Ein Testspiel namens Supercup

In sieben Tagen steht für Schalke 04 mit der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals der erste nachhaltige Pflichttermin an. Fünf Tage später folgt der erste Bundesligaspieltag, das Auswärtsspiel in Hamburg. Da ist es an der Zeit, sich auch mal mit einem Testspiel zu beschäftigen. Samstag gab es die Gelegenheit, gegen einen ambitionierten und ballsicheren Gegner.

Aufstellung und Ausrichtung

Wie zu erwarten bildeten Christoph Metzelder und Benni Höwedes das Innenverteidigerpaar vor Manuel Neuer. Als Linksverteidiger startete Lukas Schmitz, als Rechtsverteidiger Atsuto Uchida. Während sich Lukas Schmitz wenig zutraute machte Atsuto Uchida lange Wege und tauchte deutlich häufiger als Flankengeber oder überhaupt als Unterstützung für die Offensive in Erscheinung. In der Halbzeit wurde Lukas Schmitz durch Sergio Escudero ersetzt.
Joel Matip agierte im Mittelfeld meist zentral defensiv. Bei gegnerischem Ballbesitz bildeten er und Peer Kluge eine Doppel-6, bei eigenem Ballbesitz rückte meist Kluge auf und agierte vornehmlich rechts. In diesen Situationen wurde Jefferson Farfán zum Stürmer – in der Grundformation und bei gegnerischem Ballbesitz bekleidete er die rechte Mittelfeldposition. Die linke Mittelfeldpositon übernahm Ivan Rakitic. Nach der Halbzeit spielte Christoph Moriz für Peer Kluge.
Im Sturm agierten Raúl und Edu sehr variabel. Wenn Farfán nachrückte orientierte sich Edu nach links und hoffte auf Unterstützung durch Rakitic. Raúl ließ sich immerwieder zurückfallen um durch eigenen Ballverteilung Raum für Jefferson Farfán und Edu zu schaffen.

Was funktionierte

Nach einigen individuellen Unsicherheiten in den ersten Minuten war die rechte Verteidigungsseite recht sicher. Das lag insbesondere an Peer Kluge, der sowohl mit Uchida als auch mit Matip gut abgestimmt agierte. Das Peer Kluge zur Halbzeit ausgewechselt wurde lag entweder am Testspielcharakter der Begegnung oder daran, dass sich Felix Magath eventuell mehr Offensivaktionen von dieser Position und dann Christoph Moritz erhoffte. Uchida selbst wirkte sehr agil und ging weite Wege. Gegenüber Schmitz / Escudero hatte er aber den Vorteil der Unterstützung durch Farfán.

Was nicht funktionierte

Die Abstimmung zwischen Christoph Metzelder und Benni Höwedes war in vielen Situationen nicht gut. Pässe zwischen die beiden Innenverteidiger führten mehrmals zu brenzligen Situationen. Einen üblen Bock schoss Benni Höwedes vor dem ersten Gegentor, als er sich immer noch nach vorne orientierte, obwohl der Gegner bereits vorstieß, wodurch er Metzelder und Neuer auf verlorenem Posten zurückließ.
Auf den Außenverteidigerpositionen hatten Sergio Escudero (öfter) und Atsuto Uchida (seltener) Probleme in direkten Zweikämpfen in der Rückwärtsbewegung. Probleme, die sich mit noch fehlender Anpassung an Umgebung, Tempo und Schiedsrichter erklären lassen, die es deshalb aber noch eine Weile geben wird.
Die Offensive wirkte ideenlos. Hinter Edu und Raúl klaffte häufig ein großes Loch. Ivan Rakitic setzte über links keine Impulse, war gleichzeitig aber auch defensiv nicht so präsent wie in der letzten Rückrunde. Jefferson Farfán hing auf dieser Position als halber Mittelfeldspieler, halber Stürmer in der Luft, war immer schon weg wenn sich Raúl nach hinten fallen ließ oder selbst zu weit außen, um Raúl oder Edu mit Pässen zu bedienen. Im Prinzip war das Schalker Spiel auf Flanken ausgelegt, wie in der letzten Saison. Dass Raúl gegenüber dem „Kopfballungeheuer“ Kevin Kuranyi der spielerisch bessere Stürmer ist, wurde nicht genutzt. Auch haben Edu, Farfán oder Rakitic den Platz nicht genutzt, der durch den sich viel bewegenden Raúl und die besondere Obacht des Gegners auf ihn entstand.

