Böses Erdulden

Der FC Bayern München hat beste Chancen Deutscher Meister zu werden. Hertha BSC ist Tabellenletzter und damit erster Kandidat für den Abstieg. Samstag, 08. Mai 2010, gegen 17:15 im Olympiastadion zu Berlin: Der letzte Pfiff der Saison setzt für tausende Berliner einen endgültige Schlussstrich. Aus Wut ist längst Resignation geworden. Die Traum vom eigenen Titel, nur wenig älter als ein Jahr, erscheint wie aus einer anderen Welt. Jeder Fan für sich mag sich bereits damit abgefunden haben. Doch jetzt ist es soweit. Jetzt gehört der Berliner Sport-Club nicht mehr zur 1. Liga.
Und dann werden die Konfettikanonen reingeschoben. Die von enttäuschten Herthanern verweisten Plätze wurden längst von Auswärtsmitfeierbayern eingenommen, die nun jubeln. Im Schatten eines Abstiegs wird das Unspontane eines Triumphs in einem festgelegten Ablauf offenbar: Auf der Bühne die Schale hochrecken. Dabei hüpfen. „We are the Champions“. Die T-Shirts. Sich mit den Medaillen und der Schale zum Mannschaftsfoto gruppieren, hinter dem Schild, auf dem Titel und Jahr vermerkt sind, damit’s auch jeder versteht. Einer liegt. Das Bier des Sponsors, aus einem überdimensionalen Glas, für den Schopf des Trainers, der überrascht tut. Die Wechselsachen liegen schon bereit. Die Ehrenrunde. Die Interviews. Berlin hat nichts zu feiern.

In der Geschichte der Bundesliga mussten bislang dreimal feststehende Absteiger die Meisterfeier im eigenen Stadion erdulden. 1978 mussten sich die Fans des FC St. Pauli den 1. FC Köln ertragen. 1983 und 1988 musste man solches auf Schalke erleben. Überhaupt sind die Fans des FC Schalke 04 die Top-Meistererdulder. Bereits sechsmal war Königsblau am letzten Spieltag der Gegner des neuen Meisters. In dieser Saison nicht, soviel steht fest.

Hier eine Liste aller „Meistergegner“ seit 1964:
 



11 Kommentare zu “Böses Erdulden”

  1. Manfred sagt:

    1972 war echt hart. Und nächstes Jahr steht dann Mainz ganz oben in der Liste :D

  2. Stefan sagt:

    Gehe ich richtig der Annahme, dass dies „einfach“ eine Auflistung der letzten Spieltage ist? Aber wenn der Meister schon einen großen Vorsprung hat, ist doch die Meisterfeier an seinem letzten Heimspiel, oder?
    1999 zum Beispiel. Da wurde der FCB am Ende mit 15 Punkten Vorsprung Meister, hat aber am letzten Spieltag ein Auswärtsspiel. Bekommt man in diesem Fall die Schale samt Meisterfeier nicht im letzten Heimspiel? Das wäre in diesen Fall der 33. Spieltag gegen Bochum.

  3. Mahqz sagt:

    1978 kann man aber nicht von ertagen Sprechen, dort entstand ja sogar die Fanfreundschaft der beiden Vereine, also die Paulianer die Kölner im Fernduell mit Gladbach sogar unterstützten.

  4. Richard sagt:

    @Stefan
    Die Meisterfeier von Werder 2004 fand damals weder am drittletzten Spieltag in München statt (als man Meister wurde) noch am letzten Spieltag in Rostock. Die Schale wurde hingegen am 33. Spieltag im Heimspiel gegen Leverkusen überreicht, da gab es dann auch die Konfettikanonen.

  5. Enno sagt:

    Das gilt es zu verhindern. Entweder muss Hertha vorher schon sicher abgestiegen sein, sodass sich der Frust über eine weitere Niederlage in Grenzen hält. Oder Hertha muss bereits abgestiegen sein und kann feiern, weil sie den Bayern die Meisterschaft verdorben haben. Noch besser – aber derzeit unwahrscheinlich – wäre es, wenn Hertha im letzten Spiel den Klassenerhalt sichert und Bayern die Meisterschaft klaut. Dann wäre ich mit dieser katastrophalen Saison wirklich wieder versöhnt.
    Das klappt aber nur, wenn Hertha am Samstag die Dortmunder Borussia schlägt. Gelänge dies, wäre es von den Schalkern nur fair, den Berlinern auch noch die Punkte zu überlassen, damit es was wird mit dem engültig gelungenem Szenario: Hertha klaut Bayern am letzten Spieltag die nötigen Punkte für die Meisterschaft, bleibt selbst in der Liga und verhilft den Schalkern zur lang ersehnten Meisterschaft! Deal?

  6. derwahrebaresi sagt:

    @enno: gekauft !

  7. Torsten Wieland sagt:

    @Stefan: Da hast Du natürlich recht. Mir gings um das mögliche Szenario in dieser Saison und ich wollte sehen, wie selten diese Kostellation ist. Übrigens wurde seit Eiführung der 3-Pkt-Regel die Meisterschaft in genau der Hälfte der 14 Jahre am letzten Spieltag entschieden. Aber das nur so nebenbei.

    @Enno: Könnte man sowas aushandeln wäre Schalke in den letzten fuffzich Jahren sicher schonmal wieder Meister gewesen. Aber mit einem Sieg gegen Borussia anfangen klingt schonmal gut. Das Weitere erinnert mich eher an so’ne Art Horrorvorstellung: Schalke kommt ordentlich durch die Spielen gegen Leverkusen und München und verdaddelt sich den Endspurt in Hannover und Berlin … uargh ..

  8. der Hönower sagt:

    Tja, da hat der DFB in diesem Jahr ein Problem am 34. Spieltag. Wo die Meisterschale deponieren. In Berlin? Oder doch Mainz?
    Da Hertha noch zum Königsmörder avanciert – vielleicht gerade am 8.Mai und unter Ausschluss der Öffentlichkeit ;) – und sich auf den Reli-Platz rettet, tendiere ich eindeutig nach Mainz. Selbst wenn Kumpel und eingefleischter Schalker Martin aus GE-Buer davon nichts wissen will.
    Magath will. Und nur das zählt: Und es muss bald passieren. Der hat schließlich noch mehr vor in seinem Leben.
    Außerdem hätte die Sache noch einen schönen Nebeneffekt: Am 9.Mai sind dann wir diejenigen, die vor dem Münchner Rathaus abfeiern. Die erfolgreiche Zweitliga-Saison nämlich.
    Eisern Union!

  9. eingeNETzt 23/03/2010 | Spielfeldrand - Das Magazin sagt:

    […] Böses Erdulden In der Geschichte der Bundesliga mussten bislang dreimal feststehende Absteiger die Meisterfeier im eigenen Stadion erdulden. […]

  10. Andreas sagt:

    Kleiner Tip
    http://tableizer.journalistopia.com/

    Borussen Grüße

  11. Der letzte Wechsel sollte Schober gehören : Königsblog sagt:

    […] Noch so ungefähr 93 Spielminuten, dann ist die 47. Bundesligasaison Historie. Es geht noch um Platz 3, Platz 6, Platz 15 und Platz 16. Tatsächlich unwichtig sind nur die Spiele Wolfsburg gegen Frankfurt, Schalkes Spiel in Mainz und Hertha gegen Bayern München, bei dem es nach Abpfiff also tatsächlich zu dem von mir befürchteten Szenario kommen wird. Höchststrafe für Berlin. […]

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