Artikel im Dezember 2009

Pow! Und ich habs nicht gesehen …

Es ist schon ein Kreuz, dieser Tage. Was man alles noch erledigen will in diesem Jahr. Einladungen, Termine, Eu- und Disstress in stetem Wechsel. An allem zuviel, nur nicht an Zeit. Ab und an müssen Kompromisse gemacht werden. Ich hatte mich dazu entschieden, mir das Spiel gegen Bremen nicht live anzuschauen. Das habe ich nun davon.

kurtspaeter schrieb mir, die zweiten 45 Minuten wäre die beste Halbzeit gewesen, die Schalke in diesem Kalenderjahr gespielt hätte. Ich hoffte vor dem Spiel auf eine Unentschieden. Ich kenne Leute die darauf getippt haben. Ich kenne niemanden, der auf einen Schalker Sieg getippt hat. Obwohl beide Clubs die gleiche Punktzahl hatten war Werder Bremen doch der klare Favorit. Die 23 Pflichtspiele ohne Niederlage waren beeindruckend. Wenn man die jeweiligen Spitzenleistungen vergleicht, liegt doch ein ganzes Stück zwischen diesen beiden Mannschaften.
Im nachhinein glaubt man dieses Ergebnis mit dem erklären zu können, was man in der bisherigen Saison an Wissen über diese neue Schalker Mannschaft angehäuft hat. Dass die Defensive das Zeug dazu hat, gegen jeden Bundesligisten zu bestehen. Dass der Offensive reagieren mehr liegt als agieren, dass sie gegen Clubs, die selbst nach vorne Spielen, eher zu Chancen kommt, als gegen sich einigelnde Mannschaften. Aber bitteschön: Das geht fast jeder Offensive in dieser Liga so. Eine Offensive, gegen die man auf jeden Fall verliert wenn man sich „nur hinten reinstellt“, gibt es in dieser Saison in der Bundesliga (noch) nicht. Peinlich, eigentlich.

Also versteige ich mich nicht in weitere Kaffesatzlesereien. An Zusammenfassungen glaube ich nicht mehr, und mir das ganze Spiel als Aufnahme anzuschauen, dazu fehlte mir ebenfalls die Zeit. Weil sich das in den nächsten Tagen nicht bessern wird, und weil ich nicht nur so irgendwas hier hinschreiben will, verkünde ich hiermit eine offizielle Blogpause. Damit es mir nicht lästig wird, damit ich den Spaß daran behalte. Am 04. Januar, dem ersten Montag im Jahr 2010, geht es hier weiter.

Vielen Dank allen Lesern und Kommentatoren für die Teilnahme an diesem Ding hier. Ich wünsche gesegnete und erholsame Weihnachten, außerdem einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bleibt mir gewogen. Ich hoffe wir lesen uns hier wieder. An mir wird’s nicht scheitern. Glück auf.

Handwerk gegen Uhrwerk

Letzte Woche Sonntag, nach dem denkwürdigen Spiel (war das Fußball?) zwischen Schalke 04 und Hertha BSC Berlin, erreichte mich eine SMS: „Du hast doch eine gewisse Affinität zur Green Machine. Willst Du nicht einen Vorbericht schreiben?“. Da sagt man natürlich nicht nein.
Gerade wo ich den Hausherrn erst vor drei Wochen aus dem Badenova-Stadion mit meiner überschäumenden Begeisterung über das Offensivspektakel der Werderaner genervt hatte. Während der alte und der junge Herr Wieland unpräzises geboten bekamen. Und während ich so schreibe, entwickelt sich fast eine Ode an die Elf von der Weser, ist es eine Lobeshymne auf den Verein geworden. Etwas untypisch für einen Schalke-Blog und -Fan, aber in meinen Augen völlig verdient.

Die Bremer sind offensivstark, es entsteht Ballzirkulation auf erhöhtem technischen Niveau, man hat spielintelligente Akteure auf nahezu jeder Position, man ist immer versucht das Spiel zu beherrschen und den Ball vom eigenen Tor wegzuhalten. Das ist keine Mannschaft, die bedingungslos über den Kampf kommen muss oder die Pille einfach wegholzt. Sondern Bremen versteht es, den Gegner auszuspielen. In der Bundesliga an den richtig guten Tagen sogar jeden Gegner.

