Artikel im März 2010

Der Satz der Saison

„Das liegt aber nicht an Schalke, sondern nur an Magath“

Ein User des Werder Bremen-Forums worum.org, in einem Thread zu Schalke 04. Die dortigen Beiträge wanken seit Wochen zwischen Missgunst, Neid und Respekt. Egal wie die Saison für Schalke 04 enden wird, dies ist jetzt schon mein Satz der Saison.

Finale in Köln?

Bei einer ersten Wiederholung von Tradition zu sprechen wäre gehochstapelt. Wir sind der Meinung, ein Bloggertreffen am besten nicht nur so, sondern zu einem angemessenen Anlass stattfinden zu lassen. Im letzten Jahr war es das DFB-Pokalfinale. In diesem Jahr soll das wieder so sein.

Also haben wir – Trainer Baade, Enno Aljets, Heinzkamke, Jens Peters, Maurice Sonneveld und ich – vereinbart, uns am 15. Mai in Köln zu treffen, dafür in unseren Blogs zu werben und weitere Blogger wie Blogleser, Kommentatoren oder Twitterer dazu einzuladen, mit uns gemeinsam das Pokalfinale anzuschauen. Die „Location“ wird später bekanntgegeben und ist natürlich auch von der Teilnehmerzahl abhängig. Deshalb wäre es prima, wenn unsere Mitkucker möglichst früh einem von uns Bescheid geben.

Und nun noch das Kleingedruckte, der Leserlichkeit halber in Normalschriftgröße: Der Autor dieses Beitrags ist Anhänger und Mitglied des Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V., somit ist seine 1. Mannschaft noch im Pokalwettbewerb vertreten. Sollte der FC Bayern München das Pokalfinale bestreiten wird der Autor in Köln dabei sein und dem Gegner die Daumen drücken. Sollte seine 1. Mannschaft das Pokalfinale bestreiten, rutscht das „Bloggertreffen“ in seiner Prioritätentabelle nach unten. Dann wäre seine Teilnahme eher unwahrscheinlich. Ma’kucken.

Bewährtes + der goldene Edu

Olaf Thon hat sich in der Halbzeit des Spiels gegen Stuttgart davon überzeugt gezeigt, dass Felix Magath an der defensiven Grundausrichtung der Aufstellung nichts ändern würde. Heinzkamke vermutet, dass Christian Gross ähnlicher Überzeugung war, und sieht den Trainer seines VfB Stuttgart durch Magaths Einwechslung Baumjohanns bei gleichzeitigem Festhalten an Ivan Rakitic outcoached. Königsblog-Leser und vor allem Teilnehmer an unserem Einwechsel-Ratespielchen wissen hingegen: Alexander Baumjohann wurde nun bereits zum fünften Mal in Folge eingewechselt und Ivan Rakitic spielt seit Rückrundebeginn immer durch.

Und so hatten auch 32 von 38 Tipper Alexander Baumjohann auf dem Zettel im Kommentar. 23 nannten Chistoph Moritz, der nun das vierte Mal in Folge in der zweiten Halbzeit aufs Feld kam. Aktuell ist wenig Raum für Überraschungen. Am Ende waren es 4 von 38, die auch noch an Edu glaubten, alle drei Einwechslungen richtig voraussagten und sich bis zum nächsten Spieltag „Magath-Into-The-Brain-Kucker“ nennen dürfen:
Alex, SimSch04, Sascha und Ingo. Herzlichen Glückwunsch!
Hier die ESR-Ergebnistabelle des Spieltags 26/47:
 

Die beste Abwehr der Liga

Der VfB Stuttgart ist ein Spitzenteam der Bundesliga. Ein Spitzenteam zeichnet sich vor allem durch die individuelle Klasse der einzelnen Spieler aus. Kreativität und gute Technik bei hohem Tempo sind deren Merkmale, sind das, was den Unterschied macht. Ein Unterschied, der immer dann zum tragen kommt, wenn die Grundsätzlichkeiten – Einsatzbereitschaft und eine gute Organisation – von beiden Teams geleistet werden. Das Schalke gegen Stuttgart gewonnen hat, lag vor allem an der individuellen Klasse des Manuel Neuer.

