Artikel im März 2010

Ausgeschieden!

Das Tor Arjen Robbens war das einzige Stückchen Fußball und der üble Abschluss eines Abends, der schlechter kaum sein konnte. Schalke zeigte nichts von dem, was es in den letzten Spielen aufblitzen ließ. Der FC Bayern war kaum ein Stück besser. Schiedsrichter Kircher zeigte, dass er sich Christian Nerlingers Aussagen zu Herzen genommen hatte. Und das Ganze wurde von einem ARD-Kommentator präsentiert, der des Nachts sicherlich in Bayern-Bettwäsche schläft.

Dieser Kommentator meinte nach der Führung, dass die Bayern ihre Überlegenheit ausgespielt hätten. Nach dem Spiel sagte Schweinsteiger, dass die Bayern gut gespielt hätten. Dann wird das wohl so sein.

Spielt Böhme?

Ich hab’ voll Spass inne Backen. Nüchterner kann man es Vorfreude nennen. Ein Heimspiel gegen den Immerfavoriten ist ehedem toll. Das Ganze in einem Halbfinale dieses wunderschönen Wettbewerbs namens DFB-Pokal steigert das Gefühl für mich noch mal deutlich. Ma’kucken wie’s wird.

Die Pressekonferenz oder ein Rückblick auf ein erfolgreiches Halbfinale an eben dem Ort gegen eben diesen Gegner? Sich an vergangenem Schönen erfreuen oder sich mit ungewissem Zukünftigen beschäftigen?
Felix Magath war bestens aufgelegt und wusste das zu transportieren, das gab letztlich den Ausschlag. Manfred Hendriock hat einen ganzen Artikel auf Grundlage der gestrigen Pressekonferenz geschrieben. Bei dem was nun allenthalben „Scharmützel“ genannt wird geht es um das öffentliche Bild. Der FC Bayern eröffnet mit wechselndem Personal stets offensiv. Magath weiß so was zu kontern. Er peitscht keine Sätze sondern bringt die Zuhörer mit dem gewissen Augenzwinkern auf seine Seite. Er schafft es, sich selbstbewusst darzustellen ohne zu trommeln, ohne irgendwas zu überhöhen. Felix Magath leistet seit dem ersten Tag seines Engagements eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit für den FC Schalke 04.

Das vergangene Schöne kann bei YouTube angesehen werden. Übrigens bin ich der unspektakulären Meinung, dass …

Baumjohann
Edu
und doch wieder Moritz

… eingewechselt werden. Falls das wer anders oder genauso sieht, darf er sich damit gerne in einem Kommentar verewigen.
 


 
[Einwechselspieler-Raten: Ein ausschließlich der Ehre halber zu treibender Zeitvertreib, bei dem jeder mitmachen kann, der bis eine Stunde vor Anpfiff die Namen der zu erwartenden Schalker Einwechselspieler in einem Kommentar hinterlässt. Wer 3 Treffer erzielt darf sich bis zur nächsten Runde „Magath-Into-The-Brain-Kucker“ nennen. Wechselt Felix Magath nur zweimal, sind diejenigen, die beide Wechsel richtig voraussagten, natürlich auch toll, aber nicht soooo toll. Eine komplette Liste aller Tipps und Treffer der aktuellen Runde erscheint ebenfalls in diesem Blog. In dieser Spielrunde gibt’s nix umsonst. Wer im Kommentar sein Mitleid zum Ausdruck bringt, dass der Autor ausgerechnet zu diesem Spiel, erstmals in dieser Saison, nicht im Stadion sein kann, sondern vor dem TV verweilen muss, gelangt in des Autors Sympathietabelle ganz weit nach vorne. Diese Tabelle wird hier aber trotzdem nicht veröffentlicht.]

Böses Erdulden

Der FC Bayern München hat beste Chancen Deutscher Meister zu werden. Hertha BSC ist Tabellenletzter und damit erster Kandidat für den Abstieg. Samstag, 08. Mai 2010, gegen 17:15 im Olympiastadion zu Berlin: Der letzte Pfiff der Saison setzt für tausende Berliner einen endgültige Schlussstrich. Aus Wut ist längst Resignation geworden. Die Traum vom eigenen Titel, nur wenig älter als ein Jahr, erscheint wie aus einer anderen Welt. Jeder Fan für sich mag sich bereits damit abgefunden haben. Doch jetzt ist es soweit. Jetzt gehört der Berliner Sport-Club nicht mehr zur 1. Liga.
Und dann werden die Konfettikanonen reingeschoben. Die von enttäuschten Herthanern verweisten Plätze wurden längst von Auswärtsmitfeierbayern eingenommen, die nun jubeln. Im Schatten eines Abstiegs wird das Unspontane eines Triumphs in einem festgelegten Ablauf offenbar: Auf der Bühne die Schale hochrecken. Dabei hüpfen. „We are the Champions“. Die T-Shirts. Sich mit den Medaillen und der Schale zum Mannschaftsfoto gruppieren, hinter dem Schild, auf dem Titel und Jahr vermerkt sind, damit’s auch jeder versteht. Einer liegt. Das Bier des Sponsors, aus einem überdimensionalen Glas, für den Schopf des Trainers, der überrascht tut. Die Wechselsachen liegen schon bereit. Die Ehrenrunde. Die Interviews. Berlin hat nichts zu feiern.

