91. Minute, Spielstand 1:1. Rafinha kommt über rechts, dringt in den Strafraum ein, will in die Mitte spielen, trifft denn Ball aber nicht richtig. Der Knicker kullert vor’s Bochumer Tor, verdutzte Bochumer schauen nur hinterher, Schalkes Neuzugang Edu senst über einen Ball, den Frank Goosen mit der schlappen Eichel … (aber das wollen wir uns lieber nicht vorstellen)
… und während der VfL-Anhang sich noch vor Lachen krümmt, schiebt der hinter Edu stehende Kevin Kuranyi den Knicker unnachahmlich humorlos an Heerwagen vorbei ins Netz. Dem VfL die Häme, S04 die Punkte.
Artikel im Januar 2010
Die Prophezeiung
Was wir so denken
Unsereins hat so sein Bild vom eigenen Verein. Häufig wird man damit konfrontiert, dass Fans anderer Clubs ein völlig anderes Bild von Schalke 04 haben. Und wenn man dann nicht an einen Flachkopf gerät, und wenn man beginnt sich zu unterhalten, kann das hochinteressant sein.
Luis Reichert schreibt bei derwesten.de mit am VfL Bochum-Blog „1848 Einwürfe“ und empfindet wohl ähnlich. Anlässlich des morgigen Derbys hat er Meinungen Schalker Fans zu seinem VfL Bochum gesammelt. Auch mir hat er dazu 7 konkrete Fragen gestellt, die ich ihm gerne beantwortet habe.
Eigentlich wollte ich meine eigenen Antworten auch hier darstellen, da mittlerweile in meinem Blog der Freitag regelmäßig dem nächsten Gegner gewidmet wird und es somit gut gepasst hätte. Mittlerweile denke ich, dass das Quatsch wäre. Im Zusammenhang mit den Antworten der Anderen wird was Größeres draus. Deshalb bleibt es heute an dieser Stelle „nur“ bei einer Leseempfehlung:
Dr. Markus Kern
… ist ein Finanzexperte.
… war als Geschäftsführer der „TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH“ tätig.
… ist als solcher auf eigenen Wunsch zum 30. Juni 2009 ausgeschieden.
… wird am Montag als neuer Finanzleiter seinen Dienst auf Schalke antreten.
Den ersten Punkt sagt man so, ich vermag das nicht zu beurteilen. Die Punkte zwei und drei konnte man erfahren. Der vierte Punkt wurde von Philipp Selldorf in der SZ ganz nebenbei aufgeführt. Wenn ich richtig aufgepasst habe, hat er das exklusiv.
Ma’kucken.
Mirko Slomka: Zweite Chance nach 646 Tagen
Sechshundersechundvierzig Tage nachdem Mirko Slomka den Job bei Schalke 04 quittieren musste hat er einen neuen Trainerposten gefunden. Als Nachfolger von Andreas Bergmann übernimmt er Hannover 96. Ein schwerer Job, in der besonderen Situation des Clubs nach Robert Enkes Tod. Aber überhaupt ein Job, eine Chance, in einem Club den er gut kennt. Ich freue mich darüber und wünsche ihm viel Glück.
Ich bin ein neugieriger Mensch und tatsächlich ärgert es mich, dass ich so viele Dinge um Mirko Slomka, um dessen Vergangenheit auf Schalke, um dessen Rolle im Tandem mit Andreas Müller, nicht einzuschätzen weiß.
Unter Mirko Slomka hatte Schalke 04 in der Saison 2006/2007 eine Weile hervorragenden Fußball gespielt. Dann folgte Fehleinschätzung auf Fehleinschätzung, fast jeder Transfer, Abgänge wie Zugänge, schwächten das Team. Bis am Ende seines Engagements eine Schalker Mannschaft auf dem Platz stand der es augenscheinlich nur noch darum ging, zu Null zu spielen und durch eine Standardsituation ein Tor zu erzielen. Fußballerische Armseeligkeit, furchtbar anzuschauen.
