Artikel im Oktober 2009

Die SZ über Schalkes Geld und Schalkes Anwalt

Anderthalb Wochen nachdem Melanie Bergermann und Axel Kintzinger in der Financial Times Deutschland über die Finanzen des FC Schalke 04 schrieben, erschien Samstag in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel von Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann. Der Artikel „Das geheimnisvolle Konto 0011771825 – Die finanziellen Probleme des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 mit Anleihen und Liquiditätsengpässen“ ist online nicht nachzulesen. Im Folgenden – zwischen den Strichen – fasse ich zusammen, was sich aus dem Beitrag an Neuigkeiten ergibt. Ich gehe davon aus, dass der Verein auch diese Darstellungen dementieren wird. Ich fasse also ausdrücklich die Aussagen der Journalisten zusammen und spare mir die Konjunktive.


Am 29. September gab es ein Treffen zwischen Clemens Tönnies, dessen Schwager, Peter Peters, Felix Magath, Anwalt Theo Paeffgen und Finanzmakler Stephen L. Schechter. Dabei stellten Paeffgen und Schechter ein Finanzmodell vor, bei dem „ziemlich fix längst verpfändete Rechte am Stadion von einem neuen Investor abgelöst werden“ sollten.

Außerdem sollte dabei über einen Real Estate Investment Trust (REIT) Aktien einer „Veltins Arena REIT“ an der Börse platziert werden, wovon sich Paeffgen eine Eigenkapitalrendite von mindestens sechs Prozent versprach. Weiterhin sollten Peter Peters und Josef Schnusenberg fortan nicht mehr zeichnungsberechtigt sein. Paeffgen sollte Bevollmächtigter werden und gemeinsam mit Felix Magath „zur Vertretung Schalkes berechtigt“ sein.

Am 2. Oktober wurde Theo Paeffgen vom FC Schalke 04 das Mandat gekündigt. Weitere Geschäfte zwischen Schechter und Schalke seien derzeit unwahrscheinlich.

Ende August hätten auf 4 Sicherungskonten bei der WGZ-Bank in Düsseldorf 11,4 Millionen Euro sein müssen, das Guthaben betrug aber nur 3,8 Millionen Euro. Am 01. September war eine Rate fällig. Nach Hinweis der Bank „floss Geld“. Aus Kontoauszügen geht hervor, dass auf Anleihekonten Summen eingehen, die am selben Tag wieder abgehoben werden. Schechter meint, dies wäre ein Verstoß gegen die Anleihebedingungen. Laut einem Papier Paeffgens sei nicht klar, ob die „Spezialitäten der WGZ-Anleihe“ in den Unterlagen berücksichtigt worden seien, die zur Lizenzerteilung zur laufenden Saison an die DFL gingen.




Ansonsten wurde der Beitrag noch mit Nachrichten und Fragen aufgefüllt, die man schon kannte oder sich schon stellte. Beispielsweise mit der Nachricht, dass Schalke mehr Stehplatzkarten für die Nordkurve verkaufen würde, als für die Tribüne eigentlich vorgesehen sind, weil man festgestellt habe, dass nie alle Kartenbesitzer zu dem Spiel kämen. Oder mit der Frage, ob sich der Wert von 400 Millionen Euro, der sich aus dem Stadion, Immobilien und dem Kader ergibt und den Schulden gegenüber steht, im Fall der Fälle auch in notwendiger Höhe realisieren ließe.

Der Text passt zu dem in der FTD. Das sich einer wie Hans Leyendecker überhaupt mit Schalke 04 abgibt, lässt einen nochmal extra zucken. Was mit Melanie Bergermann und Axel Kintzinger begann wird mit Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann fortgeführt und ich kann nur wiederholen, was ich bereits in einem Kommentar schrieb: Mittlerweile recherchieren nicht mehr nur die Fußballschreiber, die sich mit Geld nur im Rahmen der Finanzierung ihrer eigenen Doppelhaushälfte auskennen. Außerdem müssen diese Nicht-Sportjournalisten in Zukunft nicht mehr mit den Leuten zusammenarbeiten, über die sie recherchieren. Ich denke, es wird auch in Zukunft Texte über Schalke 04 zu lesen geben, die sich nicht aufs sportliche Beziehen.

