Zurück ins Netz

Manchmal merkt man während des Sprechens, dass eine Argumentation nicht schlüssig ist. Das ist nicht schön, vielleicht eine „Niederlage“ oder peinlich, die Argumentation lässt sich aber im Kopf reparieren. Aufwändiger ist es, wenn einem während einer Unterhaltung bewusst wird, dass das eigene Handeln nicht dem entspricht, was man eigentlich erwartet.

Mir ging es kürzlich so, bei einer Unterhaltung mit Trainer Baade. Anlässlich der Premiere von Ben Redelings Lesung aus seinem neuen Buch „Dem Fußball sein Zuhause“ waren wir gemeinsam in Bochum. Wir sprachen über Fußball. Und natürlich übers Bloggen. Was einem wichtig ist, was nervt, wie es sich verändert, was einen antreibt.

Ich werde nicht müde zu erklären, dass es die Kommunikation ist, die mir den größten Wert darstellt. Natürlich schaue ich auf die Leserzahlen, vielmehr aber auf die Kommentare. Es freut mich ungemein, dass die Kommentare in der Regel einen Mehrwert bieten. Es wird wieder eine Meinung dargestellt die über das bloße Urteil „gut“, „schlecht“, „alles doof“ hinausgeht.
Der Trainer bestätigte den Spaß durch Kommentare, bemerkte aber, dass die Anzahl der Kommentare in letzter Zeit zurückgegangen sei. Er führte das darauf zurück, dass sich die Nutzung von Feed-Reader mehr und mehr durchgesetzt hat, in denen Kommentare kaum eine Rolle spielen. Und bei der Darstellung meines eigenen Surfverhaltens wurde mir eben schlagartig bewusst, dass dies auch genau meinem Verhalten entspricht.
Mein Sage-Reader, ein Firefox-Plugin, hat täglich ca. 60 Fußballblogs nach neuen Beiträgen durchforstet. Angeschaut habe ich mir stets alle, wirklich gelesen immer noch viele, eben die für mich interessanten. Wenn ich kommentieren wollte war das ein weiterer Klick, hin zum Blog. Kein Hindernis, trotzdem woanders. Entscheidender ist aber, dass ich nicht von vornherein den Mehrwert durch andere Kommentatoren mitbekommen habe.

Heute habe ich keinen Feed-Reader mehr. Nun sind die Blogs in meinem Browser wieder altmodisch, als Lesezeichen gespeichert, aufgeteilt in 3 Ordnern. Pro Ordner lasse ich mir alle Seiten gleichzeitig in Tabs öffnen, durchstöbere sie und erfahre alles Neue gleichzeitig: Die Texte natürlich, die Kommentare, eingebundene Gimmicks aller Art und die Blogdesigns. Ein „Rückschritt“ den ich unbedingt empfehlen kann und der bei mir dazu geführt hat, dass ich selbst wieder häufiger an Kommentardiskussionen teilnehme.

Ebenfalls unbedingt empfehlen kann ich übrigens auch Ben Redelings Lesung. War ein rundum guter Abend.



12 Kommentare zu “Zurück ins Netz”

  1. Sebastian sagt:

    Das ist mir zu aufwendig. Für Lieblingsblogs habe ich die Kommentare im Feedreader gleich mitabonniert.
    Schöner wäre es natürlich, wenn der Feed nicht nur den Artikel, sondern auch die Kommentare in einem Text mitliefern würde. Manche Feeds sind wenigstens so freundlich, dass sie die Anzahl der Kommentare unter dem Artikel im Feedreader posten.

  2. Hirngabel sagt:

    Ich kann das nur begrüßen. Diese Feedreader haben mich immer schon irgendwie eingeschüchtert, so dass ich grundsätzlich die Finger davon gelassen habe. Stattdessen klicke ich einfach immer dann auf die Blogs, wenn ich Zeit habe zu lesen (oder mich von der Arbeit ablenken will…).

    Ist auch irgendwie schöner und psychologisch besser in die Blogs reinzugehen, als in einem standardisierten Feedreader durchzuscrollen und sich von der schieren Zahl der ungelesenen Beiträge erschlagen zu lassen. Vor allem wenn man mal wieder ne Woche oder zwei ohne Internetzugang unterwegs war und dann zurückkehrt, wird man nicht von 253 ungelesenen Einträgen überwältigt, sondern arbeitet halt nach und nach pro Blog ab. Man kennt das ja schon zur Genüge von der Outlook-Inbox im Büro, wenn man vom Urlaub oder einer Geschäftsreise zurückkehrt und XXXX ungelesene Emails vorfindet und die ganze Erholung weggeblasen ist.

  3. Björn04 sagt:

    Man kann auch einen Vorschlaghammer benutzen um Ameisen tot zu schlagen.

    Vielleicht war der Feedreader nicht der Richtige (ich benutze einen Webbasierten, Sage kenne ich nicht), aber vielmehr sollte man sich nicht von einem Tool sein Verhalten vorschreiben lassen. Man kann doch immer noch den Link benutzen und den Artikel grundsätzlich „richtig“ lesen.

    Wenn Blogbetreiber dieses Verhalten forcieren möchten können sie, wie bei diesem Blog, nur einen Teil des Textes im Feed sichtbar machen und schon sind die Leser „gezwungen“ den Link zu klicken, wenn sie den Artikel (und die Kommentare, wenn sie denn so weit kommen) ganz lesen wollen.

    Ich gehöre zu der Kategorie „Hardcore-RSS-Nutzer“ und für die +250 Feeds die ich abonniert habe kann ich mir nicht vorstellen diese ganzen Seiten regelmäßig „von Hand“ abzuarbeiten.
    Andererseits finden Seiten ohne RSS-Feed kaum bis überhaupt nicht mehr statt.