Werder Bremen ist ein Verein, der es schafft, seine Mannschaft über all die Jahre auf hohem (Bundesliga-) Niveau umzubauen und zu entwickeln. Dabei gibt es zwar immer wieder Rückschläge (Carlos Alberto, Marco Reich, diverse Links- und Rechtsverteidiger wie Jelle van Damme oder Marko Tosic), aber im Kern bleibt ein auch glückliches, aber vor allem intelligentes Händchen bei Spielerverpflichtungen, die den Stil des SV Werder Bremen am Leben erhalten können. Man denkt an einen reaktionsstarken Torhüter wie Rost, an Spieleröffnungen von Ismael oder Krstajic, an die technisch guten Dampfmacher wie Ernst oder Frings, an großartige Spielmacher wie Micoud oder Diego, an erfolgreiche Torjäger wie Ailton oder Klasnic.
Dann schaut man sich die Elf von heute an und entdeckt den reaktionsstarken Torhüter Wiese, die spielenden Innenverteidiger Mertesacker und Naldo, man sieht Frings so langsam wieder in Form kommen, mit dem jungen Bargfrede an seiner Seite, man sieht den herausragenden Spielmacher Özil (mein Herz blutet) und schließlich den erfolgreichen Torjäger Pizarro. Das ist eine Achse, nach der erfolgreiche Mannschaften gebaut werden. Torwart, Innenverteidigung, zentrales Mittelfeld, Torjäger.

In einem Verein, der seit Jahren für Ruhe, Vernunft und Übersicht steht, der schon immer als sparsam gilt und der sich immer als sehr sympathisch darstellt. Durch Unaufgeregtheit, durch Sachlichkeit, durch Bescheidenheit und mit wenig Futter für den Boulevard. Mit einer beispiellosen Kontinuität bei den handelnden Personen. Das Duo Lemke / Rehhagel in den 80er und frühen 90er Jahren wurde nach einer kleinen Durststrecke ersetzt durch das Duo Allofs / Schaaf. Nicht ganz zufällig zwei ehemalige Spieler, die die erfolgreiche Zeit von Lemke und Rehhagel aktiv miterlebten. Und im Hintergrund mit Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller zwei Vorstandsmitglieder, die beide Ären miterlebten und prägten.

Und trotzdem fährt Schalke 04 nicht chancenlos über die A1 Richtung Norden. Denn die Schalker verfügen in dieser Spielzeit über Beisserqualitäten. Man erinnere sich beispielsweise an das Spiel Hoffenheim – Schalke, Anfang der Saison. Als Pliatsikas eine Halbzeit lang hinter Carlos Eduardo herstapfte, bis dieser überhaupt keine Lust mehr auf Fußball hatte. So wird es Mesut Özil ergehen. Oder Aaron Hunt. Oder Marko Marin. Diese quirligen, spielfreudigen Leute werden auf die Socken bekommen, werden Schwierigkeiten bekommen, ihr Kombinationsspiel aufzuziehen. Weil immer ein Schalker Jungspund da sein wird und sie bekämpft. Wenn Schalke 04 in dieser Saison eines gelernt hat, dann zu wissen, wo die Qualität des eigenen Spiels liegt und danach zu handeln. Felix Magath wird seinen Spielern einimpfen: Geben wir Bremen Platz zum kombinieren, so wie es der SC Freiburg tat, dann gehen wir im Weserstadion unter. Und da sich Magath mit seinen ganzen jungen Emporkömmlingen ein Reich schafft, das ihm, dem Entdecker und Förderer, an den Lippen hängt, folgen sie ohne mit der Wimper zu zucken.


kurtspaeter schrieb früher im eigenen Blog über den FC Schalke 04. Seit er sein Blog zumachte gibt er hier in unregelmäßigen Abständen seine Meinungen und Gedanken zum Besten.


Foto: Michael Pries

Tacheles

„Wir haben im Spiel nach vorne Schwierigkeiten. Das wussten wir vorher. Wir trainieren das, aber große Fortschritte haben wir noch nicht erzielt. Wichtig aber ist, dass wir trotzdem gewonnen haben. Wenn wir trotz unserer spielerischen Schwächen am Ende der ersten Serie auf einem der internationalen Plätze stehen, bin ich zufrieden.“

sagte Felix Magath nach dem Spiel gegen Hertha BSC. Worte, die man sehr ähnlich auch in der Straßenbahn aus allen Ecken hören konnte. Eben das was jeder sah. Mit exakt austarierter Gewichtung von Erfolg zu erlebter bzw. noch fehlender Qualität. Denn gewonnen zu haben ist „wichtig“, nicht aber „viel wichtiger“ oder gar „allein entscheidend“.

