Dagegen. Trotzdem.

Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Nach jeder spielentscheidenden, eindeutig falsch gefällten Entscheidung eines Schiedsrichters schreit halb Fußballdeutschland nach „technischen Neuerungen“. Halb Fußballdeutschland? Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Der lautere Teil, jedenfalls. Dabei wurden alle Argumente bereits zigfach ausgetauscht. Aber wenn gekräht wird, muss eben zurückgekräht werden. Und obwohl es nun meinen Verein erwischt hat, bin ich weiterhin gegen die Installation jeglicher Entscheidungsautomaten.

Es ginge ohne weiteres, wäre technisch kein Problem, Schalke hätte 2 Punkte mehr und ein Profi der dagegen ist, ist ein Amateur.

Natürlich ginge es technisch ohne weiteres, aber würde alles gemacht was ginge, hätte Schalke vielleicht schon gegen Hoffenheim 2 Punkte weniger eingefahren. Denn mit selbem Recht und gleichen Argumenten hätte man auch die Überprüfung der strittigen Strafstoßentscheidung im Spiel gegen Hoffenheim fordern müssen. An jedem Wochenende beeinflussen die Entscheidungen der Schiedsrichter Spielrrgebnisse auf sehr direkte Art.

Konsequenz wäre irgendwann ein Spiel ohne Schiedsrichter, beäugt von zahllosen Kameras und Scannern rund ums Spielfeld, bei dem ein datenlesender Ball auf Nanotechnologie-Kunstrasen von chip-bewehrten Fußballschuhen getreten wird. Ein Mega-Computer würde alle Daten auswerten, bei Foul, Abseits, Schwalbe oder Tor per Lautsprecher-Pfiff einschreiten und seine Entscheidung auf der Video-Leinwand kundtun. Die Folge: ein fehlerlos bewerteter, aber auch arg seelenloser Kick.

… schreibt Thomas Mewis sehr richtig in der Mainpost.

Nein, rufen die Torkamera-Befürworter, das ist doch alles übertrieben, alles Quatsch. Es geht doch nur um die Torentscheidungen, alles andere soll doch so bleiben. Und ich antworte: Ich glaube Dir Deinen guten Willen, aber ich halte Dich für naiv. Erkläre Deine eingeschränkte Vision doch mal den Iren.



19 Kommentare zu “Dagegen. Trotzdem.”

  1. Tor Hinter sagt:

    Ich stimme zwar Deiner Annahme der „Seelenlosigkeit“ bei mehr Technikeinsatz nicht zu, verstehe aber (glaub ich) was Du meinst.

    Aber keins Deiner Argumente spricht wirklich gegen den Einsetz zweier Hintertorschiedsrichter (so wie es bei der Champions/Europa League ja schon gemacht wird). Das der in Freiburg etwas unglücklich postierte Linienrichter den Ball nicht richtig gesehen hat – geschenkt, das wäre fast übermenschlich. Aber ein direkt neben dem Tor postierter zusätzlicher Offizieller hätte da schon bessere Chancen. Und die Iren wären möglicherweise auch in Südafrika dabei. Mal vollkommen davon abgesehen das vielleicht endlich dieses unwürdige verdeckte Gezerre/klammere/grapsche im Strafraum bei Ecken und Freistößen abnimmt.

  2. realhuette sagt:

    Ihr habt Angst, dass das Fußballspiel seine Seele verliert, wenn regelgerechte Tore auch gegeben werden? In einem Spiel, bei dem man zum Jubeln noch nicht mal mehr das Trikot ausziehen darf?
    Ich weiß ja nicht…

  3. Andre sagt:

    Ich finde das mit den Kameras oder Torrichtern (wie hätten die das am Samstag besser entscheiden sollen?) ähnlich unsinnig wie du. Aber was spricht gegen ein Chip, der ein vollumfängliches Überschreiten der Torlinie signalisiert? Soweit ich weiß wäre dies technisch umsetzbar. Da man hier des Öfteren an die Grenzen der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit stößt, aber eigentlich nichts im Spiel so essenziell ist wie die Frage Tor oder nicht Tor sollte man hier nicht zurückschrecken. Zumal hier auch keine subjektiven Erwägungen eine Rolle spielen wie etwa bei einem Handspiel im Strafraum oder sowas, die auch mit Kameras oder Zusatzschiedsrichtern nicht immer zweifelsfrei aufgelöst werden können. Entweder der Ball ist drin oder nicht, leider lässt sich dies bloß von mehr oder weniger weit weg stehenden Unparteiischen nicht immer erkennen.

