Glauben lernen, Teil 2

Wieder eine Aufholjagd. Wieder ein Unentschieden. Wieder ein gefühlter Sieg und eine Heimfahrt in dem Gefühl, dass es doch noch gut gelaufen ist. Und doch war diesmal einiges anders als beim Spiel gegen den HSV. Der Gegner war stärker und der Schiedsrichter war schlechter.

Leverkusens Auftritt in Halbzeit 1 war schon beeindruckend. Technik und Tempo allenthalben. Klare Offensivaktionen, selbst bei den schnellsten Vorstößen fast immer zwei Anspieloptionen für den ballführenden Spieler, und diese konnten die Pässe auch noch verarbeiten. Das war außerordentlich, und man sah wie schwer es für Schalke wird, wenn sich der Gegner durch Tempo einer Großzahl an Zweikämpfen zu entziehen weiß. Doppelt dumm, wenn die anderen Zweikämpfe dazu noch vom Schiedsrichter unterbunden werden.

Im Spiel gegen den HSV ließ Schiedsrichter Gräfe das Spiel sehr viel mehr laufen. Es entwickelte sich ein tolles Spiel mit hohem Tempo. Gegen Leverkusen glaubte Schiedsrichter Weiner, kleinlich pfeifen zu müssen, was er nachhaltig tat. Er bedachte dieses Spiel mit 47 Freistoßpfiffen, Gräfe kam gegen den HSV mit 34 aus. Gegen die Mannschaften der anderen acht Partien des 11. Spieltags wurden im Schnitt 17 Fouls gepfiffen. Weiner pfiff gegen Bayer Leverkusen 19 Fouls. Gegen Schalke pfiff er 28.

Dabei will ich mich gar nicht an dem einen, meiner Ansicht nach ebenfalls falschen Pfiff gegen Jefferson Farfán hochziehen, als dieser in der 60. Minute ein Tor erzielte. Schlimmer war, dass Weiner den Leverkusener Spielern so häufig die Möglichkeit bot, aus verlorenen Zweikämpfen doch noch als Sieger hervorzugehen, was diese auszunutzen wussten. Für eine technisch unterlegene Mannschaft, die ihr Heil im Zweikampf suchen muss, ist es mehr als ärgerlich, wenn Zweikämpfe von der Obrigkeit nurnoch sehr eingeschränkt zugelassen werden.

Und dann erzielt ausgerechnet Sanchez den Ausgleich! In der zweiten Hälfte wurde Leverkusen zunehmend passiver. Dann Hyypiäs Fehler vor Farfáns aberkanntem Tor. Dann Hyypiäs Verletzung. Dann Hyypiäs Auswechslung. Und dann ließ Hyypiäs Abwesenheit den Damm brechen.
Tatsächlich war auch noch René Adlers Fehleinschätzung notwendig, um das Luftduell um ein sehr hohes Kuranyi-Anspiel gegen den kleinen Vicente Sanchez zu verlieren, dessen bei fussballdaten.de angegebene Körpergröße von 170 cm stark geschönt scheint. Sanchez, der sonst so hochgradig ineffektiv über den Platz wuselt, war mit diesem einen gewonnenen Zweikampf hocheffektiv. Und obwohl dieser Treffer in der Situation unwahrscheinlich war, hatte man doch aus dem Hamburg-Spiel gelernt, an solche „Wunder“ wieder glauben zu dürfen. Wer weiß, wenn das Spiel noch 10 Minuten länger …




14 Kommentare zu “Glauben lernen, Teil 2”

  1. christoph04 sagt:

    Neuer gegen Adler war doch ein super Duell. Adler macht zwei entscheidende Fehler: Kann vor dem nicht gegebenen Farfantreffer den Ball nicht festhalten, obwohl Farfan vorbeirutscht, und irrt vor dem Ausgleich durch den Strafraum, so dass Sanchez einen Kopfball ohne Druck ins leere Tor köpfen kann. Selbst Rudi Völler war im Aktuellen Sportstudio etwas irritiert, dass der Schiri das erste Tor nicht gegeben hat.
    Warum es diesmal keine neuen Horrormeldungen über Schalke vor dem Spiel gab? War nicht nötig, man hatte ja Weiner angesetzt!!! Wie der nach zwanzig Minuten durch ständige merkwürdige Pfiffde dafür sorgte, dass Bayer so überragend spielen konnte, macht mich sprachlos!