Unglaublich

Zumindest ein Zucken, und sei es nur in den Mundwinkeln, erfährt man, wenn man diese Meldung des kickers von heute mit dieser Meldung des Focus’ von letzter Woche vergleicht.


3 in 1 am Bodensee

Hier ist nichts los. Sicher, ich freue mich auf das Länderspiel, endlich mal ein wichtiges. Wichtige Länderspiele außerhalb der EM oder WM-Endrunden gibt es ja nur alle Jubeljahre. Aber ansonsten passiert hier nichts. In Radolfzell am Bodensee spielt morgen Schalke gegen den FC Schaffhausen.

Was morgen im Mettnau-Stadion stattfindet ist die „siebte Großveranstaltung in sieben Jahren“, womit sich Radolfzell immer mehr zur „Fußballhauptstadt der Region mausert“, wie das ansässige Wochenblatt berichtet. Tatsächlich spielt nicht nur Schalke gegen Schaffhausen um 14.30 Uhr. Bereits um 11.30 Uhr steigt das Landesligalokalderby zwischen dem FC Radolfzell und dem SC Gottmadingen Bietingen („Gobi“), und nach dem Schalke-Spiel wird das Länderspiel gegen Russland auf einer Großbildleinwand gezeigt.

Weil das Stadion auf der gerade mal 800m breiten Halbinsel Mettnau mehr im als nur am Bodensee liegt, erfordert die Veranstaltung gewisse logistische Leistungen. So werden die Radolfzeller angehalten, zu Fuß oder mit dem Rad auf die Mettnau, zu kommen, und die Polizei bat die Anwohner der Mettnau, etwaige Besorgungen am Samstag so zu legen, dass eine Zufahrt am Nachmittag nicht nötig ist. Überhaupt sind die Anwohner die einzigen, die mit dem Wagen auf die Mettnau kommen werden.

Klingt nach Volksfest, nach viel Spaß, nach Schalke, auf schönem Fußballboden. Und ich schaue Jogi mit Schal und auf Kunstrasen vor einer langweiligen Flimmerkiste. Doof.



Größere Kartenansicht


Plastikpalaver vs. Russenvorteil

Ich bin auch gegen Kunstrasen.
Außerdem scheint der Russe Mauern eher eng aufzustellen und mit unterlegenen Gegnern nicht gerade zimperlich umzugehen.
Obacht also.



Die Enttäuschung des Spieltags 08/47

Es schien als hätte er gerade die Kurve gekriegt, als wüsste er endlich, worauf es ankäme. Und dann das: Stefan Kießling trifft wieder und nun steht fest, dass er kein Mann für die deutsche Nationalmannschaft ist!

Seine regelmäßigen Einsätze und seine Ruhelosigkeit wirkten bereits wie ein Affront gegen die DFB-Spitze. Doch dem Vernehmen nach wollte Bundestrainer Löw darüber hinwegsehen. Das es Kießling nun aber gleichwohl wagte, nach guten 2 Wochen wieder mit dem Treffen zu beginnen, ist sicherlich eine riesige Enttäuschung für Löw und sein Team.

Gerüchten zu Folge soll Bundestrainer Joachim Löw vor der Saison einen Verhaltenskatalog an alle Nationalmannschaftskandidaten versandt haben. Bezüglich der Position des Stürmers soll darin empfohlen worden sein, entweder beim VfB Stuttgart zu spielen oder bei Bayern München auf der Bank zu sitzen. In keinem Fall aber dürften Spieler durch regelmäßige Einsätze und ordentliche Trefferquoten auffallen. Stefan Kießling spielte derweil sein 42. Ligaspiel in Folge und hat in dieser Saison bereits 6 Treffer markiert. Es scheint als hätte er die Hoffnung auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika aufgegeben.

Mund abputzen, vorwärtsfreuen!

Schalke siegt zum dritten Mal in Folge. Dabei gab es gegen Eintracht Frankfurt eine Halbzeit kaum was zu sehen. In der zweiten Hälfte erhöhte Schalke die Schlagzahl, rang Frankfurt nieder und gewann letztlich verdient. Wichtige drei Punkte vor dem schwersten Teil des Spielplans.

Schalke tut sich nach wie vor schwer „das Spiel zu machen“ und Eintracht Frankfurt gefällt sich auch defensiv. Michael Skibbe sprach später jedenfalls von einem guten Spiel seiner Mannschaft, ohne dass die Eintracht Manuel Neuer auch nur ein einziges Mal zu mehr genötigt hätte, als sich den Knicker von Balljungen zum Abschlag zuwerfen zu lassen.

