: Alle anderen Argumente fallen flach. Und Frankfurt hat 10 Punkte, versucht mehr als nur defensiv gut zu stehen und ist auswärts ungeschlagen. Langweilig aber sicher kein schlechter Trainer, der Herr Skibbe.

Auf die Gefahr hin, dass alle Szenarien vorstellbar sind, werde ich mich heute Abend unter Nutzung des ÖPNV auf den Weg nach Gelsenkirchen machen. Herr Wu Zhong Ze könnte die tolle Anbindung live erfahren, würde er mich begleiten, und auch Herr Köhler könnte Reisekosten sparen, würde er mich einfach anrufen. Über den Duisburger Hafen und unser Stadion könnte ich stundenlang mit ihm plaudern. Aber einen Anzug ziehe ich heute Abend definitiv nicht an.



1 Kommentar zu “Köhler auf Schalke”

  1. Frank Dubberke sagt:

    Doch den leichten Bieranzug ;-)

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