  2. wilbor sagt:

    Danke für die Statistischen Werte! Hast Du auch noch die Zweikampfdaten? Gefühlt hatten wir da in den ersten 60 Minuten 20% zu 80%…

  3. skAndy sagt:

    Selbst nach dieser zweiten erfolgreichen Aufholjagd fällt erstaunlich selten das Wort „Kondition“. Nur um mal alte Magath’sche Klischees auszupacken…

  4. Norman sagt:

    Hyypi Hyypi Hyypiä Hyypiä, Krawall und Remmidemmi…

    So jetzt ernst: Ich fand es sehr beeindruckend, wie Sami die Leverkusener hinten fest zusammenhielt.

    Das schlimmste am Spiel für die fernsehenden Zuschauer war noch nichtmals Schiri Weiner, sondern Marcel Reif. Dieser sprach 80 Minuten lang von Spitzenfußball und „ganz großen Sport“ der Leverkusener. Was nach dem Spiel gesagt wurde, weiss ich gar nicht mehr, jedoch fasst es der 11Freunde-Ticker bestens zusammen:
    „Reif nutzt die letzten Sekunden des Spiels, um ein Fazit zu ziehen, in dem all das drinsteckt, was er nie gesagt hat. Bordon ist nun der Spieler des Spiels, die Schalker waren sowieso die bessere Mannschaft und Hyypiä, den er 80 Minuten lang zum besten Verteidiger in der Geschichte der Premier League stilisiert hat, ist auch nur noch ein Spieler unter vielen. Marcel Reif ist der einzige Mensch, der in einem Satz zwei gegensätzliche Meinungen vertreten und auch noch völlig überzeugend dabei wirken kann. Vielleicht sollte er in der nächsten Legislaturperiode Außenminister werden. Weltklasse.“

    Neue Kommentatoren braucht das Land!

  5. nedfuller sagt:

    „ausgerechnet“?
    Puh, das Wort wird so oft verwendet, daß ich garnicht mehr weiß, wann man es richtig verwendet.

    Sanchez ist ein berechtigtes „ausgerechnet“? Kuranyi nicht mehr?

  6. Torsten Wieland sagt:

    @wilbor: Habe ich gerade nicht zur Hand, davon halte ich aber auch nicht viel. Jürgen Klopp meinte kürzlich mal sehr treffend, dass dabei ja nicht erfasst werden würde, in wieviele Zweikämpfe der Spieler nicht gegangen sei.

    @nedfuller: Kuranyi ist, bei aller Unkerei, nach wie vor der Torjäger vom Dienst. Sanchez‘ Auftritte über die letzten Monate habe dazu geführt, dass ich ihn mittlerweile für nicht Erstligareif halte. Obwohl er eigentlich immer „Betrieb macht“, grundsätzlich sympathisch ist – er kann sich nur ganz selten mal entscheidend durchsetzen. Ja, deshalb passt hier „ausgerechnet“. Und auch noch ausgerechnet der mexikanische Kurze im Luftkampf gegen den Deutschlandadler. Ich richte meine Formulierungen eben nicht nach einem (zugegebenermaßen unterhaltsamen) Text der 11Freunde aus ;-)

  7. nedfuller sagt:

    Danke für die Aufklärung.

    Bei dem Wort ausgerechnet bin ich immer sehr vorsichtig, mittlerweile wir mir das zu sehr verwendet.

  8. nordi sagt:

    Hallo,

    erstmal Kompliment an den Blog.
    Das Spiel war in Halbzeit 1 unsers, doch ihr kamt zurück und vermasselt uns da eiskalt alles… :)

    Naja, ich denk mal das war ein gerechtes 2:2, und wir sind ja immernoch Spitzenreiter!