Wie Matthias in der Weide in einem Kommentar sehr treffend bemerkte, steht diese klare Sprache in krassem Gegensatz zu dem, was man sich als Schalker in den letzten Jahren anhören musste. Es war grotesk, welche Sprüche und welche Verdrehungen unsereins in den letzten Jahren ertragen musste. Wäre es nicht so traurig gewesen, man könnte heute fast drüber lachen.

Natürlich ist Magaths Ausgangsposition leichter. Er kam und zog einen Strich, spricht nun von „noch nicht“. Für Andreas Müller oder dessen Trainer Mirko Slomka und Fred Rutten wäre es ein „nicht mehr“ gewesen, nachdem die Mannschaft in den Jahren zuvor noch um einiges kompletter war. Es hätte Selbstkritik gebraucht, so was ist schwer. Doch die permanente Schönrednerei machte Müller & Co. unglaubwürdig und die Fans sauer.

Wer glaubt, dass es Fans tatsächlich nur um den Sieg gehe, hat ein falsches, ein sehr naives Bild von der heutigen Beobachterschar. Ein paar mal kann man sich Punktgewinne nach miesen Spielen schönreden lassen oder gar schöntrinken. Aber Selbstbetrug ist offensichtlich. Mittelfristig muss es Dinge zu sehen geben, an die man sich halten kann, etwas das die Glut glimmen lässt. Argumente die einem helfen, Diskussionen gegen die eigene pessimistische Seite zu gewinnen. Ja, eine gleichschlechte Leistung ist wesentlich erträglicher, wenn man seinen eigenen Ärger darüber bei den Verantwortlichen wiederfinden kann. Dann sind Punkte aus Spielen, in denen es nichts mehr als die bloßen Punkte zu bejubeln gab, immerhin noch Punkte mit Aussicht. Diese Aussicht ist für Fans entscheidend. Übrigens in jeder Tabellenregion.

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Hertha BSC im Kampf gegen den Abstieg, mit kampferfahrenem Trainer und einigen Spielern, die für die Tabellenregion zu gut sind. Schalke im Kampf um Platz 3, mit der Chance auf 28 Punkte aus 15 Spielen, besser als 15 andere Clubs. Hertha kratzend und beißend, die letzte Chance nutzend. Schalke immer dann stark wenn es schnell reagiert und den sich bietenden Raum nutzt, mit sicherer Defensive und starken Standardsituationen. Das alles gab es nicht zu sehen.

Schalke war schlecht und Hertha war schlechter. Hertha stand dreißig Meter vor dem Tor und machte zu, Schalke fand keine Mittel dagegen. Felix Magath begann sehr vorsichtig, stellte mir Benedikt Höwedes und Joel Matip zwei Defensivspieler vor die Abwehrkette, die beide nichts zum Spielaufbau betragen konnten. Zur Halbzeit stellte er um, brachte mit Altintop einen Stürmer für Matip, ließ Heiko Westermann deutlich offensiver agieren und erzeugte so mehr Druck.
Ja, ein gewisser Druck war da, aber gespielt hat Schalke nicht. Wäre Raffael Schalker, es wäre einfacher gewesen. Raffael machte eine starke erste Halbzeit für Hertha, fand aber nie eine Anspielstation. Bei Schalke starteten Kuranyi und Farfan desöfteren auf designierte Passrouten, bekamen aber keine Pässe. Und so spielten zwei unkomplette Mannschaften gegeneinander, und es ging aus wie es ausgehen muss, wenn die einen oben und die anderen unten stehen.

War der Sieg unverdient? Sicher sagen die Meckerer, eine solch schwachen Offensivleistung hatte keinen Sieg verdient. Naja sagen die Sonnenfreunde, Hertha hatte genau eine gute Chance und ein paar Fernschüsse die Rückgaben glichen, tat ansonsten nichts fürs Spiel, nichts wofür sie hätten belohnt werden müssen. Schalke war schlecht aber bemüht, hat den Ball reingeprügelt, und natürlich war es Kuranyi der ihn über die Linie drückte. War es Abseits? Im Stadion war es nicht zu erkennen. Spiegel Online schreibt von einer abseitsverdächtigen Position, kicker.de meint Kuranyi war „wohl auf gleicher Höhe“.

