Von fehlenden Fitzelchen und nötigem Umdenken

Ein Punkt in Hamburg! Nur ein Punkt aus Hamburg. Ein Punkt nach Rückstand zur Halbzeit. Nach Führung noch 2 Punkte verloren. Es war ein Spiel, dass jeder sehen kann wie er will. Alle haben recht.

Aus der Erfahrung, dass Schalke schon so häufig eine bessere zweite Hälfte gespielt hat, habe ich gelernt, mit einem 0:0 zur Halbzeit zufrieden zu sein. Gestern war in der ersten Halbzeit aber alles irgendwie falschrum. Schalke lieferte ein ansprechendes Spiel und der HSV glänzte durch Effektivität. Nachdem Van Nistelrooy mit dem zweiten Schuss auf Neuers Tor die Führung erzielte, ärgerte mich doch sehr, dass die Blauen aus viel Ballbesitz und genügend Raum nichts zählbares schaffen konnten.

Aus Erfahrung habe ich auch gelernt, dass sich Schalke seit Felix Magath durch einen Rückstand nicht entmutigen lässt, sich eher angespornt zeigt, und darauf kann man sich auch weiterhin verlassen. Die erwartete Einwechslung Baumjohanns brachte Schwung, der Wechsel Edu für Matip noch mehr Offensive, und so entwickelte sich der Schlagabtausch, der mir gleichzeitig Spaß und graue Haare bescherte. Druckvoll ging es nach vorne, das „Die wissen nicht wie-Gefühl“ der letzten Jahre gibt es längst nicht mehr, diese Mannschaft ist immer gefährlich. Aber hinten, herrje, kam immer wieder jemand durch, gab es immer wieder Freistöße in der gefährlichen Zone.

Ich hätte mir nach der Führung den zweiten Magath’schen „Standardwechsel“ gewünscht. Farfan opfern, Christoph Moritz auf den Platz, mit zwei Stürmern und Raute dahinter über Platzbreite defensiv besser stehen. Felix Magath sah und sieht das anders. Seiner Ansicht nach hat sich seine Mannschaft nach der Führung zu weit zurückgezogen. Felix Magath ist Meister und Chef. Ich werde anders denken lernen müssen.

Ärgere ich mich nun also über das fehlende Fitzelchen, als Rincon noch so eben die Schädeldecke in Position bringen konnte oder Mathijsen den Ball von der Linie kratzte, oder ärgere ich mich über die Tatsache, dass Pitroipa tun und lassen konnte was er wollte und Trochowski stets freie Fahrt durch Mittelfeld hatte?
Vielleicht lasse ich das mit dem Ärgern ausnahmsweise und freue mich stattdessen über einen Punkt aus einem spannenden Spiel, dem zweiten Spiel von fünf der erklärten „Wochen der Wahrheit“ – der vierte Punkt. Sieben Punkte vor Platz 4, elf Punkte vor Platz 6, das fühlt sich gut an. Da kratzt mich die „verpasste Tabellenführung“ nach 27 Spieltagen nicht die Bohne.



PS: Bruno Labbadia sagte nach dem Spiel, dass seine Mannschaft das Spiel gut im Griff gehabt und kaum Chancen zugelassen hätte. Meines Erachtens muss er in den letzten Tagen arg wenig Schlaf bekommen haben. Oder er übt sich in Van Gaal’scher Provokation.



12 Kommentare zu “Von fehlenden Fitzelchen und nötigem Umdenken”

  1. kurtspaeter sagt:

    Die verpasste Tabellenführung ist in der Tat völlig wurscht.
    Ich finde eher beängstigend, das Magath Westermann seit Wochen zwischen den Positionen hin und her schiebt und dieser dabei völlig außer Form agiert. Gestern war er als Rechtsverteidiger in der zweiten Hälfte Sicherheitsrisiko Nummer 1 in meinen Augen. Positiv sehe ich die Entwicklung von Baumjohann. Ich bin mir fast sicher, der wird in naher Zukunft wieder in der Startelf auftauchen.

  2. derwahrebaresi sagt:

    ich bin mit dem punkt völlig zufrieden. kommende woche darf es in leverkusen gerne so weiter gehen. (mit ein wenig glück sind da ja vllt. 3 punkte drin) :-)

    was westermann angeht, kann ich kurtpaeter nur beipflichten. wenn er ihn schon aufstellt, dann doch lieber in der innenverteidigung …

  3. mberghoefer sagt:

    die stärkste Schalker Leistung seit langem. Wenn die rechte Seite nicht so geschwächelt hätte (Farfan mit angezogener Bremse, Rakitic in der ersten Halbzeit zu mutlos, Westermann mit Stellungs- und Ballbehandlungsproblemen, Rafinha mit Katastrophen-Fouls), dann wäre der HSV untergegangen. Das Remis ging in Ordnung, auch weil Alex mal wieder fiel, wie er’s schon in der B-Jugend gerne tat. Sein muss das nicht. Aber ok – wir sind stolz und glücklich heim gefahren, nach einem tollen Fußballspiel in einem wunderbaren Fußballstadion.

  4. Ney sagt:

    7 Punkte auf Platz 4 sind gar nicht so viel. Wenn wir keines der beiden nächsten, schweren Spiele gewinnen und der Viertplatzierte 6 Punkte einfährt, sitzen die uns im Nacken.

