Artikel im Januar 2010

Über Kultur, Ruhrgebiet und Fußball

Schalke 04 ist ein außergewöhnlicher Verein, was die Fans anbelangt. Und das sage ich als Dortmund-Fan. Ich glaube es gibt keinen Verein in Deutschland, mit dem sich die Fans dermaßen identifizieren, wo dermaßen das Herzblut dranhängt, wie in Gelsenkirchen beim FC Schalke 04.
Man sieht das sofort, wenn man nach Gelsenkirchen reinfährt. Das dauert nicht lange, nach 100 oder 150 Meter sieht man die ersten Schals in den Fenstern oder Fahnen an den Fensterbänken runterhängen. Das sieht man sonst nirgendwo.

Uwe Lyko ist Herbert Knebel. Er wurde in Duisburg geboren. Er ist Fan von Borussia Dortmund. Derzeit agiert er für die Stadt Essen im Rahmen der RUHR.2010 als Kulturbotschafter. Als solcher war er Gesprächspartner in der WDR 2-Sendung „Sonntagsfragen“ und sprach die oben zitierten Sätze.

In dem Interview geht es auch um Fußball, viel mehr aber ums Ruhrgebiet als solches. Darüber wird jetzt eben gesprochen, und Uwe Lyko erzählt wie er es erlebt. Oft entspricht es den gängigen Klischees, und jedes Mal entschuldigt er sich fast dafür, bemerkt immerwieder, dass das mit Romantik nichts zu tun hat, macht deutlich, dass es durchaus scheiße war, wenn bei Thyssen in Bruckhausen der rote Staub aus den Schornsteinen kam.
Besonders gut gefällt mir die Stelle, an der er darstellt, dass Ruhrgebiet nicht gleich Ruhrgebiet ist. Die Stadt Hamm zum Beispiel kann man dazu zählen, muss man aber nicht. Er unterscheidet die Regionen mittels ihrer Sprache und hat recht damit.

Es geht um Kultur. Fußball ist Kultur. Es geht ums Ruhrgebiet. Nirgends ist mehr Fußball. Deshalb passt das auch hier hin.


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(23:17 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed

In der WDR 2-Reihe „Kabarett“ gibt es Herbert Knebel jeden Dienstag zu hören. Die Folge von vorgestern gibt es hier. Den Feed gibt es hier.

Die von hier wech sind

Und, wo bis Du wech? Ich bin aus Duisburch, und Du? Aus Gelsenkirchen. Na, dat is ja nich so weit. Nä, dat is hier allet nich so weit.

Felix Magath hat Alexander Baumjohann nicht geholt, weil er Schalker ist. „Baumi“ ist noch jung, hat sein Talent bereits in Gladbach unter Beweis stellen können und war relativ günstig zu haben, weil er unbedingt aus München weg und Van Gaal seinen Kader verkleinern wollte. Felix Magath hat Tim Hoogland nicht verpflichtet weil er Schalker ist. Er hat ihn geholt weil er sich in Mainz toll entwickelt hat, weil er die ganze rechte Außenbahn besetzen kann, weil er Ablösefrei zu haben ist und für ihn ein Wechsel zurück zu S04 trotzdem wieder einen Aufstieg bedeutet.

Ich will keine Profis, die von „Herzenssache“ in Bezug auf ihren Arbeitgeber sprechen. Das ist mir zu dick aufgetragen. Je nach Angebotslage wechseln Profis den Verein, sie verkaufen sich, das ist ihr Job und das darf so sein. Und dennoch ist es schön welche von hier wieder da zu haben. Tim Hoogland ist in Marl geboren, Schalkeland. Alexander Baumjohann kommt aus Waltrop, da ist nur Dortmund näher dran, aber die sind für unsereins keine Option. Beide spielten ab der U19 für Schalke. Die brauchen sich nicht eingewöhnen, die sind hier zu Hause.