In der Geschichte der Bundesliga mussten bislang dreimal feststehende Absteiger die Meisterfeier im eigenen Stadion erdulden. 1978 mussten sich die Fans des FC St. Pauli den 1. FC Köln ertragen. 1983 und 1988 musste man solches auf Schalke erleben. Überhaupt sind die Fans des FC Schalke 04 die Top-Meistererdulder. Bereits sechsmal war Königsblau am letzten Spieltag der Gegner des neuen Meisters. In dieser Saison nicht, soviel steht fest.

Hier eine Liste aller „Meistergegner“ seit 1964:
 

Magath boykottiert Sonderangebot

Kaum verschenkt man Moritze, macht Meister Magath nicht mehr mit. Erstmals seit Rückrundenbeginn kam Christoph Moritz nicht zum Einsatz. Magath wollte gestern eben partout nicht defensiv. Er beließ es bei zwei Einwechslungen.

12 von insgesamt 42 Tippern hatten Baumjohann und Edu erahnt. Edu war nach Baumjohann und Moritz der meistgenannte Einwechselspieler (16). Auf den Plätzen folgten Sánchez (13), Hao (10) und Zambrano (7).

Hier die ESR-Ergebnistabelle des Spieltags 27/47:
 

Von fehlenden Fitzelchen und nötigem Umdenken

Ein Punkt in Hamburg! Nur ein Punkt aus Hamburg. Ein Punkt nach Rückstand zur Halbzeit. Nach Führung noch 2 Punkte verloren. Es war ein Spiel, dass jeder sehen kann wie er will. Alle haben recht.

Aus der Erfahrung, dass Schalke schon so häufig eine bessere zweite Hälfte gespielt hat, habe ich gelernt, mit einem 0:0 zur Halbzeit zufrieden zu sein. Gestern war in der ersten Halbzeit aber alles irgendwie falschrum. Schalke lieferte ein ansprechendes Spiel und der HSV glänzte durch Effektivität. Nachdem Van Nistelrooy mit dem zweiten Schuss auf Neuers Tor die Führung erzielte, ärgerte mich doch sehr, dass die Blauen aus viel Ballbesitz und genügend Raum nichts zählbares schaffen konnten.

Aus Erfahrung habe ich auch gelernt, dass sich Schalke seit Felix Magath durch einen Rückstand nicht entmutigen lässt, sich eher angespornt zeigt, und darauf kann man sich auch weiterhin verlassen. Die erwartete Einwechslung Baumjohanns brachte Schwung, der Wechsel Edu für Matip noch mehr Offensive, und so entwickelte sich der Schlagabtausch, der mir gleichzeitig Spaß und graue Haare bescherte. Druckvoll ging es nach vorne, das „Die wissen nicht wie-Gefühl“ der letzten Jahre gibt es längst nicht mehr, diese Mannschaft ist immer gefährlich. Aber hinten, herrje, kam immer wieder jemand durch, gab es immer wieder Freistöße in der gefährlichen Zone.

Ich hätte mir nach der Führung den zweiten Magath’schen „Standardwechsel“ gewünscht. Farfan opfern, Christoph Moritz auf den Platz, mit zwei Stürmern und Raute dahinter über Platzbreite defensiv besser stehen. Felix Magath sah und sieht das anders. Seiner Ansicht nach hat sich seine Mannschaft nach der Führung zu weit zurückgezogen. Felix Magath ist Meister und Chef. Ich werde anders denken lernen müssen.

Ärgere ich mich nun also über das fehlende Fitzelchen, als Rincon noch so eben die Schädeldecke in Position bringen konnte oder Mathijsen den Ball von der Linie kratzte, oder ärgere ich mich über die Tatsache, dass Pitroipa tun und lassen konnte was er wollte und Trochowski stets freie Fahrt durch Mittelfeld hatte?
Vielleicht lasse ich das mit dem Ärgern ausnahmsweise und freue mich stattdessen über einen Punkt aus einem spannenden Spiel, dem zweiten Spiel von fünf der erklärten „Wochen der Wahrheit“ – der vierte Punkt. Sieben Punkte vor Platz 4, elf Punkte vor Platz 6, das fühlt sich gut an. Da kratzt mich die „verpasste Tabellenführung“ nach 27 Spieltagen nicht die Bohne.



