Sieg verspielt

Zwei Minuten nach Abpfiff begannen alle Menschen mit königsblauem Herzen darüber zu diskutieren, woran es denn nur gelegen hat. Zwei Tage nach Abpfiff sind wir immer noch nicht einer Meinung, werden es nie sein. Und es ist auch egal.

Tatsächlich hat Schalke eine gute erste Halbzeit gespielt. Die 2:0 Führung war völlig verdient, Bochum hatte kaum etwas entgegenzusetzen. Auch in der zweiten Hälfte ließ Schalke Ball und Gegner laufen, kontrollierte das Spiel, bis zu den unkontrollierten 10 Schlussminuten.
Also dürfen wir uns nun was aussuchen: Schalke war in der zweiten Hälfte nicht konsequent genug, spielte mehr Hase und Igel statt aufs dritte Tor. Felix Magath hätte die starken Vicente Sanchez und Jefferson Farfan nicht so früh auswechseln sollen. Es war der fehlenden Erfahrung der jungen Neuschalker geschuldet. Rakitic hätte den Ball halten müssen.

Ich mag mich nicht so recht entscheiden. Natürlich wäre das Spiel mit dem 3:0 endgültig entschieden gewesen, aber bei einer 2:0 Führung den Ball zu halten ist nicht allzu falsch. Natürlich wirken Magaths Wechsel aus heutiger Sicht unglücklich, aber hätte er gar keine frischen Spieler bringen sollen? Der einzige Defensivspieler auf der Bank war der unerfahrene Tore Reginiussen. Für einen der offensiven Einwechselspieler einen Stürmer rauszunehmen war mithin die defensivste Variante.
Fehlende Erfahrung? Vielleicht, eine Mannschaft funktioniert als Ganzes. Trotzdem darf bemerkt werden, dass in den entscheidenden Szenen die erfahrensten Schalker schlecht aussahen. Und Ivan Rakitic anklagen, weil er vorne nicht ruhig genug spielte, obwohl noch eine handvoll Fehler folgten, bevor der Ball 80 Meter weiter im Netz hing? Lass ma’.

Überlegen gespielt, 2 Punkte liegen gelassen. Erstmals unter Felix Magath nach eine Führung nicht gewonnen. „Lehrgeld bezahlt“. 10 Punkte vor Platz 6. 2-Punkte-Schnitt nach 19 Spieltagen. Denkt man sich an Schalke, Stand Ende letzter Saison zurück, scheint uns wider Erwarten die Sonne aus dem Arsch! Das bringt das samstägliche Spiel nicht zum leuchten, aber es sollte helfen, solch doofe 10 Minuten auch mal abnicken zu können, ohne gleich alles infrage zu stellen.

Glück auf.



16 Kommentare zu “Sieg verspielt”

  1. Ney sagt:

    Jedenfalls wissen auch wir jetzt, wie sich das anfühlt, ein Auswärtsspiel überlegen zu führen, 2 Tore in Front zu liegen, und dann noch 2 Punkte zu verlieren. Frag nach bei Hamburg und Leverkusen.

    Als notorischer Schwarzseher fürchte ich, dass uns genau diese beiden verspielten Punkte am Ende bitter fehlen.

    Falls wir gegen Hoffenheim gewinnen, wär‘ meine eigene Kalkulation zum Rückrundenstart allerdings dann doch noch erfüllt.

  2. Rainer Edelmann sagt:

    Ich denke, Du hast den zentralen Punkt im Text genannt – wir haben nun 10 Punkte Vorsprung auf Rang 6 – unglaublich!

    Für mich tritt alles andere hinter dieser Tatsache zurück. Zudem befürchte ich, dass wir den Vorsprung noch bitte nötig haben werden…

  3. Andi M. sagt:

    Ja, aber diese in den letzten Jahren gewachsene „Urangst“ meldet sich still und leise, denn es ging dann doch irgendwie „um die Wurst“ (Tabellenführung!):
    – Sind wir am Ende doch wie Leverkusen und können nicht gewinnen?
    – War das jetzt der Punkt, bei dem die junge Mannschaft ihre Grenzen aufgezeigt bekommen hat und es von nun an wieder bergab geht? Der BVB kommt ja nun gefährlich nahe!

    Ich hoffe allerdings, das ist der Moment, den der Stratege Magath bereits eingeplant hat und dem der „Psychologe Magath“ (Westline.de) mit den richtigen Worten begegnen kann, so dass es sogar unterm Strich gut ist, dass die junge Mannschaft nun nicht Tabellenführer geworden ist und abhebt. Wäre ja schön, wenn sich eine Niederlage dann doch noch an anderer Stelle auszahlen würde.

    Glück auf aus Köln

    @Torsten: Super Blog, ich lese ihn gerne!

  4. nedfuller sagt:

    Willkommen im Club :-)

    Fühlt sich dann doch wie eine Niederlage an, obwohl man ein Punkt mitnimmt.