  4. SimSch04 sagt:

    Eine Kamera ist, wie du beschrieben hast, eher eine suboptimale Lösung. Mein Vorschlag: Jeder Trainer darf pro Halbzeit einmal „challengen“ wie im American Football. Dann geht der Schiri zu nem Bildschirm und guckt sich die Szene nochmal aus ner andern perspektive in Slow-Mo an und fällt dann die entscheidung ob Tor oder nicht Tor, Elfer oder nicht Elfer, Rot oder nicht Rot, Abseits oder nicht Abseits.

  5. derwahrebaresi sagt:

    @simsch04: jeder einmal pro halbzeit ?
    das würde im zweifelsfall nicht ausreichen und ist daher m. e. keine option.
    ferner kann man m.m.n. fussball nicht mit american football vergleichen !

  6. wilbor sagt:

    @Andre: Also wenn am Samstag ein Torrichter direkt neben dem Tor gestanden wäre, dann hätte er es auf jeden Fall gesehen. Wieso eigentlich nicht?

  7. realhuette sagt:

    Man muss es ja nicht gleich übertreiben. Chip, Kamera, Challenge. Vielleicht noch timeouts ;)
    Aber zwei Torrichter? Warum nicht! Könnte man doch auch in der Buli eine Saison lang ausprobieren. Wenn dann weiterhin Tore wie das vom Samstag übersehen werden, schafft man sie halt wieder ab.

  8. van Hold sagt:

    Wenn die Hintertorschiedsrichter sich nicht nur auf die Entscheidung Tor/Nicht-Tor beschränken würden, wäre die wohl sinnvoll. Aber so weit ich weiß, dürfen die im Moment so Szenen wie bei den Iren oder auch Hoffenheim gar nicht entscheiden… und dann find ich, kann man auch ganz drauf verzichten. Das lohnt sich nicht, wenn alle 10 bis 20 Spiele mal EINE strittige Torszene auftaucht.

  9. derwahrebaresi sagt:

    @van hold

    Via Funk wird der Schiedsrichter über alle Vorgänge informiert, die er eventuell nicht gesehen hat. Er bleibt jedoch weiterhin der Alleinverantwortliche und die einzige Person mit Entscheidungsgewalt.

  10. Manfred sagt:

    Vielleicht etwas offtopic, dennoch:
    Mir fällt bei solcher Sau durchs Dorf-Treiberei immer wieder American Football und das zur regelgerechten Ausführung selbigen Spektakels benötigte 6bändige Lexikon ein, zu dessen Umsetzung dort wieviele Herren in Sträflingskleidung auf dem Feld und drumrum rumeiern, damit ein Spiel, was netto 60 Minuten dauert, auch ja bald 4 Stunden und mehr braucht?
    So, den Blogeintrag habe ich auch noch gefunden, ich quote mal:
    American Football hat angeblich 83 unterschiedliche Strafen im Regelwerk verankert. Fußball kennt angeblich 17 unterschiedliche Fouls (So steht das in dem Artikel, gemeint sind wohl die 17 Regeln, mit denen das Spiel auskommt).
    (Hier gefunden: http://american-arena.blogspot.....irnen.html )
    Braucht kein Mensch, weder die Sportart, noch den Regelberg. Meine Meinung. Und Torrichter sind wieder ‚nur‘ Menschen, alles wie gehabt.

  11. mars (spielbeobachter) sagt:

    Das ist der Blogbeitrag, den ich noch schreiben wollte.

    Schiedsrichterfehlentscheidungen gehören für mich ebenso zum Fußball wie die anschließenden Diskussionen darüber. Wehret den Anfängen.

  12. Torsten Wieland sagt:

    Braucht kein Mensch, weder die Sportart, noch den Regelberg. Meine Meinung. Und Torrichter sind wieder ‘nur’ Menschen, alles wie gehabt.

    Ich mag American Football und verstehe auch die Regeln. Was es meines Erachtens aber wirklich nicht braucht, und da fühle ich mich bei Dir, ist der ewige Vergleich zwischen den Sportarten.