Ein Schweinespiel eben. Die zweite Halbzeit sah ich aus Block S5, saß bei Freundin Kerstin die mich fragte, was ich zu solch einem Spiel wohl schreiben wolle. Und tatsächlich fällt mir kaum mehr ein als die Bemerkung, dass ich beim letzten Schweinespiel, gegen Eintracht Frankfurt, ebenfalls zur Halbzeit, beim Stand von 0:0 in Block S5 wechselte – und auch dieses Spiel gewannen die Knappen mit 2:0.
Da die Tabelle nicht lügt ist Schalke im Schnitt die drittbeste Mannschaft der Liga. Jetzt geht’s nach Bremen und man kann nur hoffen, dass beide Teams ungefähr dem Schnitt entsprechend spielen. Einen Vergleich der Spitzenleistungen möchte ich lieber nicht erleben. Ma’kucken.

Warten auf die Wundertüten

Hertha BSC berührt mich nicht. In der letzten Saison gingen sie mir einen Weile auf den Sack, heute sind sie mir so egal wie zuvor. Mag es auch schräg anmuten, was mein „Leben in der Blogosphäre“ angeht spielt Hertha eine wichtige Rolle. Enno Aljets Blog Welt Hertha Linke habe ich ungefähr während seiner gesamten Laufzeit verfolgt, heute besuche ich das Hertha BSC Blog täglich.
Enno Aljets ist einer der wenigen Blogger-Kollegen, die ich bereits persönlich kennenlernen durfte. Seit Jahren schreibt er regelmäßig über seine Hertha, eben so wie ich über Schalke 04, und ich schätze seine zumeist sehr nüchterne Meinung zu den Dingen sehr. Und komme ich mal an Hertha nicht vorbei, so wie jetzt vor dem Spiel am Sonntag, liegt nichts näher als ihn zu befragen.

Hallo Enno. Ich stelle mir vor dass diese Saison für Dich einem Albtraum gleichen muss. Am 2. April diesen Jahres war Hertha BSC Tabellenführer, mit dem offenbar perfekt passenden Trainer, der das genau richtige System für diese Mannschaft gefunden hatte. Dann machte es irgendwie pffffft, und alles ist weg: Ol’ Dieter, der Trainer, das Konzept, Schwung, Erfolg, Punkte und Hoffnung. Ich kann mich nicht erinnern, so was auch nur annähernd in dieser Form und vor allem diesem Tempo schon mal mitbekommen zu haben. Da will man doch sicher nicht mehr hinschauen, oder?! Womit macht man sich da Mut? Gibt es in solch einer Situation irgendwas, das noch Freude macht, von wegen „schönste Nebensache der Welt“?

Diese Saison ist sicher nur etwas für ganz hartgesottene Masochisten. Und selbst die härtesten Jungs habe ich schon mit bitteren Tränen in den Augen aus dem Stadion trotten sehen. Hertha tut derzeit weh und bietet wenig bis gar nichts, mit dem man sich Mut machen könnte. Es ist die typische Negativspirale, sich wechselseitig verstärkende Kleinigkeiten, die alles immer schlimmer und schlimmer machen. Das fängt schon am Ende der vergangenen Saison an, als Hertha sich mit zwei katastrophalen Auftritte gegen Schalke und Karlsruhe nicht nur von der Meisterschaft verabschiedete, sondern erste Brüche innerhalb der Mannschaft öffentlich sichtbar wurden. Dann gab es Pläne, mit Favre zu verlängern, man konnte sich finanziell jedoch nicht einigen. Die Transferpolitik stand unter der Prämisse eines radikalen Sparkurses und misslang auf ganzer Linie. Als wäre das nicht genug, verabschiedete man sich nebenbei noch von Dieter Hoeneß. Da kann ein Fehlstart sehr schnell zu einer negativen Spirale werden, ohne dass man einzelne Gründe konkret isolieren könnte. Bei mir hat sich nach der Niederlage gegen Frankfurt ein kindisch-naiver Trotz eingestellt: Jetzt erst recht! Egal, was kommt.

