Das Thema Kuranyi und der falsche Ansatz

Kevin Kuranyi ist in Topform und übertrumpft die aktuellen Nationalmannschaftsstürmer um Längen. Jetzt fordern auch die großen Kritiker und Kommentatoren, dass Bundestrainer Löw umdenken und Kuranyi mit zur WM nehmen solle. Das Argument ist schlüssig: Die Besten sollten für Deutschland spielen. Dies ist jedoch ein nicht zum aktuellen Bundestrainer passender Ansatz. Unter Löw ging es bei Nominierungen noch nie nach Leistung.

Joachim Löw will eine Mannschaft, die harmoniert. Man könnte den alten Spruch hervorholen, nach welchem der Star die Mannschaft ist, um für Löws Kaderzusammenstellungen zu argumentieren. Wenn Joachim Löw einen Spieler und dessen Charakter schätzt, ist quasi alles erlaubt. Dann ist es egal, ob ein Spieler auf dem Platz seinen Mitspieler schlägt, wie Podolski. Dann macht es nichts, dass Stürmer in einer ganzen Saison keine drei Tore erzielen, wie Miroslav Klose. Dann brauchen Spieler in ihrem Club auch kaum zu spielen, wie Jens Lehmann oder Christoph Metzelder vor der letzten EM.

Spieler die Löw nicht schätzt können umgekehrt so erfolgreich spielen wie sie wollen, sie werden in der Nationalmannschaft kein Bein auf die Erde bekommen. Im „Fall Kuranyi“ konnte man den Eindruck haben, als wäre Löw der Vorfall im Oktober 2008 nur recht gewesen. Obwohl er seit Jahren in der Bundesliga zuverlässig das Tor trifft, war er in der Nationalmannschaft stets ein Wackelkandidat. Aber so ist es nicht nur mit Kuranyi, Stefan Kießling geht es kaum anders.
Stefan Kießling spielt eine überragende Saison, ist Sturmführer und Leistungsträger einer spielerisch starken Mannschaft, und trotzdem musste das wortstarke Fußballdeutschland diesen Spieler dem Bundestrainer förmlich aufdrängen, hatte man den Eindruck, als hätte Löw bei Kießlings Nominierung für ein Freundschaftsspiel gegen Chile über einen riesigen Schatten springen müssen. Kuranyi und Kießling haben in der Bundesliga in dieser Saison 33 Tore geschossen und 12 Treffer vorbereitet, mehr als Podolski, Klose, Gomez, Cacau, Schweinsteiger und Ballack zusammen. Trotzdem: Selbst wenn die Medien Kuranyi noch nach Afrika schrieben und Löw nichts mehr einfiele, Kießling daheim zu lassen; beide würden bei der WM unter Löw nicht mehr als das 5. Rad am Wagen, als Einwechselspieler für die 80. Minute sein.

Das Konzept „Harmonische Mannschaft“ kann über das Konzept „Die elf Besten“ siegen, das beweist jede Bundesligasaison in welcher der stets beste Kader des FC Bayern München nicht Deutscher Meister wird. Wenn sich allerdings eine ganze Reihe Nationalspieler seit Monaten in schlechter Form präsentieren, muss man schon mal zweifeln dürfen. Das Ärgerlichste an Bundestrainer Joachim Löw ist aber vor allem dessen Kommunikation: Dass er keinen Klartext redet wenn er einen Spieler nicht will. Dass er von Leistungsprinzip und Konkurrenzkampf spricht. Das Löw’sche „Leistungsprinzip“ bestimmt die Zusammensetzung der Nationalmannschaft wie einst die Demokratie die Volkskammer der DDR.



29 Kommentare zu “Das Thema Kuranyi und der falsche Ansatz”

  1. Andreas sagt:

    Handelt es sich dabei wirklich um eine Eitelkeit des Bundestränentreibers oder doch eher um die Abhängigkeit von weisungsbefugten Vereinen?

  2. Manfred sagt:

    Das Leistungsprinzip wird ja nicht zum ersten Mal ad absurdum geführt, ich nenne nur den Namen Carsten Jancker.
    Was hatte sich Martin Max seinerzeit nochmal vorzuwerfen lassen? Eben.
    Diese ganze Diskussion ist so überflüssig wie ein Kropf.

