Erfolgreich Visualisieren

Fast ein bisschen wie in einem irrealen Versuch: Zwei Mannschaften. Mannschaft A nach einer schlechten Saison, verstärkt durch unerfahrene Jungspunde. Mannschaft B nach einer tollen Saison und nur einem namhaften Abgang, verstärkt durch teure Neuzugänge von internationaler Qualität. A mit Schwierigkeiten im Organisieren des Offensivspiels, weil die jungen Spieler noch nicht so weit sind. B mit dem gleichen Problem, weil die Mannschaft noch nicht zusammengefunden hat. Es entwickelt sich ein relativ ausgeglichenes Spiel. Mannschaft A gewinnt, weil es sich in dieser Konstellation bereits danach angefühlt hat, wohlmöglich weil sich Mannschaft A das Erfolgserlebnis besser vorstellen konnte.

Hellbleu rollt der Ball, durch die Schalker Brille. Fast ist es, als würde jeder Spieler mal auf jeder Position ausprobiert werden. Jeder darf immerwieder mal mitspielen – außer Albert Streit vielleicht. Es war unwahrscheinlich, dass Rakitic von Beginn an spielen würde, und dann war er es, der richtig stand. Kuranyi reichte den Zeitungen in der letzten Woche schon zu Abschiedstexten, nun war er es, der das entscheidende Tor grandios erzielte und danach demonstrativ den Trainer abklatschte. 6 Siege aus 9 Spielen, bei nur 6 Gegentoren und ohne Jermaine Jones, den besten defensiven Mittelfeldspieler der letzten Saison, das ist locker über Soll. Da kann man nur positiv denken, und dann denkt man den Flachschuss eben ins Eck und beim Schuss des Gegners den eigenen Fuß dazwischen.

Während man sich in Stuttgart das Spielen wegdenkt. Das Hleb alles kann ist völlig klar und Progrebnyak hat sicher auch das Zeug dazu, ab und zu mal das Tor zu treffen. Aber dann stimmen die Ergebnisse nicht und plötzlich wird einem bewusst, dass Hleb eben doch ein Jahr lang hauptsächlich auf der Bank saß und nicht per Vertrag zum Helden aufsteigen kann. Plötzlich ist Mustermann Hitzlsperger nurnoch ein Jedermann, und während die Teamchefrakete des letzten Jahres noch um seine Legitimation als Trainer kämpft, wünscht sich manch VfB-Fan den Bayern Babbel schon wieder in den allertiefsten Süden. Plötzlich ist der VfB Stuttgart Mannschaft B.

Schalke ist derzeit so was von A, dass man sich entspannt auf die Spiele gegen den HSV und Leverkusen freuen kann. Gegen beide Unbesiegten sah Schalke in den letzten Jahren daheim schlecht aus, aber was heißt das schon. Bange machen gilt nicht mehr, auf Schalke ist gerade alles irgendwie anders.



11 Kommentare zu “Erfolgreich Visualisieren”

  1. nedfuller sagt:

    Ui, wir sind ja auf Schalke nächsten Spieltag.

  2. tumulder sagt:

    Ich hatte ja vor dem Spiel schon irgendwie ein gutes Gefühl, obwohl ich nicht recht daran glauben wollte. Weil es eben ein Spiel in Stuttgart war, und da sind 3 Punkte für uns ganz klar keine Tradition. Es läuft gut für Schalke, ich hoffe noch eine ganze Weile.

  3. mberghoefer sagt:

    „6 Siege aus 9 Spielen, bei nur 6 Gegentoren und ohne Jermaine Jones, den besten defensiven Mittelfeldspieler der letzten Saison, das ist locker über Soll.“

    Die Ansicht teile ich nicht so recht. Selten gab es einen Spielplan, bei dem S04 im ersten Saisonviertel gegen so wenige vermeintlich starke Gegner anzutreten hatte – aus meiner Sicht waren 16 Punkte aus 9 Spielen geradezu Pflicht, und 19 nicht besonders sensationell. Ändern würde sich das, wenn aus den nächsten drei Spielen mehr als 4 Punkte erzielt werden.
    Zum „besten defensive Mittelfeldspieler“ hab ich auch eine etwas andere Meinung – was S04 in 07/08 fehlte, war ein defensives Mittelfeld, das den Ball nicht nur gewinnen sondern dann auch vernünftig behaupten und halten konnte. Angeblich wurde deshalb Engelaar verpflichtet. Auch in 08/09 allerdings änderte sich wenig, denn Engelaar erfüllte die Erwartung nicht und zwar gab es zwar insbes. mit Jones wieder einen starken Balleroberer, aber der spielte dann eben häufig die Pille zu ungenau und wieder zum Gegner. Erst mit Moritz gibt es jetzt einen, der „sicher“ spielt, der richtig steht, und dessen Pässe ankommen.

  4. Matthias sagt:

    Zwei Mannschaften. Mannschaft A nach einer schlechten Saison, verstärkt durch unerfahrene Jungspunde. Mannschaft B nach einer tollen Saison und nur einem namhaften Abgang, verstärkt durch teure Neuzugänge von internationaler Qualität.

    Man muss ja gar nicht einmal Schalke mit Stuttgart vergleichen, um sich dieses Paradoxons bewusst zu werden. Ein Vergleich von Schalke zum Saisonstart des Jahres 2008/09 und dem vom Saisonstart 2009/10 ist mindestens ebenso unheimlich.