Heiligsprechung in Aussicht

Felix Magaths Ruf ist auf einem Höhepunkt angelangt. Sein Tun wird nicht mehr nur von den eigenen Fans, sondern längst allgemein anerkannt. Das scheint ihm nicht zu reichen. Jetzt versucht er sich an einem Wunder:

Ich war richtig überrascht. In seinem ersten Training hat er einen guten Eindruck hinterlassen. Dass Zé ein guter Fußballer ist, war mir vorher zwar bewusst, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass er im Training sofort eine gute Rolle spielt und seinen Rhythmus findet. In seiner Mannschaft hat er sogar das Tempo vorgegeben. Ob er am Sonntag gegen Nürnberg zum Kader gehört, weiß ich aber natürlich noch nicht.

[Zitatquelle: S04 HP]

Durch Europa ins „Freudenhaus“

Gewinnen ist toll. Im Frühjahr 2008 schlenderte ich gerade durch die City meiner Heimatstadt, als mein Mobiltelefon bimmelte. Meine Frau war dran, wir hätten ein Einschreiben von der Lotterie bekommen, ob sie es mal aufmachen solle. Sicher! Seit Jahren habe ich zwei Dauerlose bei dem was früher „Aktion Sorgenkind“ hieß und heute irgendwie anders heißt. Da wo man ein Haus gewinnen kann. Oder eine Million in bar. Oder ein paar tausend Euro monatlich. Mein höchster Gewinn bis dato waren 10 Euro. Ja, sicher soll sie das Ding aufmachen, und zwar flott!

Wir gewannen eine Zugreise. Keine Million. Aber gewinnen ist toll. Es war eine Sonderziehung, Hauptgewinn war eine Reise im „City Night Line“-Zug der Deutschen Bahn. Den Starttermin konnten wir uns aussuchen, wir entschieden uns für Juli, die Route war festgelegt. In Köln würden wir starten. Abends. Und die Nacht durch Richtung Kopenhagen fahren. Dort hatten wir den Tag für uns und abends ging es wieder in den Zug, schlafenderweise zu einer anderen Großstadt. Kopenhagen, München, Berlin, Paris, Hamburg, Zürich. In München zwei Übernachtungen in einem netten Hotel, ansonsten jede Stadt jeweils für einen Tag.

In Berlin saßen wir morgens gegen halb sieben am Brandenburger Tor ziemlich alleine. In Kopenhagen haben wir uns die Füße plattgelaufen, weil wir dachten wir sollten zur Meerjungfrau pilgern, die aber doch weiter entfernt als angenommen war. Paris war einen Tag vor dem Nationalfeiertag ein völlig versperrtes Labyrinth. München war herrlich entspannt – toll wie viel Freizeit drei Tage sein können. Zürich, sonnig und nobel, wunderschön den Spyri-Steig hinauf, und wenn man schon mal da ist, zieht man die Frau auch noch bis zur „Fifa-Straße“, bis zu Blatters Palast, der dem Vorbeischlendernden aber nur einen dürftigen Blick gewährt.
Hamburg war auch sehr schön und entspannt. Wo wir genau überall waren wissen wir nicht. Das Aussuchen von Sehenswürdigkeiten als Ziele haben wir nach dem Meerjungfrauengelatsche sofort ad acta gelegt. Fortan bummelten wir weitestgehend ziellos oder kreuzten mit der U-Bahn über den Plan. Das war in Hamburg nicht anders. Auch so kamen wir irgendwann an die Landungsbrücken. Und dann lotste ich meine Frau Richtung Heiligengeistfeld, Richtung Stadion, ich wollte ma’kucken.