    Nur weil irgendwas irgendwobei funktioniert, muss es noch lange nicht in allen Fällen gut sein. Football wird alle Nase lang unterbrochen, da gehört eine angehaltene Uhr, da gehören Time-Outs dazu, da passt eine Challange hin.

    Im Fußball kämen Trainer schon im ersten Spiel auf die Idee, im abwegigen Situationen eine Challange zu verlangen, um das gegnerischen Spiel zu unterbrechen. Und man könnte nichtmal ein Time-Out abziehen …

  13. Guido sagt:

    Also ich finde, es ist nicht der Schiedsrichter, der die Seele ins Spiel bringt. Das Szenario ohne Schiedsrichter, alles nur noch über Technik, finde ich nicht wirklich abschreckend. Dann würden wohl auch das wirklich nervige und wirklich seelen- und vervraubene Gefalle nach Anpusten aufhören.
    Übrigens nach Aussage eines meiner Kollegen aus den USA der Gund dafür, dass Fußball in den USA nicht so beliebt ist (und das hat jetzt mal nix mit Footbal zu tun, Basketball ist ja auch beliebt da). Die lachen sich da kaputt, wenn die sehen, wie ein Rafinha sich fallen lässt.

  14. Manfred sagt:

    Mir geht es nur darum: je einfacher und übersichtlicher die Regeln, desto einfacher und übersichtlicher das Spiel. Und ich mag AF nicht die Bohne, mir ist da Rugby 1000x lieber (Union, um genau zu sein). Aber ich schweife ab. Jede weitere Regel zerstört meiner Meinung nach den Fußballsport ein bißchen, jedes weitere Entwerten der Tatsachenentscheidung ebenso. Schrirs machen Fehler, Spieler machen Fehler, alle machen Fehler. So what?

  15. Nick sagt:

    An die Technikbefürworter: Was macht man denn, wenn die Technik mal offensichtlich fehlerhaft funktioniert (Beispiel Chip im Ball)? Dann schaut man doch ewig Zeitlupen an oder das Spiel muss hinterher am grünen Tisch entschieden werden.

    Sollen doch lieber die Menschen weiter Fehler machen. Das hundertprozentig korrekte Spiel würde es nicht mal geben, wenn andauernd unterbrochen wird. 2 oder 3 Unterbrechungen zu gestatten wäre dagegen willkürlich – das könnte in einem Spiel ausreichen, in einem anderen viel zu wenig sein.

  16. Ollis (Gekicke.com) sagt:

    Ich sehe schon die ersten Magneten auf die Spielfelder fliegen, um die Elektronik im Ball zu stören ;)…

    Wahrscheinlich würde das Ganze auch ans Internet angeschlossen um es mit DFB-Servern abzugleichen. Wird bestimmt ein interessantes Derbie, wenn Dortmunder (oder Schalker) Fans diese Rechner haken und versuchen die Sensoren zu manipulieren ;)…

    Ich übertreibe bewusst, ist schließlich auch schon spät…

  17. Jürgen Kalwa sagt:

    Fußball kommt seit vielen Jahrzehnten sehr gut ohne dieses ständige Basteln an den Fransen des Regelwerks aus. Aber bitte sehr: Der Elfmeter war auch nicht gleich Teil des Spiels. Der wurde erst später eingeführt, als man erkennen musste, dass es im Strafraum eine drakonische Strafe braucht, um das Schlimmste zu verhindern. Die inzwischen etablierte Torhüter-Rückpass-Regel hat sich ebenfalls bewährt. Mit anderen Worten: Es kann Situationen geben, in denen eine intelligente Lösung eines Problems gebraucht wird. Spielunterbrechungen tun Fußball nicht gut. Aber Torrrichter wie es sie auch im Eishockey gibt (wo Sie mit einer Lampe arbeiten), würden den Laden nicht aufhalten. Die Spieler selbst verplempern soviel Zeit mit ihrer Pseudo-Euphorie nach einem Tor. Da stört es nicht, wenn eine legitime Instanz von außen Hilfestellung gibt. Übrigens möchte ich an dieser Stelle noch gerne los werden, was ich mir wünsche: Gelbe Karten für Leute, die die schnelle Ausführung eines Freistoßes verhindern, in dem sie sich in der Nähe des Balles aufbauen. Und zwar jedes Mal. Ohne Verwarnung. Schluss mit diesen Faxen. Sie widersprechen den Regeln und dem Geist des Spiels. Warum sollte der belohnt werden und seine Verteidigung organisieren können, wenn er wegen eines Regelverstoßes bestraft worden ist?

