12 Ecken, ein Tor, keine Chance für Cissé

Würde in der Bundesliga die alte Hinterhoffußballregel „3 Ecken, ein Elfer“ gelten, Schalke hätte dieses Heimspiel gegen den SC Freiburg 5:0 gewonnen. So musste man fast eine ganze Halbzeit auf den Abpfiff warten, weil der zweite Treffer nicht gelang. Schalke gewann nur 1:0, aber trotzdem verdient.

Freiburg bot in der ersten Halbzeit eine hervorragende Defensivleistung. Sobald ein Blauer in Freiburgs Hälfte den Ball annahm, klebte der erste Freiburger schon an ihm und der zweite eilte zu Hilfe. Da braucht es schnelle und sichere Kurzpässe, um sich Raum zu erarbeiten. Schalke tut sich damit schwer, weil oft die Präzision fehlt und weil häufig die Wege zwischen den agierenden Spielern zu lang sind. Auch in diesem Spiel.

Auf der anderen Seite agierte auch Schalke defensive stark. Freiburg ist gut darin Cissé in Position zu bringen, 15 Tore in 20 Einsätzen sind der Beweis. Samstag überwand Freiburg einige Male Schalkes vorletzte Abwehrreihe mit gezielten Steilpässen auf eben diesen Papis Demba Cissé, Szenen, in denen es für Blau-Weiße Fans einen kräftigen Adrenalinschub gab. Den letzten Zweikampf gewann dann aber doch Schalke, meistens durch Benni Höwedes. Manuel Neuer bekam in diesem Spiel bemerkenswert wenig zu tun.

Entsprechend wenige Torraumszenen gab es in der ersten Hälfte. Kurz nach der Pause dann das Tor: Jurado gewinnt den Ball an der linken Seitenauslinie. Pass auf Raúl, Annahme, Drehung, Pass auf Farfan, Annahme, kurzer Sprint, Schuss, Tor. Diese Szene, in der in 3 Sekunden 50 Meter überbrückt wurden, kann als Beispiel gelten, wie man eine eng stehende Verteidigung aushebelt. Sie erinnert aber auch daran, dass es eben die Kombination aus den drei bestens Technikern im Schalker Trikot braucht, um Tempo und Präzision zusammenzubringen.

Ab diesem Tor wurde es für Schalke deutlich einfacher. Freiburg wollte offensiver werden und öffnete das eigene Stellungsspiel. Die Pässe blieben aber reihenweise im Schalker Mittelfeld hängen und den Freiburgern fehlte immer öfter die Kraft, sich rechtzeitig wieder zurückzuziehen. Schalke hatte mehr Platz, mehr Zeit und den Willen, das zweite Tor zu machen. Chancen gab es genug. In einigen Szenen war es auch Pech, dass es nicht gelang.

Peer Kluge war der Dreh- und Angelpunkt im Schalker Spiel. Jurado, diesmal auffällig lauffreudig, war in früheren Spielen zumeist hin und hergerissen zwischen 10er-Positon und Seitenlinie. Gegen Freiburg blieb er viel öfter auf der Außenbahn, während Kluge aus der defensiven in eine offensive Mittelfeldpositon nachrückte. In diesem Fall übernahm „Kofi“ Annan die defensive Absicherung alleine, was er gut erledigte. Überhaupt machte Annan in diesem ersten Heimspiel einen guten Eindruck. Einen aufregenden Fehlpass leistete er sich, als er in der Vorwärtsbewegung den Ball sehr lässig zum falschen Mann schob, was zum Glück von der Innenverteidigung ausgebügelt werden konnte.
Annan und der „offensive Kluge“ machten das Spiel interessant. Mario Gavranovic ist auf dem besten Weg, mit viel Einsatz und Talent Klaas Jan Huntelaar den Stammplatz neben Raúl streitig zu machen. Aktuell schützt Huntelaar nur der Name und das Wissen um Geleistetes vor der Bank.

Schalke war über 90 Minuten engagiert und nie mit der 1:0 Führung zufrieden. Wieso aus 12 Ecken kaum eine gefährliche Situation entsteht, bleibt weiter eine ärgerliche Frage. Ansonsten ist Bewegung auf Schalke. Das macht Mut.



11 Kommentare zu “12 Ecken, ein Tor, keine Chance für Cissé”

  1. ESR: Mit Matip wurde nicht gerechnet | Königsblog sagt:

    […] eigentliche Text zum Spiel gegen den SC Freiburg gibt es hier: 12 Ecken, ein Tor, keine Chance für Cissé | Trackback-URL | Schlagwörter: […]

  2. nontec sagt:

    Das du bei 4 möglichen Elfmetern auch von 4 Toren ausgehst halte ich für gewagt ;-)

  3. Tweets that mention 12 Ecken, ein Tor, keine Chance für Cissé | Königsblog -- Topsy.com sagt:

    […] This post was mentioned on Twitter by Fussball-Nachrichten, Torsten Wieland. Torsten Wieland said: Königsblog-Beitrag zum Spiel gegen den SC Freiburg: 12 Ecken, ein Tor, keine Chance für Cissé · http://is.gd/oiaauW #S04 […]

  4. janw sagt:

    Endlich wieder ein Spielbereicht von Dir! Klasse!

    Aber darf ich mal die blöde Frage stellen, was jetzt schon wieder mit Christian Pander los ist? Denn in meinen Augen ist nur Pander die Anwort auf Deine Frage nach den 12 Ecken.

  5. s_we sagt:

    Na ja, neben Pander sind ja auch noch Bordon, Westermann & Kuranyi für Gefahr bei Ecken zuständig gewesen.

  6. janw sagt:

    Naja, aber Pander ist halt noch da…
    Aber ich seh gerade, dass ich meine Frage selber beantworten kann: Pander hat eine „Zehenentzündung“. Naja, weiß man, wann er wieder einsatzfähig ist?

    Der Junge ist echt ein Montags-Modell…

  7. Schimanski sagt:

    Vielleicht hat Rakitic seine Schuhe dagelassen?

    Ernsthaft, eine solide Leistung, die man auch mit einem höheren Ergebnis hätte abschließen können. Die Mannschaft wollte, aber irgendwie hat es nicht sollen sein.

    Das drumherum, das erlebte sowohl von skandy und mir, macht mir da eher Sorgen:

    http://www.web04.de/2011/02/13/peinlich/

  8. nontec sagt:

    Das mit den Standards hatte ich in meinem Blog auch schon mal ganz kurz angerissen:
    http://goo.gl/sgauJ

  9. Walk around Mestalla | Königsblog sagt:

    […] ist nicht zu erwarten. Bleiben Kluge und Matip für diese Positionen, oder ein Experiment. Den offensiven Peer Kluge aus dem Spiel gegen Freiburg werden wir heute also voraussichtlich nicht zu sehen […]

  10. Carlito sagt:

    Also die Ecken an sich fand ich gar nicht so schlecht getreten. Vermutlich müssen sich die Jungs im Zentrum erst mal daran gewöhnen, dass die Ecken jetzt plötzlich bis zum Elfer kommen, wo der Ivan nicht mehr da ist… ;-)

  11. Zu simpel: „Die zweitbeste Abwehr der Liga“ | Königsblog sagt:

    […] zwei echte 6er vor der Abwehr, und dass sich einer davon ins Offensivspiel einschaltet hat nur gegen Freiburg bemerkenswert gut funktioniert (Kluge). Schalkes Defensivverbund aus 4er-Kette und 6er rückt […]

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