Artikel im Mai 2010

Westermanns Arschkarten-Jahr

Mit Magath kam der Umbruch und Magath machte Heiko Westermann zu seinem Kapitän. Eine gute Wahl. Westermann hatte zwei gute Jahre auf Schalke hinter sich, Nationalspieler, mit 26 im besten Führungsspieler-Alter, ein klar denkender Kopf. Es war davon zu lesen dass es eine Absprache gegeben habe, nach der Westermann nicht mehr so häufig wie zuvor die Position wechseln sollte. Er sollte zentral spielen, in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld vor der Abwehr. Heiko Westermann als Fixpunkt für eine sich suchende Schalker Mannschaft.

Dann aber wurde es Heiko Westermanns übelste Saison in königsblau. Beim Versuch zu Führen verlor er sich selbst und lieferte wiederholt schwache Leistungen ab. Es dauerte nicht lange bis er doch wieder als Aushilfe auf den Außenpositionen im Mittelfeld und der Abwehrkette eingesetzt wurde. Egal auf welcher Position, Heiko Westermann fehlte es mittlerweile an Souveränität. Zu Beginn der Rückrunde musste er sich auch noch am Meniskus operieren lassen und fiel einen Monat aus, was seine Situation noch schwieriger machte. Ginge es in der Nationalmannschaft nach aktuellen Leistungen, hätte Heiko Westermann meines Erachtens nicht nominiert werden dürfen. In diesem Fall kam des Bundestrainers „Philosophie-Prinzip“ einem Schalker zugute. Bis Samstag.

Vom „geplatzten WM-Traum“ wird gerade alle Nase lang, bei jedem Ausfall geschrieben. Manchmal ist es ein Traum in wiederholter Auflage oder es gibt die Möglichkeit des Nachträumens. Im Fall Heiko Westermann trifft die Formulierung in voller Härte. Bei einem, der als „Utility-Player“ irgendwie reingerutscht ist, der in dieser verletztungsverseuchten Nationalmannschaft reichlich Lücken zu finden gehabt hätte. Dass der dann 30-Jährige Heiko Westermann bei der WM 2014 in Brasilien dabei sein wird ist für mich aktuell kaum vorstellbar. Ich denke seine Profi-Karriere wird ohne WM-Teilnahme zu Ende gehen.

Mein Glückwunsch zur WM

Heute wird der Bundestrainer verkünden, dass Manuel Neuer bei der WM das Tor der deutschen Nationalmannschaft hütet. Dazu kann man beide nur beglückwünschen.

Auch Tim Wiese wäre eine gute Wahl gewesen, René Adler sowieso, ich will gar nicht vergleichen. Manuel Neuer ist der wichtigste Baustein der als stark geltenden Schalker Defensive. Er ist ein Typ für den „Flow“, einer der sich in einem Spiel bis nah an die Unüberwindbarkeit steigern kann. Ein Typ für „große Spiele“, wie er für Schalke in der Champions League und für den DFB bei der U21-EM bereits bewiesen hat. Dazu, und überhaupt für ein gutes Turnier, braucht es aber immer auch eine Portion Glück.
Ich drücke mir die Daumen königsblau.


Auf Schalke: Eine Lore Kohle ist mitzubringen

Das Erlebnis eines Stadionbesuchs auf Schalke ist teuer, wird teurer, noch teurer. Die Firma Schalke 04 handelt nachvollziehbar. Das Stadion ist seit Jahren stets voll. Die Dauerkarten-Wartelisten sind längst wegen Überfüllung geschlossen. Für den Verkauf von Tagestickets legt man sich wahlweise mit Matratze und Propankocher vor die Geschäftsstelle oder nimmt sich Urlaub, um sich am Webportal über Stunden den letzten Nerv rauben zu lassen. Da ist die Preisschraube noch nicht am Anschlag, da ist die Kundschaft noch bereit zu zahlen.

Der Verein Schalke 04 überdreht längst. Jede Kommerzkröte für sich – der vom Sponsor angepriesene Eckball, die werbebeklebt-bestellten Trommler, die aufblasbare Klatschrolle, der Rote-Karte-Werbeflyer, die letzten x Spielminuten des Eisproduzenten, der Staucheck des einen- und die Zwischenergebnisse des anderen Sponsors* – ist einzeln zu schlucken. Als lebendige Schar bringt sie einen zum Würgen. Das alles bringt den Stadionbesuch weg von der Sache an sich, vom eigentlichen Fußballspiel. So wie die Preise den Verein wegbringen von dem was man doch bitte fühlen soll, weil es sich so gut darstellen lässt, dem „Arbeiter- und Malocherclub“, dem Club der Knappen und Kumpel, dem Wir-Gefühl „Schalker“.

Ein Stehplatz kostet künftig 15 Euro, der billigste Sitzplatz 30 Euro. Der Sohnemann ist mit 12,50 Euro dabei, zuzüglich 4,50 Euro Gebühren pro Bestellung für nichts. Der Verein, namentlich Peter Peters und Felix Magath, sagte, damit läge Schalke im Bundesligadurchschnitt, das sei ja wohl angemessen und nicht zuviel verlangt. Und so schreibt denn auch Frank Leszinski in den Ruhr Nachrichten …

Die billigste Karte kostet ab der neuen Saison 12,50 Euro, das teuerste Ticket 50 Euro. […] Damit bewegt sich Schalke zwar im Mittelfeld der Kartenpreise im Vergleich zu anderen Bundesligisten, aber …

Wenn aber wirklich die Preise der Bundesligisten für vergleichbare Plätze gegenübergestellt werden ist zu erkennen, dass ein wie auch immer gerechneter Gelsenkirchen-Durchschnitt am Leben vorbei geht und man beim FC Schalke 04 zumeist Spitzenpreise zu zahlen hat. Die Mühe der Preisvergleiche hat sich Matthias Berghöfer gemacht. Toll und gruselig zugleich.