Andreas Müller und Mirko Slomka gaben lange das „moderne Doppel“, augescheinlich als Team funktionierende Trainer und Manager. Wie groß war der Anteil Mirko Slomkas an den katastrophalen Transferentscheidungen? Er bezeichnete Ivan Rakitc bei dessen Verpflichtung als einen pfeilschnellen Spieler, der offensiv überall einzusetzen sei. Wie konnte ein Trainer derart fehlinformiert sein? Er freute sich über die Verpflichtung Albert Streits. Wieso stellte er ihn danach so selten auf? Er galt als smart im Umgang mit den Medien und war doch bei den Journalisten nicht sonderlich beliebt. Er wurde für seine „zu weiche Art“ den Spielern gegenüber kritisiert, holte aber trotz schlechten Fußballs viele Punkte. Fußballdeutschland schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als er auf Platz 3 stehend bei Schalke entlassen wurde; und doch wollte ihn 646 Tage kein anderer Club haben.
Wir werden seine Rolle auf Schalke nicht mehr klären, aber wir werden ihn zukünftig als Trainer besser einschätzen können. Ich denke er ist flexibel genug, um aus Fehlern gelernt zu haben. Wie der Fußball sein wird, den er spielen lässt, wie er Führen wird: Ma’kucken, mich interessiert’s.
Lieber auswärts als Zuhaus’
Sechs Heimsiege gab es am letzten Wochenende zu erleben. Das ist kein Rekord, sechsmal kam es in der Bundesligageschichte bereits vor, dass alle Spiele eines Spieltags von den Heimmannschaften gewonnen wurden. Aber für dieses Jahr, für die Spielzeit 2009/2010, ist das schon viel. Denn bislang zeichnete sich die laufende Saison durch bemerkenswert wenig Heimsiege aus.
Seit Bundesligastart wurden bis einschließlich vorgestern 14.180 Spiele ausgetragen, von denen die Heimmannschaften 7.345 gewannen (51,8%). In der laufenden Saison stehen nach 162 Spielen gerade mal 64 Heimsiege zu buche (39,5%). Über eine ganze Saison mag sich das noch weiter ausgleichen, wenn letztlich auch jede starke Mannschaft gegen jede schwache mal daheim spielen durfte. Um also herauszufinden, ob eine solche Schwankung nach nur einer halben Saison eher üblich ist, habe ich die Spielergebnisse nochmals nach den bisherigen 47 Hin- und Rückrunden getrennt erfasst.
Trotzdem bleibt es dabei: Nur in der Rückrunde der Spielzeit 1989/1990 gab es noch weniger Heimsiege (54) als an den ersten 17 Spieltagen der aktuellen Saison (58). In der Hinrunde gab’s 48 Ausswärtssiege – nur in der Rückrunde der Saison 2006/2007 wurde dieser Wert noch getoppt (51).
Das es so ist, wissen wir nun. Woran es liegt kann man nur vermuten. Dabei wurde dieses Thema in der bisherigen Saison von Trainers schon häufiger angesprochen. Oft auch von Felix Magath. Der Tenor: Weil man sich selbst schwer tue, ein durchschlagendes Angriffsspiel aufzuziehen, sähe man auswärts besser aus, weil man dort eher reagieren könne, da das Heimteam in der Pflicht stünde die Initiative zu übernehmen.
Kann man also an der schlechten Heimsiegquote respektive der guten Auswärtsquote eine spielerische Armut der Bundesliga ablesen? Fällt das Pendel zunehmend auf die Seite des zerstörerischen Fußballs, wird mehr reagiert denn agiert, fehlen gar tatsächlich die „Spielmacher“? Denkt man an Wolfsburgs Offensive im letzten Jahr oder an Bayer Leverkusen in der bisherigen Saison, will man mit dem Kopf schütteln. Denkt man an die Mannschaften in der Tabellenmitte – oder eben auch an Schalke – könnte man diese Tendenz schon eher vertreten. Zumindest kann man drüber nachdenken.

