Mirko Slomka: Zweite Chance nach 646 Tagen

Sechshundersechundvierzig Tage nachdem Mirko Slomka den Job bei Schalke 04 quittieren musste hat er einen neuen Trainerposten gefunden. Als Nachfolger von Andreas Bergmann übernimmt er Hannover 96. Ein schwerer Job, in der besonderen Situation des Clubs nach Robert Enkes Tod. Aber überhaupt ein Job, eine Chance, in einem Club den er gut kennt. Ich freue mich darüber und wünsche ihm viel Glück.

Ich bin ein neugieriger Mensch und tatsächlich ärgert es mich, dass ich so viele Dinge um Mirko Slomka, um dessen Vergangenheit auf Schalke, um dessen Rolle im Tandem mit Andreas Müller, nicht einzuschätzen weiß.
Unter Mirko Slomka hatte Schalke 04 in der Saison 2006/2007 eine Weile hervorragenden Fußball gespielt. Dann folgte Fehleinschätzung auf Fehleinschätzung, fast jeder Transfer, Abgänge wie Zugänge, schwächten das Team. Bis am Ende seines Engagements eine Schalker Mannschaft auf dem Platz stand der es augenscheinlich nur noch darum ging, zu Null zu spielen und durch eine Standardsituation ein Tor zu erzielen. Fußballerische Armseeligkeit, furchtbar anzuschauen.

Andreas Müller und Mirko Slomka gaben lange das „moderne Doppel“, augescheinlich als Team funktionierende Trainer und Manager. Wie groß war der Anteil Mirko Slomkas an den katastrophalen Transferentscheidungen? Er bezeichnete Ivan Rakitc bei dessen Verpflichtung als einen pfeilschnellen Spieler, der offensiv überall einzusetzen sei. Wie konnte ein Trainer derart fehlinformiert sein? Er freute sich über die Verpflichtung Albert Streits. Wieso stellte er ihn danach so selten auf? Er galt als smart im Umgang mit den Medien und war doch bei den Journalisten nicht sonderlich beliebt. Er wurde für seine „zu weiche Art“ den Spielern gegenüber kritisiert, holte aber trotz schlechten Fußballs viele Punkte. Fußballdeutschland schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als er auf Platz 3 stehend bei Schalke entlassen wurde; und doch wollte ihn 646 Tage kein anderer Club haben.

Wir werden seine Rolle auf Schalke nicht mehr klären, aber wir werden ihn zukünftig als Trainer besser einschätzen können. Ich denke er ist flexibel genug, um aus Fehlern gelernt zu haben. Wie der Fußball sein wird, den er spielen lässt, wie er Führen wird: Ma’kucken, mich interessiert’s.



9 Kommentare zu “Mirko Slomka: Zweite Chance nach 646 Tagen”

  1. blogundweiss.de » Blog Archive » Slomka wieder im Amt sagt:

    [...] Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass Mirko Slomka das letzte Mal im Traineramt war. Der Königsblog weiß, es waren genau 646 Tage. [...]

  2. Andre sagt:

    Hab mich gestern bei aas auch schon gewundert, warum Slomka teilweise so überhart angegangen wird und kann mich aber auch nicht mehr so recht dran erinnern, ob da was dran sein könnte. Deine Ausführungen bestätigen meine Intuition, dass er eher aus teils wenig relativ viel gemacht hat, seine evtl. Einflussnahme bei Transfers hatte ich dabei nicht bedacht und nicht miteinkalkuliert und kann ich natürlich auch nicht wirklich einschätzen.
    Naja, auf jeden Fall bin auch ich gespannt, wie er sich macht, auch wenn er sich mit dem Verein vielleicht keinen Gefallen getan hat.

  3. packer sagt:

    Zu Slomka sollte man nie seine “totale Dominanz” und Mannschaftsführung durch Mentaltrainer und Fragebögen vergessen. Dadurch hatte er im 1. Jahr die Mannschaft komplett “verloren”.
    Dann hat er seinen letzten Trumpf gezogen und mit Mentaltrainer entschieden, einen Häuptling zu opfern (Rost für Neuer). Zu diesem Zeitpunkt (vor dem Bayern-Spiel) war er fast schon entlassen. Das war meines Erachtens Panik und quasi das letzte Aufgebot (was sich allerdings im Nachhinein als Glücksgriff herausstellte).
    Immerhin hat er uns dann ein unvergessliches Spiel gegen Bayern gebracht (19:04 Minuten Schweigen mit dem Kobi-Tor um 19:04) und die Mannschaft hat sich gegen Fans und Trainer aus der Krise gespielt.
    Danach hat die Mannschaft im Rausch fast noch die Meisterschaft geholt – und ich behaupte, trotz des Trainers.
    Vielleicht war er aber auch als Neuling einfach mit der “schwierigen” Mannschaft überfordert.

  4. Und wieder kein Job für Marcel Koller - LetzterMannHält sagt:

    [...] in Hannover, bekannter Weise bekommt dort nun “Marietta” Slomka seine zweite Chance. Gerade diese beiden letzten Absagen zeigen meiner Meinung nach ganz klar, welche Jobs er in [...]