Ist ja bald Weihnachten. Ob so was in dieser Situation als ein Wunsch durchgeht lasse ich mal dahingestellt, aber stellen wir uns vor: Michael Preetz wird rausgeschmissen und rechtzeitig zur Wintertransferperiode wird Enno Aljets zum neuen Sportdirektor ernannt. Die Sponsoren haben noch knapp 4 Millionen Euro zusammengekratzt. Du hast freie Hand in restlos allen sportlichen Fragen, ist ja eh schon alles egal … Mach doch mal …

Am besten nehme ich das Geld und verdrücke mich auf ein karibisches Insel-Exil. Es wäre eine hoffnungslose Aufgabe. Lucien Favre sagte auf seiner ominösen Pressekonferenz zu Recht, dass Hertha im Winter mindestens 10 Millionen investieren müsste, um den Abstieg zu vermeiden. Es fehlen zwei konkurrenzfähige Außenverteidiger und ein Stürmer mit „Torgarantie“. Jeder allein würde mindestens 4 Millionen kosten. Ich würde im Gegensatz zu Funkel und Preetz auf keinen Fall einen Innenverteidiger verpflichten. Im Kader stehen bereits fünf Innenverteidiger. Ich wüsste nicht, was ein sechster Mittelmäßiger bringen sollte.

Wie wär’s mit Albert Streit? Unter Funkel hat’s bei ihm mit den Scorerpunkten schonmal ganz gut geklappt. Ich denke er wäre relativ günstig zu bekommen …

Ja, der Albert hat mal ’ne halbe Saison ganz gut gespielt unter Funkel. Aber ansonsten ist er doch nur als Stinkstiefel auffällig geworden, schon in Frankfurt, auf Schalke und auch in Hamburg. Er mag ein klasse Fußballer sein, aber menschlich gesehen wäre er wohl besser beim Skispringen, Kugelstoßen oder Sprint aufgehoben. Also irgendein Individualsport, wo er auf seine Teamkollegen keine Rücksicht nehmen bräuchte. Klassischer Fall von „Beruf verfehlt“.
Wäre ich in verantwortungsvoller Position und dürfte tatsächlich entscheiden, würde ich drei äußerst unpopuläre Maßnahmen vornehmen: Ein Verkauf von Patrick Ebert und Gojko Kacar würde das nötige Geld bringen, um den Kader auf eine neue Grundlage zu stellen. Dann hätte man insgesamt vielleicht 15 bis 20 Millionen zur Verfügung. Und ich würde Arne Friedrich nahe legen, seine Karriere in Dubai ausklingen zu lassen. Ich kann den einfach nicht mehr sehen. Wie man einen Kader sinnvoll zusammen stellt, ist dann aber eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Das Einkaufen müsste jemand anderes übernehmen …

Lass uns zum Sonntag kommen. Bei allem Respekt, bei der aktuellen Konstellation wird Felix Magath die Favoritenrolle nicht so leicht ablehnen können. Trotzdem kann ich Dir aus der bisherigen Erfahrung sagen, dass das „neue Schalke“ eine echte Wundertüte ist, von erfrischend flott und gefährlich bis ideenlos träge kann immer alles passieren. Was glaubst Du, wie wird Funkel Eure Mannschaft einstellen, worin sieht er seine Chance und was für ein Spiel erwartest Du?

Traditionell bieten die Spiele zwischen Hertha und Schalke nicht viel mehr als Fußball zum Abgewöhnen. Es wird ein defensives, aber kampfbetontes Spiel, das mit maximal einem Tor auskommen wird. Wahrscheinlich wird es für Schalke fallen, weil Hertha derzeit einfach nur Pech hat. Auf der anderen Seite ist in der vergangenen Saison im Spiel gegen Schalke das Pendel zu Herthas Ungunsten ausgeschlagen. Vielleicht könnte dieses Spiel wieder eine Wende werden und Hertha gewinnt, weil Schalke es zulässt. Funkel wird eine äußerst defensiv und destruktiv agierende Mannschaft auf den Platz stellen. Nach dem Frankfurt-Spiel wurden vom Präsident Konsequenzen angekündigt. Inwiefern sich der Kader noch verändern wird, ist bisher nicht durchgedrungen. Wir werden also mit Spannung auf zwei Wundertüte warten müssen.

Zum Schluss noch mal zu meinem Club, bewusst offen gefragt: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?