Ausgehalten
Da saß ich dann und hatte wenig Spaß. Zwar hatte ich ein Dach über dem Kopf, kalt war es trotzdem. Und das Spiel schaffte es nicht, mich zu erwärmen. Wäre man zwischendurch eingenickt, man hätte nichts verpasst. Eingenickt bin ich nicht, ich habe trotzdem nichts gesehen was ich nun schönschreiben könnte. Eher gibt es einiges zu meckern. Nur das Ergebnis war zufriedenstellend.
Da freute man sich, dass Alexander Baumjohann verpflichtet wurde, da war man froh, dass Lewis Holtby gegen Ende der Hinrunde fahrt aufnehmen konnte, und dann musste man heute doch wieder Ivan Rakitic ertragen. Ja, er ist auch erst 21. Aber wir haben ihn nun schon so oft gesehen, schon über 60 mal – und es wird eben nicht besser. Man muss geduldig sein. Ich warte geduldig. Auf Alexander Baumjohann, Lewis Holtby, Levan Kenia.
Mal nur gut stehen und glücklich gewinnen gab es schon mal. Schalke stand heute nicht gut. Marcelo Bordon hatte einen schwarzen Tag wie selten. Heiko Westermann hatte einen schwarzen Tag wie allzu oft. Nach 30 Minuten hielt Felix Magath das Duo nicht mehr aus, verschob Westermann nach außen und ließ Benny Höwedes in der Innenverteidigung spielen, der dort deutlich besser zu agieren vermochte. Peer Kluge musste früh verletzt raus, Joel Matip kam spät rein und zeigte doch, wieso er in der Hinrunde seit seinem Debüt stets spielte.
Ja, man muss geduldig sein mit dieser Mannschaft, sie soll sich entwickeln, ich will auch nicht zu arg schimpfen. Aber wenn man sitzt und friert, wenn’s so usselig ist dass nicht mal mehr das Bier schmeckt, wenn einen nichts zu erfreuen vermag, dann bekommt man trübe Gedanken. Da hilft nur noch ein Abwärtsvergleich.
Für Nürnberg war der Spielverlauf natürlich nahezu tragisch. Sie hielten Schalke weitestgehend vom eigenen Tor weg. Sie kamen zu ein paar guten Chancen. Und verloren trotzdem, weil mal Manuel Neuer zu gut war und weil es mal einfach an Glück fehlte. Womit wir beim einzigen Trost des Tages aus Schalker Sicht sind: Wenn schon kacke spielen, dann ist kacke spielen und gewinnen entschieden besser als kacke spielen und verlieren.
„Hecking bedient die Volksseele“
Sonntag geht’s endlich wieder los. Zeit, sich mit dem Gegner, mit dem Club aus Nürnberg zu beschäftigen. Ein neuer Trainer, Gerüchte um Makaay, zwei neue Spieler und der Abgang eines „Häuptlings“: Sieht man von Magaths Entscheidungsfreudigkeit ab ist in Nürnberg noch am meisten passiert. Wie das alles einzuschätzen ist habe ich Alexander Endl gefragt. Alexander macht irgendwie alles und ist irgendwie überall. Ich kenne ihn von Clubfans United, dem besten Blog zum Club.
Es hat sich ja einiges getan, beim Club in der Winterpause. Mit Breno und Ottl wurden zwei Spieler vom FC Bayern ausgeliehen, die man in der Startelf erwarten darf. Dafür ging mit Kluge allerdings auch ein Leistungsträger. Vor allem aber gibt’s mit Dieter Hecking einen neuen Trainer. Was hältst Du von den Verpflichtungen, wie siehst Du Hecking? Was hat er Oenning mehr voraus als nur Erfahrung? Woran machst Du Deine Hoffnungen fest?