  5. Andre sagt:

    Also zu wissenschaftlich und nicht bodenständig genug? Quasi Rangnick in klein, was ja auch naheliegt? Den Eindruck hatte ich (aus der Ferne) eigentlich eher nicht, mir schien das Problem eher darin zu liegen, dass er sich gerade nicht den Rufen, die ihn zum auf den Tisch hauen aufforderten, nachgeben wollte, was seine Position zunächst ‘am Stammtisch’ schwächte. Wenn aber seine Position in der Mannschaft so schwach war, dann muss ja doch mehr dahinter gesteckt haben. Naja, vielleicht wird ja die nahe Zukunft Aufklärung bringen.

  6. matz sagt:

    Also, dass Schalke eine Weile hervorragenden Fußball unter Slomka gespielt haben soll, ist mir nicht in Erinnerung geblieben. Eine Weile erfolgreich ja, aber schön?

    Slomka wäre ohne Rangnick nie zu dem Job gekommen, dieser hat ihn bei den Schalke-Verantwortlichen durchgesetzt. Wer so auf dem Ticket seines Chefs fährt, geht normaler Weise auch mit ihm. Undenkbar, dass ein Eichkorn Magath oder ein Henke früher Hitzfeld beerbt hätte. Damit fing es schon an…

    Was mir in Erinnerung geblieben ist:
    - ein aufgeblasener Trainerstab, mit dessen arbeitsrechtlichen Folgen S04 heute noch zu kämpfen hat…
    - das Versprechen vor der Saison, schnellen one-touch-Fußball zu spielen, um nach seiner Entlassung in Interviews zu erklären, so eine Spielweise sei mit dem Kader nie möglich gewesen,
    - Transfers, von denen Slomka behauptet hat, sie seien überhaupt nicht sein Wunsch gewesen und Müller sagte, sie seien auf die von Slomka beabsichtigte Spielweise zugeschnitten gewesen, nur habe Slomka sein System dann zu Saisonbeginn einfach geändert.
    - eine Mannschaft, der am Ende oft die Puste ausging, wenn sie versuchte, einen Vorsprung über die Zeit zu retten,
    - vorsehbare Aufstellungen und Auswechslungen
    - der fehlende Charakter des Teams, der dann vor allem Fred Rutten das Leben schwer gemacht,
    - die Geschichten vom smarten Kameralächeln auf Knopfdruck, aber einer gewissen Arroganz gegenüber den Medien, wenn er nicht “auf Sendung” war.

    Dass Slomka so lange bei Trainerwechseln übergegangen wurde, hat mich nie überrascht. Er war zwei mal Chefcoach. Bei TeBe, wo er heute noch einen extrem schlechten Ruf hat (bin in Berlin ab und an bei Spielen der Veilchen), und bei S04. Dort hat er eine Mannschaft auf Champions-League-Niveau übernommen und die Substanz der Mannschaft eine Zeitlang mehr oder weniger verwaltet (aber eben nicht gesteigert, weshalb 2007 der Titel auch ausblieb). Das Champions-League-Viertelfinale mit zwei Siegen gegen Trondheim und einer Weltklasse-Leistung von Manuel Neuer in der K.O.-Runde kann man eigentlich nur bedingt als Erfolg werten.
    Ich könnte bis heute nicht definieren, für welchen Fußball Mirko Slomka stand und steht. Dass ihm deshalb z.B. ein Bruno Labbadia zweimal vorgezogen wurde, hat mich nicht erstaunt. Der mag seine Fehler haben, aber man weiß, welchen Fußball er spielen lässt.
    Aber um fair zu sein: Das Abservieren von Frank Rost und Lincoln rechne ich Slomka noch hoch an (wobei er im Falle Rangnick ja selbst erlebt hat, wie Rost an Trainerstühlen sägen konnte – war also eine Maßnahme zum Selbstschutz).

  7. sportinsider sagt:

    646 Tage sind eine Ewigkeit. Er war ja bei einigen Stuhlwechseln im Gespräch. Nun hat es in Hannover geklappt. Keine einfache Aufgabe. Mit Slomka verbinde ich auch die Demontage von Frank Rost. Das war ein Puzzleteil warum Schalke die Schale 2007 nicht in der Hand hielt. Nichts gegen Manuel Neuer. Hochtalentiert. Er zeigte bereits exzellente Paraden, auch unter Slomka, jedoch im Meisterschaftsendkampf 2007 hätte ein Anführer wie Rost die nötigen Prozente rauskitzeln können. Von Neuer konnte man das nicht verlangen. Da war er noch nicht soweit. Andererseits hat die Entwicklung nach der Demission von Slomka auf Schalke ja nicht unbedingt zu einem Aufschwung geführt. Bis zur Übernahme durch Universalgenie Felix Magath mit dem 4 Jahres Plan.

  8. matz sagt:

    Ich glaube, Rost war zu der Zeit schon recht isoliert in der Mannschaft, die er öffentlich ja auch mal gern in die Pfanne haute.

    Dass Slomka nun auch noch den “El Maestro” als Co. zu den 96ern holte, stimmt mich für deren Abstiegskampf nicht optimistischer.

    Naja, wegen der Art und Weise, in der Martin Kind eindeutige Mehrheitsentscheidungen (in Sachen 50+1-Regel) nicht akzeptieren will, würde mich ein Abstieg der “Roten” auch nicht sonderlich treffen

  9. eingeNETzt 21/01/2010 | Spielfeldrand - Das Magazin sagt:

    [...] Mirko Slomka: Zweite Chance nach 646 Tagen [...]

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