Das Fazit

Schalke hatte einige Chancen und hätte das eine oder andere Tor erzielen können. Meist entstanden diese Chancen aus Standardsituationen, selbstkreierte Spielzüge gab es kaum zu sehen. Defensiv kam man vor allem durch individuelle Fehler unter Druck, die Formation, das Verschieben als Solches war konkurrenzfähig.
Auf dem Stand von Samstag ist die Mannschaft individuell schwächer besetzt als das Team der letzten Saison. Die Entwicklung des sicherlich vorhandenen Potenzials bleibt abzuwarten, ebenso etwaige weitere Transfers.



Foto: Tomasz Bo



31 Kommentare zu “Ein Testspiel namens Supercup”

  1. aphodius sagt:

    Moin, ich habe das Spiel nur bis zur 65. Minute gesehen, und habe mich auch sehr an letzte Saison erinnert gefühlt. Hinten dicht stehen, vorne hilft der liebe Gott oder ein Standard.
    Das unsere Abwehr dann doch nicht sattelfest steht schieb ich mal auf die fehlende Abstimmung, das wird schon. Ich glaub „Uschi“ ist ein richtig Guter und Sergio muss einfach schnell lernen…
    Offensive…, hmmm haben wir nach dem Trio Sand, Mpenza und Möller sowas eigentlich gehabt in den letzten jahren? Da hab ich eigentlich eher Bauchschmerzen. Oder Magath hat geblufft. Mal schauen, wie es sich in Stellingen anlässt.

  2. Aquii sagt:

    Überbewerten würde ich den Test nicht. Finde das Metzelder deutlich zu langsam ist. Gut gefallen hat mir der neue Rechtsverdeidiger Uchida, denke das er noch viel Freude machen wird. Links will ich nicht unbedingt eine Schelte verteilen, nach nur drei Tagen Training und einem Debüt gegen Bayern. Aber jung und entwicklungsfähig ist erstmal gut, mal sehen was daraus wird.

  3. Stefan sagt:

    Bei Uchida (der hier zu Recht vorgehoben wird) fehlt mir noch die Übersicht und etwas Abgeklärtheit. Er bringt den Ball im Offensivspiel nach vorne und das war es dann oft: Es kommt der übliche, vorhersehbare Pass. Da muss er noch lernen, die Übersicht zu behalten und seinem Spiel mehr „Varianz“ zu geben. Dann könnte er, wie aphodius (#1) meint, ein richtig guter Rechtsverteidiger werden.

    Am besten gefallen hat mir, wie so oft, Peer Kluge.

  4. McP sagt:

    Wann will S04 denn die fehlenden Transfers durchziehen? Wer erst Ende August kommt, ist doch dann nicht vor Mitte Oktober eingespielt oder auf Magathschen Konditionslevel. Da könnten dann schon mehrere Züge abgefahren sein.

  5. Carlito sagt:

    @McP: Ich denke das wird nicht nur an S04 liegen, dass es noch dauert. Nicht selten gehen größere Transfers erst nach Beginn der Saison über die Bühne, siehe Robben letztes Jahr bei Bayern.

    Und wenn man jetzt nen Misimovic oder Diego holen würde, glaube ich nicht, dass nen Spieler auf dem Niveau und mit der Klasse so wahnsinnig viel Eingewöhnungszeit bräuchte, aber warten wir es ab.

    Unbestritten ist aber, dass wir definitiv mind. noch einen gestandenen offensiven Mittelfeldmann brauchen, in dessen „Schatten“ Rakitic und Baumjohann dann hoffentlich zu dem reifen, zu dem sie meiner Meinung nach fähig sind.

    Ansonsten sage ich einfach mal, dass das ganze Team noch Zeit benötigt. Aber das wird schon werden, ich vertraue da mal auf Magaths Gedankengänge und Pläne.

  6. Oliver (Breitnigge) sagt:

    Zwei Dinge fallen mir spontan zu Deinem Beitrag ein:

    Erstens: Hat wirklich jeder im Dunstkreis der Königsblauen dieses Supercup-Endspiel als „Testspiel“ gesehen? Speziell von Magath habe ich da vor dem Spiel ganz andere Töne gehört. Ist bestimmt wieder Ironie, die ich nicht erkenne… ;-)

    Zweitens: Was genau meinst Du mit Deinem Hinweis auf die neuen AV-Positionen und Problemen mit den Schiedsrichtern? Hattest Du den Eindruck, Schalke wäre vom Schiedsrichter benachteiligt worden?

  7. Torsten sagt:

    Mein Blog repräsentiert nicht jeden im Dunstkreis der Königsblauen. Für beide Vereine gab es bei dieser Veranstaltung viel Geld von der DFL, von Werbepartnern und vom Fernsehen. Durch entsprechende Aussagen von Offiziellen dieses Ereignis abzuwerten wäre unprofessionell. Unprofessionell ist Magath ganz sicher nicht.

