Fred-Rutten-Gedächtnis-4-3-3

Der Vollmond stand über Gelsenkirchen. Frankensteins Monster hatte sich in eine Mittelklasse-Bundesligatruppe verwandelt, kein Werwolf weit und breit. Hinzu kam eine ordentliche Leistung der Königsblauen und am Ende stand ein verdienter 2:0 Erfolg der guten Seite.

Es war in der vierten Begegnung der erste Sieg gegen Hoffenheim. Die Vorzeichen standen entsprechend, Hoffenheim kam stark ersatzgeschwächt und hatte nach 6 sieglosen Spielen sicher nicht die beste Laune. Und der Spielweise war das fehlende Selbstvertrauen anzumerken. Wo Hoffenheim sonst knallhart in die Zweikämpfe ging waren sie Samstag deutlich zögerlicher. Wo sie sonst mit Kombinationsspiel den Gegner überrannten zeigten sie gefällige Ballstafetten die zwar flott, aber eben nicht überfordernd schnell waren.

Schalke hatte Hoffenheim im Griff. Das Mittelfeld funktionierte. Moritz und Matip spielen wie alte Hasen, Ivan Rakitic wirkte offensiv unglücklich, erfüllte defensiv seine Aufgaben aber sehr souverän und scheint alles in allem weiter an Selbstvertrauen zu gewinnen. Lukas Schmitz wird als Linksverteidiger immer besser. Benny Höwedes und Marcelo Bordon bilden eine Innenverteidigung in der Bordon derzeit der unsicherere Part ist. Und die Offensive findet immer mehr ihre Form.

Rechts ist Schalkes Schokoladenseite. Jefferson Farfan und Rafinha sind gradiose Fußballer die bestens miteinander harmonieren. Im Sturmzentrum ist Kevin Kuranyi gut drauf. Und seit Vicente Sanchez an Durchsetzungsfähigkeit gewonnen hat, spielt das Magath’sche Schalke erfolgreich im Fred-Rutten-Gedächtnis-4-3-3, ohne das sich irgendjemand darüber aufregt. Was wurde in den letzten Jahren auf Schalke „die Systemfrage“ diskutiert! Tatsächlich spielte Farfan im letzten Jahr aber einfach schwächer, Sanchez sehr viel schwächer, und so lag es damals wie heute an sehr viel mehr als nur an der schematischen Formation der Spieler auf dem Platz, dass Schalke damals im Mittelfeld dümpelte und nun zur Spitzengruppe gehört.

„Wir spielen entsprechend unserer Verhältnisse“ sagte Felix Magath während einer der letzten Pressekonferenzen in einem Nebensatz, und eine Journalistin hakte sofort nach. Sie wollte „über unsere Verhältnisse“ hören, Magath hatte sich aber nicht versprochen. Ohne Zweifel hatte Schalke in der Hinrunde auch in den richtigen Situationen Glück. Trotzdem ist eine Entwicklung zu sehen. Die Defensive steht, die Offensive agiert planvoller, schneller und zielsicherer. Alexander Baumjohann wird ein weiteres Überraschungsmoment hinzufügen, dass konnte man in Ansätzen schon sehen.
Es wird weiter auch Glück in den richtigen Momenten brauchen, so wie Samstag beim Foul Sanchez’ an Andreas Beck. Hätte es einen Elfer gegeben, wäre das Spiel ausgeglichen worden, wer weiß wie es weiter gelaufen wäre. Aber ohne hätte wenn und aber – Schalke war die deutlich bessere Mannschaft. Wie man sich eine dann erstarkte Hoffenheimer Mannschaft vorstellen kann, ist eine ordentlich weiterspielende Schalker Truppe, die das Spiel noch für sich entscheidet, ebenso gut vorstellbar, vielleicht sogar wahrscheinlicher. 5 Punkte Vorsprung vor Platz 4, 13 Punkte Vorsprung vor Platz 6 sind weniger Glück denn Ergebnis einer erfreulichen Entwicklung.



7 Kommentare zu “Fred-Rutten-Gedächtnis-4-3-3”

  1. Stefan sagt:

    Das war ein gut-solides Spiel der Schalker, der Sieg war völlig verdient. Aber man muss auch sagen, dass Hoffenheim derzeit einfach kein Gegner für Mannschaften ist, die derzeit mit den internationalen Plätzen liebäugeln.