  3. Enno sagt:

    Ich finde hier eine sehr treffende Analyse, in der die beiden Ansätze nebeneinander gestellt werden. So kann man die Situation sehr gut beleuchten und bewerten. Ich finde, dass der Trainer nicht nur das Recht hat, seine eigenen Kriterien bei der Mannschaftszusammenstellung zu wählen. Er trägt auch die Verantwortung für die Kaderplanung. Sollte es funktionieren (egal mit welchem Ansatz), dann darf er sich feiern lassen. Geht es in die Hose, wird die Verantwortung dem Trainer zugerechnet.

    Und ich gehe davon aus, dass Löw hier gar nicht mehr viel auszuwählen hat. Er wird mit dieser – seiner – Mannschaft scheitern. Spätestens im Achtelfinale ist Schluss. Das liegt daran, dass seine Mannschaftspolitik nun schon seit vier Jahren festgefahren ist. Das kann er gar nicht mehr ändern. Selbst wenn er es auf Grund der Ratschläge täte, würde es das für ihn so wichtige Gefüge durcheinander bringen. Dann hätte er zwar starke Einzelspieler, aber kein Team (und das ist für die Spielphilosophie von Löw essentiell). Was er auch tut, er wird keine schlagkräftige Mannschaft mehr bis zum Turnier formen können, weil das Team, das er derzeit vor Augen hat und auf das er die letzten zwei, drei Jahre gebaut hat, nicht mehr in Form zu bringen sein wird.

    Für alle Fans des deutschen Fußballs heißt das nichts anderes als sich jetzt schon vom Traum des vierten Titels zu verabschieden. Vielmehr wird man sich auf „die Schmach von Kapstadt“ oder so ähnlich vorbereiten müssen.

  4. Christian sagt:

    Es spricht viel für deine Analyse, keine Frage.
    Ich bin allerdings auch der Überzeugung, da mag mir der ein
    oder andere Verschwörungstheorien vorwerfen, das die
    Nationalelf im Süden des Landes definiert wird.
    Ich glaube das ist auch das größte Argument gegenüber
    Neuer, Hoeneß kann ihm die Nr. 1 zusagen.
    Der fcb bestimmt nun einmal seit vielen Jahren historisch
    bedingt, die Geschicke beim dfb. Ich wage einmal die
    Behauptung, das wenn Rensing die Nr. 1 beim fcb geworden
    wäre, das die Diskussion heute nicht Neuer oder Adler heißen
    würde ! Das hat zum einen mit dem etwas sehr großen
    Selbstverständnis dieses clubs zu tun, zum anderen ist es
    aber auch ein wichtiges Argument bei der Verpflichtung
    neuer Spieler: Geld können andere eben auch bieten, aber
    Uli H. kann noch mit Nationalelf Ehren locken…

  5. Enno sagt:

    @Christian: Deine Theorie hakt und zwar insbesondere in der Torwartfrage. Erinnere dich bitte an die Degradierung von Kahn zur Nummer zwei. Wer war damals laut Uli Hoeneß „der beste Torhüter der Welt“? Es war Kahn. Und wer spielte? Ein Keeper, der in London angestellt war.

    Verschwörungstheorien klingen meistens toll, sind aber leicht zu widerlegen. Das bringt bei dem Thema kaum weiter.

  6. Beatsox sagt:

    Du schließt mit einem Satz, der zum Nachdenken anregt – eben weil er stimmt.

    Ich war nie ein Fan von Kuranyi, doch seine Leistungen und die Art und Weise seiner Tore in dieser Saison, sind schlichtweg beeindruckend.

    Du zeichnest beide Möglichkeiten vor, ich wäre dafür ihn zu „begnadigen“.

    MfG
    Beatsox

  7. zechbauer sagt:

    Ich bin ja viel Unsinn gewöhnt, aber dass der FC Bayern verantwortlich oder mitverantwortlich für Löw’s Entscheidungen sein soll, ist der formulierte Witz.
    Herr Löw’s Leischtungsprinzip ist keines. So einfach ist das. Mit den Bayern hat das wohl recht wenig zu tun.