    Nein, ich hatte nicht den Eindruck, dass Schalke benachteiligt worden ist. Es gab Situationen, in denen sich die Neuen offensichtlich darüber wunderten, dass in Zweikämpfen ihr Gegner fiel und der Pfiff erfolgte. Spontan fällt mir dazu eine Situation in den ersten Minuten zwischen Uchida und Klose ein. Situationen, die in unserer Liga eben abgepfiffen werden, von denen Stürmer wissen dass sie gepfiffen werden und dies ausnutzen. Das ist für Liganeulinge ein Lernprozess.

  8. Oliver (Breitnigge) sagt:

    Deshalb hat mich Deine Aussage ja so verwundert. Also für Dich war es eher ein Testspiel, oder hattest Du nach dem Spiel den Eindruck der Verein, seine Verantwortlichen oder Spieler hätten es als Testspiel gesehen?

    Ich habe Magath schließlich auch so verstanden, dass er das alles vollkommen ernst genommen hatte…

    Deine Erklärung zum Thema Schiedsrichter lässt meine Zweifel dagegen schwinden und ich kann Dir sogar zustimmen. Hört, hört. ;-)

  9. RJonathan sagt:

    @breitnigge
    Ich denke für beide Vereine gilt: lieber den Supercup verlieren, als das erste Bundesligaspiel. Oder das zweite. Oder das dritte. In so fern kann man doch schon von einem gewissen Testspielcharakter sprechen, oder?

  10. Oliver (Breitnigge) sagt:

    @RJonathan: Ich denke, dass eine schließt das andere nicht aus. Ja, van Gaal will auch lieber die ersten Bundesliga-Spiele gewinnen und hätte somit auf den SC-Sieg verzichten _können_. Wollte er aber nicht und hat deshalb Spieler auf den Platz gelassen, die normalerweise noch nicht hätten spielen können (Thema WM-Spieler).

    Das es trotzdem gereicht hat, eine Mannschaft zu schlagen, deren Trainer diesen Titel schon irgendwie haben wollte und dessen Team – insgesamt – in der Vorbereitung imho viel weiter ist, hat mich selbst am meisten überrascht.

    Ganz zu schweigen von der Aussenwirkung für den Rest der Liga, die ja genau deshalb (Thema WM) auf Patzer der Bayern gehofft hatte.

    Nichtsdestotrotz kann all dies natürlich Makulatur sein, wenn die Bayern dann doch Punkte lassen zu Saisonbeginn…

  11. derwahrebaresi sagt:

    @breitnigge

    … ja, direkt zu beginn gegen wolfsburg und dann in lautern. :-)

  12. Frank aus Rheinhessen sagt:

    Also ich hab das Spiel als Standortbestimmung und durch Felix Magath’s Ansage als ernsthaften Test gesehen, der für uns ernüchterndes zu Tage brachte. Der qualitative Abstand ist deutlich gewesen und van Buyten, Robben sowie Ribery waren noch nicht mal dabei.

    Der Verlust von 4 Stammspielern aus der letzten Saison lässt sich doch nicht so leicht kompensieren, die Mannschaft war trotz längerer gemeinsamer Vorbereitung nicht besser eingespielt und lässt Fragen
    über den aktuellen Stand der Qualität unseres Teams offen.

  13. Oliver (Breitnigge) sagt:

    @derwahrebaresi: Das Schöne am Fußball ist ja, dass es tatsächlich so kommen kann. Allein ich bin mir nicht sicher, ob Schalke selbst überhaupt in den Spielen gegen die beiden HSVs die volle Punktzahl einfahren kann… ;-)

    Ferner möchte ich Frank aus Rheinhessen hier zustimmen: Der aktuelle Verlust an Spielern wiegt wohl doch schwerer als vermutet und die langfristig angestrebte Wirkung der Kaderveränderung hin zum Magath-Ideal tritt dann imho erst im Laufe der Hinrunde – oder noch später – zu Tage, oder?

  14. Frank aus Rheinhessen sagt:

    @Breitnigge
    Wenn alle Spielmacher bei WOB oder Florenz unter sind, dann muss das Baumjohann richten. Verstehe eigentlich nicht, warum er nicht öfter mal ran darf. Ist er jetzt nun ein Spielgestalter oder nicht? Letzte Saison ist er dem defensiven Spiel zum Opfer gefallen. Gegen die Bayern durfte er nicht ran und wurde auch nicht eingewechselt. Verstehe ich nicht.
    Als Perspektivspieler sehe ich den jedenfalls nicht mehr. Und was macht Kenia eigentlich? Der hat, wenn er mal nicht verletzt war, auch gute Spiele gezeigt. Wenn wir ohne offensive Mittelfeldspieler spielen, gibt’s wenig Futter für die Stürmer, wenn die AV keinen Dampf machen.
    Fragen über Fragen, ich hör schon auf…….

