Die karierte Situation auf Schalke

Es geht nicht um Angelos Charisteas oder Ali Karimi. Eigentlich geht es nicht mal um den schlechten Fußball, den Schalke in dieser Saison zeigt. Die unbefriedigende sportliche Entwicklung bietet nur die Möglichkeit, einen deshalb öffentlich nicht mehr so gut dastehenden Felix Magath besser angehen zu können. Was gerade auf Schalke passiert ist ein Kampf um die Vereinskultur: Um den Umgang mit- und die Kommunikation untereinander, um die Ausrichtung des Clubs, das Festlegen von Zielen. Sich dazu eine abschließende Meinung zu bilden ist schwierig, weil kaum einzuschätzen ist, ob sich Schalke 04 eine Kurskorrektur leisten kann.

Stünde Schalke auf Platz 4 hätte die Verpflichtungen Ali Karimis sicher andere Reaktionen ausgelöst. Ablösefrei, nur für 17 Spiele, ein Spleen des Trainers. Ende letzter Saison wurde ob des sportlichen Erfolgs gejubelt, trotz der zwischenzeitlichen Verpflichtung des 34-jährigen Mineiros, trotz Besart Ibraimi oder Lubos Hanzel. Im Jubel über das Sportliche ging der Unmut über die immer schlechter werdende Vereinskultur unter. Unmut, den es auch damals schon gab. Die „Kleine Gruppe“ erwuchs nicht aus dem Nichts.

Man hört, dass sich Angestellte des Vereins über das Arbeitsklima beklagen. Vor zwei 2 Jahren war zu lesen, dass die Angestellten des VfL Wolfsburg aus ebensolchen Gründen froh über Magaths Wechsel gewesen seien. Es entsteht der Eindruck, als funktionierten die von Magath mitgebrachten oder neu engagierten Mitarbeiter als Firma in einer Firma. Die zeitliche Befristung erklärt den Mangel an Interesse zur Integration.
Ob dem tatsächlich so ist kann ich nicht sagen. Das Auftreten von Horst Heldt und Peter Peters, der Positionen nach wichtige Funktionäre, passt jedenfalls in dieses Bild. Beide äußern sich kaum noch zu den Geschehnissen auf Schalke, sind nahezu komplett untergetaucht. Fast könnte man meinen sie stünden bereits auf Abruf, für die Nach-Magath-Zeit bereit.

Die offenen Briefe des Supporters Club und des Schalker Fan-Club Verbands schlagen hohe Wellen. Die darin enthaltene, aufs Sportliche bezogene Kritik teile ich nicht. Im Gegenteil, ich finde sie falsch. Magath wurde geholt um innerhalb von 4 Jahren Meister zu werden. Wenn das das Ziel sein soll sollte er seine Mannschaft zusammenstellen dürfen wie er will.

Sehr richtig finde ich allerdings, den Aufsichtsrat in die Pflicht zu nehmen. Es muss sicher gestellt sein, dass Magath im gegebenen Rahmen handelt. Sehr richtig finde ich auch, auf den Umgang mit den Fans hinzuweisen. Das Verhältnis des Vereins zu seinen Fans wird stetig schlechter. Sollte der Verein nicht tatsächlich für seine mehr als 90.000 Mitglieder da sein statt nur die Beitragszahler zu zählen? Und wenn der Verein als solches das Wichtigste ist, wäre die finanzielle Konsolidierung nicht ein höheres Ziel als die Erfüllung eines Traums? Wäre es nicht angebracht Leute am Ruder zu haben die den FC Schalke 04 als Aufgabe und nicht als Projekt verstehen? Geht es nicht darum, ein Konzept zu entwickeln, nach dem dieser Verein als Ganzes funktioniert, finanziell wieder in die Spur finden kann und seinen Fans und Mitgliedern größtmögliche Identifikation – am Ende gar Spaß bieten kann?

Wenn man diese Fragen mit Ja beantworten will bleibt dennoch die Frage nach dem Wie. Wie viel Geld muss verdient werden um die laufenden Kredite zu tilgen? Kann sich Schalke 04 eine Zeit des Wiederfindens im Mittelfeld der Liga, mit den einhergehenden, geringeren Einnahmen, finanziell überhaupt erlauben? Und wer sollte das alles leisten können was man so gerne bejahen würde, wo doch ein Peter Peters und der größte Teil des Aufsichtsrats seit Jahren das Sagen hatten und den Verein in die äußerst schlechte Situation des Sommers 2009 geführt haben?

