Artikel im Oktober 2009

„Wat ’ne coole Sau!“

… sagte beim letzten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt jemand hinter mir, als Christoph Moritz unter Bedrängnis den Ball unaufgeregt zum Mitspieler schob. Und in der Tat: Macht man sich bewusst, dass dieser Junge vor 4 Monaten noch in der Jugendmannschaft von Alemannia Aachen in der Münzenbergkampfbahn vor 150 Zuschauern spielte, und sieht man wie selbstverständlich dieser 19-Jährige nun vor 61.673 als Bundesligaspieler des FC Schalke 04 agiert, kommt man aus dem Staunen nicht heraus.

Auch Carlos Zambrano, Lukas Schmitz, Vasilis Pliatsikas und Levan Kenia sind jung und haben vor dieser Saison nie Bundesligafußball gespielt. Felix Magath wird für diese Entwicklung in den Medien völlig zurecht gelobt. Das Staunen über neue Gesichter muss aber noch lange nicht zu Ende sein.

Lewis Holtby und Jan Morávek sind nun von der U20-WM zurück. Beide gelten als große Talente, Morávek in Tschechien, Holtby wusste in der zweiten Liga zu überzeugen. Lubos Hanzel ist 22-jähriger Slowake, Linksverteidiger und galt bei seiner Verpflichtung Mitte August als noch nicht bundesligafit. Emin Yalin ist Türke, 20 Jahre jung, kann im offensiven Mittelfeld und im Sturm eingesetzt werden, hatte sich aber zu Saisonbeginn verletzt und ist erst jetzt wieder fit, hat zuletzt im Freundschaftsspiel in Bern getroffen. Zur Rückrunde wird wohl auch Predrag Stevanovic wieder zur Verfügung stehen. Der 18-Jährige Serbe war ein Gewinner der Vorbereitung unter Magath, kam als Alternative im offensiven Mittelfeld in Betracht, bevor er sich in einem Testspiel einen Kreuzbandriss zuzog.

Es hört also nicht auf, die Hoffnung blüht allenthalben. Und weil wirklich überhaupt nichts mehr als zu abwegig abgewiesen werden kann, wird auch die Meldung, Schalke 04 wolle einen Spieler des NRW-Ligisten TSG Sprockhövel verpflichten, nicht als Mumpitz abgetan. Möglicherweise steht der Mann in der Rückrunde gegen Nürnberg auf dem Platz.

Die Schiedsrichter der Liga

Letzte Woche habe ich eine Liste mit Schiedsrichtern veröffentlicht, die in den letzten 3 Jahren die Spiele des FC Schalke 04 gepfiffen haben. Nicht weil ich der Meinung wäre, dass man sie wie auch immer interpretieren sollte, nein, einfach zum ma’kucken. Vielleicht zum befeuern der Hoffnung vor dem nächsten Spiel oder zum schon vorher wissen, wer Schuld sein wird.

Wie dem auch sei, mit dem Spaß an solchem Mumpitz stehe ich erfreulicherweise nicht alleine. Die Liste wurde in Foren verlinkt und in den Kommentaren forderten nedfuller und heinzkamke „mehr davon“.
Hier also nun mehr davon, die entsprechende Aufstellung für alle aktuellen Erstligaclubs. Ausgewertet wurden die Erstligabegegnungen der letzten 3 Spielzeiten plus die der laufenden Saison. Die Anzahl der Gelben und Roten Karten bezieht sich jeweils auf das Spiel, nicht auf die einzelne Mannschaft. Alles andere sollte selbsterklärend sein: … (weiterlesen…)

Prost, Schalke!

„Es ist eine Mähr, dass ich alles verbiete. Ich verbiete nur, was der Mannschaft nicht gut bekommt. Aber wenn mir einer sagt, er braucht zehn Bier um ein Tor zu machen, dann kläre ich ihn über die Risiken des Alkoholgenusses auf und gebe ihm zehn Bier.“

Magath-Zitat aus einem Wohlfühltext von Lars Wallrodt in der Welt.

Erfolgreich Visualisieren

Fast ein bisschen wie in einem irrealen Versuch: Zwei Mannschaften. Mannschaft A nach einer schlechten Saison, verstärkt durch unerfahrene Jungspunde. Mannschaft B nach einer tollen Saison und nur einem namhaften Abgang, verstärkt durch teure Neuzugänge von internationaler Qualität. A mit Schwierigkeiten im Organisieren des Offensivspiels, weil die jungen Spieler noch nicht so weit sind. B mit dem gleichen Problem, weil die Mannschaft noch nicht zusammengefunden hat. Es entwickelt sich ein relativ ausgeglichenes Spiel. Mannschaft A gewinnt, weil es sich in dieser Konstellation bereits danach angefühlt hat, wohlmöglich weil sich Mannschaft A das Erfolgserlebnis besser vorstellen konnte.