  15. Nick sagt:

    @Oliver: Ich stimme dir bei deiner Einschätzung zum Supercup ja prinzipiell zu, bis auf diesen Satz:
    „[van Gaal] hat deshalb Spieler auf den Platz gelassen, die normalerweise noch nicht hätten spielen können (Thema WM-Spieler).“

    Du gibst hier das Märchen wieder, das van Gaal erfunden hat, um möglichst wenige Spieler zum Dänemark-Spiel abstellen zu müssen. Der Supercup hat mMn nicht nur die Schwächen der Schalker aufgezeigt, sondern auch, dass die Bayern schon weiter sind, als van Gaal glauben machen wollte – auch die WM-Spieler.

  16. Oliver (Breitnigge) sagt:

    @Nick: Nö. Ich glaube nicht, dass die WM-Spieler weiter sind, als van Gaal uns glauben machen will. Ich befürchte viel eher, dass die aktuell noch auf einer Post-WM-Welle schwimmen und spätestens im Herbst den großen Durchhänger bekommen…

  17. us.online sagt:

    Also ich habe das Spiel auch als Standortbestimmung und ernsthaften Test angesehen. Ich glaube nicht, dass das Spiel wissentlich abgeschenkt wurde.

    Die Lehren aus dem Spiel sind im übrigen leider die gleichen wie aus den vergangenen verlorenen Partien:
    – wir sind den Bayern nicht läuferisch überlegen
    – die Bayern sind uns spielerisch überlegen
    – uns ist noch kein Mittel gegen das Spielsystem der Bayern eingefallen.

    Es ist ja immer das Gleiche. Während bei den Bayern die Kugel einfach sehr gut im Mittelfeld läuft, fehlt unserem Spiel vor allem die nötige Passsicherheit im Aufbau. Das mag teilweise an der fehlenden Qualität unserer Spieler liegen. Dieses Manko ist es mE aber sicher nicht allein. Das zeigt eigentlich eindrucksvoll der Auftritt der Drittbesetzung der Bayern im LIGAtotal Cup. Schon bei den Bayern-Amateuren konnte man sehen, dass die das System von van Gaal nach nur einem Trainingslager schon verinnerlicht haben. Im Grunde lief der Ball im Mittelfeld ja auf die schon ganz typische Art und Weise wie bei der 1. Mannschaft.
    Für mich hat diese Spielweise Ähnlichkeit mit dem Spiel einer angreifenden Handballmannschaft. Der Ball wandert im Halbkreis von der einen Außenseite zur anderen Außenseite des Spielfeldes. Alle Spieler haben offenbar klare Anweisungen für ihr Positionsspiel und sind danach ausgewählt, dass sie am Ball eine gewisse Ruhe und Passgenauigkeit haben. Die jungen Spieler wie Badstuber oder Contento haben sicher Defizite. Aber ein nervöser Fuß gehört nicht gerade dazu.

    Die Spielanlage geht dann weiter dahin, dass Ribery oder Robben aufgrund ihrer Qualitäten im 1 gegen 1 auf außen durchbrechen um in den 16er zu kommen oder zu passen, oder Müller und die weitere Spitze, die sich fast wie Kreisläufer verhalten, durch eine sich bietende Lücke im Defensivblock des Gegners direkt aus dem Mittelfeld angespielt werden.

    Das Bespielen der Bayern ist mE deswegen so unangenehm, weil einerseits das moderne Spiel aller Mannschaften darauf angelegt ist, das Spielfeld eng zu machen. D.h. dass die verteidigende Mannschaft immer von links nach rechts verschiebend mit dem Ball mitgehen muss um das Spielfeld eng zu machen. Während bei Bayern vornehmlich der Ball läuft, läuft auf der Seite der verteidigenden gegnerischen Mannschaft immer ein Großteil der Spieler.

    Hinzu kommt, dass die hohe Qualität der Spieler Ribery und Robben dazu zwingt diese häufig zu doppeln um ein Durchbrechen zu vermeiden. Im Pokalspiel in der letzten Saison waren wir deshalb körperlich auch so K.O., weil ständig ein zweiter Spieler aus der Mitte herausgerückt ist, um Ribery oder Robben mit anzulaufen. Das kostet eben Körner.