Umso tragischer, dass Schalke derart lange brauchte, um seinerseits zu Chancen zu kommen. Erst als nach der Pause eine Schippe draufgelegt wurde, als durch erhöhten Druck auf die ballführenden Frankfurter mehr Ballbesitz erarbeitet wurde, als es mehr Bewegung und mehr Tempo gab, kam es zu Chancen für Königsblau.

Erstaunlich bleibt, dass in Magaths Kindergarten keineswegs die jungen Spieler die Fragen aufwerfen. Gegen Frankfurt waren 5 Spieler aus der Schalker Startformation jünger als der gerade 23-Jährige Manuel Neuer. Trotzdem bildet sich ein Stamm, eine Gruppe von Kids mit einem gewissen Niveau, die einen zumindest gegen Dortmund und Frankfurt auf etwas mehr als Augenhöhe hieven. Es ist die Position im Sturm, neben Jefferson Farfan, auf der sich noch am wenigsten ein Spieler durchsetzen konnte.

Gegen Frankfurt stand Kevin Kuranyi in der Startformation, und auch er hat mehr als unglücklich agiert. Nicht, dass er sich nicht bemüht hätte, Kuranyi läuft stets soweit die Füße tragen. Und trotzdem lief das Spiel an ihm vorbei. Entweder lief er nicht in die Gasse, in die der Ball gespielt wurde, oder er hatte eine Idee, ließ einen Ball nur kurz abtropfen, wollte einen Mitspieler in Szene setzen, aber dieser startete nicht. Letztendlich war der Ball fast immer weg, sobald Kuranyi irgendwie beteiligt war.
Halil Altintop ist da noch, dessen lethargisches Auftreten einen zur Weißglut treiben kann, und eben Gerald Asamoah, der diesmal das entscheidende Ding machte. Der Vorzeigenschalker in seiner 11. Saison. Niemand, der es ihm nicht gönnen würde, und trotzdem eher nicht die Zukunft.

Nun spielt Schalke in Stuttgart, gegen Hamburg, Leverkusen und in München! Schweineschwer, aber auch schweineinteressant! Mit dieser Mannschaft darf man sich als Außenseiter fühlen. Mit diesem Trainer darf man sich dennoch Hoffnung machen. Immerhin, das Spiel gegen Frankfurt haben wir schon mal hinter uns.

Foto: TomaszBo

Rolf Rüssmann ist tot

Diese Nachricht hat mich wirklich getroffen. Auch weil ich unvorbereitet war. Dass Rolf Rüssmann derart krank war, hatte ich nicht gewusst.

Ein prägnanter Kopf der Bundesliga. Für den Jungen, der ich war, die längste und bewusste Zeit ein Borusse, was aber seinem Ansehen bei mir nicht schadete. Einer den man, den ich mochte, weil er „geradeaus war“. Auch später noch, als Bundesligamanager, im DSF sitzend, in Rudi Brückners „Doppelpass“, in der gefühlten besseren Zeit.

Rolf Rüssmann war einer der ganz großen Schalker. 12 Jahre eine feste Größe in der Schalker Abwehr, Teil der Schalker Jahrhundertelf und Halter eines Schalker Rekords, der wohl in alle Ewigkeit bestand haben wird: Zwischen dem 15. Januar 1977 und dem 29. November 1980 stand er in 134 Bundesligapartien in Folge auf dem Platz. Und in den folgenden viereinhalb Jahren für Borussia Dortmund, den letzten seiner Karriere, fehlte er auch nur in sechs Spielen.

Wenn dieser Tage in den Nachrufen zu Rolf Rüssmann viel von den Eigenschaften des „ehrlichen Kämpfers“, des „bodenständigen Typen“ geschrieben wird, wenn man dabei immer leicht zuckt, weil diese vermeintlichen Floskeln in den Jahren doch arg überstrapaziert wurden, sollte man sich diesen Rekord bewusst machen um erfühlen zu können, dass das wirklich noch eine andere Zeit war. Eine, in der es diese Typen eben wirklich noch gab, denen das Tun wichtiger war als das Sein. Typen wie Rolf Rüssmann.