Schalkes Defensive ist hochgelobt, durchaus auch zu Recht. Und weil sich Stuttgart auch zu organisieren weiß, fand das Spiel in der ersten Halbzeit vor allem im Raum bis 30 Meter vor den Toren statt. Man schenkte sich nichts, vor allem keine Chancen. Doch dann ging es plötzlich blitzschnell, innerhalb von Minuten kam Stuttgart zu besten Gelegenheiten. Mal Hleb, mal Cacau, Körpertäuschung, Absatzkick, schon standen Pogrebnyak und Kuzmanovic völlig frei vor dem Schalker Tor. Und scheiterten.
Dass der Bundestrainer René Adler zur Nummer 1 erklärte ist mir egal, ebenso die kicker-Bewertungen, bei denen Torhüter, die nicht mindestens fünfmal quer in der Luft liegen, grundsätzlich die Basisnote 3 erhalten. Ich sehe Manuel Neuer einmal wöchentlich über 90 Minuten und er lässt mir immer wieder den Mund offen stehen. Seine Stärke in 1:1 Situationen beeindruckt nicht nur mich sondern offensichtlich auch die gegnerischen Stürmer. Mindestens ebenso beeindruckend ist, in wie vielen Situationen es zu keinen Chance kommt, weil Neuer als letzter Mann, als 11. Feldspieler und nicht nur als Torwart zu agieren weiß. Er ist eine sichere Anspielstation für unter Druck geratene Verteidiger und ein aufmerksamer Verteidiger, der die Angriffszone des Gegners in offenen Spielsituationen um 16 bis 20 Meter verkürzt. Ja, Schalke hat die beste Abwehr der Liga, und Schalkes stellvertretender Kapitän ist dabei der wichtigste Spieler.

Dem 0:0 zur Halbzeit folgte eine aufregende und wohl für jedermann unterhaltsame zweite Hälfte. Jetzt ging es hin und her. Jetzt kam offen zum Ausdruck, dass beide Trainer dieses Spiel gewinnen wollten. Magaths Wechsel, Baumjohann für Matip und Edu für Farfán, waren erfolgreich, nicht nur wegen Edus Abstaubererfolg. Farfán fehlte in der ersten Hälfte weitestgehend die Bindung. Edu brachte mehr Körperkraft ins Spiel, außerdem verliert er nur sehr wenige Bälle. Alexander Baumjohann war der richtige Spieler, um im Mittelfeld gegen aufgerückte Stuttgarter den Raum zu nutzen, weil er Pässe sehr viel präziser spielt als Ivan Rakitic. Rakitic hingegen konnte im defensiven Mittelfeld erneut überzeugen.

Das erste Spiel der „Wochen der Wahrheit“ hat Schalke also erfolgreich hinter sich gebracht. Innerhalb der nächsten 20 Tage folgen weitere 4 Spiele gegen Top-Mannschaften. Wir sollten jedes einzelne genießen, in spätestens 62 Tagen ist diese tolle Saison schon vorbei!

Auch gegen Stuttgart nur zu elft

„Außer den Langzeitverletzten haben wir keine weiteren Ausfälle zu beklagen“

… sagt Felix Magath. Jefferson Farfán und Marcelo Bordon wollen wieder spielen. Kapitän Heiko Westermann will drin bleiben. Vicente Sánchez könnte, wenn er dürfte. Über Baumjohann haben wir schon Anfang der Woche ausführlicher nachgedacht.

Muss Heiko Westermann für Bordon Platz machen? Wenn ja, wo wird er dann eingesetzt, links hinten? Als 6er? Oder muss sich gar Benny Höwedes umorientieren, obwohl er doch in den letzten Wochen der eigentliche Held der Schalker Innenverteidigung war?