    Wenn ich dann unser Spiel vergleiche, so ist das im Mittelfeld eher wie ein Hühnerhaufen anzuschauen. Wir versuchen schnell zu spielen, verlieren aber meist den Ball so früh wieder, dass hauptsächlich der Gegner spielt. Da wir auch in der Vorbereitung häufig Spieler und Positionen gewechselt haben, ist zumindest bisher kein klar geordnetes Schema von Laufwegen entstanden. Als Schachspieler hätte Magath seinen Jungs doch ein paar klassische Eröffnungen mit auf den Weg geben müssen. Dafür fehlt es aber an allem. Es scheint nicht klar zu sein, wie wir uns bei Balleroberung verhalten und beim Spiel ohne Ball, also den Laufwegen, sehe ich unabhängig von der Qualität der Spieler auch noch großes Potential. Vergessen wir nicht: die Bayern spielen trotz aller Qualität auch immer noch die leichteren Bälle in der Spieleröffnung. So einen langen Pass wie von Höwedes vor dem 0:1 gibt es bei den Bayern so gut wie nicht. Sie spielen kurze Pässe die ohne Risiko ankommen.

    Ein Paradebeispiel ist da mE Schweinsteiger. Der hat sich angewöhnt geschickt seinen Körper zwischen Ball und Gegner zu bringen. Entweder spielt der Gegner Foul oder Schweini den einfachen Ball vorzugsweise zu van Bommel oder zur Not zu einem außen postierten Spieler. Bei uns würde sich schon kein Spieler nach vorheriger Absprache freigelaufen haben und dann muss eben ein riskanter Pass in die Spitze versucht werden, der häufig schief geht.

    Deswegen ist es zwar vielleicht unerlässlich Qualität in das Mittelfeld zu holen. Aber es muss auch unbedingt an den spielerischen Abläufen gearbeitet werden.

    Was die Qualitäten der vorhandenen Spieler angeht habe ich mich übrigens gewundert, dass Baumjohann draußen blieb, Rakitic aber auf der 8er Position gebracht wurde. Rakitic ist für meine Begriffe auf der 8er Position weniger optimal eingesetzt als auf der zentralen 6er Position. Auf der 6er Position hat er mehr Zeit zu überlegen (die braucht er augenscheinlich)und mehr Optionen für ein Anspiel. Auf der 6er Position kommt auch seine fußballerische Qualität eindeutig mehr zur Geltung. Unserer Spieleröffnung hätte das mE auch am vergangenen Samstag gut getan, während im offensiven Mittelfeld ein Baumjohann mehr Schnelligkeit besitzt und im 1 gegen 1 stärker wäre.

    Ich weiß vor diesem Hintergrund übrigens gar nicht, ob das von Magath angestrebte Spielsystem mit Raute für unseren Kader wirklich passt. Ob Farfan im rechten Mittelfeld spielen kann, wenn nur ein 6er hinten absichert, darf man zumindest bezweifeln. Mir würde da die Balance fehlen. Überdies fehlt uns im aktuellen Kader ein qualitativ hochwertiger Spieler für das linke Mittelfeld. Rakitic wird ja immer dort gehandelt und spielt in seiner Nationalelf diese Position. Ich sehe ihn da aber nicht so stark wie als einen von zwei 6ern.
    Daneben überlege ich, wer von unseren Spielern als alleiniger 6er spielen könnte. Dafür käme wohl nur der doch recht biedere (nicht schlechte, aber wenig Esprit versprühende) Kluge in Betracht. Jones (wegen seiner häufigen Offensivausflüge) und Rakitic (mangels Zweikampfstärke) wären für mich keine guten alleinigen 6er.

    Insofern würde ich als Lehre aus dem Supercup ziehen, dass vor allem links offensiv die Qualität erhöht werden muss. Einen „klassischen“ Spielmacher brauchen wir da nicht unbedingt. Ich dächte da eher an einen Spielertypen wie Hleb, Dos Santos oder Elia. Dazu ein Mittelsturmbrecher und in etwa folgende Aufstellung:

    Neuer
    Uchida Höwedes Metzelder Pander
    Jones Rakitic
    Farfan Raul Hleb
    Huntelaar

    BWG

    U.

  18. Frank aus Rheinhessen sagt:

    @us.online

    Interessante Analyse. Dann sind die Bayern dieses Jahr für 100 Punkte gut………….nein bitte nicht.

  19. us.online sagt:

    @ Frank aus Rheinhessen

    Jedenfalls werden wir mit unserer Spieleröffnung im Supercup keine 100 Punkte an Land ziehen.

    Dass man den Bayern taktisch auch noch überlegen sein kann hat mE Mourinho sehr schön demonstriert.

    BWG

    U.

