Artikel im September 2010

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

… und mit Maria hat es nichts zu tun. Wirklich Nirgendwo werde ich auch nicht landen, sondern in Darmstadt. Was allerdings am Tag eines Champions League-Heimspiels für jemanden, der vor kurzem noch ein Schalke-Ticket hatte, eine Reise in die Diaspora bedeutet.

Nun habe ich also ein Bahnticket und sitze im ICE Wetterstein. Dieser fährt an schöne Orte, nach München, nach Garmisch-Partenkirchen. Mich aber spuckt er in Frankfurt aus, von wo aus es weiter geht in die Stadt, die ich nur mit 98, jetzt in der 4. Liga, oder mit den Drombuschs verbinde. Mit Witta Pohl als Mutti, und mit einem dicken, schwitzenden Günter Strack als Onkel Irgendwie. Ich will da nicht hin.

Muss ich aber, sagt die Firma, und zwar gleich für zwei Tage, sonst hätte ich ja noch ‚ne Chance. Kneipen gibt es, immerhin, auch in Darmstadt. Ich befürchte, mit Topspiel ist in dieser Gegend heute Inter gegen Werder gemeint, aber zumindest ein Plätzchen mit ‚nem Pils und der Konferenzschaltung sollte sich finden lassen. Dann kann ich das Spiel zwar nachher nicht beurteilen, aber zumindest die Spannung fühlen. Und vielleicht ja auch die Freude. Hoffentlich. Wäre wichtig.

ESR: Ergebnisse, Hinweise und eine Abstimmung

Jefferson Farfán war Magaths Top-Offensivwechsel. 40 von 74 Einwechselspieler-Raten-Tippern hatten das geahnt. Weil Edu schon gegen Dortmund und Freiburg eingewechselt wurde, hatten ihn sogar 44 Tipper notiert. 43 Tipper glauben allerdings auch an eine Einwechslung Kluges und nur 11 dachten an Uchida, was letzten Endes dazu führte, das auch in der 6. Runde ESR niemand Magaths Tun vorhersagen konnte. Das Spielergebnis hatte vandy hingegen en passant vorhergesagt. Dafür einen anerkennenden Hutlupfer aber keinen Extrapunkt, Ergebnisraten ist schließlich überallanders.

Die aktuelle Ergebnisliste zur ESR-Runde 6/48 gibt es hier.

Zu eben dieser Liste gab es zuletzt ein paar Fragen, die ich an dieser Stelle mal für alle behandeln möchte.

Ein Tipper fand sich nicht in der aktuellen Liste. Das lag daran, dass er in der letzten Runde nicht mitgetippt hatte. Es werden stets nur die Tipper der letzten Runde angezeigt, um diese Liste nicht unnötig mit „Einmaltippern“ aufzublähen. Die Daten gehen gleichwohl nicht verloren. Wer mitmacht bekommt in der nächsten Liste seine Gesamtpunktzahl ausgewiesen, auch wenn er zwischendurch mal ausgesetzt hat.

Ein anderer Tipper fand die Angaben unplausibel. Er war über seinen Rang und seine Gesamtpunktzahl verwundert. Das lag daran, dass er im Tipp-Kommentar seinen Namen falsch angegeben, sich schlicht vertippt hatte. Für die Auswertung dieses Spielchens habe ich mir ein kleines Excel-Tool programmiert, dass die Kommentare auswertet, die Daten archiviert und die Tabelle berechnet. Immer auf Grundlage des Kommentatoren-Namens. Wenn da als Name eine neue Zeichenfolge erscheint (Groß-/Kleinschreibung ist nicht relevant), ist das erstmal ein neuer Tipper, wenn mir der Fehler nicht auffällt.

Wem also Angaben in der Ergebnistabelle unplausibel erscheinen, wem Fehler auffallen, der möge sich bitte einfach kurz bei mir melden, dann wird das flott geklärt.