    Kevin Kuranyi ist ein junger Mann – und junge Männer machen bekanntermaßen auch Fehler. KK hat einen gemacht und das ist für Löw unverzeihbar – zeugt nicht gerade für Souveränität des Bundestrainers. Zumal sich Kuranyi einsichtig zeigte und öffentlich dafür entschuldigt hat. Löw vergisst Leute wie Hummels, Kießling etc. – hat dagegen jedoch immer Spieler des VfB oder Hoffenheim auf seinem Zettel. Wenn man ihm eine gewissen Nähe zu Vereinen unterstellen will, dann doch wohl die zu den Klubs seiner Heimatregion (Stichwort: Schwaben-Connection).

  8. Norman sagt:

    Ich würde auch nicht soweit gehen und den FCB die alleinige Vorherrschaft beim DFB unterstellen, wie es bis 2005 tatsächlich der Fall gewesen ist. Allerdings lässt sich eine gewisse Nähe von Löw zu den Südstaatenvereinen (oder wie zechbauer es formuliert: Schwaben-Connection) nicht leugnen. Cacau spielt EINE überragende Woche und kommt gleich mit, wohingegen Kiesling ein halbes Jahr mit seinen Leistungen auf sich aufmerksam machen musste.

  9. Christian sagt:

    Danke für die Kommentare, die bis auf einen
    interessante Ansätze zeigen.
    @Enno Ja im Prinzip hast du Recht, aber jetzt
    denke bitte noch einmal an die Zeit damals zurück.
    Das war der Beginn der Klinsmann Ära als
    Bundestrainer und wer hat hier am Meisten auf
    ihn geschossen? Die „fcb“ Fraktion um Rummenigge.
    Im Grunde ist Kahn damals als Tormann zwischen
    die Fronten geraten und Klinsmann hat diese Frage
    als Hebel gegen R. & H. genutzt. Wer das nicht
    glauben mag kann heute noch diverse Artikel und
    Interviews über google nachlesen.
    (Zechbauer lesen was geschrieben steht, nicht
    lesen was man denkt was gemeint sein könnte)
    Ich behaupte auch nicht das dieser, ich sag mal
    Fußballverein, die N11 alleine bestimmt, aber
    seine (Laut)sprecher üben doch einen großen
    Einfluss aus. Gehen wir mal weg von einer
    Spielerbewertung die notwendigerweise immer ein
    wenig emotional ist. Wie lief die Geschichte
    um den dfb Ausrüstervertrag ? Nike hat deutlich
    mehr Geld geboten und selbst als Adidas sein
    Angebot nach oben justierte, lagen noch 2stellige
    Beträge zwischen beiden Angeboten. Die oben
    genannten Herren haben natürlich pro adidas
    argumentiert, logisch schließlich hat sich der
    Hersteller erst kurz vorher bei diesem
    „Ballverein“ eingekauft. Also noch mal für die
    langsamen aus dem Süden: es geht nicht darum das
    der fcb den dfb „beherrscht“, sondern um Einfluß.
    Wobei ich der Bierhoff/Löw Fraktion durchaus
    assistiere, das sie ab und zu schon mal „zickig“
    reagiert, wenn die Wünsche der Südsterne zu
    dreist ausfallen.

  10. Sebastian sagt:

    Schön, dass hier mal so alles steht was ich auch schon seit ein paar Tagen oder Wochen denke.
    Ich denke das „Konzept der Harmonischen Mannschaft“ hat durchaus seine Berechtigung, aber warum Kuranyi da nicht einfach mitmachen kann in dieser harmonischen Mannschaft ist doch die Frage!
    Im erweiterten Kreis der N11 sind doch um die 30 Spieler, da kann es doch nicht sein, dass die alle gleich ticken und Löw sympathisch sind und zufällig KK einfach ein Arschloch ist und da nicht reinpasst. Klar musste Löw durchgreifen (warum bei Poldi nicht ist wieder eine andere Frage die ich nicht beantworten kann), aber jetzt könnte auch mal Schluss sein und KK würde sich in die Mannschaft schon einfinden.
    Die harmonischeren Mannschaften (Hoffenheim, Wolfsburg, Schalke(?)) sind ja wohl auch nicht nach Charakter zusammengestellt worden, wenn sie den FCB (den stets besten Kader) hinter sich gelassen haben, sondern sind zu einem Team gewachsen bzw. geformt worden.