Kann man die Formation aus dem Spiel gegen Frankfurt, mit 2 Stürmern und Mittelfeldraute, als erfolgreich betrachten? „4 Tore“ mag mancher rufen. Aber die ersten beiden fielen nach Ecken und die letzten beiden aus klassischen Kontersituationen, als Frankfurt mittlerweile sehr weit aufrücken musste, als viel Platz zur Verfügung stand. Aus dem Spiel heraus hat Schalke gegen Frankfurt kaum Chancen kreieren können.
Also wieder mit Außenstürmern? Aber Sánchez war zuletzt schwach!?

Vieles ist denkbar. Allerdings glaube ich an keine allzu offensive Startformation, ich denke dass Magaths Respekt vor der Form des VfB dies verbietet. Ich tippe auf die Einwechselspieler …

… Baumjohann
… Matip
und Morávek.

Und Du?
 



[Einwechselspieler-Raten: Ein ausschließlich der Ehre halber zu treibender Zeitvertreib, bei dem jeder mitmachen kann, der bis eine Stunde vor Anpfiff die Namen der zu erwartenden Schalker Einwechselspieler in einem Kommentar hinterlässt. Sollte der Initiator dieses Spielchens mit seinen getätigten Aussagen falsch liegen, tritt er trotzdem nicht zurück. Der Gebrauch von Insiderinformationen oder Bestechungsgeldern darf von Dritten nicht nachgewiesen werden können. Die Tippabgabe unter Einfluss von Dopingmitteln ist offiziell verboten, es besteht ein Stillschweigegebot. Bewusstseins- erweiternde Drogen gibt es nicht, irgendwas bleibt immer auf der Strecke¹. Meinetwegen kann aber jeder auf der Strecke lassen was er will, solange es sich nicht negativ auf den Kommentareintrag auswirkt. Zuwiderhandlungen führen zum Ausschluss. Akteneinsicht wird grundsätzlich nicht gewährt.]

Stark nach hinten raus

Der VfB Stuttgart, das sind die mit der starken Rückrunde. Diese Aussage hat das Zeug zum Mythos. Egal mit wem man derzeit über den VfB spricht, der aktuelle Rückrundeaufschwung wird immer wieder mit der Rückrunde der vergangenen Saison und der Meisterschaft 2007 in Zusammenhang gebracht.

39 Punkte, in der Rückrunde der letzten Saison, und 38 Punkte, in der Rückrunde 2007, sind echte Hausnummern. Trotzdem braucht es mehr, damit man sich so was merkt. Eine große Differenz zur in der Hinrunde erreichten Punktzahl zum Beispiel. Eine Abschlussplatzierung oberhalb der Istdochegal-Zone. Und am besten auch noch charismatische Trainerwechsel.

Der treue Markus Babbel brachte den VfB Stuttgart in der letzten Saison von Platz 11 auf Platz 3. Nun hat Christian Gross das Sagen und gleich mal aus 10 Spielen 23 Punkte geholt. Die Hinrunde war mit nur 16 Punkten dramatisch schlecht und gleichzeitig eine Vorlage für einen Rekordbucheintrag: Sollte der VfB mit dem aktuellen „Gross-Schnitt“ weiter machen – und wenn auch nur nach einer Niederlage in Gelsenkirchen, auf die ich inständig hoffe – könnte der Rekord der größten Punktedifferenz von Rückrunde zur Hinrunde eingestellt werden.

Diesen Rekord hält übrigens, rechnet man alle Bundesliga-Spielzeiten nach 3-Punkte-Regel, der SV Waldhof Mannheim. In der Saison 88/89 war man nach der Hinrunde mit nur einem Sieg und 7 Unentschieden Letzter. Unter Trainer Günter Sebert konnte Waldhof in der Rückrunde 9 Siege und 4 Unentschieden einfahren.
 
Die größten Steigerungen nach Punkten Rückrunde zur Hinrunde

 
Die erfolgreichsten Rückrunden nach 3-Punkte-Regel

Halils Schnitt

Für Schalke:  96 Bundesligaeinsätze, 16 Tore.  0,17 Tore pro Einsatz.
Für Eintracht:   6 Bundesligaeinsätze, 1 Tor.       0,17 Tore pro Einsatz.