Man kann sich Dinge wünschen und im Konjunktiv formulieren, was das Beste für Schalke wäre. Es gibt aber zu viele offene Fragen als dass ich tatsächlich beurteilen könnte, was jetzt das Beste für Schalke 04 ist. Die Situation in Schwarz Weiß zu malen funktioniert nicht. Schalkes Situation erscheint kariert, mit vielen Grautönen.



Foto: Daniel Thoma



10 Kommentare zu “Die karierte Situation auf Schalke”

  1. Markus sagt:

    Der Aufsichtsrat… Ist der nicht nur ein Kontrollgremium, welches den Vorstand bei Bedarf in die Schranken verweist? Wenn er das auf Schalke wenigstens mal tun würde…

    Aber wer ist der Vorstand? Magath gehört dazu, klar. Heldt auch, aber mit welcher Aufgabe? Ich habe schon mehrfach gesagt, dass Heldt nur geholt wurde, um in den Halbzeitpausen seine Nase in die Fernsehkameras zu halten.

    Peters? Ist der noch da? Hab ich ja schon lange nix mehr von gehört… War der nicht mal der Herrscher über die Schatulle mit dem Geld?

    Organisatorisch läuft da so einiges falsch, möchte ich als Außenstehender behaupten. Aber mittlerweile bin ich so weit, dass ich nen Mitgliedsantrag ausgefüllt und abgeschickt habe, um auf der Mitgliederversammlung wenigstens das Gefühl zu haben, dass ich die Richtung mitbestimmen kann…

  2. Detlef (Dr_D) sagt:

    Magaths Afgabe ist fast die Quadratur des kreises. Er soll eine gute Mannschaft aufbauen, das mit möglichst wenig Geld. Nur durch Erfolg kommt mehr Geld, was in Spieler investiert werden muss.
    Ergo, bleibt der Erfolg aus, gibt es weniger Geld für Spieler.

    Wie Magath arbeitet sollte zumindest für die handelnden Personen auf Schalke nicht neu sein. Für die Fans schon. Da gilt es, wie es so schön heißt Vertrauen aufzubauen und die Fans mitzunehmen. Das aber wird allein schon durch Magaths eher schwer werden.

    Aber, wenn sich alle etwas bewegen könnte es etwas einfacher werden. Und wenn am Ende was zählbares rausspringt, das gerede von Meisterschaft in 4 Jahren würde ich nicht so ernst nehmen, dann haben alle gewonnen. Und wir Schalker hätten dann den Felix auch ein wenig lieb.

  3. nedfuller sagt:

    In Wolfsburg konnte Magath sein Ding durchziehen, weil es eben nicht 90.000 Mitglieder gibt.

    Damit muß man erstmal zurecht kommen, frag mal unseren Bernd Hoffmann. Immer wieder wird ihm klar gemacht, daß der Verein ein Verein ist und keine GmbH oder ähnliches.

    Offen bleibt was nach einer Meisterschaft passiert.
    Es ist gut und schön Meister zu werden, also sagt man sich, ich kenne das Gefühl nicht. So wie es bei Wolfsburg aussieht, hat Magath dort aber nichts nachhaltiges geschaffen. Jugendarbeit? Veh konnte nur 23 Spieler für die CL melden, weil er keine 4 sogenannte Homegrown player im Verein hatte.
    Wie geht es dann weiter?

  4. Marco sagt:

    Schalke04 ist längst keine Aufgabe mehr sondern ein riesiges Projekt mit dem Ziel des sportlichen/wirtschaftlichen Erfolg. Magath wird das mit den Fans schon regeln, dazu gehören aber beide Seiten! Vielleicht war bis dato auch einfach noch nicht die Zeit um ein Projekt zu starten. Ich wuesste gerne wie die Pro/Kontra Quote bei den erwähnten 90000 Fans ausschaut.