  11. Sebastian sagt:

    Ach ja @Thorsten: Letztens bin ich mal bei Werder gewesen und in der Halbzeit beim Spiel gegen Valencia, bei der Betrachtung der besten Szenen, kommentierte der Stadionsprecher (weiß nicht ob Zeigler oder der andere) Pizarros Chance als „Möglichkeit unseres Sturmführers“ – kurz gestutzt – Sturmführer? Na das kann ja mal passieren, Worte sind Schall und Rauch, weiter ging´s mit dem freudigen Toreschießen.
    Jetzt hier schon wieder: Sturmführer! Und diesmal schwarz auf weiß.
    Da sitz ich sowieso gerade am Computer, also mal googlen ob ich mich da zu sehr anstelle.
    Ergebniss: Man findet zwar auch Seiten die Fußball betreffen, jedoch erst weiter hinten.
    Anstellerei? Kann sein, aber wollte es mal erwähnt haben.

  12. Torsten Wieland sagt:

    Kann man ruhig mal erwähnen, meines Erachtens muss die Bezeichung aber erlaubt sein. Weil es sich bei vielen Fußballbegriffen nunmal um Kriegvokabular handelt, bzw. diese längst Fußballvokabular geworden sind. Es ist der Sturm, der über die Flanke angreift, und der Schütze, der trifft. Mir fällt aber auch kein anderer Begriff ein, der ebenfalls das beschreiben könnte, was mit „Sturmführer“ beschrieben wird. Dir? Sonst wem?

  13. Andre sagt:

    Sehr guter Artikel. Ich hätte vor einem Jahr nie gedacht, dass Kuranyi zu so einer beeindruckenden Leistung fähig ist. Seine Ausstrahlung auf dem Platz ist schon sehr massiv. Wie er am Samstag da dieses 1:0 macht…
    Trotzdem kann ich mir nicht so recht vor Augen führen, wie er sich in die Mannschaft einfügt. Er ist nicht so richtig ein ‚Zielspieler‘ im Zentrum, auch kein Zuarbeiter für einen Gomez. Die Rolle die er bei Schalke inne hat gibt es in der N11 nicht. Insofern brächte eine Nominierung das Problem, dass er wohl wieder nur auf der Bank starten würde, was dann wiederum noch schwerer zu vermitteln ist, als ihn ‚aus Prinzip‘ ganz zu Hause zu lassen.
    Ein weiterer Aspekt zu Löw (der glaube ich kürzlich in der SZ angerissen wurde): Es ist absolut unverständlich, warum er immer absolute Urteile fällt. ‚Dieser Spieler wird unter keinen Umständen mit zur WM fahren‘ und so. Siehe Frings. Man muss ihn nicht vor Rolfes oder Kedhira oder wem auch immer sehen (kann man aber auch), aber warum ihm jede Chance auf Berufung nehmen? Er hat ja auch schon in der N11 gespielt, also kann es nicht daran liegen, dass er sich nicht einfügt. Und bei den momentanen Verletzungsproblemen wird wohl Hitzlsperger mitgenommen und die einzige Alternative zu Schweinsteiger auf der 6 sein. Gute Nacht.
    Es ist einfach unbegreiflich, warum Löw so dogmatisch mit manchen Spielern umgeht, bzw. das verdeutlicht, dass er auch schlicht nach charakterlichen Präferenzen beruft. Kann man auch machen, aber dann das Leistungsprinzip vorzuschieben ist schlicht lächerlich.

  14. Conti sagt:

    Also, dass der FCB das handeln bestimmt ist glaube ich seit Klinsi vorbei. Dass Löw seine Spätzle-Connection ausleben lässt sieht man insb. bei Hoffenheim, sonst wären Weis oder Compper wohl nie bei der N11 gelandet.

    Das Spiel gegen Argentinien hat auf jeden Fall gezeigt, dass auch die „Wunderheilung NM“ nicht immer funktionieren kann.

  15. Rainer Edelmann sagt:

    Darf ich nochmals sagen, die Nationalmannschaft geht mir am Ar… vorbei?