Ein dritter Kommentar bezog sich auf die grundsätzliche Darstellung der Ergebnistabelle.
Ursprünglich habe ich nicht daran gedacht, dieses Spielchen mal eine ganze Hinrunde durchzuführen. Es ging und geht stets darum, diesen einen 3er zu holen, für eine Woche der Magath-Into-The-Brain-Kucker zu sein. Demnach ist die Tabelle bis heute auf die einzelne, aktuelle Runde ausgerichtet und wird in der Reihenfolge Tagestreffer, Saisontreffer, Tippername sortiert.
Da sich dieses Spiel aber als Serie gestaltet, darf man auch darüber nachdenken, ob eine andere Sortierung nicht passender wäre. Man könnte erst nach Saisontreffer und dann nach Tagestreffer sortieren, um – ähnlich wie bei einer Bundesligatabelle – den Serienbesten ganz oben darzustellen. Theoretisch könnte man auch nach dem besten Durchschnitt (Saisontreffer / Teilnahmen) sortieren, was ich allerdings nicht in betracht ziehe. Dabei wären der Erfahrung nach diejenigen, die eher selten mitspielen, im Vorteil, was ich als kontraproduktiv erachte.

Dieses Spiel lebt von Eurem Mitmachen, weshalb ich die Entscheidung über die zukünftige Darstellung freigeben möchte. Jeder der in den ersten 6 Runden mindestens einmal mitgetippt hat darf hier mit seinem Kommentar abstimmen. Als Angabe reicht …

Tagestreffer
oder
Saisontreffer

Die einfache Mehrheit entscheidet. Alle Kommentare die bis nächsten Samstag, 14:30 Uhr abgegeben werden, werden gezählt. Danke und Glück auf.



Foto: Tomasz Bo

Glück gehabt? Wer?

Im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach streifte Schalke 04 die Rucksäcke erst nach einen 0:2 Rückstand ab. Als es für Schalke nichts mehr zu verlieren gab wurde die Begegnung ein tolles Spiel. Am Ende gewann Schalke zwar nicht alle Punkte, aber den Applaus der Zuschauer und den Glauben der Fans.

Manch einer sagt, für Gladbach sei der späte Ausgleich unglücklich gewesen, Schalke hätte noch mal Massel gehabt, nicht zu verlieren. Gladbach hätte stets Chancen gehabt, bei Kontern alles klar zu machen. Das ist eine Sichtweise, der man zustimmen kann.
Gladbach kann glücklich sein, den Ausgleich erst so spät kassiert zu haben. Schalke hat sich genug Chancen erspielt, dieses Spiel zu gewinnen. Auch dieser Sichtweise kann man zustimmen. Dieser zweiten, positiveren, schließe ich mich an.

Schalke spielte in der zweiten Halbzeit so offensiv wie seit Jahren nicht mehr. Felix Magath wechselte Jefferson Farfán für Jermaine Jones ein, ließ Farfán als Außenstürmer agieren, zog Atsuto Uchida weit ins Mittelfeld vor und spielte praktisch mit 3er Abwehrkette. Dass Borussia Mönchengladbach zu Konterchancen kommt, wurde hingenommen. Das lässt sich nicht vollkommen verhindern, wenn man derart weit aufrückt. In den letzten 20 Minuten gestaltete sich das Schalker Spiel zeitweise wie ein Powerplay beim Eishockey, mit Manuel Neuer in Nähe der Mittellinie, als anspielbarer letzter Mann.

Natürlich ist ein Unentschieden in einem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach eigentlich zu wenig. Schalke macht es sich dieser Tage eben selbst schwer. Lukas Schmitz mag sich durch ordentliche Leistungen die Linksverteidigerposition zurückerkämpft haben, in der Mitte und vor allem rechts wackelt Schalkes Verteidigung nach wie vor. Diesmal ließ sich Benni Höwedes ein ums andere mal vorführen und verursachte äußerst ungeschickt den Strafstoß, das 0:1 für Gladbach.
Ohne Höwedes in Schutz nehmen zu wollen ist es aber ein großes Problem, dass die Außenpositionen kaum Hilfe von der Innenverteidigung bekommen, weil diese genug mit sich selbst zu tun hat. Gegen Freiburg haben Christoph Metzelder und Benni Höwedes das bislang beste Innenverteidiger-Duo dieser Saison abgegeben. Weil aber schon Mittwoch gegen Benfica diese Kombination wegen Höwedes’ Sperre nicht möglich sein wird, weil sich noch kein defensivstarker Rechtsverteidiger finden ließ und weil Benni Höwedes in der letzten Saison schon mal rechts gespielt hat, war die Aufstellung nachzuvollziehen. Es hat nicht funktioniert.