    Andere Menschen, andere Nutzungsverhalten. Ich habe sogar schon von jemandem gelesen den nicht mal die Anzeige „1000+“ bei der Anzeige der ungelesenen Artikel im Reader nervös werden lässt. So weit bin ich allerdings noch nicht ;-)

    Ich würde jedenfalls nicht den RSS-Readern die „Schuld“ daran geben wenn weniger kommentiert wird. Das hat andere Gründe, und sei es nur die Tatsache daß es immer mehr zu lesen gibt und man nicht mehr die Zeit und Muße dazu findet überall seinen Senf dazu zu geben.
    Im Zweifel sollte man evtl. lieber über die eigenen Artikel nachdenken oder seine Ansprüche den Gegebenheiten anpassen. Ich lese sehr gerne beim Trainer, kommentiert habe ich da aber noch nie, weil mir noch nichts einfiel was ich unbedingt zu diesem oder jenem Thema beizusteuern hätte. Jedem Tierchen sein Pläsierchen :-)

  4. nedfuller sagt:

    Ich benutze den googlereader. Und ich öffne nur die Blogs tatsächlich, die es mir „Wert“ sind. Deiner gehört dazu trotz S04, trotz der Dodgers ;)

    Ich habe auch die Comments im reader, damit ich auch bei alten Artikeln auf dem laufendem bleibe.

    Die Kommunikation empfinde ich auch als das wichtigste bei mir.
    Wenn nur einer, tatsächlich nur einer, einen Beitrag kommentiert, dann hat es sich für mich schon gelohnt.

    Die Eröffnung einer Diskussion ist aber immer das Beste.

  5. Jan sagt:

    Habe meinen Feedreader im Browser so eingestellt, dass nur die ersten paar Zeilen angezeigt werden. Bei den wichtigsten Blogs klick ich automatisch auf „mehr“, bei den anderen Feeds guck ich erstmal ob mich das Thema interessiert.

  6. Lesestoff 22/10/2009 | ich:AG sagt:

    […] Zurück ins Netz Herr Wieland bemängelt fehlende Kommentarfreude und hat deshalb seinen Feedreader abgeschafft und steuert Webseiten nun direkt per Ledezeichen an. Interessant. 1 views […]

  7. DailySoccer 22/10/2009 | Spielfeldrand - Das Magazin sagt:

    […] Zurück ins Netz Ein durchaus interessanter Ansatz. Mir wäre das wahrscheinlich zu aufwendig, dafür liebe ich meinen Feedreader auch viel zu sehr. Aber ich muss gestehen, dass ich genau deswegen auch selten als Kommentator auftauche. Um aber gelegentlich doch meine Meinung zu einem Thema zu hinterlassen habe ich auch diesen DailySoccer eingeführt, in der Hoffnung, dass ich dadurch als Trackback meinen Senf dazu gebe. Mit dem eindeutigen Nachteil, dass ich dadurch keine Gegenkommentare mitbekomme. Schande über mich. Nur selten kehre ich bewusst zu Beiträgen zurück, um zu schauen, was noch geantwortet wäre. Ich vergesse meistens auch (wenn überhaupt angeboten) eine E-Mail-Erinnerung bei neuen Kommentaren. Ich bräuchte ein Plugin bzw. einen Extra-RSS-Feed, wo alle Kommentare einlaufen zu Kommentaren, die ich irgendwo hinterlassen habe, egal wo. Technisch zu kompliziert, aber wenn jemand kann und mag, nur zu […]

  8. Ingo sagt:

    Also für mich sind das alles Böhmische Wälder.Ich bin fast jeden Tag auf deinem Blog,einfach weil ich ihn sehr schätze,die Kommentare lese ich auch fast immer.Du schreibst wirklich super,mach weiter so.

  9. Kid Klappergass sagt:

    Ich werde nicht müde zu erklären, dass es die Kommunikation ist, die mir den größten Wert darstellt.

    So sehe ich das auch. Aber ich bin müde geworden.

  10. Torsten Wieland sagt:

    @Björn04: Zunächst mal entschuldige bitte, dass Dein Kommentar jetzt erst hier erscheint. Aus welchem Grund auch immer landete er im Spamfilter, in dem ich ihn nun erst entdeckt habe – Asche über mein Haupt.

    Außerdem möchte ich sagen, dass es keineswegs meine Absicht ist, dass die Beiträge im Feed nur in der gekürzten Version erscheinen. Das ist vielmehr ein ungelöstes Problem. Meiner Blogeinstellung entsprechend soll generell der Volltext angezeigt werden. In Opera (8.5) klappt das, im MS Explorer (8.0.6) auch, in Firefox (3.0.11) leider nicht – im Sage-Reader funktionierte es auch.
    Ich will also gar nichts forcieren sondern dem Leser immer die Wahl lassen. Ich habe nun für mich die oben beschriebene Erfahrung gemacht und freue mich darüber, die vom Feedreader verschluckten Diskussionen zurückgewonnen zu haben. Das kann ich empfehlen. Aber wie Du richtig sagst …

    Jedem Tierchen sein Pläsierchen

    … Glück auf.

  11. Huge sagt:

    Sehe ich ganz genauso. Der Feedreader mag ja allerhand an Zeitersparnis bieten, aber er unterschlägt die kleinen schönen Dinge. Ich dachte, ich bin der letzte ohne Feedreader, aber so kann ich beruhigt bei meinen Lesezeichen bleiben ;)

  12. Lesestoff 22/10/2009 sagt:

    […] Zurück ins Netz Herr Wieland bemängelt fehlende Kommentarfreude und hat deshalb seinen Feedreader abgeschafft und steuert Webseiten nun direkt per Ledezeichen an. Interessant. […]

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