    Am meisten Dank gebührt wohl Magath und seine Defensivarbeit. Das sieht dort hinten, rund um Höwedes und Neuer, richtig gut aus. Mich würde nur interessieren wie dich jetzigen Schalker reagieren, wenn sie mal hinten liegen und der Gegner defensiv agiert. Den außer Farfan und Kuranyi trifft dort vorne ja niemand. Nimmt man diese gekonnt aus dem Spiel, sieht’s mau aus.

    Ich halte trotzdem den Schalkern die Daumen. Wenn sie am Ende vor Dortmund und dem HSV gar in die CL kommen, wäre das wieder ein riesen Ding von Magath.

  2. Rainer Edelmann sagt:

    Kleiner Einwand…und ich will hier nicht zu lange über Systeme sprechen, die auf dem Papier sowieso interessanter als in der Realität sind.

    Schalke spielt kein 4-3-3, sondern ein 4-2-3-1. Hinten die 4er-Kette, ganz vorne als Stoßstürmer der Kev. Vor der Kette die Doppel-Sechs Moritz und Matip. Davor von links nach rechts Sanchez, Rakitic, Farfan.

    Bei Ballbesitz Gegner versucht man, mit 10 Mann hinter den Ball zu kommen und das Mittelfeld zu verdichten, bei eigenem Ballbesitz fächern Sanchez und Farfan aus und spielen vor Ivan dem Langsamen.

  3. Thomas Mayer sagt:

    @Rainer:
    Ersetze mal den Namen Sanchez durch Lövenkranz, Farfan durch Varela dann hast du wieder die gleiche vorgehensweise wie bei Rutten/Slomka..nur das wir jetzt nicht immer auf Standards warten müssen um Tore zu erzielen…

    Freue mich schon auf die nächsten Wochen:

    Wenn Zambrano und Westermann wieder fit sind, dann spielen wir in der Kette wieder mit 4 gelernten Innenverteidigern und Ralf und Lukas rücken wieder ins Mittelfeld.

    Dann kommen ja im Februar auch noch Pander, Jones und Kluge wieder dazu.

    Und Ab März dürfen dann sicher auch mal Reguission (oder so ähnlich), Edu, Beirami und der neue Mann aus China unter den ersten Elf auftauchen.

    Ob Kevin dieses Jahr Gerd Müllers Rekord mit 40 Toren in einer Saison knackt bleibt auch noch ein sehr spannende Frage bzw. Entwicklung die man die nächsten Wochen im Auge behalten sollte.

    ..ich sage nur: Bundesliga, hüttet euch vor den Schalkern im März…:)

  4. Rheinlandschalker sagt:

    Wie immer treffende Analyse des Spiels ;-)
    Baumjohann hat mir vom ersten Eindruck her ganz gut gefallen, auch wenn der Kurzeinsatz natürlich noch keine großen Prognosen erlaubt. Aber da waren so 1-2 Situationen, in denen er auf engem Raum aus wenig Möglichkeiten viel gemacht hat. Situationen, die ich so von Rakitic nur alle Jubeljahre mal sehe…
    Der gute Tore dagegen wirkte noch ein wenig überfordert, aber das war zu erwarten und wird sich sicherlich legen.

  5. derwahrebaresi sagt:

    @Dann kommen ja im Februar auch noch Pander, Jones und Kluge wieder dazu.

    Wir haben bereits Februar und die Herren sind nicht in Sicht. :-)

    Ich gehe davon aus, dass man Pander u. Jones in der Rückrunde eher nicht sehen wird …

  6. Rainer Edelmann sagt:

    Thomas,

    jetzt reite ich doch auf Systemen herum, mea culpa!

    Schalke hat unter Slomka/Rutten nie den „Tannenbaum“ (4-2-3-1) gespielt.
    Den hat Magath nun frisch ausgepackt.

  7. skAndy sagt:

    Jones soll nach aktuellstem Stand erst im April wiederkehren, Pander und Westermann Anfang März und Kluge, Kenia und Stevanovic tatsächlich noch im Ferbruar. Dahingegen ist die Rückkehr von Pliatsikas in dieser Saison eher unwahrscheinlich.

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