Offensiv hat Schalke dafür auch in diesem Spiel wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Raúl ist noch nicht vollends integriert, traf dennoch erstmals, Jurado bereichert das Mittelfeld, Huntelaar verbessert das Spiel und trifft. Das durfte man erwarten. Entscheidend ist, dass auch die „alten Schalker“ Fortschritte machen. Ivan Rakitic beispielsweise, der die Technik hat, das Kurzpassspiel Jurados mitzumachen. Lukas Schmitz, der sich seine Unbefangenheit der letzten Saison bewahrt hat und weiterhin mutig seine eigenen Fähigkeiten austestet. Und Joel Matip, der trotz manchem Fehlpass immer besser darin wird, von der 6er-Position aus das Spiel anzutreiben, der gerade dabei ist dem konservativer spielenden Jermaine Jones den Rang abzulaufen.

Ohne eine stabile Defensive wird Schalke auch in Zukunft keinen Blumentopf gewinnen und die Fehler der ersten Halbzeit waren die Pfiffe zur Pause wert. Dass das Stadion in der zweiten Halbzeit die Steigerung erkannt hat, dass der Einsatz und die Offensive honoriert wurden, dass nicht nur das Ergebnis sondern das Spiel als Ganzes beurteilt und am Ende applaudiert wurde, stimmte mich froh. Et wird. Ich bin nicht der Einzige, der daran glaubt.

♫ Auf gehts Schalker, raten und siegen!

Matips Flucht nach vorne brachte also den Sieg gegen Freiburg? Huntelaar vollsteckte? Viel zu oberflächlich. Ich zitiere mich unfeinerweise mal selbst …

In Krisen schlägt die Stunde der interdisziplinären Forschung. Einer Theorie zu Folge wird Schalke 04 den 0-Punkte-Fluch erst besiegen, wenn der Autor dieses Blogs beim Einwechselspieler-Raten den ersten Treffer landet. Die genauen Zusammenhänge und das Problem der rückwärtsgewandten Zeitabfolge können Fans von Fantasy-Literatur sicherlich erklären. Ich spiele also offensiv und eröffne gleich Runde 5.

Jendrisek
Kluge
Moritz

Na, Freunde der Südsee, rappelts?! Kluge. Kluge! Die Adresse für Geschenke und persönliche Lobpreisungen findet ihr im Impressum.

Seit gestern Abend ist sowieso einiges andersrum. Vorher machte ich mir sorgen, dass Felix Magath Jurado aus Verlegenheit gekauft haben könnte, ihn eigentlich gar nicht wirklich wollte. Nachher lies sich Felix Magath mit der Aussage zitieren, Jurado sei „mit dem Ball“ einer der stärksten Spieler, die er je gesehen habe. Dass man für einen der stärksten Spieler mal sein System umstellen kann, will ich wohl meinen.

Das Hans Sarpei eingewechselt wurde hat nicht nur der Schalker Abwehrkette nichts gebracht, es hat auch dafür gesorgt, dass wieder kein Einwechselspieler-Raten-Tipper drei Treffer landen konnte. Matip (17 Nennungen) und Edu (39, höchster Wert) hatten viele auf dem Zettel. Hans Sarpei nannten nur Rainer Edelmann und matz, die aber beide nicht mit Matip rechneten. 70 Tipper haben teilgenommen und 53 unterschiedliche Kombinationen abgegeben, 11 Tipper hatten je zwei Treffer.

Die komplette Ergebnisliste zur ESR-Runde 5/48 gibt es hier.

Mit Schmitz (28) und Jurado (22) werden die nach Edu meistgenannten Spieler gegen Mönchengladbach ziemlich wahrscheinlich in der Startformation stehen. Da sollten wir uns ein paar andere Namen einfallen lassen. Los geht’s, ich versuche es mal mit …

Baumjohann
Edu
Moritz



Was ist Einwechelspieler-Raten?
Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.



Kameruns Löwe Matip

Wenn man fünfmal in Folge verloren hat zählt nur das Ergebnis, dann ist das Wie egal. Der 2:1 Sieg des FC Schalke 04 in Freiburg war trotzdem ein aufregendes Spiel. Es war nicht gut, aber intensiv. Schalke zeigte viele Schwächen, aber einiges schürte doch Hoffnung. Am Ende sorgte eine Einzelleistung für den Sieg und brachte die große Erleichterung.