  5. Andreas sagt:

    Ich glaube, dass beide Seiten aufeinander zugehen müssen. Magath begibt sich in seiner ironischen Art oft nicht auf Augenhöhe vieler Fans, die diese Doppelbödigkeit im Zweifel erst gar nicht begreifen. Andersrum schreien diverse Bumsköppe sofort Zeter und Mordio, wenn wir nicht jedes Spiel mindestens 5:0 gewinnen. Mir fehlt in der ganzen Debatte die Verhältnismäßigkeit, die Du ja im Grunde auch bemängelst, Torsten. Zumindest möchte ich das herauslesen. :o)

  6. Don Altobello sagt:

    Dass nicht jeder, der irgendeine Funktion auf Schalke inne hat, sich zu allem Möglichen äußert, empfinde ich nicht als nachteilig. Das ging mir früher immer furchtbar auf die Nerven, vor allem ein Herr Schnusenberg hat sich immer profilierungssüchtigerweise dabei hervorgetan. Auch das Thema Identifikation mit dem Verein sehe ich etwas anders. Es gibt im Kader genug Spieler, die der eigenen Jugend entstammen und auf dem Platz gibt es schon länger keine große Rotation mehr. Ich kann die Transferpolitik allerdings schon seit letztem Sommer überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Das Fehlen eines durchdachten Konzeptes zeigt sich meines Erachtens mehr als deutlich, auch wenn die eine oder andere Personalie durchaus sinnvoll erscheinen mag. Auch diverse Aufstellungen und die Vorteile des Spielsystem Magaths halte ich oft nicht für einleuchtend. Darüber lese ich aber kaum etwas in der Presse.

  7. BlauWeissNord sagt:

    Also erstmal große Freude über das „Comeback des Jahres“ ;) Danke dafür!!

    Die Situationsanalyse ist, wie gewohnt, schön sachlich und unaufgeregt. Ich möchte mich vor allem den konzilianten Tönen des Beitrags anschliessen, denn ein Trainer/Manager/Vorstandswechsel ist das letzte was wir jetzt brauchen. Ich fand Magaths Verteidigungsrede bei So4 TV eigentlich recht eindrucksvoll. Er hat Fehler eingeräumt, bei Gott wir müssen dem Mann solche auch zugestehen, hat aber auch gesagt, dass wir bekommen haben, was unser Aufsichsrat haben wollte, nämlich eine Monokratie! Identifikationsprobleme durch die ganzen Wechsel sind in unserer Fussballsöldnerwelt jetzt leider ein wenig zu unkaschiert deutlich geworden, jedoch kein spezifisches Magathproblem.

    Erstmal abwarten, in der CL und im Pokal liefs bisher überragend (von den Ergebnissen her mehr in der CL)! Holen wir z.B. den DFB Pokal (gar nich sooooo unwahrscheinlich bei den schwachen Bayern zu Zeit)und kommen dadurch in die EL, wird wieder spätestens alles im Jubel vergessen sein.

    Am Ende heissts in der Verlängerung im DFB Pokalhalbfinale: Freistoss Karimi auf Charisteas 1-0 Sieg in der 119 Min!

  8. Thomas sagt:

    Gefaellt mir, dass hier regelmaessig gepostet wird.

  9. Carlito sagt:

    Ich denke wir haben leider/Gott sei Dank alle nicht genug „Insiderwissen“, um die Lage korrekt einschätzen zu können und zu sagen „was das beste“ für den Verein ist. Hier ist meiner Meinung nach auch immer zu viel gefährliches Halbwissen und geistiges Brandstiftertum dabei…

    Die Kommunikation hat gelitten, FM scheint das zwischenzeitlich auch registriert zu haben und ändern zu wollen.

    Aber eine Umstrukturierung in einem Unternehmen, und das ist der FC Schalke 04 ja nun mal auch, ist in aller Regel immer mit Unannehmlichkeiten für in der Regel alle Beteiligten verbunden. Warum sollte dies auf Schalke anders sein?

    Schön ist anders, aber wie sagt schon Frank Goosens Großvater: Woanders is auch scheisse! ;-)

  10. Carlito sagt:

    P.S.: Und ich vertraue FM weiterhin und bin der Meinung, dass er derzeit auch häufig unfair angegangen wird, was sich vermutlich die meisten, wenn nicht alle, nur trauen, weil es mal gerade (in der BuLi) nicht so optimal läuft…

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