Auch im Sommer 2008 war das Millerntor-Stadion eine Baustelle. An welcher Ecke wir ankamen weiß ich nicht, jedenfalls stand uns nichts im Weg und wir gingen stetig auf das Stadion zu. Ein Bauwagen ohne Arbeiter. Rechts und links Zäune, vor uns keiner. Und ohne um irgendetwas herumgegangen zu sein, ohne irgendwas beiseite geschoben zu haben, standen wir plötzlich drin.
Wir setzten uns, legten ein Päuschen ein. Es war ein schöner, sonniger Tag. Was macht man in einem leeren Fußballstadion? Nichts. Wir haben nur dagesessen und ich habe mir überlegt, wie es hier wohl sonst so ist. Alles war irgendwie zu alt oder noch zu neu. Trotzdem gab es einem dieses Gefühl von früherem Fußball. Alles irgendwie weniger perfekt, weniger Show. Mehr im Leben. In viel größer kann es das wohl nicht geben. Schön, nicht vom Aussehen sondern vom Gefühl her.

Daran habe ich mich gestern erinnert, als ich mir im Fernsehen dieses schlechte Testspiel meiner Knappen beim FC St. Pauli angeschaut habe. Usselige Bilder, man fror sogar daheim auf der Couch. Vielleicht waren es aber auch die Fehler der Schalker Spieler, die mich schaudern ließen, ich weiß es nicht. Ein Spiel habe ich vor Ort, im Millerntor-Stadion noch nie gesehen. Vielleicht gelingt mir das ja noch mal. Gerne wenn wieder Sommer ist. Dann zahle ich auch Eintritt.

Königsblog nun auch mit Mobile-Theme

Dieses Blog ist nun auch via iPhone einigermaßen smart zu verfolgen. Für mich eine weitere, langsam Einblick gewährende Parallelwelt. Schuld daran ist Ossi.

Ich bin relativ zurückhaltend, was Hypes, Neuerungen und auch Veränderungen an meinem Blog angeht. Konservativ? Vorsichtig? Never chance a running system. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu faul.
Als ich mich kürzlich mal wieder dazu aufraffen konnte, die Software dieses Blogs zu aktualisierten, meldete er sich wieder. Ossi ist vom Schalker Supporters Club und ein Twitter-Kontakt von mir. Nicht zum ersten Mal machte er mich darauf aufmerksam, dass es mal an der Zeit wäre …

Diesmal war sein „Nerven“ erfolgreich, und es tat auch gar nicht weh. WPtouch ist ein Plugin für WordPress, für eben diese Software, die meinem Blog zu Grunde liegt. Nach dem Aktivieren erscheint eine Seite mit Einstellungen, auf der auf simpelste Art und Weise das Aussehen des Blogs auf dem iPhone festgelegt werden kann. Und schon sieht das Blog auf allen „touch mobile devices“ so aus wie auf der Darstellung links. Für Ossi und alle, die es mal auf meine Seite verschlägt. Ich selbst habe so’n Ding (noch) nicht.

Das Gleiche in grün

Ein Ultimatum. Mesut Özil soll sich entscheiden, ob er seinen laufenden Vertrag verlängern will oder nicht. Man verlangt ein „Bekenntnis“ zum Verein. Ungefähr anderthalb Jahre vor Ablauf des aktuellen Vertrags. So gab es das schon mal, in blau.

Was damals genau abgelaufen ist, zwischen dem damaligen Schalke-Manager Andreas Müller, Mesut Özil, dessen Vater und Berater Reza Fazeli, wieso die Bild-Zeitung stets so flott informiert war, wer ihr den für Mesut Özil vorbereiteten Vertrag gesteckt hat, es wird nicht mehr herauskommen. Angeblich hatte Mesut Özil per Handschlag sein Bleiben besiegelt. Angeblich hat er sich später, im Verbund mit Vater und Berater, davon distanziert. Angeblich war Andreas Müller darüber so entzürnt, dass er sich stark gab und den Spieler suspendierte. Andreas Müller und Klaus Allofs einigten sich auf eine für den damaligen Mesut Özil angemessene Ablösesumme, fortan spielte er für Werder Bremen.