Magath brachte José Manuel Jurado und opferte für ihn Jefferson Farfán. Eine konsequente Entscheidung Magaths. Ja, Farfán war in den letzten Spielen vielleicht noch der stärkste Schalker. Aber er wuselte stets für sich alleine, er verstand es nicht, seine Mitspieler einzubeziehen. Seine Dribblings sahen gut aus, waren für das Team aber meist wertlos. Farfán sollte als Stürmer eingesetzt werden – oder eben gar nicht.

Die Stürmer sind derzeit aber Raúl und Klaas-Jan Huntelaar, und diese in Szene zu setzen sollte Jurados Job sein. Das ist noch nicht wirklich geglückt. Aber Jurado war auf jeden Fall von Beginn an eine Bereicherung für das Schalker Spiel. Er war Ball- und Passsicher. Manchmal zu eigensinnig, zu sehr darauf aus den Gegner schlecht aussehen zu lassen. Aber auch er muss sich an die Liga gewöhnen, muss sehen was funktioniert und was nicht. Er hat Spielwitz, ist kreativ, versucht seine Mitspieler einzusetzen und hinterließ den Eindruck, dass er noch ein ganz wichtiger Spieler für Schalke 04 werden kann – wenn Magath ihn weiterhin frei agieren lässt.

Ein weiterer Lichtblick war Christoph Metzelder. Dies war sein mit Abstand bestes Spiel für Schalke 04. Er bewies Übersicht, lies es nicht auf Laufduelle ankommen und verhielt sich in Zweikämpfen geschickt. Deutlich unglücklicher agierte Benni Höwedes. Als rechter Innenverteidiger hatte er viel zu oft damit zu tun, den schwachen Christoph Moritz, und später den nicht minder schwachen Hans Sarpei zu unterstützen. Das gelang nicht immer. Höwedes ist nun derjenige, dem die Bälle verspringen, der unglücklich zum Gegner abfälscht, der gerade das Pech an den Schuhen kleben hat.

Lukas Schmitz gab den bislang besten Schalker Linksverteidiger der Saison. Jones und Rakitic sind auf den Außenpositionen des Mittelfelds noch zu statisch. Raúl ließ sich häufig ins Mittelfeld zurückfallen um an Bälle zu kommen, um Jurado zu unterstützen. Nur Huntelaar wartete vorne.
Schalke war insgesamt zu passiv. Gerade in der zweiten Hälfte überlies man Freiburg zu viel vom Mittelfeld. Am Ende war es die Einzelleistung Joel Matips, die das Spiel entschied. Matip machte ein gutes Spiel, fühlte sich offensichtlich in der Rolle vor der Abwehr viel wohler als auf einer Position in der Abwehrkette, wo er in den letzten Spielen eingesetzt wurde. Als ich kaum noch daran glaubte bewies der 19-jährige „Kameruner Löwe“ seinen Willen, marschierte los, lies sich von mehrere Freiburger nicht aufhalten und brachte den Ball vors Tor. Eben dorthin wo er hin muss, damit Klaas-Jan Huntelaar seinen Job machen kann. Was dieser zweifelsohne gut kann.

Huntelaar einzusetzen klappt noch zu selten. Noch. Wenn Schalke im Verbund aufrückte, wenn es im Mittelfeld überzahl schaffen konnte, gab es Szenen, die Mut machten. Eine führte zum ersten Tor durch Rakitic. Man konnte sehen, wie es mal laufen soll, mit einem kreativen Jurado, einem spielfreudigen Raúl und einem vollstreckendem Huntelaar. Die Abwehrreihe bleibt wackelig, insbesondere rechts. Hier gilt es auf Uchida, später auf Hoogland zu hoffen.

Keine Frage, dieses Spiel hätte auch von Freiburg gewonnen werden können. Aber hey, Schalke gewann. Für meinen Verein das erste Erfolgserlebnis in dieser Saison. Möge übermorgen gegen Gladbach das zweite folgen.

Abhaken!