  20. Carlito sagt:

    @us.online: Treffende Analyse, sowohl (leider) von den Bayern, als auch von uns. Btw., Deine Aufstellung würde mir auch gefallen! ;-)

  21. RJonathan sagt:

    @us.online
    Super Analyse. Ich frage mich auch schon seit Längerem, wieso Magath an seiner Raute festhalten will (wenn er es denn will – man weiß ja nie). Gegen die moderne Defensive ist die beste Taktik aus den von dir genannten Gründen (verschieben) offensichtlich über breite Flügel zu agieren. In der Nationalmannschaft wird das System nicht ganz so handballmäßig wie bei den Bayern praktiziert, sondern eher auf viele Rotationen sowohl vom Sturm als auch vom zentralen Mittelfeld nach außen gesetzt, um die Löcher in die Bollwerke der Gegner zu reißen. So kann man fehlende Klasse auch teilweise durch läuferische Arbeit ausgleichen. Derartige Ansätze sieht man bei Schalke allerdings kaum, obwohl die Mannschaft von flexiblen Mittelfeldspielern nur so strotzt.

  22. Torsten sagt:

    Vielen Dank für die tollen Kommentare, insbesondere @us.online.

    Dass Bayern München die bessere Spielanlage bietet liegt meines Erachtens neben den qualitativ besseren Spielern auch am zeitlichen Vorsprung Van Gaals. Er hatte von Beginn an einen hochwertigen Kader und hat eine halbe Saison dazu verwendet, die Mannschaft entsprechend zu formen. Magath beginnt ja jetzt erst mit dem Umbau des Kaders nach seiner Idee, das neue Ausrichten der Spielweise wird weitere Zeit in Anspruch nehmen.

    Ich weiß vor diesem Hintergrund übrigens gar nicht, ob das von Magath angestrebte Spielsystem mit Raute für unseren Kader wirklich passt. Ob Farfan im rechten Mittelfeld spielen kann, wenn nur ein 6er hinten absichert, darf man zumindest bezweifeln.

    Das sehe ich genauso. Weshalb ich nicht überrascht wäre, wenn Farfán noch transferiert werden würde. Andererseits hat Magath doch gerade in der letzten Saison wieder bewiesen, wie flexibel er sein System den jeweils zur Verfügung stehenden Spielern anpasst. Die Befürchtung, Magath würde ein System spielen lassen, obwohl ihm die passenden Spieler fehlen, entspräche dem Gegenteil von dem, wie ich Magath hier kennengelernt habe.

  23. us.online sagt:

    @ Torsten

    Ich widerspreche Dir nur sehr ungern.

    Aber ich denke nicht, dass der Vorsprung einer Saison das entscheidende Argument ist. Das Argument ist wohl eher, dass van Gaal diese Abläufe konsequent im Training einübt während wir sehr viel im konditionellen Bereich machen.
    Ich weiß nicht inwieweit Du den LIGAtotal Cup verfolgt hast. Dort hatte van Gaal nur ein C-Ensemble aufbieten können, mit dem der eine Trainingslagerwoche üben konnte. Teilweise waren das Amas, die aber ähnlich gut nach dem Trainingslager die Spielweise drauf hatten, wie die Großen.
    Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon 2 Trainingslager und etliche Trainingsspiele hinter uns (im wesentlichen auch die Spieler schon zur Verfügung – mit Ausnahme von Raúl). Es liegt für mich ein bischen an den Trainingsinhalten. Ich meine wir haben auch mit unserem Kader da noch Luft nach oben.

    Ich hoffe nicht, dass Farfan noch transferiert wird. Dann wäre meine Hoffnung nun wirklich sehr gering, dass der Kaderumbau ohne gravierenden Einbruch vonstatten geht. Noch mehr Änderung verträgt das Gebilde vermutlich nicht. Ich stehe zudem auf die Fähigkeiten von Farfan und würde ihn einfach ungern abgeben. Zudem müssten wir dann vermutlich auf den 8er-Positionen auch noch ordentlich nachlegen. Jones und Rakitic auf den 8er-Positionen und Kluge als alleiniger 6er? Das ist nicht gerade mein Traummittelfeld. So wie oben angedeutet demgegenüber schon eher.
    Am wenigsten vorstellen möchte ich mir, dass in WOB dann die Offensive mit Diego und Elia, Dzeko und Farfan bestückt ist. Dann können wir Platz 2 schon mal freiwillig räumen, wo auch die Innenverteidigung deutlich besser als im letzten Jahr sein dürfte…

    BWG

    U.

    BTW: Dass Magath das System über das vorhandene Spielermaterial stellen würde glaube ich auch nicht. Ich befürchte eben nur, dass auf Teufel komm raus Spieler für das gewünschte System mit Mittelfeldraute und 2 Stürmern geholt werden könnten. Wenn die dann nicht von der Qualität sind, dass sie uns sofort weiterbringen, kann das schnell Unruhe geben.

  24. Torsten sagt:

    Ich widerspreche Dir nur sehr ungern.

    Ich mag das ;-)

    Das Schalke viel im konditionellen Bereich trainiert „hört man ja“, dass Training als solches und somit auch die Übungen zur Spielweise kann ich nicht beurteilen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Du recht hast, dass Magath und Van Gaal verschiedene Prioritäten setzen.