    Die Frisur sollte Neuer und Westermann auch noch ausladen – dann können sich alle prima auf die kommende Spielzeit vorbereiten.

  16. derwahrebaresi sagt:

    @Löw vergisst Leute wie Hummels, Kießling etc.

    in diesem zusammenhang möcht ich gerne höwedes erwähnt wissen !
    da ich es aber wie rainer edelmann sehe, sollte auch er seinen fokus auf die vorbereitung zur neuen saison legen. :-)

  17. Frank sagt:

    Während die anderen in Südafrika kicken (später wird es heißen: Jogi, warum hast du Kevin daheim gelassen?), such Kuranyi sich mal ganz entspannt nen europäischen Spitzenclub aus, für den er in Zukunft spielen wird. Letztlich wird Kuranyi, wär hätte das vor 2 Jahren gedacht, gewinnen.

  18. Beatsox sagt:

    @Sturmführerdiskussion

    Schwieriges Thema, halte diesen Begriff aber im direkten Fußballkontext für unverfänglich.

    Ansonsten würde sich nur -Topstürmer- oder ähnliches anbieten.

  19. Paul sagt:

    Topstürmer und Sturmführer sind aber nicht unbedingt das selbe, meiner Meinung nach. Ein Sturmführer ist sowas wie der Abwehrchef, nur vorne, meinem Verständnis nach.

    Und warum soll KK in der Nationalelf nicht funktionieren? Ich verstehe sowieso nicht, warum man nicht einfach das Werder-Dreieck Marin-Özil-Hunt (eingespielt, abgestimmt und fussballerisch hochbegabt) und dazu einen Brecher mit Torgefahr vorne reinstellt. Da kann man doch momentan fast niemanden besseren finden als Kuranyi. Und es gibt bestimmt noch andere gute Möglichkeiten, ihn zu integrieren. Mit Gomez zusammen vielleicht nicht. Aber gerade mit dem angesprochenen Kießling würde er meiner Meinung nach gut harmonieren.

    Abgesehen davon: Schöner und meiner Meinung nach zutreffender Artikel.

  20. Erle72 sagt:

    Fragen über Fragen

    Abwehrchef! Sturmchef?
    führender Stürmer

    oder einfach:
    unser Ballermann

  21. Conti sagt:

    Das Werder-Trio wäre sicher eine gute Wahl, vielleicht Kroos statt Hunt, der hat in letzter Zeit ein wenig nachgelassen (leider).

    Marin ist aber auch so ein Fall für sich. Vor der EM noch Jogis Liebling, dann doch nicht mitgenommen und danach kaum berücksichtigt, obwohl er von allen deutschen Kreativen im MOmen sicher die beste Form hat (und die war auch schon vor dem Arg-Spiel gut). Özil hingegen war gerade vor dem Arg-Spiel total neben sich und durfte trotzdem spielen.

  22. Trainer Baade » es Leischdungsprinzipp: sagt:

    […] eventuellen Wiederberufung hier hindenken, welcher alle Facetten umfassend beleuchtet, (ungefähr so) außer vielleicht […]

  23. mberghoefer sagt:

    da will ich gerne auch mal meinen Senf dazu geben. Es gibt da Dinge, die mich stören, und vielleicht auch welche, über die man mal nachdenken sollte.

    Zum Einen: Ob ein KK in der Nationalelf spielt oder nicht, das ist mir prinzipiell egal, dem Spieler und seinem Berater aber sicher nicht. Trotzdem hat natürlich der Bundestrainer hier die Entscheidung zu treffen, es wäre also völlig legitim, Spieler X nicht einzuladen oder aufzustellen. Wenn es denn wirkliche sportliche Gründe gäbe. Der Punkt dabei ist dann aber, dass m.W. ein Löw nur ganz selten (nie?) sportliche Gründe anführt für solche Entscheidungen. Soll er doch mal sagen, KK oder Kießling passen nicht ins System – das wäre vielleicht diskutierbar aber zumindest nicht zu verurteilen. Zu verurteilen ist dagegen auf jeden Fall die eklatante Führungsschwäche, die Löw immer wieder beweist, indem er eben keine sachlichen Gründe nennt, indem er lebenslange Verbote verhängt und die Größe nicht besitzt, solche Fehler zu korrigieren. Das ist unwürdig und schwach. Ein starker Mensch, einer mit Führungsqualität, hat kein Problem damit, eigene Fehler einzusehen und Entscheidungen zu revidieren. Dass Löw im Namen des DFB eine derart harte Entscheidung im Falle eines damals psychisch angeknacksten Spielers derart rücksichtslos weiter durchhält, das klingt gerade im Hinblick auf die Heucheleien rund um den Tod von Robert Enke (müssen feinfühliger werden, Spieler auch als Menschen begreifen, blablabla) wie Hohn.

