Es ist nicht viel passiert, in der ersten Halbzeit des gestrigen Spiels gegen den 1. FC Köln. Aber dann kam Joel Matip mit dem Kopf an den Ball. In der letzten Szene der ersten Halbzeit. Ausgerechnet. Im perfekten Moment, dem für den Gegner unglücklichen Zeitpunkt.
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Der Fußball lebt weiter mit solchen Behauptungen, die unerschütterlich von Generation zu Generation weitergegeben werden, obwohl ihre Richtigkeit nicht bewiesen ist. Einige sind aber schon längst wiederlegt, wie die vor allem in Deutschland sehr populäre Idee, dass es einen psychologisch richtigen Zeitpunkt gibt, ein Tor zu erzielen. In England schüttelt man darüber nur den Kopf, dass es irgendwie von Vorteil sein könnte, wenn man kurz vor der Pause mit 1:0 in Führung geht und nicht schon in der 13. oder 27. Minute.
Aus England stammt auch eine Untersuchung der Psychologen Peter Ayton und Anna Braennberg, die anhand von 355 Spielen in der Premier League nachweisen konnten, dass es kaum für einen Unterschied bei der Siegwahrscheinlichkeit sorgt, ob man kurz vor der Pause trifft oder zu Beginn der ersten Halbzeit. Richtig wertvoll, und nicht nur psychologisch, so könnte man spotten, ist es sowieso nur, wenn man in der Schlussminute in Führung geht.
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Ok, aber auf jeden Fall fiel das Tor zum richtige Zeitpunkt, um als Zuschauer etwas entspannter in die Halbzeitpause zu gehen, nachdem man sich zuvor, vom Spiel wenig erwärmt, den Hintern abfror. Sicher, man konnte beobachten dass wenige Fehler gemacht wurden. Joel Matip beispielsweise spielte deutlich weniger Fehlpässe als zuletzt und auch Lukas Schmitz’ Defensivarbeit war sehr solide, nachdem er gegen Freiburg doch Schwierigkeiten offenbarte. Das ist nett, aber eben nicht schön.
Wirklich schön wurde es auch nach der Pause nicht, aber doch unterhaltsamer, jedenfalls für die Blau-Weißen unter den Zuschauern. Schalke kontrollierte das Mittelfeld über weite Strecken nach belieben und übte Angriffsspiel. Sparring bei realer Gefahr, für Fehler mit Punktverlust bestraft zu werden. So weit kam es dann aber doch nicht, weil Schalke defensiv eben gut steht und weil der 1. FC Köln nicht den Eindruck machte sich irgendwie anstrengen zu wollen.
Höhepunkt dabei war der Maniche-Walk. Als sich Zvonimir Soldo erlaubte, auf den weiteren Einsatz von Nuno Ricardo Oliveira Ribeiro zu verzichten, entenmarschierte der Maniche genannte Spieler Fußlänge um Fußlänge der Seitenlinie entgegen, in einer Geschwindigkeit, die schon häufig mit Gelben Karten wegen Spielverzögerung geahndet wurde. Geistesgegenwärtig erkannte Schiedsrichter Gagelmann, dass des Spielers Mannschaft mit 0:1 zurückliegt und die Ahndung somit Kölns Trainer Soldo obliegt. Ob eine Reaktion von ihm zu erwarten ist vermag ich nicht einzuschätzen.
Auf Schalker Seite bleibt die Rakitic-und/oder-Baumjohann-Frage auch nach diesem Spiel aktuell. Alexander Baumjohann wurde eingewechselt als Schalke führte und zeigte in der einen oder anderen Situation, dass er der ist der Platz zu nutzen weiß und auch aus dem Sprint heraus vernünftig passen kann. Spielte er aber zuletzt von Beginn an, funktionierte er im Mittelfeldgefüge nicht. Ivan Rakitic ist nach wie vor das Gegenteil von dynamisch, wenn es darum geht einen Angriff zu inszenieren. Man hat den Eindruck dass er die sich bietenden Lücken zwar sieht. Er selbst ist aber weiterhin zu langsam, und hat er dann mal ein gewisses Tempo erreicht, folgt der Ball leider meistens nicht mehr seinen Wünschen. Allerdings wird Ivan Rakitic defensivtaktisch immer besser. Er hängt sich rein, läuft viel und gewinnt mittlerweile erstaunlich viele Bälle. Diese neue Qualität sorgt dafür, dass Felix Magath ihn in der Rückrunde stets durchspielen ließ. Lässt Magath beide spielen, kann er sich gegen gute Gegner nicht auch noch 3 Stürmer leisten. Dieser 3er-Sturm mit Sanchez und Farfan auf den Flügeln und Kuranyi in der Mitte ist aber derzeit Schalkes Aktionszentrum. Es bleibt spannend. In der Tabelle wie auch im Schalker Kader.