Wie sagte das Mario Basler in seiner Hauspostille gerade erst so schön: „bevor die zwei Zivildienstleistenden vom FC Bayern deinen Karren aus dem Dreck ziehen, demonstriert der Schumi für einen auto-freien Sonntag“. Ganz so krass sehe ich das nicht, schließlich traue ich das Schumi zu, aber ich müsste lügen wenn ich behaupte, dass ich diesen Tausch – Ottl gegen Kluge – so er nicht zwingend finanziell notwendig war, wirklich verstehe. Kluge war sicher kein Überflieger, aber einer der wenigen echten Stützen. Dass er gehen wollte verstehe ich sogar, aber dann nicht für die kolportierte niedrige Ablöse – und als Ersatz eine Leihgabe. Und Breno muss sich ja auch erst mal beweisen, was ihm bei den Bayern offenbar bislang nicht gelang. Zudem kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Leihspieler, vor allem Kurzarbeiter mit nur einem halben Jahr Laufzeit, die nötigen 110% anbieten können, die man braucht um rauszukommen. Warum auch? Klappt’s nicht, war halt die Mannschaft zu schlecht und man geht wieder heim ins Nest. Zudem – aber ich will’s auch nicht zu oft noch mal wiederholen – hat sich Ottl mit seiner Aussage vor Saisonbeginn, als der Club schon mal bei ihm anfragte, dass Nürnberg nicht sein Anspruch sei, keinen einfachen Start verschafft …
Hecking sah ich anfangs sehr kritisch, seine Vita, als er meiner Kenntnis nach schon zwei seiner Vereinen selbst verließ um woanders anzuheuern, gefiel mir nicht sonderlich – auch überzeugte mich die Entwicklung in Hannover nicht wirklich. Aber sein Einstand und die ersten Eindrücke waren doch positiv. Was er sagt, klingt gut. Er trifft im Ton eine gute Mischung aus Realismus und Optimismus. Er bedient dabei auch die, die einfach Worte wie „Gras brennen“ und „Kampf bis umfallen“ brauchen, vermittelt aber auch denen, die die Stereotypen nicht mehr hören können, mit vernünftigen Konzepten.
Um ihn mit Oenning zu vergleichen – bzw. was Hecking anders macht oder machen muss – müsste man ausholen. Oenning hatte die richtige Idee, doch die scheiterte am Ende an den Ergebnissen und vielleicht auch an der Mannschaft. Vielleicht geht das Bader/Oenning-Konzept auch gar nicht in einer Zeit, die schnell Erfolge will und vor allem Rückschläge nicht verzeiht. Man wollte ja kein Jugendkonzept nur um der Jugend willen, er hatte die Idee der Schaffung einer strukturellen Änderung im Verein, die unter anderem auf einen guten Unterbau mit eigenen Talenten setzt. Dazu muss man aber auch der Jugend vermitteln, dass der Club eine gute Adresse ist und dies geht am besten, wenn junge Talente in der Bundesliga am Platz stehen. – Hecking will das fortsetzen und das stimmt mich positiv.
Vielleicht hat er einfach ein glücklicheres Händchen oder kann aus seiner längeren Erfahrung die richtigen Schlüsse ziehen. Die Umstellung auf zwei 6er zur Stabilisierung der Defensive klingt Erfolg versprechend. Bringt aber auch nichts, wenn man vorne nicht trifft, ein chronisches Club-Problem seit mindestens 2007.
Was Hecking jetzt schon Oenning voraus hat? Er bedient die Volksseele. Denke, das hat Oenning unterschätzt. Seine ruhige, sachliche Art gefiel mir gut, aber viele Fans wurden fast wahnsinnig darüber, warum man nach einer Klatsche noch sachlich die positiven Seiten referiert. So baute sich im Misserfolg eine Stimmung bei einem Teil der Fans gegen ihn auf – und ich denke auch in der Mannschaft.
