Lieber auswärts als Zuhaus’

Sechs Heimsiege gab es am letzten Wochenende zu erleben. Das ist kein Rekord, sechsmal kam es in der Bundesligageschichte bereits vor, dass alle Spiele eines Spieltags von den Heimmannschaften gewonnen wurden. Aber für dieses Jahr, für die Spielzeit 2009/2010, ist das schon viel. Denn bislang zeichnete sich die laufende Saison durch bemerkenswert wenig Heimsiege aus.

Seit Bundesligastart wurden bis einschließlich vorgestern 14.180 Spiele ausgetragen, von denen die Heimmannschaften 7.345 gewannen (51,8%). In der laufenden Saison stehen nach 162 Spielen gerade mal 64 Heimsiege zu buche (39,5%). Über eine ganze Saison mag sich das noch weiter ausgleichen, wenn letztlich auch jede starke Mannschaft gegen jede schwache mal daheim spielen durfte. Um also herauszufinden, ob eine solche Schwankung nach nur einer halben Saison eher üblich ist, habe ich die Spielergebnisse nochmals nach den bisherigen 47 Hin- und Rückrunden getrennt erfasst.

Trotzdem bleibt es dabei: Nur in der Rückrunde der Spielzeit 1989/1990 gab es noch weniger Heimsiege (54) als an den ersten 17 Spieltagen der aktuellen Saison (58). In der Hinrunde gab’s 48 Ausswärtssiege – nur in der Rückrunde der Saison 2006/2007 wurde dieser Wert noch getoppt (51).

Das es so ist, wissen wir nun. Woran es liegt kann man nur vermuten. Dabei wurde dieses Thema in der bisherigen Saison von Trainers schon häufiger angesprochen. Oft auch von Felix Magath. Der Tenor: Weil man sich selbst schwer tue, ein durchschlagendes Angriffsspiel aufzuziehen, sähe man auswärts besser aus, weil man dort eher reagieren könne, da das Heimteam in der Pflicht stünde die Initiative zu übernehmen.
Kann man also an der schlechten Heimsiegquote respektive der guten Auswärtsquote eine spielerische Armut der Bundesliga ablesen? Fällt das Pendel zunehmend auf die Seite des zerstörerischen Fußballs, wird mehr reagiert denn agiert, fehlen gar tatsächlich die „Spielmacher“? Denkt man an Wolfsburgs Offensive im letzten Jahr oder an Bayer Leverkusen in der bisherigen Saison, will man mit dem Kopf schütteln. Denkt man an die Mannschaften in der Tabellenmitte – oder eben auch an Schalke – könnte man diese Tendenz schon eher vertreten. Zumindest kann man drüber nachdenken.



3 Kommentare zu “Lieber auswärts als Zuhaus’”

  1. Montana sagt:

    Hach ja, ich liebe Deine Zahlenspielereien. Da mach ich mit! ;-)

    Kann man also an der schlechten Heimsiegquote respektive der guten Auswärtsquote eine spielerische Armut der Bundesliga ablesen?

    Hm, schauen wir doch mal nach England und Spanien, den mutmaßlichen Hochburgen des Fußball-Entertainments. Für eine bessere Vergleichbarkeit habe ich als Stichtag ebenfalls den 17. Spieltag herangezogen sowie die zu diesem Zeitpunkt zehnt- und elftplatzierten Mannschaften der 20er-Ligen aus der Wertung genommen (FC Fulham/FC Sunderland respektive FC Villarreal/Atletico Madrid). Um auf 153 Spiele zu kommen, habe ich darüberhinaus den 18. Spieltag vom FC Arsenal und Manchester City ebenfalls gewertet, da beide am 17. erst 7 Heimspiele hatten. Der englische Terminplan ist etwas wirr.

    Die Bilanz 2009/2010 (H,U,A):

    Premier League: 79,35,39
    Primera División: 74,36,43

    In dieser Saison klafft da jedenfalls eine dicke Lücke.

    Nochwas zur Gleichung “auswärtsstark = spielschwach”: Letzte Saison war Meister Wolfsburg nur achter (!) der Auswärtstabelle; Leverkusen ist dort aktuell “nur” vierter (gerade überholt von Lüdenscheid Dortmund) und Schalke Spitzenreiter…

  2. nedfuller sagt:

    Ich mag dein Blog. So herrlich schöne Statistiken. Ich liebe Statistiken.

    Heimvorteil in einem Ligawettbewerb wiegt meiner Meinung nach weniger, als in einem Pokal (DFB, CL, EL). Warum? Ich denke mal die Spieler fühlen sich zu Hause wohler (eigene Kabine, man kennt sozusagen jeden Grashalm).

  3. Torsten Wieland sagt:

    @Montana:

    Danke für die Darstellung der anderen Ligen. „Knappe Fuffzig“ scheint also so was wie ein üblicher Schnitt zu sein. Weißt Du denn wie der Schnitt in England und Spanien „normalerweise“ ist, bzw. in den letzten Jahren war?

    Zu der Gleichung: Einfach die Auswärtstabelle zu Grunde zu legen ist vielleicht etwas fragwürdig. Eher müsste man noch die Punkte ins Verhältnis zur Gesamtpunktzahl setzen, um ein „sich Auswärts leichter tun“ der einzelnen Mannschaften zu betrachten. Aber so ganz lässt sich das, was man sieht, mit so einfachen Zahlen nicht belegen. Dazu bräuchte es dann die echten Zahlen der großen Datenbanken, die heute zu den Spielen geführt werde. Die wir nicht bezahlen können.

    @nedfuller:
    Ob der Heimvorteil in anderen Wettbewerben über der „knappen Fuffzig“ liegt, kann man ja auch ausrechnen. Vielleicht demnächst mal. Danke fürs Lob!

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