    Die Lösung wäre ja ganz einfach: Löw zeigt Größe (jetzt kaum noch möglich, da ers ja ganz offensichtlich gegen seinen Willen tun müsste – und also längst bewiesen hat, dass diese Größe ihm fehlt) und „begnadigt“ KK, aber er nominiert ihn nicht, weil er eine fachliche Begründung dafür hat.

    Ein anderes Thema, das sich leider ziemlich übel anhört, aber m.E. nicht unbeachtet bleiben sollte. Seit die Beratertruppe damals von Jürgen Klinsmann beauftragt wurde, ihm das nötige Image und den Einfluss zu verschaffen, Nationaltrainer zu werden, seit dem ist der Kommerz rund um die Nationalelf mit aller Macht eingezogen. Vor 2006 setzte die Werbewirtschaft (adidas & Co) enorme Summen in den Sand, als sie mit Kevin Kuranyi warben und der dann gar nicht nominiert wurde. Lässt adidas sich so etwas gefallen? 2008 war Kuranyi Werbeträger und auf der Ersatzbank dabei, danach eindeutig abgesägt. Die Werbefilme für 2010 sind alle längst abgedreht. Und die Stars, die adidas & Co verkaufen sollen, heißen nicht Kuranyi oder Kießling. Sie heißen Schweinsteiger, Podolski, Adler und so weiter. Wie hoch ist der „ein paar Wochen“-Druck einer aufgeheizten Öffentlichkeit im Vergleich zu dem einer Industrie, die Millionen investiert hat und Millionen gefährdet sieht, falls ihre Protagonisten nicht auf dem Platz stehen? Mit Kuranyi ist es adidas einmal passiert. Würde adidas zulassen, dass es 2010 noch einmal passiert? (bezeichnend fand ich übrigens die „Teamgeist“-Reklame, bei der die Spieler der Nationalelf schnell unkenntlich gemacht werden und „die Nationalmannschaft ihre Identität verloren“ hat)

  24. us.online sagt:

    Also ich finde das mit den Verschwörungstheorien bezogen auf den Bundesschal ziemlich daneben.

    Ich oute mich jetzt einfach mal als jemand, der den Trainer Löw eigentlich ganz gut findet. Ich betone aber, dass ich einige Leute im Umfeld doch als störend empfinde (zB den Flick oder den Bierhoff) und es letztlich auch negativ auf Löw abfärbt, wenn er sich an diese Hausmacht bindet.

    Aber zurück zur Sache:
    Dass es ständig 100.000 angehende Bundestrainer gibt, die es besser wissen, als der amitierende, war noch nie anders. Mich wundert allerdings, dass die Leistungen von Löw mittlerweile völlig in den Hintergrund getreten sind. Ich persönlich glaube, dass er mit seiner Art von Fussball und einer gewissen Radikalität im Ansatz Anstöße gegeben hat, die es unter Ribbeck oder Vogts oder sogar Tante Käthe nicht gegeben hätte. Von daher verdankt ihm (sehr viel mehr als Klinsmann übrigens) Fußballdeutschland doch eine Menge.

    Und bisher fehlt der sportliche Erfolg in den entscheidenden Spielen ja nicht gerade, wenn man mal von Titeln absieht.

    Gut mit KK hat er eine Entscheidung getroffen, die ihm jetzt um die Ohren fliegt. Aber auch zu Recht? Ich rinnere mal an Vogts und den Effenberg-Stinkefinger, ich erinnere an Schuhmacher und sein Buch. Lebenslänglich (bezogen auf ein Trainerleben) gab es schon oft. Selbst die Rafinha Zeit-Strafe ist ja sogar schon kritisiert worden. Ich finde das ist nichts besonderes. Nur ist es halt manchmal besonders schade. Hier besonders weil KK eigentlich ein absolut korrekter Typ ist.