Was Hoffnung macht? Dass die anderen auch nur mit Wasser kochen und ich weiter mindestens 8 Mannschaften sehe, die am Ende bedroht sind. Bei einer so geringen Punktausbeute in der zweiten Tabellenhälfte – bis Platz 12 hat man ja noch keine 20 Punkte! – können 2-3 Siege das Bild schnell verändern.
Es wurde ja auch über eine Verpflichtung Roy Makaays spekuliert. Meines Erachtens wäre das für Nürnberg ein riesen Ding gewesen, erstaunlicherweise habe ich in Blogs und Foren von Club-Fans sehr viel Kritik an diesem Vorhaben gelesen. Wenn nicht ein Knipser wie Makaay, wer könnte dem Club sonst helfen? Wenn Du das Sagen und 5 Millionen übrig hättest, wie würdest Du die Mannschaft verstärken?
Ich war zugegeben ein Freund der Idee – aber heulte jetzt auch nicht ins Kissen als es sich als Ente entpuppte. Makaay hätte in jeden Fall mal einen Respektsbonus beschert und einen Schub gegeben. Aber wir hatten das ja schon probiert auf die Art mit einem Koller vor dem letzten Abstieg … Schlägt Makaay nämlich nicht gleich ein, hat man erst Recht ein Problem und noch mehr Unzufriedene im Kader. Und eine Garantie für Makaay gibt es eben nicht – er war sicher mal herausragend, aber das zeigte er auch zuletzt in Rotterdam nicht.
Wenn ich mal Manager mit 5 Millionen spielen dürfte und mal ganz davon abgesehen, dass man einen Spieler dann auch noch bekommen müsste, dann würde ich in der Tat auch noch nach einem 6er Ausschau halten, der dann aber verpflichtet werden müsste. Auch die Idee einen Innenverteidiger zu holen fand ich nicht schlecht, aber eine solide Verpflichtung statt Jungstar-Ausleihe (Breno) wäre mir lieber gewesen. Die Skibbe-Idee, einen Lincoln nach Frankfurt zu holen, also einen wirklich exponierten kreativen Künstler, fand ich gut, wäre aber ein ganz anderer Weg gewesen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass 5 Millionen zwar viel Geld sind, im Fußball aber nichts Gravierendes ändern können. Die Mannschaft muss insgesamt und strukturell auf ein höheres Level geführt werden, also packt man das Geld am besten in die Nachwuchsarbeit und versucht jetzt erst mal mit dem vorhandenen Material auszukommen. Man hat doch viel Talent im Kader, wie Gündogan, Diekmeier, Bunjaku oder Frantz, und es braucht eben Arbeit und Geduld um das zu entwickeln und ein Team zu formen.
In einen Interview sagte Dieter Hecking, die Mannschaft hätte viele Kontertore kassiert nachdem sie zu weit aufgerückt war. Er sprach davon, die Defensive stärken zu wollen, von einem System mit Doppel-6. Ob er sich wohl in die Liga festmauern will? „Nurnoch“ reagieren statt zu agieren? Wie glaubst Du wird der Club auf Schalke auftreten?
Hecking sagte aber auch, dass defensiv stehen keine Spiele gewinnt und man vor allem schneller Umschalten muss nach Balleroberung. Ich teile die Ansicht, dass wir vor allem mal erstmal defensiv stabiler werden müssen und konzentrierter spielen. Nach dem Versuch am Anfang der Saison die Bundesliga im Sturm zu erobern, hat der Gegner bspw. auf der Diekmeier-Seite einfach die Lücke erkannt und ausgenutzt. Diese Balance zwischen Offensivdrang und Defensiv-Absicherung wurde nicht gefunden und wenn man dann mal 2 Buden kassiert hat und paar Niederlagen im Gepäck, verlor die Mannschaft vollends Konzept und Glauben. Apropos Glauben: Fußball ist eben auch sehr Kopfsache und Hecking sagte zu Recht, dass man selbst und der Gegner wieder das Gefühl bekommen muss, dem Club reicht ein Tor zum Sieg. Die Auswirkungen wären wichtig, denn das verunsichert auch den Gegner. So hatte bspw. Dutt mit Freiburg trotz größter Personalsorgen einfach mal stürmisch begonnen – frei nach dem Motto: Falls wir ins Messer laufen und einen kriegen, was soll’s, es geht bestimmt noch was. Nach dem Tor stellten sich die Freiburger dann hinten rein und dachten sich: Bevor die ein Tor machen, schießen wir eher das zweite. Das muss bei uns insgesamt anderes werden.