  5. mberghoefer sagt:

    inwiefern ist denn der Vergleich der Saisonstarts 08/09 zu 09/10 unheimlich? fünf der ersten neun Paarungen waren identisch, dazu kam ein Pflichtsieg gegen Hannover, ein enttäuschendes Remis gegen Bielefeld und zwei Punktgewinne in Bremen und Hamburg – 14 Punkte nach 9 Spielen, und nach 11 Spielen warens dann 20 Punkte. Am 12.Spieltag war man den Bayern deutlich überlegen, verlor aber – und erst dann gings den Bach runter.

  6. Ingo sagt:

    Über Soll oder drunter-ich glaube der größte Unterschied zu den letzten Jahren ist einfach (zumindest bei mir) die Erwartungshaltung.Nicht nur bei den Fans sondern auch für die Spieler.Keiner hatte und hat uns doch wirklich auf der Rechnung.Ich würde einen 5.Platz zum ende der Saison sofort unterschreiben.
    Ich kann mir nicht vorstellen das es so erfolgreich weitergeht-obwohl natürlich auch gegen den HSV ein Sieg drin ist,zumal bei denen auch nicht alles rund läuft(verletzungen).
    Aber es macht einfach Spass dieses Projekt Maghatzu beobachten-hoffentlich noch lange.
    Gruss aus Flensburg

  7. van Hold sagt:

    Ganz genau, die Erwartungshaltung ist einfach eine ganz andere.. und das merkt man der Mannschaft auch an, bzw. es kommt ihr zu gute – ich habe so das Gefühl, als würde gar nicht mehr erwartet werden, dass Schalke das Spiel macht, womit man sich ja gerade gegen tief stehende Mannschaften die letzten Jahre schwer getan hat. Stattdessen kämpft man einfach und hofft, dass vorne irgendwie was geht. Und plötzlich klappt das sogar mit der Chancenverwertung (2 aus 3), die letztes Jahr ne absolute Katastrophe war. Und Magath, der Fuchs, hält die Erwartungen auch schön weiterhin unten.

    Übrigens lustig, wie die ersten Artikel schon mit der Meisterschaft anfangen, wenn auch noch zaghaft (siehe Schalke-Ticker rechts :)). Aber da sind wir uns ja glaub ich alle einig, dass das wohl Unsinn ist.

  8. Manfred sagt:

    Ich meine, sogar Streit hat alle Chancen, mal wieder eingesetzt zu werden, wenn er denn nur wollte und das auch vehement zeigen würde.

    Und was die Visualisierung angeht: vor dieser Saison bedeutete ein Ausgleich zu diesem Zeitpunkt oft genug den Niedergang. Man visualisierte fast den gegnerischen Siegtreffer, mir ging es jedenfalls oft genug so. Jetzt nicht mehr, auch wenn dieses flaue Gefühl nach dem 1:1 schon da war. Aber das Vertrauen in die Mannschaft, nochmal nachzusetzen und gewinnen zu wollen, ist da. Und das ist schön. Lange nicht mehr gehabt.

  9. macsash04 sagt:

    Die erste Hälfte der Hinrunde ist vorbei, der Tabellenplatz sicher ein guter. Dass der bei der Schwere der Gegner aber auch kein Wunder ist, sollte uns allen klar sein: da waren doch nur zwei schwere Auswärtsspiele dabei, BxB und VfB – gut, dass beide gewonnen wurden, dafür aber auch zwei Heimspiele verloren, eines davon gegen einen Aufsteiger!
    Und bei aller Euphorie und Freude, (die ich vorbehaltlos teile) muss aber auch klar sein, dass sich die Mannschaft immer noch schwer tut, das Spiel zu machen, darin unterscheidet sie sich kaum von den Teams der letzten Jahre.
    Ich sehe das so: die Wochen der Wahrheit kommen erst jetzt: HSV, Bayer, Bayern.
    Wenn danach noch ein ähnlich guter Schnitt zu Buche steht, dann haben wir einen guten Start gehabt, ich bin optimistisch, Glückauf!

  10. Ingo sagt:

    Zu Wochen der Wahrheit-Das habe ich genau so schon vor dem Spiel beim VfB gesehen.Ich wäre mit 6 Pkt. aus den nächsten 4 Spielen zufrieden gewesen.3 pkt. haben wir jetzt schon.
    Jetzt ein dreier gegen den HSV und dann wird es spannend.
    Igendwie merke ich seid Samstag so ein kommisches kribbeln-ist das das Schalke Gen???

  11. Torsten Wieland sagt:

    Natürlich muss man beachten, gegen wen die Punkte gemacht wurden. Trotzdem bin ich eigentlich nicht davon ausgegangen, dass die Mannschaft so gut durchrutscht, durch die Auswärtsspiele ich Köln, Bochum und Dortmund. Zusätzlich war noch die Niederlage gegen den VfL Wolfsburg ein „emotionaler Sieg“. Der nach Punkten erfolgreichste Saisonstart seit anno Tobak beeinflusst nun mal auch den Blick auf die Sache, dass man eben das Glas eher halb voll denn halb leer sieht, was uns allen m.E. mal wieder ganz gut tut.
    Die Formulierung „bester Mittelfeldspieler“ habe ich dem kicker-Ranking entlehnt und damit durchaus bewusst etwas auf die Kacke gehauen. Du hast natürlich vollkommen recht, ein wirklich kompletter Spieler ist Jermaine Jones nicht. Als Spezialisten für die Defensive braucht er meiner Meinung nach aber wirklich keinen Vergleich zu scheuen. Ich denke er hatte einen wichtigen Anteil daran, das die Blauen in der letzten Saison so wenige Gegentore kassiert haben. Das die Defensive nun auch ohne ihn so gut steht ist erfreulich. Ob das auch gegen Leverkusen, Bayern oder den HSV noch so gut klappt werden wir sehen.

    @nedfuller: Kommse vorbei, trinken wir ’n Bier.

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