„Most Valuable Moment“

Jetzt ist die Bundesligasaison auch offiziell vorbei. Für Schalke war sie es eigentlich schon letzte Woche. Auf Kevin Kuranyis Wechsel hatte ich mich schon länger eingestellt. Ich glaube Jörg Strohschein hat recht wenn er schreibt, dass Felix Magath seine Mannschaft anders spielen lassen möchte, dass er für Kevin Kuranyi nicht ins Portemonnaie greifen wollte. Ich glaube er verzichtet aus finanziellen, aber auch „aus taktischen Gründen“ auf Kuranyi. Manchmal haut einem die Ironie genau auf die 12.

Worte des Stolzes habe ich schon geschrieben. Da war das Fazit schon mit drin und die Leistungen der einzelnen Spieler durchzuhecheln, dazu habe ich keine Lust. Irgendwann in den letzten Tagen kam in mir die Frage nach dem „Most Valuable Moment“ auf. Es war eine ereignisreiche Saison und es gab viele Momente, über die ich mich gefreut habe, über die „man sich als Schalker“ freuen konnte. Wenn ich aber wählen müsste, welches der für mich persönlich wichtigste Moment in dieser Schalker Saison gewesen ist, ich würde das Ende der Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg wählen.

Im September war die Saison noch jung. Nach 5 Spielen stand Schalke gut da, doch wusste man die erreichte Punktzahl noch nicht recht einzuschätzen. Im Spiel gegen Wolfsburg stand es zur Halbzeit 0:0, in der 55. Minute erzielte Dzeko die Führung für Wolfsburg.
Zwei Jahre lang war es die Regel, nach einem Rückstand abzuwinken. Schalke war dann oft bemüht, aber selten erfolgreich. Gegen Wolfsburg ging nach 5 Minuten ein Ruck durch die Mannschaft und es wurde ein Tempo angeschlagen, das die Leute von den Sitzen zog. Mit aller Macht drängte die Mannschaft auf den Ausgleich, bis es in der 80 Minute endlich soweit war und Benni Höwedes per Kopf traf. Bevor Dzeko eine Minute später den 2:1 Endstand für Wolfsburg herstellte.

Dieses Aufbäumen, diese Tempoverschärfung und der Wille an die Grenze zu gehen war an diesem Abend erstmals zu sehen und führte Wochen später zu den Comeback-Erlebnissen gegen Leverkusen, gegen Hamburg und zum Derbysieg gegen Dortmund. Genauso wichtig war aber die Stimmung im Stadion. In der Druckphase wurde die Mannschaft getrieben, am Ende wurde das Engagement trotz Niederlage beklatscht. Nach dem Abpfiff war kaum jemand unzufrieden. Schalke bot einen großen Kampf und der war es Wert gesehen zu werden, auch wenn am Ende keine Punkte dabei raussprangen. Diese ergebnisunabhängige Bewertung der Mannschaftsleistung führte viele Wochen später zu einem grandiosen Saisonabschluss nach dem letzten Heimspiel. Meines Erachtens war der 18. September 2009 ein ganz wichtiger Abend mit Folgen. Der wichtigste Abend.



4 Kommentare zu “„Most Valuable Moment“”

  1. Andreas sagt:

    „Ergebnisunabhängigkeit“ ist das Stichwort für eine weitere, bitter nötige Taktikänderung. Wenn Magath aus verständlichen Gründen nicht mehr mit Kuranyi plant, so würde ich genauso gerne den imaginären Vertrag mit den Fehlpass-Pfeifern im Publikum auflösen, die sich in die Arena verirrt haben. Die Nordkurve als solche hat ihnen ohnehin längst die einzig richtige Antwort gegeben.

    Ach ja: Mein wichtigster Moment war der, als ich nach Jahren des Boykotts zu Saisonbeginn gegen Bochum wieder im Block K stand und die Atmosphäre der Nordkurve bereitwillig in mich aufsog. Und als ich spürte, dass da wieder Spieler auf dem Rasen sind, mit denen ich mich ohne Vorbehalt identifizieren kann. Völlig ergebnisunabhängig.

  2. Ludger sagt:

    mein wichtigster Moment war der Schulterschluss des gesamten(!) Schalker Anhangs mit Kevin Kuranyi. Diese Pfeiferei ist mir schon die Jahre vorher auf die Nerven gegangen. Wer kann schon gut Fußball spielen, wenn die eigenen Fans einen auspfeifen?
    Die Umstellung, die mit dem Abschied von Kuranyi anfängt, könnte mit Bordon weitergehen, der gerne mit langen Bällen operiert und oft das Spiel verschleppt. Grandioser, sicherer Defensivmann, aber diese Verschleppung, das Hintenrumspiel, ich habe den Eindruck, das möchte Magath loswerden.
    Das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum ein Magath so auf Neuer abfährt, der nach fast jedem Ballkontakt als Torwart das Spiel schon wieder schnell macht und antreibt…
    Was denkt ihr?
    Eine statistische Frage noch: wann hat Schalke eigentlich das letzte Mal ein Spiel gedreht? Ich meine, zurückgelegen und trotzdem gewonnen? Ich erinnere mich gar nicht.
    Das ist die große Schwäche, die diese Mannschaft noch abstellen muss. In der Lage sein, ein Tor zu schießen, auch wenn der Gegner sich hinten reinstellt. Und dafür benötigt man ein technisch gutes, schnelles Spiel.
    Ich könnte echt weinen, dass wir diesen Özil für anderthalb Jahresgehälter von Albert Streit abgegeben haben. Gut, dass dieser Müller weg ist.
    Cooler Blog übrigens,

    Gruß,
    Ludger

  3. Torsten Wieland sagt:

    Schalke hat das Heim-Derby gegen Borussia gedreht. Aber wie ich oben schon schrieb, m.E. hat sich da einiges getan. Siehe die Heimspiele gegen den HSV oder Leverkusen.

  4. “Es war ein Jahr der Wiedervereinigung zwischen Mannschaft und Fans” - rasenschach magazin sagt:

    […] Was ist deine schönste Erinnerung an die Fußballsaison 2009/2010? Beide Spiele gegen den HSV waren toll, die beiden Derbysiege gegen Borussia waren großartig. Der für mich “wichtiges Moment” war allerdings das Ende der Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg. Das hatte ich gerade selbst thematisiert, deshalb bin ich mal so frei und verweise auf die ausführliche Begründung dort. […]

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