PS: Bruno Labbadia sagte nach dem Spiel, dass seine Mannschaft das Spiel gut im Griff gehabt und kaum Chancen zugelassen hätte. Meines Erachtens muss er in den letzten Tagen arg wenig Schlaf bekommen haben. Oder er übt sich in Van Gaal’scher Provokation.

„Call 1 – Get 2 Free“

Die TV-Rechtevergabe hat mir das Gegnerstudium versaut. Also habe ich mir erst Werder Bremen und später den VfL Wolfsburg angeschaut. Erstaunlich, dass Spieler wie Per Mertesacker, Naldo und Tim Wiese alleine so talentiert und im Mannschaftsverbund so uneffektiv sein können. Erstaunlich, dass Bremen in einem so wichtigen Spiel gegen den FC Valencia das Stadion nicht voll bekommt. Und nicht erstaunlich aber bemerkenswert, dass man sich über ein halbleeres Stadion in einem Europacup-Spiel eines Deutschen Meisters nicht mal wundert.

Der HSV ist jedenfalls weiter und man kann davon ausgehen, dass die Euphorie über die müden Beine siegt. Was die Bundesligabegegnung am Sonntag angeht hat sich die Ausgangslage gegenüber dem Hinspiel dramatisch verändert. Nach 9 Spieltagen war der HSV ungeschlagen und nur ein Tor schlechter als Tabellenführer Bayer Leverkusen, Schalke stand mit 2 Punkten Rückstand auf Platz 3. Heute steht Schalke 11 Punkte vor Hamburg, der Punkteschnitt (Punkte / Spiele) des HSV ist von damals 2,33 auf 1,65 gefallen. Trotzdem habe ich einen Heidenrespekt, was vor allem an der Verpflichtung Ruud van Nistelrooys liegt.
Dessen Trefferquote zieht einem einfach die Schuhe aus. 72 Tore in 118 Premier League-Spielen. 46 Tore in 68 Spielen der spanischen Primera División. Dabei ist es völlig unerheblich, wie lange er verletzt ist, wie selten er zum Einsatz kommt, er trifft trotzdem. Auch für den HSV hat er in nunmehr 7 Einsätzen schon dreimal getroffen. Der Mann ist außergewöhnlich. Und wenn ich daran denke, wie häufig Schalkes Abwehr Manuel Neuer in den letzten Spielen in 1:1 Situationen geschickt hat, wird mir die Notwendigkeit einer Steigerung im Defensivbereich offenbar.

Außergewöhnlich … außergewöhnlich oft hat Felix Magath das Doppel Baumjohann & Moritz als Einwechselspieler gebracht. In den letzten 4 Spielen waren immer diese beiden die jeweils 1. Option für die Offensive (Baumjohann) und Defensive (Moritz). Das bleibt keinem ESR-Tipper verborgen und anlässlich meiner Erwartung biete ich als Exklusiv-Service zum 27. Spieltag die Aktion „Call 1 – Get 2 Free“ an: Wer zum Einwechselspieler-Raten-Spielchen im Kommentar nur einen Namen nennt, bekommt automatisch Baumjohann und Moritz dazugebucht! Na, is’ dat nix?!

Also sage ich mal …

Hao

… nehme mir die beiden anderen dazu und eröffne damit ESR-Runde 9. Glück auf.
 


 
[Einwechselspieler-Raten: Ein ausschließlich der Ehre halber zu treibender Zeitvertreib, bei dem jeder mitmachen kann, der bis eine Stunde vor Anpfiff die Namen der zu erwartenden Schalker Einwechselspieler in einem Kommentar hinterlässt. Wer 3 Treffer erzielt darf sich bis zur nächsten Runde „Magath-Into-The-Brain-Kucker“ nennen. Wechselt Felix Magath nur zweimal, sind diejenigen, die beide Wechsel richtig voraussagten, natürlich auch toll, aber nicht soooo toll. Eine komplette Liste aller Tipps und Treffer der aktuellen Runde erscheint spätestens Dienstag in diesem Blog. Regelung zur Aktion „Call 1 – Get 2 Free“: Wer 2 oder mehr Namen nennt, bekommt nix 4 free. Wer Baumjohann oder Moritz namentlich aufführt, bekommt auch nix 4 free. Wer nur einen (anderen) Namen nennt, bekommt Baumjohann und Moritz 4 free dazu.]

Überlebensstrategie in Königsblau

„Selbstverständlich – sonst wäre ich doch gar nicht erst nach Schalke gekommen.“

Felix Magath auf die Frage, ob er ein optimistischer Mensch sei.