  5. skAndy sagt:

    … wen es nur 5 wären, hätten Sie uns überholt! Ich glaube, daher kommt das gute Gefühl bei 7 Punkten!

  6. Matthias sagt:

    Was mich wirklich ärgert, ist die Art und Weise der Berichterstattung. Auch gestern. Da wird sich am Elfmeter zum 2:1 aufgehangen und letztendlich die These aufgestellt: “Man kann nicht sagen, ob es ein Elfmeter war, also war es wahrscheinlich keiner.” Gleichzeitig wird Rafinha für ein Foul vor dem 1:0 gerüffelt, das gar keines war. Es war ein klares Stürmerfoul an Rafinha. In der 90. Minute marschiert Edu frei auf Rost zu und wird aufgrund einer angeblichen Absteitsstellung zurückgepfiffen. Es war deutlich (!) kein Abseits, wie man in der einen einzigen (!) Wiederholung auf Sky sehen konnte. In allen anderen TV-Spielberichten wird diese Szene sogar komplett unterschlagen. Und dann darf Labbadia ohne jegliche journalistische Gegenfrage die Mär von den ach’ so starken Hamburgern verbreiten, die die erste Halbzeit dominiert haben und die Zweite sowieso.

    Seit Monaten steht der Satz “Schalke spielt keinen guten Fußball, ist aber dennoch erfolgreich” wie in Stein gemeißelt in der Fußballlandschaft herum. Wenn man sich aber die letzten Spiele anschaut, fällt auf, dass Schalke sehr wohl über weite Phasen einer Partie guten Fußball spielt. Es gibt keine Mannschaft in Deutschland, die über 90 Minuten brilliert. Leverkusen schafft es über 45 Minuten und wird dafür in den Himmel gehoben. Schalke schafft es über 45 Minuten und wird dafür gescholten, dass es nur 45 Minuten waren. Das ist mittlerweile zu einem Selbstläufer geworden und Leute wie Labbadia nutzen das dann einfach aus, weil sie wissen, dass keinerlei Gegenwehr zu erwarten ist.

  7. nedfuller sagt:

    Gut gespielt habt ihr definitv! Ich war etwas verwundert, hatte euch ein wenig abwartender erwartet.

    Höwedes wirkte ein wenig unsicher, liegt aber wohl an der fehlenden Erfahrung.

    Man hat auch gemerkt, daß euer letztes Spiel länger als 3 Tage weg war, die Mannschaft wirkt auch in der 89 Minute fit.

    Und Labbadias Aussagen bitte nicht ernst nehmen, in der Regel sagt er eh immer nur das gleiche…

  8. matz sagt:

    Nachdem ich im elenden Stau stand, habe ich das wesentliche vom Spiel dann doch mitbekommen.
    Ja, Westermann ist nicht mehr der Spieler, der auf Schalke Nationalspieler wurde. In einer Szene musste ihn schon die Schalker Kurve wachschreien, damit er steil in die Gasse ging. Schön aber, dass auch solche einzelnen schwächeren Leistungen von Team aufgefangen werden können. Und hätte Rincon nur ein bißchen kopfloser agiert, hätte es ja auch gereicht.
    Mir ist vor den kommenden Spielen jedenfalls nicht bange.

  9. derwahrebaresi sagt:

    mal ne frage, auch wenn das hier nicht hingehört:

    was machen pander, jones und kenia ?

    man hört und ließt nichts

  10. Christian sagt:

    “HSV trotzt Schalke ein Remis ab” so und ähnlich wurde getitelt. Die Hamburger haben
    den 1 Punkt zu Hause (!) wie einen Sieg
    gefeiert!? Schon erstaunlich wie sich die
    Zeiten geändert haben oder?

  11. Torsten Wieland sagt:

    Das was Matthias schreibt erlebe ich auch so. Nach 30 Minuten – bis dahin kein supertolles aber ein ausgeglichenes Spiel – vermeldete Fritze TuT, dass der HSV technisch besser sei aber Schalke toll kämpfen könne. Einfach weil das dem entspricht, was “man so sagt”. Für Hinschauen fühlte er sich nicht zuständig.

    “Berichterstattung” über 11er-Szenen halte ich generell für ein unsägliches Thema. In der 6. Wiederholung bildet man sich dann eine Meinung zu einer Szene, die – wenn sie ausserhalb des Strafraums so stattgefunden hätte – jeder als Foul gewertet hätte.

    @derwahrebaresi: In englischsprachigen Portalen war zu lesen, dass Jones zuversichtlich sei, noch vor der WM zurück und in Form zu kommen. Aber was soll er auch sagen. Zu Pander und Kenia habe ich nichts gelesen.

  12. juni sagt:

    @derwahrebaresi:
    jones war mit dreher bei unserem spielerempfang. und er ließ keinen zweifel daran, dass er in der laufenden saison unbedingt nochmal in dieser klassemannschaft spielen wolle. dieser tage steigt er wieder ins training ein. mit laufeinheiten hatte er schon begonnen. zu seiner wm-teilnahme äußerte er sich wie folgt. erst leistung auf schalke, dann evtl. wm.
    seine äußerungen zum bundesschalträger waren übrigens köstlich. freunde werden die in diesem leben nicht mehr.. muss ja auch nicht.

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