Artikel im April 2010

Weiter geht’s!

Die letzten Tage fühlten sich schon ein bisschen wie Sommerpause an. Am letzten Samstag konnte Schalke 04 sein Saisonziel „Teilnahme am internationalen Wettbewerb“ übertreffen. Fortan gab es jeden Tag irgendwo etwas über mögliche Neuzugänge zu lesen. Christoph Metzelder und Erik Jendrisek werden kommen. Über Andreas Hinkel, Ireneusz Jelen, Aristide Bancé oder eine Rückkehr Hamit Altintops wurde spekuliert. Stimmung wie in Zeiten eines offenen Transferfensters, in denen es Mühe macht dem hyperaktiven Felix Magath mit ständigem aktualisieren seiner Newsfeeds beizukommen. Dabei stehen wir vor einem tollen Bundesligaspiel. Werder kommt.

Gegen Werder sah Schalke in den letzten Jahren meistens gut aus. Werder kann nicht anders als offensiv zu spielen, und aus sicherer Stellung zu Kontern ist die Art der Offensive, die Schalke am meisten liegt. Bliebe die Frage, wie unsere Mannschaft mit der besonderen Situation umgeht. Fühlen die zum Teil noch schmalen Schultern eine Last des siegen Müssens, um den Druck auf Bayern München aufrecht zu erhalten? Oder ist man befreit, weil es nichts mehr zu verlieren gibt, weil diese Saison eine grandiose war, egal wie die letzten Spiele enden?

Wir werden es sehen. Wir können an dieser Stelle auch die Pressekonferenz von gestern sehen. Und wir werden sehen, dass …

Moritz
Asamoah
und Hao

… eingewechselt werden. Diesmal bin ich mir wirklich ganz sicher.



[Weitere Ausführungen zum „Einwechselspieler-Raten“ gibt es hier]
 

Näpfchen 1 in königsblau

„Lebenslauf“ des Christoph Metzelder bei metzelder.de, bis Dienstag …

In Haltern habe ich bis zur B-Jugend gespielt, dann kam plötzlich ein Angebot von Schalke 04. Der große S04 wollte mich verpflichten. Das ist ja sensationell, habe ich mir gedacht und direkt zugesagt. Von wegen! Meine Zeit bei den Königsblauen würde ich am liebsten sofort wieder vergessen. Pleiten, Pech und Pannen waren an der Tagesordnung. Angefangen vom nicht vorhandenen Spielerpass, bis hin zu einem Trainer, der wohl vergessen hat mir mitzuteilen, dass meine Mannschaft ins Trainingslager fährt. Alles in allem eine völlig verkorkste und verlorene Saison für mich. Schon während der Winterpause war mir klar: Ich werde den Verein wieder verlassen. Glücklicherweise hatte da schon Preußen Münster bei mir angeklopft.

„Lebenslauf“ des Christoph Metzelder bei metzelder.de, seit gestern …

In Haltern habe ich bis zur B-Jugend gespielt, dann kam plötzlich ein Angebot von Schalke 04. Der große S04 wollte mich verpflichten. Das ist ja sensationell, habe ich mir gedacht und direkt zugesagt. Nach einem kurzen Intermezzo bei den Königsblauen zog es mich dann aber wieder zurück zu Preußen Münster.

Das nenne ich mal einen ganz schlechten Anfang einer neuen Beziehung. Sowas ist nicht geschickt. Es gibt so viele Fundstücke die aus Schalker Fansicht gegen Christoph Metzelder verwendet werden könnten, da wäre diese Homepage mit den paar Bildchen und den Agentur-News locker hinten rüber gefallen. Wäre – hätte diese Änderung kein Licht darauf geworfen.

Christoph Metzelder wird nicht selbst an dieser Homepage herumgefrickelt haben. Ich hoffe nur er wird ansonsten nicht auch so beraten. Er hat sich jetzt für Schalke 04 entschieden und sollte davon ausgehen, dass jeder Fan über Interviews und T-Shirt-Aktion Bescheid weiß. Etwas verheimlichen, etwas beschönigen, beschwichtigen oder relativieren hilft nicht. Ich würde ihm einen reserviert freundlichen Umgang mit der Anhängerschaft seines neuen Arbeitgebers empfehlen. Das Einzige was wirklich hilft ist Leistung auf dem Platz.

Christoph Metzelder

Die „Bild“-Zeitung meldet Christoph Metzelders Wechsel zu Schalke 04, ganz ohne Konjunktive. Magath hätte damit den ersten neuen Star. Das sehe ich anders. Trotzdem glaube ich diesen Transfer zu verstehen.