    Darüber will ich mich aber nicht beschweren. Mag sein, dass uns die Kondition gegen München nicht half, weil deren System nicht einzufangen war. Mir fallen aber reichlich Spiele ein, in denen ein Schalker Endspurt zu Punkten wurde. Gerade in der letzten Saison war doch die Physis die größte Stärke. Auch bei der Luft nach oben gebe ich Dir recht und wir sind uns sicher einig, dass Magath eine Änderung der Spielweise und die Verbesserung einzelner Spieler zuzutrauen ist. Das wird am Ende vermutlich anders aussehen als das System Van Gaal, wichtiger ist aber ob es funktioniert.

    Und ich will Farfán auch nicht unbedingt loswerden, nicht dass ich da falsch verstanden werde. Ich bin mir nur nicht sicher, ob Farfán den Job eines rechten Mittelfeldspielers, der nun mal nicht nur aus Offensive besteht, besser macht als Hoogland es zu tun vermag. Der Verzicht auf Farfáns Offensive wäre aber wohl nur dann möglich, wenn Schalke auf der Position hinter den Spitzen einen Spieler mit den nötigen Fähigkeiten hat, die Stürmer einzusetzen.

    Aber gut. Gegen Aalen sollte es auch so reichen. Hamburg wird dann interessant.

  25. RJonathan sagt:

    @us-online
    Ein Spielsystem lernt man nicht in einer Woche Trainingslager. Da wirkt schon auch die Arbeit aus dem letzten Jahr. Spielsysteme gehen in den Köpfen der Spieler nicht über die Sommerpause verloren. In Wolfsburg hat es auch etwas gedauert bis Magaths Idee von Fussball sich durchgesetzt hatte. Und Bayern hat ein halbes Jahr lang mittelmäßig gespielt.
    zu den Amas: Vielleicht hat van Gaal das Barcelona Prinzip, in allen Mannschaften gleich spielen zu lassen, bei den Bayern eingeführt? Aber da bin ich wirklich kein Insider…

  26. Oliver (Breitnigge) sagt:

    @Frank aus Rheinhessen: Grau ist die Theorie. Theoretisch müssten die Bayern jedes Spiel gewinnen. In der Realität gibt es immer wieder Teams, die diese Mehrfachbelastung nicht haben und sich somit zu 100% auf die Bundesliga konzentrieren können (die Nicht-Bayern-Meister der letzten Jahre zum Beispiel). Sowas kann den Bayern immer gefährlich werden. Zusätzliches Stichwort Motivation.

    @all: Ich kenne beide Trainer. Magath und van Gaal. Anfangs habe ich nicht geglaubt, dass es van Gaal schafft, meinem FC Bayern tatsächlich solch ein Spiel aufzuzwingen, was man sonst nur in der CL von den ganz Großen sieht. Er hat es geschafft. Und er hat es mit einem Kader geschafft, der – an den entscheidenden Stellen (abgesehen von Robben) – von ihm so von seinem Vorgänger überlassen wurde. Von daher zieht imho das Argument mit Magath und dem Kader nicht.

    Ferner – ich muss das leider so sagen – haben Magath-Spieler immer jede Menge Fitness, ja. Aber von einer Spielphilosophie, nach der man ein Team, einen ganzen Verein ausrichtet, habe ich bei Magath nie etwas gesehen. Ok, vielleicht hatte er bei Bayern nie die Machtfülle, die er offenbar zum Arbeiten braucht, aber Geld war – ebenso wie in Wolfsburg (und offenbar in Schalke) – genug da.

    Man weiß es nicht.

    Ob van Gaal wiederum sein Spielsystem bis runter in die Jugend spielen lässt, davon ist mir nix bekannt. Allerdings hatten die Amateure, die im LTC auf dem Platz standen eine gesamte Vorbereitung mitgemacht. Ebenso wie die Profi-Spieler der letzten Saison, die eben nicht bei der WM waren.

    Das war wohl der Grund für den Eindruck, den diese C-Elf hinterlassen hat. Der Grund für den Erfolg der B-Elf im Supercup lag wohl eher daran – wie von mir im eigenen Beitrag erwähnt – das die WM-Spieler zwar keine Vorbereitung genossen aber dafür ihre Spielstärke nicht verloren hatten.

    That’s all.

    Was all das für die Saison bedeutet?

    Keine Ahnung.

    Für beide Vereine…

  27. McP sagt:

    @Breitnigge Wir haben verstanden, Bayern ist toll und Schalke nicht so toll. Aber wenn du hier schon mit Philosophie kommst. Seit wann hat eigentlich Bayern eine andere „Philosophie“ als das Gewinnen, egal wie? Seit 12 Monaten oder zählt auch schon Klinsmann? Und hat sich schon der ganze Verein danach ausgerichtet? Und warum ist es eigentlich Job des Trainers eine solche vorzugeben?