Gestern habe ich hier thematisiert, dass Felix Magath in einem Interview den misslungenen Misimovic-Transfer beklagte und damit gleichzeitig José Manuel Jurado offiziell zur B-Lösung degradierte. Wieso ist das eigentlich schlimm, wieso „macht man das nicht“? In Zeiten dieser sportlichen Krise sind wir alle schnell dabei, verschiedene Transfers und Verpflichtungen zu kritisieren, ich auch. Wenn nun Magath klar ausspricht, was ich denke, wieso ist mir das trotzdem unangenehm?

Weil es nichts bringt, Dinge zu beklagen die sich nicht mehr ändern lassen. Weil ich von dem Verantwortlichen erwarte, dass er das weiß. Weil ich erwarte, dass Entscheidungen gelebt oder neu gefällt werden, nicht aber, dass an ihnen herumgemäkelt wird.

Mir ist klar geworden, dass ich selbst noch zuviel „rückwärts denke“. Dass Rafinha ein toller Rechtsverteidiger war muss mir heute egal sein. Darüber nachzudenken bringt mich nicht weiter, macht mich nur unzufrieden. Nach wie vor mache ich mir Sorgen um die finanzielle Situation des FC Schalke 04. Aber wie viel Millionen Ablöse nun gerade Jurado oder Huntelaar gekostet haben hat keinen Einfluss auf die Geschehnisse auf dem Platz. Davon sollte ich meine Sichtweise nicht trüben lassen, würde ich wohl auch nicht tun, stünde Schalke nun mit 12 Punkten in der Tabelle.

Schalke hat nun eben diese Spieler. Einen Plestan, einen Escudero, einen Uchida. Bislang habe ich so wenig von ihnen gesehen, dass ich noch nicht einzuschätzen vermag, ob sie für Schalke wertvoll werden können oder nicht. Das zu lernen oder sich zu fragen, ob Papadopoulos vielleicht gut zu Höwedes passt, wer wohl den Job des Rechtsverteidigers am besten erledigen kann, ist aktuell. Sich über Fehler zu ärgern, Wechsel oder Systeme zu kritisieren, über Niederlagen zu schimpfen, ist legitim. Über Bordon und Rafinha nachzudenken ist verschenkte Energie und macht – je nach aktuellen Ergebnissen – nur schlechte Laune.

Deshalb lasse ich das ab jetzt.

Bis zur Winterpause werde ich mich hier und auch überall sonst nicht mehr über die Kosten für einzelne Spieler, über fehlende Ex-Schalker oder über den Sinn einzelner Transfers auslassen. Dann mag es Zeit für ein Fazit sein, dann mögen Vergleiche sinnvoll sein, jetzt nicht. Ich will mich nicht mehr selbst ärgern, mich nicht mehr runterziehen lassen. Ich beobachte gespannt, was jetzt passiert. Mit denen die da sind. Schalke hat einen guten Trainer der weiß, wie man eine Mannschaft zusammenstellt. Ich freue mich auf jedes Spiel, auch wenn die letzten keinen Spaß bereitet haben.

Ich hake ab und rufe dazu auf, es mir nachzutun.

Magath erklärt den Fall Jurado

RJonathan fragt sich

Ich frage mich auch, wieso Jurado eigentlich “noch nicht so weit” ist. Er hat seine Chance ja noch gar nicht bekommen.

Rainer Edelmann ist sprachlos

Jurado? Ohne Worte.

BlauWeissNord blickt auch nicht durch

Jurado nicht zu bringen ist mir völlig schleierhaft. Teile eure Kritik da vollkommen. Genau die Schnittstelle Mittelfeld – Sturm ist bei uns doch unbesetzt und das Problem!

David04 hofft noch

Ich hoffe einfach nur, dass FM bald dem Jurado die Chance gibt – auch über mehr als nur 1, 2 Spiele – dieses schlimme Loch zwischen Mittelfeld und Angriff zu stopfen.

Ben fordert

Auf die Zehn muss einfach Jurado.

Mettskillz fragt

Wenn Jurado nicht spielt, weil die Position des Spielmachers so entscheidend ist und er erst besser integriert werden muss: Wieso spielt dann Deac aber Jurado bekommt keine Chance?