  18. Andre sagt:

    @Jürgen Kalwa – Gelbe Karten für Freistoßverzögerung: Amen! Steigerung: Torwart wirft sich nach Gegentor noch auf den Ball um den Wiederanstoß um 5 Sekunden hinauszuzögern. Es gibt kaum eine offensichtlichere Unsportlichkeit, bestraft wird sie aber nie.
    @wilbor – Torrichter am Samstag: Ein Torrichter steht doch auch 2 bis 10 Meter weg und dann ja auch immer schräg zur Torlinie, damit der Pfosten nicht die Sicht blockiert. Ergo wird er wenn der Ball vielleicht nur 2 cm hinter der Linie auftrumpft evtl. eher auf kein Tor entscheiden, da er aus seiner Perspektive die Linie noch berührt hat. Von der Geschwindigkeit der Aktion mal ganz abgesehen, oder auch einem zurücktaumelndem Torwart, der die Sicht gänzlich blockiert.
    Irgendwer hatte auch mal gut das Argument angeführt, dass mehr Leute auch immer zu Verantwortungsdiffusion führen. Genauso wie wenn viele Leute ein Verbrechen mit ansehen, dann traut sich keiner einzugreifen, weil alle davon ausgehen, dass jemand anders schon was machen wird (hier: es sicher besser gesehen hat). Siehe etwa Europa League, wo die Strafraumschiedsrichter doch nicht mal offensichtlichste Handspiele erkennen oder zwischen Ecke oder Abstoß entscheiden konnten. Mehr Schiedsrichter braucht kein Mensch.

  19. hellwach sagt:

    Ich war 1966 beim Finale gerade neun Jahre alt geworden und habe geheult, wie ein Schlosshund und auch noch Tage nach dem Finale geweint. In den 43,5 Jahren danach habe ich noch viele Fehlentscheidungen gesehen. Von der Kreisklasse bis zur WM. Fehlentscheidungen und die Hand Gottes, die vielleicht einen weiteren Stern auf dem Bundestrikot verhindert hat. England liegt uns ja seit 72. (Im Finale gegen Argentinien hat übrigens ein gewisser Felix Magath mitgekickt)

    Ich kenne keine Statistiken darüber, wie viele dieser Fehlentscheidungen mit dem Wembley- (oder Freiburg-) Tor vergleichbare Situationen betrafen. Es waren in jedem -also auch dem besten- Fall lediglich Bruchteile. Es ergeben sich in jedem Spiel etliche strittige Entscheidungen, vom Begünstigten eines Ausballes, wem also steht der Einwurf, die Ecke bzw. der Abschlag zu, über Foulspiel, Schwalbe, Abseits, ob aktiv ob passiv. Vom Strafmaß beim Foulspiel, selbst wenn die Strafe für den Spielausgang unkritisch ist, ganz zu schweigen.

    Am letzten Spieltag war das Tor in Freiburg meines Wissens die einzige derartige Szene, bei immerhin 27 erzielten Treffern. Um gelegentliche, wenn in diesem Fall auch für Schalke betrübliche, strittige Torentscheidungen zweifelsfrei treffen zu können, sind sowohl der finanzielle, organisatorische und technische Aufwand als auch die sich daran anschließenden Konsequenzen übertrieben. Wollen wir den Chip nur in den Profiligen oder muss jeder Dorfverein in die Technik investieren? Wie funktioniert das dann im Pokal? Was ist mit der Jugend, etc.-um nur einige Themenfelder anzureissen.
    Und ich möchte das „Wembley-Tor“ nicht missen. Die Legende hält doch trotz des verdienten Sieges der Engländer durchaus mit dem Wunder von Bern Schritt. Und ohne Einführung der angeblich fortschrittlichen Rückpass-Regel gäbe es auch nicht die Legende vom Meister der Herzen.

    Lasst bitte die Finger von den Regeln, nicht jede Änderung bedeutet Fortschritt.

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