Auf Schalke wird der Club defensiv beginnen und genau das versuchen umzusetzen, was Hecking vorgab. Also eher weniger Ballbesitz, sondern nach Balleroberung mit wenigen Pässen schnell über die Außen nach vorne. Und bei Ballbesitz Schalke abwarten und die Räume zustellen, aufrücken lassen und dann auskontern. Witzigerweise hat Magath uns irgendwie genau so den Saisonstart versaut.
Von wegen Magath, zum Schluss noch zu meinem Club. Wie siehst Du derzeit Schalke 04? Und wie erlebst Du die Fanfreundschaft, erlebst Du sie überhaupt?
Vorweg: Chapeau! Ich ziehe meinen Hut vor Magath. Was der zur Zeit anfasst klappt einfach – und es ist kein Zufall, sondern Arbeit mit Konzept. Aber ein Teil seines Konzepts ist auch die Mannschaft nach seinem Willen komplett umzustellen. Dass er das parallel zum aktuellen Erfolg wagt und angeht, ist riskant und das macht man nur, wenn man vor Selbstbewusstsein strotzt. Ob es gut geht, wird man erst am Ende der Saison wissen.
Aber ich muss auch schon kritisch sagen, dass Schalke durch den Sponsoren-Einfluss ganz viel Charme verloren hat. Die Wahrnehmung als russischer Werbeträger ist ein hoher Preis für den Erfolg. Zudem – ohne davon Ahnung zu haben – reiben wir uns schon in Nürnberg die Augen, warum ein angeblich derart hochverschuldeter Verein dem Club die Spieler wegholen kann. Diese Finanzakrobatik ist bei uns in Nürnberg trotz easy-credit-Stadion noch nicht angekommen.
Die Fanfreundschaft ist davon weitgehend unberührt, denn da geht es nur um die Menschen, die Fans. Hier sah ich bis vor 2 Jahren noch das Ende kommen, einfach weil solche Fanfreundschaften irgendwie nicht mehr in die Zeit passen und sich verlieren. Aber der Zufall wollte es, dass ich das letzte Spiel der Abstiegssaison, als wir einen Sieg gegen Schalke brauchten um nicht abzusteigen, in meinem Nürnberg im Schalker Gästeblock erlebte. Die ganze Atmosphäre dort, der gegenseitige Respekt, die fast familiäre Liebe zum Fußball und seinen Verein verbindet doch ungemein. Sicher ein Kontrastprogramm zum modernen Erfolgs-Fan oder mit schwarzer Kapuzenjacke vor Megafon, eher wie ein großes Zeltlager unter Freunden und Bekannten. Da wusste ich, dass die Fanfreundschaft Schalke und FCN noch lange nicht am Ende ist – zumindest bei den ganz normalen Fans.
Vielen Dank für den Einblick! Ich denke auch, dass die Fanfreundschaft weiterhin bestand haben wird. Ungeachtet alberner Stimmungsmache in Fan-Foren hat dieses Heimspiel doch einen eigenen, friedlicheren und offenen Charakter. Das einzige Heimspiel, in dem man auch im Unterrang der Arena die ganze Runde laufen kann, weil nichts abgesperrt werden muss.
Ich wünsche Dir und dem Club also alles Gute, bin aber egoistisch genug als dass ich hoffe, dass der sportliche Aufschwung Nürnbergs erst am 19. Spieltag beginnt.
Glück auf.
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