Rheinlandschalker stellt fest

Jurado hat vor 3 Wochen in der spanischen Liga bei Athletico Madrid in der Startelf gestanden und wurde zum besten Spieler gewählt….und Magath will uns erklären, der sei nicht fit?! Und wenn der Einbau eines Regisseurs noch so schwer sein mag – schlechter kann unser Aufbauspiel ohnehin kaum werden.

almighTi schreit es raus

WANN KOMMT JURADO???

matz kann noch mehr Fragezeichen

Jurado: ???????? verstehe ich nicht

Markus bemerkt

Die Marktwerte unserer Spieler sinken ebenfalls drastisch. Warum sitzt ein 13 Mio. Mann wie Jurado auf der Bank statt zu spielen? Magath sagt, wir müssen jetzt kämpfen, nicht spielen. Vor dem Beginn der Saison hieß es, wir müssen mehr spielen statt kämpfen.

Auch malte ist enttäuscht

Grundsätzlich hätte ich allerdings auch erwartet, dass Jurado am ehesten eine Verstärkung wird, da er der einzige Stammspieler der Last-Minute-Transfers war.

Und ich selbst schrieb

Da hat Schalke ein Loch hinter den Spitzen und hat dafür einen 13-Million-Mann eingekauft, der nun nicht zum Einsatz kommt. Als sei die Defensive besser, wenn vorne nichts funktioniert.

Aber Felix Magath erklärte es uns schon letzte Woche. Er hält Jurado für zu jung, für zu arm an Erfahrung. Magath zeigte sich enttäuscht, nur die B-Lösung für die offensive Mittelfeldposition bekommen zu haben. Vielleicht auch nur die C-, D- oder E-Lösung, man weiß es nicht. Jedenfalls sagte Magath …

Es ist doch ein offenes Geheimnis, dass ich die Position lieber mit Misimovic besetzt hätte, weil er ein Spielmacher ist, mit dem ich deutscher Meister geworden bin und der die Bundesliga kennt. Der wäre sofort eine Bereicherung gewesen. Eine Alternative wie der erst 24-jährige Jurado hat nicht die Erfahrung. Er war nicht der uneingeschränkte Spielmacher in Madrid. Er ist ein talentierter Spieler, der noch Zeit benötigt.

Wir können also davon ausgehen, dass die kolportierte Ablösesumme für den Spanier eine Zeitungsente war. 13 Millionen für ein Talent, für einen der die Mannschaft nicht sofort weiterbringen kann:
Magath hätte ja bekloppt sein müssen.



Das Magath-Interview mit diesem Zitat hatte ich selbst verpasst, wurde mir von Kiki, User bei worum.org vergegenwärtigt.



Einwechselspieler-Raten

Magath mag nicht mehr, er unterläuft unser Spielchen. Zu Zeiten Fred Ruttens oder Mikro Slomkas, mit ihren immer gleichen Aufstellungen und den Standardwechseln nach 60 Minuten, hätte es Einwechselspieler-Raten garnicht geben können. Dieses Spiel lebt von der Kreativität Magaths und von dessen Entscheidungsfreudigkeit. Zweites ist weg.

Magath sitzt auf seiner Bank und lässt Schlechtleistungen reaktionslos geschehen. Zur Halbzeit brachte er Edu für Ciprian Deac. Das wars. Kein Aufbäumen, keine Veränderungen, kein Anfeuern und kein Zusammenscheißen. Nur noch die Funktion eines Wechselautomaten nach dem Platzverweis für Plestan.

So hatten sich das papajoe, Norman, Sebastian, icarium und RJonathan sicher nicht gedacht, als Sie Edu und Matip nannten. Bei nur zwei Wechseln wird der Titel „Magath-Into-The-Brain-Kucker“ nicht vergeben. Aber so will aktuell wohl eh niemand genannt werden. Man käme ich Erklärungsnot.

Die komplette Ergebnisliste zur ESR-Runde 4/48 gibt es hier.

Aber in Krisen schlägt die Stunde der interdisziplinären Forschung. Einer Theorie zu Folge wird Schalke 04 den 0-Punkte-Fluch erst besiegen, wenn der Autor dieses Blogs beim Einwechselspieler-Raten den ersten Treffer landet. Die genauen Zusammenhänge und das Problem der rückwärtsgewandten Zeitabfolge können Fans von Fantasy-Literatur sicherlich erklären. Ich spiele also offensiv und eröffne gleich Runde 5, schließlich erleben wir bereits morgen Abend Schalkes (fünften) Saisonneustart.

Jendrisek
Kluge
Moritz



Was ist Einwechelspieler-Raten?
Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.