    Grüße aus der Farbenstadt Leverkusen,

    PS: Wir sind die Drei aus dem Zug :)

  9. Jörn sagt:

    Also erst einmal danke für diese Zusammenfassung, spiegelt genu meine Sicht wieder.
    Was der Hyypiä da spielt ist der Wahnsinn. Ein Monster. Hat der in der ersten Halbzeit mal einen Ball verloren? Unglaublicher Typ.
    Und jetzt zu Weiner. Das war unfassbar. Wenn ich mich nicht völlig falsch erinnere hatte Bayer vor diesem Spieltag bereits 9 Tore nach Standards erzielt. Jetzt sind es 11. Das sagt doch eigentlich alles. Besonders was er vor dem 2:0 gesehen haben will würde ich sehr sehr gerne wissen. Magath wird seinen Spielern wohl auch mitgeteilt haben das Fouls in Strafraumnähe vermieden werden sollen. War aber ja nicht möglich, da jeder Kontakt ein Foul war. Das Tor war natürlich auch regulär und wer weiß wies dann…
    Naja aber es haben noch nicht alle in der Arena gelernt mit dem richtigen Magath-Schema-Glückvertrauen. In der Halbzeit bin ich aufs Klo (Ja immer eine schlechte Idee, sollte man immer 5 Minuten vor- oder nachher machen^^) und danach Bier holen (noch eine schlechtere Idee, Ewige Schlangen und gestresstes Personal [was ich aber ansonsten immer toll und nett finde und daher hier mal loben muss- wo ist der Teil im Kreisel wo immer ein Angestellter vorgestellt wurde?]) und musste mir das Katzengejammer anhören. Ich war der einzige der gesagt hat das das noch was wird. Und dann Sanchez. Feivel der Mauswanderer. Zum Glück war das Dach auf, sonst wär ich jetzt Taub.

  10. Ney sagt:

    Erst Bier, dann Klo. Geht schneller.

    Weiß übrigens jemand, ob es einen Statistik-Freak gibt, der aufzeichnet, in welche Richtung die Heim- bzw. Gastmannschaft in welcher Halbzeit gespielt hat? Bisher hatte ich immer den Eindruck, Schalker Tore fallen zu 82,7% vor Süd, jetzt waren’s in 2 Spielen nicht nur 100% der Schalker, sondern auch noch 80% der Gästetore.

  11. derwahrebaresi sagt:

    die tore dürfen gerne weiterhin vor der süd fallen, möglichst eins mehr als der gegner.

    befürchte nur, dass die bausubstanz dann dauerhaft schaden nimmt. :-)

  12. TOster sagt:

    Hallo, nachdem ich diesen Blog jetzt eine Weile verfolge, möchte ich auch einmal einen Kommentar los werden.
    Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber da ist man nach zwei Unentschieden in Heimspielen euphorisch und das auch irgendwie zurecht, schon seltsam. Soll man sich da lieber einen Sieg und eine Niederlage wünschen, wegen der Punkte? Ich denke nicht. Bislang gefällt mir unsere Mannschaft sehr gut. Nicht alles gekonnt, aber alles gewollt. Problematisch wird´s, wenn der Schiedsrichter meint, die technisch überlegene Mannschaft schützen zu müssen. Was habe ich mich über meinen „Lieblingsschiri“ geärgert. Jeder Ballverlust wurde abgepfiffen, hätte ja ein Foul gewesen sein können.
    Ich sollte demnächst gläubiger sein. Als Hyypiä vom Feld ging, meinte ich zu meinem Schwager: jetzt schaffen sie es noch. So recht glauben konnte ich daran aber nicht. Auch dafür: vielen Dank Jungs.

  13. skAndy sagt:

    @TOster Vielleicht hätten wir einen Punkt mehr, wenn wir ein Spiel gewonnen und eines verloren hätten! Aber dann hätten jetzt entweder Leverkusen oder Hamburg Zwei Punkte mehr (und der jeweils andere einen weniger… ). Ich glaube nicht, dass es darauf ankommt. Wir hätten beide Spiele verlieren können! Und wer weiß, vielleicht holen wir ja 5 Punkte aus den Spielen Hamburg, Leverkusen und Bayern! Und das hört sich doch wirklich nicht schlecht an, oder?
    Mir reicht auch hier ein unentschieden, aber bitte ohne Aufholjagd, mein Herz ist nicht mehr das Beste!

  14. GE Schnapper-City | Königsblog sagt:

    […] ist trotzdem ein hervorragender Torwart und hat in Gelsenkirchen noch nie verloren. In der letzten Begegnung sah er schlecht aus, als er ein Luftduell gegen Vicente Sanchez (angeblich 1.70 Meter groß, […]

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