*: Die Liste hätte problemlos dreifache Länge haben könne, worauf auf Grund der Lesbarkeit verzichtet wurde.

Des Deutschen Vuvuzela

Während der kommenden WM wird die Vuvuzela allgegenwärtig sein. Wir werden hören, dass sie ein traditionelles afrikanisches Blasinstrument ist, dessen Klang dem Trompeten eines Elefanten ähnle. Abgesehen von dem Einwand, dass Musizieren eben eine Menschheitstradition ist, kann man die Formulierung nur unterstützen. Sie malt ein Bild von Afrika, ist freundlich und positiv, eben einem Fußballfest entsprechend. Die Feststellung, der Ton klingt wie das Hupen eines alten VW-Busses, träfe es aber auch.

Mir geht dieses Hupen auf die Nerven, weil ein Dauerton keinen Rhythmus hat, weil ich es nur als Lärm empfinde. Aber es ist nichts, was ich nicht ertragen könnte. Nichts was ich nicht schon ertragen hätte, als Angehöriger der Altersgruppe 30+.

Trotzdem hoffe ich, dass die Plastikhupen nach dem „Event“ mit dem anderen saisonalen Plunder auf dem Müll landen werden.


Die Zuschauerstatistik

Mögen Eintritts- und Bierpreise auch steigen, in der Bundesliga wurden erneut über 13 Millionen Tickets verkauft. In der Saison 2009/2010 lag die durchschnittliche Besucherzahl bei 42.490 Zuschauern. 134 der 306 Spiele wurden als ausverkauft gemeldet. 12 der 18 Clubs lagen in ihrer Stadionauslastung über 95%. Das alles sind Werte, die sich kaum noch steigern lassen.

Hier also die Zuschauerzahlen der Saison 2009/2010 in drei verschiedenen Ansichten.
Wer vergleichen möchte, die Zuschauerstatistik aus dem Vorjahr gibt es hier.

Zuschauertabelle nach Auswärtsspielen

 
Zuschauertabelle nach Heinspielenspielen

 
Gesamtzuschauertabelle

Der Führer hinkt, aber wir fallen nicht!

Wenn schon alles geschrieben wurde, einfach mal Schlagzeilen wichsen! Was mit „Führer“ geht immer. Dafür ist sich nicht nur Der Spiegel in jeder dritten Ausgabe oder die BILD zu blöde, dass findet auch die taz immer wieder toll.

Gestern Abend blies diese die Nachricht „Der Führer ist tot, es lebe das Team!“ in den Twitter-Orkus. Im verlinkten Text wurde dann der Begriff „Spielführer“ moniert. Was Neues hatte Autor Markus Völker nicht zu berichten. Er hielt sich an die ewige dafür, dagegen Leitwolf/Leader/Macher Diskussion. Er ist natürlich dagegen, andersrum wäre gerade doof. Dass mit Kicker Ballack eine entscheidende Waffe ausfällt ist kein Thema, schicken wir eben einen Jungspund mehr an die Front. Sicher werden die Knaben im Eifer des Gefechts über sich hinauswachsen. Wir wollen dem Volk ja nicht den Glauben an den Endsieg nehmen.

Und alle: Da simmer dabei, dat ist prima …


Das Übrige zum Montag

Am 07. August wird Schalke 04 in Augsburg gegen Bayern München um den DFL-Supercup spielen. Wer dann für Schalke aufläuft, muss man mal abwarten. Gleich in der ersten Zwischen-den-Spielzeiten-Woche fiel ein Himmel an Transfergerüchten dem hilflosen Schalke-Fan auf den Kopf. Trotz der Gefahr der Themendürre werde ich allerdings dabei bleiben, mich an dieser Stelle keinem Namengeschnörpel hinzugeben.

Von anderer Stelle aus wurde ich in der letzten Woche nach meiner Meinung zu den Dingen des FC Schalke 04 gefragt. Im Rasenschach-Blog gibt pro Bundesliga-Club ein Blogger per Interview sein „Fazit“ zur abgelaufenen Saison zum Besten. Meins gibt es dort nun auch zu lesen.

Am vergangenen Dienstag war ich außerdem Gast beim Internet-Fußballradio „90elf“. Dieses Interview kann gleich hier nachgehört werden:


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(17:27 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed




Und dann war da vorgestern noch unser Bloggertreffen. Für mich war es das dritte Mal, dass ich Menschen traf die ich zuvor nur schriftlich kennen gelernt hatte. Und wie die Male zuvor hat es mir erneut großen Spaß gemacht. Danke dafür, an alle Teilnehmer die das jetzt vielleicht lesen. Und weil wir drüber sprachen, und für alle die es sonst noch interessiert, an dieser Stelle der Link zum Text von Arnd Zeigler, der bei jetzt.de Stellung zu der Frage bezog, ob man deutsche Vereine auch in internationalen Wettbewerben scheiße finden darf oder ihnen ob der „nationalen Aufgabe“ die Daumen drücken muss: Klick.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass der Ur-Gladbacher und Spät-Schalker Wilfried Hannes heute 53 Jahre alt wird. Vor 4 Wochen gab der „11 Freunde“ ein Interview in dem er über seine beiden Clubs, seine Karriere und sich als ehrlich arbeitenden Spieler sprach. Wenn ich so was lese kommt mir immer die Frage hoch, was denn ein nicht ehrlich arbeitender Spieler ist und ob nicht arbeitende, dafür spielende Spieler denn so schlecht … aber das wäre wohl einen eigenen Beitrag wert und gehört nicht zum Übrigen. Jedenfalls herzlichen Glückwunsch, Wilfried Hannes!