  5. Conti sagt:

    Das Ende der Magath-Serie? Spiel Schlake ab jetzt wieder ihren Möglichkeiten entsprechend?

  6. Ney sagt:

    Eine richtige „Magath-Serie“ gab es bisher nicht, keine 10 ungeschlagenen Spiele am Stück, keine 6 Siege in Serie oder dergleichen. Schalke spielt schon die ganze Zeit den Möglichkeiten entsprechend – selten überragend, aber die Punktausbeute ist solide im hohen Bereich.

  7. Conti sagt:

    Übrigens, heute in WDR2-MonTalk (19.00-21.00) ist Magath im Interview

  8. Thomas Mayer sagt:

    ..was dieser „Punktgewinn“ in Bochum Wert sein wird, wie die Truppe und der Trainer damit umgehen, bzw. darauf reagieren, wird mal wohl erst am 34. Spieltag wissen.

    In den letzten Jahren gab es meiner Meinung nach viele solcher Schlüsselspiele die nach einer Führung nicht mehr gewonnen würden und die die ganze Saison „zerstört“ haben.

    Das 3:3 im Derby und das 2:2 in Wolfsburg sind die Spiele an die ich denke.

    Aber mit Felix auf der Bank wird dieses 2:2 wohl hoffentlich nie mit den oben genannten Spielen in Verbindung gebracht werden.

    Bin mal auf Samstag gespannt wie ein Schneekönig!

  9. skAndy sagt:

    Ach, dieses ganze Gerede… Meint ihr Leverkusen hat sich derart den Kopf zermartert, als sie in der V-Arena ihren Vorsprung verloren haben? Wir sind im Soll und das zählt! Und jetzt schon wieder eine Grottenrückrunde zu erwarten, weil man Punkte gelassen hat, ist wirklich übertrieben. Ich denka, Magath sind solche Spiele Willkommen. Denn nur daraus lernen die jungen Spieler. Ich freue mich auf’s nächste Spiel. Und wenn’s nur unentschieden ausgeht, ist das halt so! Wir werden unsere Punkte schon machen!

  10. Rainer Edelmann sagt:

    Ich stimme meinem Vorschreiber zu. Welche Erwartungshaltung verbreitet sich denn hier schon wieder?

    Vor der Saison hatte ich auf Platz 8 getippt. Nun sind wir 10 Punkte vor Platz 6 – dies bei 38 Punkten (2 im Schnitt).
    Ja, die spielerische Leistung ist oft erbärmlich und macht mir Sorge. Ich denke jedoch, viel mehr kann man von der Mannschaft nicht erwarten. Zudem sind Magath die Defizite bekannt; auch deshalb baut er den Kader um.

  11. Andi M. sagt:

    Die Erwartungshaltung: Dass ein Wunder geschehe!

    Da kann ich auch nicht von ab.

    Während der WM war mal eine schöne Kolumne, ich glaube in der Zeit, in der der Autor sein Fussballerlebnis in einer Kneipe beschrieben hat. Die eine Hälfte seiner Tischnachbarn wollte das Spiel analysieren und über Taktik & Co reden, die andere wollte brüllen und jubeln. Die erste Gruppe bezeichnete er als „protestantischen Fussball-Typ“, die zweite als „katholischen“. Ich bin ganz klar katholisch (nur in dieser Beziehung), wäre aber liebend gerne ein kühler und besonnener Stratege.
    Und wenn wir Punkte holen, neue Spieler verpflichten und oben stehen, dann soll der Verein auch oben bleiben, (vorerst) egal ob mit oder ohne Hackentricks.

    Wenn es nichts wird, dann kann man sich hinterher immer noch alles rational erklären.

  12. skAndy sagt:

    @Andi
    Dagegen ist wahrlich rein gar nichts einzuwenden. Es geht mir auch gar nicht um die Erwartungen VOR einer Begegnung, sondern lediglich um diese ewige Schwarzmalerei NACH einem Spiel, als wäre – wie in diesem Beispiel – Bochum unter normalen Umständen gar nicht in der Lage uns Tore einzuschenken! Bochum hat in der zweiten Halbzeit gebissen und sich den Punkt verdient. Genau wie wir uns den Punkt verdient haben, weil – nach einer großartigen ersten Halbzeit – in der Zweiten gepennt wurde.

    Wo ist denn nun das Problem? Einfach abhaken und katholisch ins nächste Spiel gehen.

  13. Andi M. sagt:

    OK, ich stimme dir zu!

  14. Torsten Wieland sagt:

    Ich denke ich bin ein protestantischer Möchtegernkatholik.

  15. skAndy sagt:

    Ich bin wohl einer dieser Katholiken, die die Kirche nicht mehr besuchen. Mir fehlt es an Euphorie UND Verstand!

  16. Nonie sagt:

    I feel so much happier now I undretsnad all this. Thanks!

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