Dass ein gesunder und fitter Christoph Metzelder ein starker Spieler ist, steht außer Frage. Die Frage ist eher, ob einer der schon so oft verletzt war, der in den letzten Jahren so selten unter Profi-Wettkampfbedingungen auf dem Platz stand, wieder ein gesunder und fitter Spieler sein kann.
Diese Frage lässt sich heute nicht beantworten. Felix Magath glaubt offensichtlich daran. Wenn nun spekuliert wird, wen Metzelder ersetzten wird, wenn vom Gehaltsgefüge gesprochen wird, will ich bemerken, dass Felix Magath sicher kein Idiot ist. Ich denke nicht, dass für Christoph Metzelder ein Gehaltspoker gewonnen werden musste. Ich denke auch nicht, dass Magath ihn nun als Stamm-Innenverteidiger einplant und mit einer nächsten Verletzung seinen Aufbau zusammenbrechen lässt.

Marcelo Bordon ist 34 Jahre alt und immer öfter sieht man das auch auf dem Platz. Ich bin mir nicht sicher, dass Felix Magath auf Heiko Westermann als Innenverteitiger setzt. Von der restlichen Gang ist Benni Höwedes mit 22 Jahren der älteste, Zambrano und Matip darf man ohne Widerworte als unerfahren kategorisieren, ob Tore Reginiussen noch zum Bundesliga-Profi heranreifen wird bleibt abzuwarten. Christoph Metzelder ist „erst“ 29.

Ich denke Christoph Metzelder ist für Schalke eine Chance, und umgekehrt. Dass er lange ein bei Borussia Dortmund gespielt hat juckt mich überhaupt nicht.

Plötzlich entschied er nicht!

Nein, ich bin kein Magath-Into-The-Brain-Kucker. Sonst wüsste ich, wieso er Samstag so lange mit der ersten Auswechslung gewartet hat. Magath ist ein Mann der Tat, ein Macher, entscheidungsfreudig wie einer in der Position sein muss. Und plötzlich entschied er nicht! So spät wechselte Magath in den letzten Monaten nur wenn das Spiel gut lief, in Leverkusen zum Beispiel, oder in Frankfurt. Ich fluchte und wähnte ihn schon im Bann … im Als-Schalker-habe-ich-im-entscheidenden-Moment-zu-verkacken-Bann.

Aber es ging ja doch gut aus. Endlich mal andersrum. Die entscheidende Flanke kam vom spät eingewechselten Vicente Sánchez. Felix.

Zum ersten Mal, in der 15. Runde dieses Spielchens, hatte niemand auf eine Einwechslung Sanchez’ getippt. Alexander Baumjohann, wieder mal der meistgenannte Spieler, durfte zum zweiten Mal in Folge nicht auf den Platz.

Hier die Komplettliste der ESR-Runde 32/47:
 

Schlecht! Egal!

Fußball ist ein Spiel des Zufalls. Gerade noch schreit man Zeter und Mordio, im nächsten Moment ist man seelig. Heute war es genau so: In 28 Minuten starb ich 1000 Tode, war ich zutiefst enttäuscht, bis sich mit einem Schuss alles löste und durch ein befreites, lockeres, glückliches Gefühl ersetzt wurde. Schalke 04 hat sich für die Teilnahme an der Champions League qualifiziert. Unglaublich. Schalke 04 ist zwei Spieltage vor Schluss punktgleich mit dem Tabellenführer. Wunderbar.

In der ersten Hälfte war Schalke nicht mehr als nur bemüht. Aus einem Mittelfeld mit Westermann, Kluge und Rakitic kamen kaum gute Anspiele in die Spitze, vor allem weil Rakitic sehr häufig auf die linke Außenbahn auswich und Kluge als Mann im zentralen, offensiven Mittelfeld übrig blieb. Diese Position kann Peer Kluge noch weniger ausfüllen als Rakitic oder Westermann. Die Außenverteidiger Schmitz und Rafinha konnten sich offensiv ebenfalls nicht in Szene setzten, ließen ihre Vorderleute Hao und Farfan weitestgehend alleine. So blieb der der Spielaufbau zumeist Stückwerk.
Drei gute Chancen hatte Schalke trotzdem. Einmal Köpfte Kuranyi knapp vorbei. Einmal fragte man sich, wieso Jefferson Farfan aus bester Schussposition noch in die Mitte zu Kuranyi passte. Und einmal hätte es Strafstoss geben müssen, als Herthas Steve von Bergen Kevin Kuranyi kurz vor dessen Schuss das Standbein wegtrat. Gab es aber nicht.