    Löw scheint mir aber auch vornehmlich deshalb unbeugsam, weil er auf seine Autorität achtet und auf KK als Spieler (sicher nicht als Typ) einfach nicht so steht. Er hat halt andere Vorstellungen, was ich für legitim erachte.

    Form holen sich die Spieler mE in der Vorbereitung zur WM.

    BWG

    U.

  25. mberghoefer sagt:

    @us.online:
    Effenberg spielte vier Jahre nach der Stinkefinger-Affäre wieder in der Deutschen Nationalelf. Und Toni Schumacher wurde sozusagen „ausgesperrt“, weil er in seinem Buch (praktisch nebenbei) Vorgänge beschrieb, die als Dopingvorwürfe aufgefasst wurden (und offenbar auch stimmten), als er nach sieben Jahren Stammtorhüter der Nationalelf mit 33 praktisch am Karriereende war. Ich glaube nicht, dass das vergleichbar ist mit der Kurzschlussreaktion eines 26jährigen, die niemandem schadete ausser ihm selbst. da wäre selbst der Vergleich mit Uli Stein passender, der wegen einer aufgebauschten Lächerlichkeit von der WM heimgeschickt wurde, zwar nie „für immer gesperrt“ wurde, aber doch nie mehr Berücksichtigung fand.

  26. schlupp sagt:

    @us.online
    Was um Himmels Willen hat Fussballdeutschland dem Schalträger denn zu verdanken? Die letzten Spiele der Nationalmannschaft erinnerten mich allesamt stark and den grausamen Fußball der achtziger, da muss ich keinem für dankbar sein!

  27. Trainer Baade sagt:

    Um Gottes Willen, nicht das Enke-Argument im Zusammenhang mit der Nichtnominierung eines Spielers für die Nationalelf. Ich fass es nicht.

  28. us.online sagt:

    @ Schlupp
    Denk mal darüber nach, was im deutschen National11-Fußball heute los wäre, wenn da nicht einmal ein bischen frischer Wind reingefahren wäre. Der x-te altgediente Nationalspieler als Trainer und Holger Osieck als Co? Weiß nicht wo wir heute wären. Sportlich sind wir ordentlich durch 2 Qualifikationen gekommen und einmal Vizeeuropameister und einmal WM-Dritter halte ich gemessen an unserem Potential für nicht so schlecht. Ich empfinde auch die Spielweise als entwickelter gegenüber früher. Mag sein, dass die Halbwertszeit jetzt überschritten ist. Aber generell ist Löw mE ein guter.

    @mberghofer
    Hatte an das Bsp. Uli Stein auch gedacht. War mir aber nicht mehr sicher, ob er nur nach Hause geschickt oder auch verbannt wurde. Auch wenn nicht jedes Bsp. passt, ist doch klar KK ist nicht allein. Wie gesagt, ich hoffe für Kevin, dass er noch ne Chance kriegt, weil er so ein dufter Typ ist. Denke aber Löw hält Typen wie Kiessling und ihn sportlich für verzichtbar und wird schon deswegen sich nicht bewegen.

    BWG

    U.

  29. mberghoefer sagt:

    @Tr.Baade:“Um Gottes Willen, nicht das Enke-Argument im Zusammenhang mit der Nichtnominierung eines Spielers für die Nationalelf. Ich fass es nicht.“

    ich glaub, ich bin der einzige, der das Wort „Enke“ in dieser Diskussion verwendet hat, also nehme ich an, mein Kommentar hat diese Fassungslosigkeit ausgelöst? Wieso, das weiss ich allerdings nicht – ebensowenig wie ich wüsste, was „das Enke-Argument“ überhaupt sein soll.

    Dass man beim DFB von sich selbst und allen anderen im Sport ein Umdenken und ein sensibleres Verhalten im Umgang mit Spielern verlangte ist m.E. ebenso wahr wie dass sich von genau diesen Leuten in einigen Fällen nicht im Geringsten daran gehalten wird. Was an dieser Feststellung sollte also Fassungslosigkeit auslösen?

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