„Der S04 ist wieder da!“

… hallte es in der zweiten Halbzeit zur Melodie von „When the Saints Go Marching In“ durchs Stadion. Im Sinne von „Die Mannschaft lebt wieder“ oder auch „ .. nimmt wieder am Fußball in seiner schönsten Form teil“ passte dieser Gesang wie die Faust aufs Auge. Das „Hier regiert der HSV!“, welches prompt nach jedem Hamburger Tor aus dem Gästefanblock zu hören war, wirkte hingegen etwas großspurig und neureich. Tatsächlich regierte in diesem grandiosen Spiel zu keiner Zeit irgendeine Mannschaft.

Zugegeben, zur Halbzeit brauchte man sich aus Schalker Sicht über die Hamburger Führung nicht zu beschweren. Da war es das hundertmal gesehene Spiel zwischen zwei engagierten Mannschaften die beide ihre Chancen hatten, in dem die besseren Einzelspieler die entscheidenden Aktionen entschieden. Dem Tempo eines Eljero Elia hat kein Schalker etwas entgegenzusetzen. Der Eleganz Zé Robertos erst recht nicht.
Und doch ist eben alles anders, neuerdings. Jetzt ist da eine Schalker Mannschaft auf dem Platz, die auch bei einem Stand von 0:2 nochmal alles versucht, und sei es nur, um den Leuten zu zeigen, dass sie es will. Und befeuert durch ein Tor wie aus heiterem Himmel zündet dann auch der nächste Schub, stehen 60.000 wieder zusammen und lassen den Abend wieder zu einem Erlebnis werden nach dem es einen dürstet, nach Jahren in denen einem erzählt wurde, dass es nichts besseres gäbe als Grottenkicks gegen Eintracht Frankfurt mit 1:0 für sich zu entscheiden, weil es schließlich nur um die Punkte gehe.

Ja, Manuel Neuer sah bei dem Trochowski-Freistoß zum 0:2 schlecht aus, und natürlich darf es nicht passieren, dass man sich in der eigenen Drangphase den erneuten Rückstand einfängt. Aber diese Mannschaft ist eben noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung, und es ist doch sympathisch, dass Felix Magath beim Stand von 2:2 den nächsten offensiven Spieler einwechselt, um das Spiel noch zu gewinnen.
Der HSV wirkte abgeklärter, durchaus spitzenteamartig, und als mir am Bahnhof ein Hamburger erklärte, dass man sich mit 3 Auswärtstoren doch wohl auch einen Sieg verdient gehabt hätte, blieb mir nur ein Ja, Aber. Denn genauso gut hätte eine Mannschaft den Sieg verdient gehabt, die zunächst dummerweise ihre Großchancen vergab, dann aber einen 0:2 und einen 2:3 Rückstand aufholte, und deren eingewechselter Stürmer kurz vor Schluss die Entscheidung auf dem Kopf hatte.

Ich bin, wie wohl alle Schalker die dieses Spiel über 90 Minuten verfolgten, mit dem Ergebnis zufrieden. Vor dem Spiel hatte ich auf einen Sieg gehofft. In der Halbzeit war jeglicher Mut dahin. Dann das Adrenalin, die Enttäuschung, die Erlösung: Am Ende fühlte es sich einfach toll an. Und der Punkteschnitt ist nach wie vor völlig ok.



8 Kommentare zu “„Der S04 ist wieder da!“”

  1. Christoph N. sagt:

    Ich muss sagen, dass Spiel hat richtig Spaß gemacht. Ich habe, wie sicher viele Schalker, nach dem 0:2 nicht mehr an einen Punktgewinn geglaubt.
    Vorallem nachdem der Komentator erwähnte, dass wir „genau vor 6 Jahren gegen eben jenen HSV ein 0:2 noch gedreht haben“.
    So dachte ich mir zur Halbzeit, dass ich lieber ein wenig Körperpflege betreibe und duschen gehe.
    Als meine Frau ins Bad kam und sagte, dass es weiter ginge, antwortete ich mehr aus Spaß: „Ich weiß. Gib ihnen noch 15 Minuten, dann steht es 1:2 und sobald ich mich wieder hinsetze fällt das 2:2 und alles ist gut“
    Was dann kam, kann glaub ich jeder ahnen.
    Kuranyi macht das 1:2, ich komme aus dem Bad, Rozenal fliegt vom Platz und Schmitz macht das 2:2.
    Manchmal passieren eben Dinge, die kann man nicht erklären.
    Da glaubt man dann doch wieder an einen Fußballgott.
    Duschen durfte ich danach nochmal, da ich, wie 60.000 im Stadion mit gekämpft habe und den Flugkopfball von Asamoah quasi mitgeflogen bin.
    Glück auf!

  2. Mimose sagt:

    Es ist ja immer wieder die Hoffnung auf genau diese Spiele die uns ins Stadion treibt. Am Ende nach dem Spiel diskutiert man hin und her. Einerseits war eine Niederlage drin, wenn man schon 0:2 hinten liegt und andererseits hat Asamoah kurz vor dem Ende noch das 4:3 auf dem Kopf. Soll ich mich jetzt ärgern oder freuen? Herrlich!

  3. tumulder sagt:

    Das gestrige Spiel war einfach toll, und ich mußte ständig an das 3:3 gegen Gladbach an einem Sonntag im April 1996 denken.

  4. nedfuller sagt:

    spitzenteamartig
    Danke. Aber eure „Grubenponys“ haben sich verdammt gut geschlagen. Auch wenn Zambrano wahrscheinlich Alpträume hatte, so oft wie Elia vorbeigewischt ist ;)

    Tolles Spiel, hätte ich so nicht erwartet.

    Und ja, ich habe deinen Artikel gelesen und werde daher gerne immer wieder kommentieren.

  5. DailySoccer 26/10/2009 | Spielfeldrand - Das Magazin sagt:

    […] „Der S04 ist wieder da!“ Scheiße 04, Carlos Santana und die Sache mit Rapunzel Zwei Ansichten auf das gestrige 3:3… mit dem Höhepunkt: “Das Gel, das den Ball so glitschig machte, daß er Rost durch die Handschuhe fluppte?” […]

  6. Guido sagt:

    Ich habe mich heute im Nachklang der gestrigen Begeisterung endlich dazu durchgerungen der passiven Sportbteilung des S04 beizutreten. Ich wieß, Ihr seid da wahrscheinlich alle schon drin, aber ich bin auch seit nunmehr 32 Jahren Schalke-Fan und gestern wars einfach seit gefühlten Jahrzehnten erstmalig wieder besonders, das zu sein.

  7. Christoph N. sagt:

    @Guido: Glückwunsch zur Mitgliedschaft!
    Solange wie du schon Fan von S04 bist, solange bin ich noch gar nicht auf der Welt ^^ (junge 27 bin ich)
    Mich hat 2001 die 4 Minuten Meisterschaft zur Mitgliedschaft bewogen.
    Glück auf!

  8. Gegen Schalke mehrmals stark: Eljero Elia sagt:

    […] tollen Spiel gegen den HSV für die Hamburger den armen Carlos Zambrano schwindelig spielte. Dem Tempo eines Eljero Elia hat kein Schalker etwas […]

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