    Magath hat doch bei Bayern dieser „Philosophie“ entsprochen. Und ansonsten scheint mir seine „Philosophie“ zu sein, aus den gegebenen Möglichkeiten was zu machen. Sei es in Stuttgart, Wolfsburg oder auf Schalke. Und wie mir diese Saison scheint, ist z.B. die „Philosophie“ des schnellen Umkehrspiels auch kein Dogma (sondern war bisher Notwendigkeit). Daher versucht Magath auch mit anderen Spielern zu einem aktiveren Stil zu kommen.

    Unterm Strich ist mMn Bayern die einzige Mannschaft, die sich ihre eigene „Philosophie“ erfinden kann und diese haben dann jahrzehntelang die unkreativste aller gewählt und werden es nach van Gaal vermutlich auch wieder tun.

    Und warum sollte Bayern theoretisch jedes Spiel gewinnen müssen? Bayern hat in jedem Spiel eine Siegwahrscheinlichkeit schätzungsweise zwischen 60 und 95%. Die Wahrscheinlichkeit alle 34 Spiele zu gewinnen dürfte daher im Promillebereich liegen.

  28. Oliver (Breitnigge) sagt:

    @McP: Bayern ist toll und Schalke nicht so toll.

    Das hast Du gesagt.

    Ich habe lediglich dargelegt, dass ich beide Trainer als Fans meines Vereins kenne und ich mit van Gaal das erste Mal das Gefühl habe, ein Trainer bei uns hat einen Plan (auch in Bezug auf Klinsmann oder Hitzfeld). Abgesehen von dem, mit Bayern alle Spiele gewinnen zu wollen (in diesem Punkt kann ich Dir zustimmen, ja).

    Es geht hier auch gar nicht darum, Magath madig zu machen. Ich habe ihn schon zu seiner Bayern-Zeit kritisiert. Der Fußball, den er bei uns spielen ließ, war mehr als unattraktiv. Trotz der „ach so tollen“ Möglichkeiten, die die Bayern haben.

    Ja, er hatte Erfolg. Das Doppel-Double hat vor und nach ihm keiner geschafft. Aber welche Spielweise lag dem zugrunde, welcher Plan? Wo waren damals die Müllers und Badstubers? Wo mit diesen Spielern ein CL-Halbfinale, gar Finale?

    Aber wie auch immer. Das hier ist ein Schalke-Blog, da hat man es als Bayern-Fan, gerade diese Themen betreffend, halt argumentativ besonders schwer… ;-)

  29. Torsten sagt:

    Und er hat es mit einem Kader geschafft, der – an den entscheidenden Stellen (abgesehen von Robben) – von ihm so von seinem Vorgänger überlassen wurde. Von daher zieht imho das Argument mit Magath und dem Kader nicht.

    Bei „abgesehen von Robben“ musste ich lachen. Ich denke wir sind uns einig, dass das der wichtigste Spieler in der Mannschaft der Bayern ist. Bei der Frage nach dem zweitwichtigsten Spieler für Van Gaal würden sicher nicht wenige Ivica Olic nennen. Und auch der wurde nicht von Vorgängern überlassen. Ganz allgemein muss man keine Kader vergleichen, wo bei den einen auf Spieler wie Gomez, Klose oder Tymoshchuk verzichtet werden kann und bei den anderen Edu als Winterzugang der Top-Einkauf war. Das ist einfach albern. Van Gaal hatte von Beginn an alle Möglichkeiten, Magath kann erst jetzt agieren und sein Team ist seit letztem Sommer dauerhaft im Umbruch. Deshalb zieht mein Argument eben doch.

    Was Magath bei Bayern angeht, gebe ich Dir übrigens recht. Meines Erachtens hat er sich erst in Wolfsburg neu erfunden. Ich bin mir sicher, dass er als der heutige Trainer auch in München selbstbewusster und mehr agieren würde. Aber ist auch wurscht. Ich bin mit unserem Trainer ziemlich zufrieden und traue ihm den Umbau von Kader und Spielweise zu.

  30. Carlito sagt:

    Aber ist auch wurscht. Ich bin mit unserem Trainer ziemlich zufrieden und traue ihm den Umbau von Kader und Spielweise zu.

    Da stimme ich Dir mal voll zu! :-)

  31. Oliver (Breitnigge) sagt:

    @Torsten: Na dann belassen wir es doch dabei. Ich für meinen Teil bin zufrieden, dass wir uns fast einig sind. Das ist doch schon mal was… ;-)

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