Im Schatten Diegos konnte Mesut Özil ein Jahr lang ungestört wachsen. Sehr gut für ihn, ein Schatten den er auf Schalke nicht gehabt hätte. Im nachhinein wurde immer öfter und immer heftiger mit dem Finger auf Schalke, auf Andreas Müller gezeigt. Er hätte dieses große Talent nicht ziehen lassen dürfen. Sicher, Andreas Müller hätte smart statt bott reagieren sollen. Dass er hätte mit Mesut Özil verlängern können, glaube ich nicht.

Es macht überhaupt keinen Sinn, zwischen Mesut Özil selbst, seinem Vater und seinem Berater zu unterscheiden. Das „netter Mesut, böser Berater“-Spielchen ist unfug, weil am Ende eine Entscheidung steht. Diese Entscheidung kommt aus diesem Verbund, von wem auch immer, und es ist die Spielerseite, die eine Entscheidung fällt. Diese Seite, nennen wir sie einfach Mesut Özil, sitzt am längeren Hebel. Mögen sich der unerfahrene Andreas Müller oder der erfahrene Klaus Allofs wie Rumpenstilzchen zerreißen, oder auch nicht.

Mesut Özil ist gut und wird vermutlich noch besser. Er wird bei der Weltmeisterschaft in der deutschen Nationalmannschaft im Schatten Ballacks weiterwachsen, kann auf der größten Bühne seines Sports die Blicke auf sich ziehen.
Löw wird ihn bringen, Özil wird glänzen, Deutschland wird – wie immer – weit kommen, die besten Clubs Europas werden ihn haben wollen. Das ist Mesut Özils Plan. Und die Chancen, ihn in die Realität umzusetzen, stehen gut.

Gibt es auch nur einen guten Grund für Mesut Özil, sich innerhalb der nächsten 10 Wochen dazu zu entscheiden, sich über 2011 hinaus an Werder Bremen zu binden? Nein. Aus Spielersicht bieten lange Vertragslaufzeiten Sicherheit. Özils Sicherheit ist sein Talent. Er ist seinem Streben nach der großen Karriere verpflichtet, einem Club stets nur zeitweise. Er ist modern. Er ist der Miet-Mesut.
Manager mögen das nicht. Ihnen droht der Wert des Spielers verloren zu gehen. Fans mögen das nicht. Zwar hat man sich an Spielerwechsel im Profigeschäft gewöhnt, dass aber ein Spieler nicht im hier und jetzt des Clubs denkt, sondern sein eigenes weiterkommen, sein eigens fortkommen plant, wird als Gegenteil von Leidenschaft erachtet. Miet-Mesut kann es egal sein, er verhält sich durchaus redlich. Die Zeiten sind eben so.

Timing ist alles

Im Vorfeld der Pokal-Begegnung gegen Schalke war ich zu einer von Uli Potofski moderierten Sendung beim Lokal-Sender „NRW.TV“ eingeladen. Abseits der Kamera hat mich Potofski beim Plaudern gefragt, was ich mir vom Schalke-Spiel erhoffe, und ich habe geantwortet: „Super wäre es, wenn ich mal in einer Profi-Mannschaft hospitieren könnte.“
Nun ja, einige Tage später, kurz vor dem Pokal-Spiel, hat mich Potofski noch einmal angerufen und mir gesagt, dass ich meinen Wunsch unbedingt im Fernsehen wiederholen soll. Während der Live-Übertragung von SKY stand ich also zusammen mit Felix Magath für ein Doppel-Interview vor der Kamera – und Moderator Patrick Wasserziehr hat mir tatsächlich die gleiche Frage wie Potofski gestellt. Ich habe daraufhin allen Mut zusammengenommen und Felix Magath erzählt, dass ich nichts lieber als ein Praktikum auf Schalke machen würde. Zum Glück hat er ja gesagt.

So erklärte Michael Boris, Trainer des NRW-Ligisten Germania Windeck, dem Webportal Spox die Vorgeschichte zu dem bemerkenswerten Interview, das so viele Schalker live miterlebt haben. Er bekam sein Praktikum. Zum 31.12. kündigte er in Windeck. Heute leitet er erstmals das Training der zweiten Mannschaft des FC Schalke 04.