In der zweiten Hälfte begann Schalke mit mehr Tempo und drückte auf die Führung. Zwar spielten die gleichen Spieler in der gleichen Weise, aber man gewann mehr Zweikämpfe, alles war etwas dynamischer, alles war näher am Tor der Hertha. Dann kam die Nachricht aus Gladbach, dass Bayern München zurückläge, es war 16:48 Uhr und es war als senkte sich ein Schleier der schlechten Tradition über die Mannschaft des FC Schalke 04 …

Vielleicht war das alles nicht real, vielleicht habe ich es nur so empfunden. Aber plötzlich geschah alles im schlechten Lichte. Nichts, was den Knappen noch gelungen wäre, einfachste Pässe kamen nicht an, überall, vorne wie hinten, wurden Zweikämpfe verloren, man hatte den Eindruck, als würde jeder einzelne Spieler im schwarz-blauen Trikot des S04 unter dem Erwartungsdruck ächtzen. Es war furchtbar! Ich sah Gekas, ich sah Drobny, ich dachte an den 27.04.2007. Die Zeit verrann. Ich fluchte. Warum nur änderte Felix Magath nichts? Er, der schon drei Spieler auf einmal wechselte, der Spieler ein und wieder auswechselte wenn sie nicht funktionierten; er sah tatenlos zu wie sich seine Mannschaft auflöste! Hertha profitierte davon. In der 66. Minuten konnte Marcelo Bordon den Ball gerade noch vor der Linie klären, eine Minute später rettete Neuer in höchster Not und kurz darauf stand auch Gekas noch frei vor dem Tor. Gekas vergab.
Erst um 17:07 Uhr sah Felix Magath die Notwendigkeit zu wechseln. Er brachte Moritz für Kluge, was auf das Offensivspiel kaum Einfluss hatte. Aber 10 Minuten später staubte Heiko Westermann ab, und alles war hell!

Schalke 04 hat ein entscheidendes Spiel glücklich gewonnen: Wenn das mal nichts Besonders ist! Schalke gewann kein „Ding“, nicht die Tabellenführung, aber das große Geld. Einen Preis, von dem vor der Saison niemand zu träumen wagte. Mögen andere reicher, schöner und moderner sein, Schalke hat jetzt schon 19 Spiele gewonnen und spielt die drittbeste Saison in 42 Jahren Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga!

Noch zwei Siege. Ich will, dass es nun nicht mehr an Schalke liegt. Ich will, dass der Job gemacht wird, wie auch immer, gerne auch unverdient und glücklich, andere wissen auch wie das ist. Wenn der FC Bayern den Test besteht gratuliere ich höflich. Zunächst sind wir aber weiterhin der Stachel in ihrem Arsch.

Hertha steht im Weg

An Hertha BSC am Tabellenende hat man sich gewöhnt. Anfangs wurde gewitzelt, Hertha mit Tasmania verglichen. Jetzt wird nicht mal mehr gewitzelt. Trotzdem ist es nach wie vor unglaublich schwer zu verstehen: Innerhalb weniger Wochen tut sich ein Loch auf und ein ganzer Fußballclub fällt rein. Trainer, Spieler, Erfolgstaktik, ein Boss, die Fassung vieler Fans, der gesunde Menschenverstand einiger Fans, die Contenance.

Ende letzter Saison war Schalke 04 ein Stolperstein für Hertha BSC. Das Spiel fand am vorletzten Spieltag statt. Hertha stand auf Platz 3, einen Punkt hinter dem Tabellenführer. Für Schalke war die Saison gelaufen, nachdem man gerade die letzte Chance auf eine Teilnahme an der Europa-Liga verspielt hatte. Nach einen 0:0 war Berlins Traum von einer Meisterschaft endgültig dahin und Hertha fiel aus den Champions League-Rängen.

Nun steht Hertha dem FC Schalke 04 im Weg. Stolpert Schalke, könnte der Traum von einer Meisterschaft dahin sein. Angenehmerweise hat Schalke einen 7-Punkte-Sicherheitsabstand auf Platz 3. Schalke könnte in diesem Spiel also einen Traum, aber zunächst mal keine Zukunft verlieren.
Positiv ausgedrückt: Für Schalke gibt es viel zu gewinnen. Ein Sieg würden die sichere Qualifikation zur Champions League bedeuten! Für Hertha geht’s darum, nicht alles zu verlieren. Ich denke es wird ein sehr spannendes Spiel.

Und ich denke Magath überrascht mit Mario Gavranovic für Edu in der Startformation. Später kommen dann …

Baumjohann
Schmitz
… und nochmal Asamoah, der olle Zeitdieb.

Ma’kucken.



[Weitere Ausführungen zum „Einwechselspieler-Raten“ gibt es hier]

Unterm Schal, da gibts koa Hautunreinheiten!

Ein Filmchen das zeigt, womit „Jogi“ seinen Strafraum sauber hält. Werbung, natürlich, sollte man eigentlich nicht für lau verbreiten. Aber weil es so unglaublich gut zu meinem Bild von „Jogi“ Löw pascht …


[via @kressZwitscher]