[Zitierte Passage stammt aus dem Buch „Die Fußball-Matrix“ von Christoph Biermann. Meines Erachtens ein Buch der Rubrik „Muss man gelesen haben“]







über die Sinnhaftigkeit dieses angeblich “psychologisch günstigen/ungünstigen Zeitpunkts” wurde schon viel geschrieben, aber was dabei fast immer (auch hier wieder) gemacht wird, ist: einfach das Endergebnis hernehmen. Damit lässt sich jede Vermutung beweisen oder wiederlegen, ganz wie man will. Seltsamerweise scheint niemand mal ernsthaft darüber nachzudenken, was denn das Besondere an der Situation ist. Dabei ist es doch Offensichtlich: Nur in den nächsten 15 Minuten hat der Trainer die Möglichkeit, richtig Einfluss zu nehmen. Ändert sich aber die Situation kurz vor dieser Einflußnahme dramatisch (wegen eines Treffers oder einer Verletzung oder was auch immer), dann hat das selbstverständlich einen Einfluss, denn einerseits kann der Trainer, der vorher 45 Minuten lang auch über den Plan für die Zweite Halbzeit nachdenken konnte, jetzt nur noch ein paar Sekunden lang grübeln für den neuen Plan, und zweitens sind die Spieler eher weniger aufnahmefähig, weil – was auch immer da passiert ist – sicherlich irgendeinen Effekt auf sie haben wird.
Meiner Ansicht nach bedeutet die Tatsache, dass das Endergebnis nach “im scheinbar/anscheinend günstigen Moment” erzielten Treffer sich nicht signifikant als späterer Sieg auswirkt, nicht, dass der Moment nicht günstig war – sondern legt eher die Vermutung nahe, dass es gar nicht so viele kompetente Trainer gibt, wie man sich erhoffen würde.
Andererseits hat der Trainer des Teams, welches in der letzten Minute des 1. HZ in Rückstand gerät, in der Pause die Zeit, was zu ändern. Die fehlt ihm aber, sollte der Rückstand zu Beginn der 2. HZ erfolgen. So gesehen ist der Treffer kurz vor der Halbzeit günstiger als kurz danach. Okay, weniger ungünstig, aber du verstehst, was ich meine :)
Ich habe nämlich nicht ganz verstanden, ob du das nicht auch meinst :O
[...] beweist er in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit: Pander-Flanke von Schmitz. Matip Kopf. Tor. Ob das Tor zum psychologisch richtigen Zeitpunkt kam? Man weiß es [...]
Bliebe die Frage, ob es sich lohnt darüber nachzudenken, wie sich das entsprechende Tor auf die nächsten 15 Minuten oder die Pause an sich auswirkt, wenn es sich doch nicht aufs Endergebnis auswirkt.
Fakt ist ja mal, dass auch die Spieler entspannter in die Halbzeit gehen! Aber vielleicht hätte Kuranyi sich nach angespannter Halbzeitpause gar zu einem Doppelpack hinreissen lassen? Oder die Kölner Abwehr wäre nach einer entspannteren Halbzeitpause (beim Stand von 0:0) eine eher löchrige Angelegenheit geworden? UND: Wenn der Zeitpunkt für den in Rückstand geratenen Trainer ein Nachteil sien soll, wieso dann nicht für den in Führung geratenen? Hört die Mannschaft im Freudentaumel zu? Gehen sie jetzt nicht zu überheblich in die zweite Halbzeit? Also ICH steck da nicht drin! Ich weiss nur, dass mir egal ist wann die Tore fallen! Am liebsten in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit! Da mag ich es dann doch dramatisch! Aber wehe, sie bleiben aus… ;)
Jaja, der unglückliche Zeitpunkt…
Der rangiert auf der inoffiziellen Sportreporterplattitüden Beliebtheitsskala kurz vor “ausgerechnet” (z. B.: Jetzt verletzt sich ausgerechnet Peer Kluge, gegen seinen ehemaligen FCN).
… und Poschmann!? Poschmann rangiert in der Plattitüdensportreporter Beliebtheitsskala auch kurz vor dem letzten Platz, den nach wie vor und unangefochten Marcel Reif einnimmt.
[...] Schalke wie Schalke [...]