Dubios. Dieses ganze Finanzgeschiebe ist mir suspekt. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass Clubs wie Schalke, Dortmund, Kaiserslautern oder Köln endlich mal finanziell richtig abstürzen. Diese Clubs leben immer wieder massiv über ihren Verhältnissen, verprassen sinnfrei Geld und werden dann wieder von Kommune, Land oder anderen öffentlichen „Sponsoren“ aufgefangen. Hertha dagegen saniert sich derzeit gezwungenermaßen zu Tode und muss das mit sportlichem Niedergang bezahlen. Das ist alles andere als fairer, sportlicher Wettbewerb. Von Modellen wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Leverkusen ganz zu schweigen. Lizenzentzug und Zwangsabstieg schweben mir vor Augen. Dann hört auch endlich das Gerede von der geringen Berliner Stadionauslastung auf, weil klar werden würde, dass die „Leistung“ der Publikumsmagneten eben in erster Linie auf Finanzschieberei beruht. Das wird in diesen Diskussionen halt nie berücksichtigt. Ich könnte mich bei diesem Thema um Kopf und Kragen schreiben …
Sportlich wage ich derzeit noch zu bezweifeln, ob der „Magath-Effekt“ mit den ganzen jungen „Nonames“ über die gesamte Saison tragen wird. Manchmal kommt das so rüber, als hätte Magath aus einem Trümmerhaufen, der nicht kann, nichts wert ist und kein Potential hat, eine Wundermannschaft geschaffen. Wenn ich mir allerdings anschaue, wer da alles regelmäßig spielt: Neuer, Werstermann, Bordon, Farfan, Kuranyi usw. usf. Das sind teure und gute Kicker, ohne die es sicherlich nicht gehen würde. Das allerdings spricht dafür, dass der Erfolg noch ein wenig länger auf Schalke bleiben wird.

Enno, vielen Dank für Deine Meinung. Gerade Dir wünsche ich nichts Schlechtes, aber wie Du weißt ist Hertha nicht gerade mein Lieblingsclub. Wie auch immer das Spiel am Sonntag ausgehen mag, ich hoffe Du und Deine Kollegen, ihr bloggt in Fall der Fälle auch für einen Zweitligaclub weiter. Glück auf.



Links:
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Enno bei Twitter
Außerdem ist Enno im Sportblogger– und im Ballpodder-Netzwerk aktiv



Das Zwinkern des Spieltags 14/47

Seppo Eichkorn war vielleich mit der einen oder anderen Entscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden. Aber Seppo müsste wissen, dass der Schiedsrichter unparteiisch ist, und unparteiisch hat er ja gepfiffen.

Kommunikation in ihrer ganzen Breite durch Sprache und Stimmlage. Den Ton dazu gibt’s hier. Felix Magath nach dem Spiel in Gladbach, angesprochen auf den Platzverweis gegen seinen Co-Trainer Seppo Eichkorn.

Destruktive Lust

Spekulationen über Spekulationen. Jetzt soll Kroos im Sommer direkt Kießling mitbringen. Ob’s Vizekusen gefällt? http://tinyurl.com/yjrhhbx

… twitterte Breitnigge und veranlasste fehlpass.com zu der Antwort:

#Kießling oder #Klose? Dann würde ich für Kießling stimmen, jederzeit.

Zunächst mal muss man sagen, dass „Vizekusen“ bislang wenig Grund zur Sorge haben muss. Der verlinkten Zeitungsartikel bringt Stefan Kießling und den FC Bayern zusammen weil Kießlings Vertrag bei Leverkusen exakt so lange läuft wie der mindestens eines Bayern-Spielers, und weil „Wechsel von Leverkusen nach München Tradition haben“. Dabei verkennt die Zeitung das Kießling ein „Hoeneß-Transfer“ wäre (vgl. Lahm-Kritik) und jetzt ist da ja Nerlinger …

Aber mal abwarten. Ich würde einen solchen Transfer jedenfalls begrüßen! Wer bei den Bayern auf der Bank sitzt kann für andere Clubs gegen Schalke keine Tore schießen. Gerade dieser Kieß (Tatsächlich unter Mitspielern Kießlings „Spitzname“; und Fans hoffen auf kreative Kicker.) hat Schalke schon wirklich viele Punkte gekostet. Vielleicht besinnt sich Nerlinger ja doch noch auf das bayerische Mir san Mir. Wie wär’s außerdem mit Marco Reus? Marcus Berg? Edin Džeko und Du-Ri Cha?
Destruktive Lust im Fußball. Toll!