Hellbleu rollt der Ball, durch die Schalker Brille. Fast ist es, als würde jeder Spieler mal auf jeder Position ausprobiert werden. Jeder darf immerwieder mal mitspielen – außer Albert Streit vielleicht. Es war unwahrscheinlich, dass Rakitic von Beginn an spielen würde, und dann war er es, der richtig stand. Kuranyi reichte den Zeitungen in der letzten Woche schon zu Abschiedstexten, nun war er es, der das entscheidende Tor grandios erzielte und danach demonstrativ den Trainer abklatschte. 6 Siege aus 9 Spielen, bei nur 6 Gegentoren und ohne Jermaine Jones, den besten defensiven Mittelfeldspieler der letzten Saison, das ist locker über Soll. Da kann man nur positiv denken, und dann denkt man den Flachschuss eben ins Eck und beim Schuss des Gegners den eigenen Fuß dazwischen.

Während man sich in Stuttgart das Spielen wegdenkt. Das Hleb alles kann ist völlig klar und Progrebnyak hat sicher auch das Zeug dazu, ab und zu mal das Tor zu treffen. Aber dann stimmen die Ergebnisse nicht und plötzlich wird einem bewusst, dass Hleb eben doch ein Jahr lang hauptsächlich auf der Bank saß und nicht per Vertrag zum Helden aufsteigen kann. Plötzlich ist Mustermann Hitzlsperger nurnoch ein Jedermann, und während die Teamchefrakete des letzten Jahres noch um seine Legitimation als Trainer kämpft, wünscht sich manch VfB-Fan den Bayern Babbel schon wieder in den allertiefsten Süden. Plötzlich ist der VfB Stuttgart Mannschaft B.

Schalke ist derzeit so was von A, dass man sich entspannt auf die Spiele gegen den HSV und Leverkusen freuen kann. Gegen beide Unbesiegten sah Schalke in den letzten Jahren daheim schlecht aus, aber was heißt das schon. Bange machen gilt nicht mehr, auf Schalke ist gerade alles irgendwie anders.

Ich will Perl!

Schiedsrichter findet man nicht gut. Hat der eigene Club verloren, hatte der Schiedsrichter seinen Anteil daran. Hat der Club gewonnen gelang das entweder trotz einer schlechten Schiedsrichterleistung oder man erinnert sich nicht mehr so genau daran. Wer nach dem Spiel den Schiedsrichter lobt ist entweder zynisch, ein armer Irrer oder ein elender Opportunist.

Vor jedem Spiel des FC Schalke 04 schaue ich nach wer pfeift und rufe mir die letzten Begegnungen unter dessen Leitung in Erinnerung. Handelt es sich um Lutz Wagner, ist die Vorfreude aufs Spiel dahin. Sind die letzten Spiele unter dem jeweiligen Schiri aber gut gelaufen, erfahre ich dadurch eine gewisse Beruhigung.

Hier eine Liste aller Schiedsrichter der Spiele des FC Schalke 04 in den letzten 3 Spielzeiten plus der 8 Spieltage der laufenden Saison.

Dass der Auswärtsfandel nun in Profirente ist, ist nüchtern betrachtet gar nicht mehr so schön. Babak Rafati halte ich für einen ganz furchtbaren Schiedsrichter und ich hoffe, dass die DFL ihn auch weiterhin von meinem Club fernhält. Und bis die Serie reißt wünsche ich mir zu jedem Spiel Günter Perl! Insgesamt pfiffen an diesen 110 Spieltagen 24 Schiedsrichter Erstligaspiele. 14 Schiedsrichter wurden auf Schalke eingesetzt. Fünf davon, nämlich die Herren Gräfe, Stark, Meyer, Perl und Kirchner, leiteten in diesen mehr als drei Jahren 55% aller Spiele in der Arena.
 

 

Ausgeschwitzt

Es wird nicht mehr angeschwitzt. Im Fußball meine ich. Generell natürlich schon, im Fernsehen vor allem, es gibt ja Sendeschemen, die quellen quasi über vor Kochsendungen. Aber im letzten Sommer wurde eben auch im Fußball angeschwitzt wenn sich aufgewärmt oder sich locker gemacht wurde. Und ich hätte drauf gewettet, dass sich dieser Quatsch durchsetzt.

Falsch gedacht.

Fußball unplugged

Heißt das Länderspiel-Doppelspieltage oder Doppel-Länderspieltage? Jedenfalls ist das wie eine kurze Winterpause ohne Weihnachtsgeschenke und Transferperiode. Langweilig.

Es liegt wohl auch daran, dass mich unsere Nationalmannschaft in endrundenfreien Zeiten einfach nicht anzumachen vermag. Ich verspürte ein wenig Spannung vor dem Russlandspiel, natürlich. Aber das ewige geeiere um die Nominierungen vor jeder Mannschaftszusammenkunft nervt mich. Die langweiligen Sätze Bierhoffs mag ich nicht hören und dass ständige sich in Pose werfen des Bundestrainers, dass lässige sich auf Bande hocken und die Beine baumeln lassen, weil sie auch im Hinspiel schon erfolgreich baumelten, mag ich eigentlich auch nicht sehen. Jetzt noch ein Trallalaspiel gegen Finnland, bei dem natürlich alle Spieler ihre Chance nutzen wollen, und dann wird der Stecker endlich wieder eingestöpselt. Ich mag’s wenn’s scheppert und wenn’s knallt, zuviel Jogimonie ist nichts für mich. Mir liefert vor allem die Liga den Strom, den ich als Fan brauche.